Klage wegen EM und Reha

von
FrauHasenberg

Hallo,
ich bin 57 Jahre und habe im Mai 2017 einen Antrag auf Erwerbsminderung gestellt. Dem voran ging eine Herz-OP in 2012, darauf folgend kamen einige "neue" Krankheiten hinzu, die inzwischen von Fachärzten als chronisch befunden sind. Ich hatte 2012 eine Reha direkt nach der HerzOP - die mir auch sehr gut tat. Dem folgten dann weitere zusätzliche Krankheiten, Zusammenbruch auf Arbeit - so dass ich 2014 eine weitere - 6-wöchige - psychosomatische Reha hatte. Dort wurde ich entlassen mit dem Vorschlag, beruflich rehabilitiert zu werden sowie einigen "Vorgaben" an den Arbeitgeber. Die dieser aber nicht erfüllen konnte.

Gefolgt von amtsärztlichen Gutachten, bei dem mir nahe gelegt wurde, den Job zu kündigen. Krankengeldbezug & inzwischen "ausgesteuert".
Es folgte dann auf meinen Antrag eine LTA durch den RV-Träger. Ich habe damals einen Job im kaufmännischen Bereich gefunden (2016) - bin selbst Kauffrau (EDV). Dann - 6 Monate später - Kündigung seitens des Arbeitgebers, weil ich mit dem Stress nicht klar gekommen bin (2x die Woche 9h Arbeitszeit und Kundenaquise), ich war seelisch überhaupt nicht belastbar - was eigentlich gar nicht ging. In der Kündigung steht "aus gesundheitlichen Gründen". Ich habe dem nicht Stand halten können.

Dann habe ich wieder einen Antrag auf LTA gestellt, der wurde bewilligt, und ich war zur Arbeitserprobung/Berufsfindung. Das habe ich 4 Wochen (von 6) machen können und es wurde fest gestellt, dass ich nicht mal mehr im kaufmännischen Bereich der EDV o.ä. geeignet bin. Diese Maßnahme musste ich auf Grund psychischer Einschränkungen abbrechen. Mir wurde bei der LTA gesagt, ich solle mir eine Auszeit nehmen. Deshalb habe ich
EM Rente beantragt im April 2017. Die wurde abgelehnt und liegt inzwischen beim Sozialgericht. Ich habe einen Anwalt mit der Durchführung beauftragt, da ich inzwischen solche Dinge psychisch nicht mehr auf die Reihe bekomme (ich bin nur noch am Heulen und depressiv, PTBS und Anpassungsstörung).
Dieser Anwalt ließ mich jetzt auch wissen, dass ich dieses Jahr mit nichts mehr rechnen brauch und nächstes Jahr auch nicht.

Die momentane Situation setzt mich enorm unter Druck. Ich habe auf Grund meiner gesundheitlichen Einschränkungen damals meine Wohnung aufgegeben, da ich viele Ängste habe, dies nicht bewältigen zu können. Ich habe ein Zimmer bei meinen Kindern.

Es geht hinten und vorne nicht weiter. Ich habe enorme Angst vor der Zukunft, lebe derzeit von 400 Euro vom Jobcenter.... Und für mich ist eigentlich an dieser Stelle das "Leben zu Ende".
Ich war im Juli/August in einer Tagesklinik, aus der ich auch als *krank* entlassen wurde. Bin dann aber wieder im Bezug übers Jobcenter, da ich ja keine Ansprüche aus der Krankenversicherung mehr habe.

Welche Möglichkeiten habe ich noch? Nochmal eine Reha zur Feststellung der Arbeitsfähigkeit? Und wenn ja - muss ich dann die Klage zurück nehmen? Die Arbeitserprobung nochmal machen?
Bei der Klage wurde Akteneinsicht angefordert und festgestellt, dass lediglich mein Hausarztbefund zur Begutachtung heran gezogen wurde. Ich bin bei vielen Fachärzten regelmäßig in Behandlung (Kardiologe, Augenarzt, Psychologe, Diabetologe, Nephrologe)

Über Tips bin ich sehr dankbar.
Lieben Gruß

von
Fastrentner

Um es kurz zu machen. Wenn Sie sich im Klageverfahren befinden, haben Sie alle Möglichkeiten ausgereizt.
Bei einem Antrag auf Erwerbsminderungsrente wird auch die Möglichkeit einer LTA geprüft. Scheint aber nach Ihrer Beschreibung eher unwahrscheinlich, dass Ihnen diese erneut gewährt wird.
Auch wenn es für Sie unbefriedigend ist, Sie werden wohl die gerichtliche Entscheidung abwarten müssen.

von
???

