Krankengeldfrist und Rehaantragsaufforderung

von
Paulu

Hallo

ich habe eine schriftliche Aufforderung zur Antragsstellung einer rehamaßnahme bekommen und eine Frist während der ich den rehaantrag stellen kann. Stelle ich einen Termin bei der rv zur antragsstellung einer rehamaßnahme nach der Frist, so wird mir die KK kein Krankengeld mehr bezahlen. Kann Sie das so ? und ist eine schriftliche Terminvereinbarung mit der rv über der Frist nicht gültig?

Ich wollte und muss 2 Arzttermine noch vor reha beginn wahrnehmen, da über den Antrag schnell entschieden wird, ca. 2 Wochen denke ich nicht dass ich das sonst schaffe.

MfG

von
Petere

Rechtsgrundlage für die Aufforderung ist § 51 SGB V. Demnach haben Sie ab der Aufforderung zehn Wochen Zeit, einen Antrag zu stellen. Ausnahmen oder Spielräume für eine Fristverlängerung sieht die Regelung nicht vor; eine kürzere Fristsetzung ist rechtswidrig. Allerdings – das interpretiere ich jetzt mal in den Gesetzestext hinein - spricht die Norm ausdrücklich nicht von einer „formellen“ Antragstellung, sie muss nur wirksam erfolgen. Heißt: Sie dürfen einen formlosen Antrag stellen und sollten (!), um Ihrer Mitwirkungspflicht ausreichend nachzukommen, den formellen Antrag schnellstmöglich nachreichen. Hierzu genügt es, den frühestmöglichen Termin in der Auskunfts- und Beratungsstelle des Rentenversicherungsträgers wahrzunehmen, auch, wenn dieser nach Fristablauf liegt, wenn eine wirksame Antragstellung vorher erfolgt ist. Den frühestmöglichen Termin sollten Sie sich unbedingt schriftlich zur Vorlage bei der Krankenkasse bestätigen lassen. (Falls ich hier falsch liege, möge man mich gerne fundiert korrigieren, damit ich es beim nächsten Mal besser weiß!)

Ein Bewilligungsbescheid hat zunächst eine Gültigkeit von zwei Monaten, innerhalb derer die Aufnahme erfolgen kann, d. h. die Arzttermine könnten Sie wahrscheinlich auch „trotz“ erfolgter Antragstellung erfahrungsgemäß noch vor der Aufnahme wahrnehmen, wenn diese schon terminiert sind. Ansonsten weisen Sie einfach im Antrag auf diese bereits feststehenden Termine hin und bitten schlicht um eine früheste Aufnahme nach dem zweiten Termin.

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Paulu,

die Krankenkasse kann Ihnen eine Frist von zehn Wochen setzen, innerhalb der Sie einen Antrag auf Leistungen zur medizinische Rehabilitation zu stellen haben. Stellen Sie innerhalb der Frist den Antrag nicht, entfällt der Anspruch auf Krankengeld mit Ablauf der Frist. Ob Ihre Krankenkasse von dieser Grundregel abzuweichen bereit ist, können Sie ausschließlich mit Ihrer Krankenkasse klären.

von
Stern des Südens

Hier ist alles zum Thema gesagt und zusammengefasst:

http://www.finkenbusch.de/?p=1296

Viel Erfolg!

von
Benno R.

Zitiert von: Petere

Sie dürfen einen