Natürlich können sie auch während eines Klageverfahrens eine Reha beantragen. Da Sie ja nach Meinung der DRV nicht erwerbsgemindert sind, ist eine Bewilligung nicht unwahrscheinlich. Ob Sie eine Reha benötigen, sollten Sie allerdings erst mit Ihren Ärzten besprechen.

Auch das LTA-Verfahren kann natürlich neben der Klage weitergeführt werden. Da aber die letzten Versuche gescheitert sind, würde ich erst mal mit der medizinischen Seite anfangen. LTA-Maßnahmen machen nur Sinn, wenn Sie gesundheitlich einigermaßen stabil sind.

Ob das alles Sie im Bereich Rente weiterbringt, lässt sich nicht sagen. Wenn Ihr Anwalt heute schon weiß, dass das Gericht auch 2019 keine Entscheidung treffen wird, scheint es ja dort einen ziemlichen Verfahrensstau zu geben. Nur wenn der Gutachter der DRV z.B. auf Grund eines Ihrer Anträge feststellen würde, dass Sie erwerbsgemindert sind, könnten Sie mit einem Vergleichsangebot rechnen. Ändert sich an der bisherigen Einschätzung nichts, werden Sie wohl das Klageverfahren abwarten müssen.

Experten-Antwort

Hallo FrauHasenberg,
die anderen User haben Ihnen ja schon richtige Hinweise gegeben. Ein Reha-Antrag während des Klageverfahrens ist nicht ausgeschlossen, wobei vermutlich zunächst die gesundheitliche Besserung im Vordergrund stehen sollte (also medizinische Reha), statt eine erneute LTA zu versuchen. Auch für eine medizinische Reha müsste jedoch Reha-Fähigkeit gegeben sein und ob die nach Ihren Schilderungen gegeben ist, oder nicht zunächst eine weitere Akutbehandlung erforderlich, kann ich hier im Forum und als medizinischer Laie nicht einschätzen. Sie sollten dazu das Gespräch mit Ihren Ärzten suchen.
Ansonsten können Sie nun nur den Ausgang des Gerichtsverfahrens abwarten. Ich gehe davon aus, dass Ihr Rechtsanwalt dem Gericht alle bisher nicht berücksichtigten Ärzte/Fachgebiete benannt hat und ggf. vorhandene ärztliche Unterlagen mit der Klage eingereicht wurden.

von
HerrRosenberg

Zitiert von: FrauHasenberg
Hallo,
ich bin 57 Jahre und habe im Mai 2017 einen Antrag auf Erwerbsminderung gestellt. Dem voran ging eine Herz-OP in 2012, darauf folgend kamen einige "neue" Krankheiten hinzu, die inzwischen von Fachärzten als chronisch befunden sind. Ich hatte 2012 eine Reha direkt nach der HerzOP - die mir auch sehr gut tat. Dem folgten dann weitere zusätzliche Krankheiten, Zusammenbruch auf Arbeit - so dass ich 2014 eine weitere - 6-wöchige - psychosomatische Reha hatte. Dort wurde ich entlassen mit dem Vorschlag, beruflich rehabilitiert zu werden sowie einigen "Vorgaben" an den Arbeitgeber. Die dieser aber nicht erfüllen konnte.

Gefolgt von amtsärztlichen Gutachten, bei dem mir nahe gelegt wurde, den Job zu kündigen. Krankengeldbezug & inzwischen "ausgesteuert".
Es folgte dann auf meinen Antrag eine LTA durch den RV-Träger. Ich habe damals einen Job im kaufmännischen Bereich gefunden (2016) - bin selbst Kauffrau (EDV). Dann - 6 Monate später - Kündigung seitens des Arbeitgebers, weil ich mit dem Stress nicht klar gekommen bin (2x die Woche 9h Arbeitszeit und Kundenaquise), ich war seelisch überhaupt nicht belastbar - was eigentlich gar nicht ging. In der Kündigung steht "aus gesundheitlichen Gründen". Ich habe dem nicht Stand halten können.

Dann habe ich wieder einen Antrag auf LTA gestellt, der wurde bewilligt, und ich war zur Arbeitserprobung/Berufsfindung. Das habe ich 4 Wochen (von 6) machen können und es wurde fest gestellt, dass ich nicht mal mehr im kaufmännischen Bereich der EDV o.ä. geeignet bin. Diese Maßnahme musste ich auf Grund psychischer Einschränkungen abbrechen. Mir wurde bei der LTA gesagt, ich solle mir eine Auszeit nehmen. Deshalb habe ich
EM Rente beantragt im April 2017. Die wurde abgelehnt und liegt inzwischen beim Sozialgericht. Ich habe einen Anwalt mit der Durchführung beauftragt, da ich inzwischen solche Dinge psychisch nicht mehr auf die Reihe bekomme (ich bin nur noch am Heulen und depressiv, PTBS und Anpassungsstörung).
Dieser Anwalt ließ mich jetzt auch wissen, dass ich dieses Jahr mit nichts mehr rechnen brauch und nächstes Jahr auch nicht.

Die momentane Situation setzt mich enorm unter Druck. Ich habe auf Grund meiner gesundheitlichen Einschränkungen damals meine Wohnung aufgegeben, da ich viele Ängste habe, dies nicht bewältigen zu können. Ich habe ein Zimmer bei meinen Kindern.

Es geht hinten und vorne nicht weiter. Ich habe enorme Angst vor der Zukunft, lebe derzeit von 400 Euro vom Jobcenter.... Und für mich ist eigentlich an dieser Stelle das "Leben zu Ende".
Ich war im Juli/August in einer Tagesklinik, aus der ich auch als *krank* entlassen wurde. Bin dann aber wieder im Bezug übers Jobcenter, da ich ja keine Ansprüche aus der Krankenversicherung mehr habe.

Welche Möglichkeiten habe ich noch? Nochmal eine Reha zur Feststellung der Arbeitsfähigkeit? Und wenn ja - muss ich dann die Klage zurück nehmen? Die Arbeitserprobung nochmal machen?
Bei der Klage wurde Akteneinsicht angefordert und festgestellt, dass lediglich mein Hausarztbefund zur Begutachtung heran gezogen wurde. Ich bin bei vielen Fachärzten regelmäßig in Behandlung (Kardiologe, Augenarzt, Psychologe, Diabetologe, Nephrologe)

Über Tips bin ich sehr dankbar.
Lieben Gruß

Hallo,

das tut mir sehr Leid, dass Sie diesen steingen Weg gehen müssen. Wenn Sie eine Schwerbehinderung (ab GdB 50) haben, dann könnten Sie in ein paar Jahren in die AR für schwerbehinderte gehen (35 Jahre Versicherungszeiten vorausgesetzt). Zur Zeit gibt es schon fast 1,8 Millionen Erwerbsminderungsrenter. Also, geben Sie die Hoffnung nicht auf bis Sie Ihre EMR haben. Viel Glück und Erfolg dabei.

Gruß

von
FrauHasenberg

Erst einmal ganz lieben Dank für die Antworten!
Ich habe leider erst jetzt die Muße gefunden, zu antworten. Seelisch wühlt mich das ganze Konstrukt um meine progressiven Krankheiten ziemlich auf.
Ich hatte gestern und vorgestern wieder Arzttermine. Und da frage ich mich jedesmal: Welcher Arbeitgeber macht sowas mit?1?!
Ich müsste mir eine Arbeit suchen. Und ich finde es sehr schwierig in einer extrem Struktur-schwachen Region etwas zu finden. Neben mir wird es immer 10 gesunde Menschen geben, die auch Interesse an dem Job haben...

Ich habe die Gelegenheit gleich genutzt und einen Reha-Antrag von der RV besorgt. Ich werde es jetzt direkt angehen und eine Reha versuchen.

Es ist einfach so, ich würde 1000mal lieber wieder so ins Berufsleben einsteigen, wie es mal war. Nur leider scheitert dies an so vielen Randbedingungen ....
Danke an alle, die geantwortet haben
Und liebe Grüße....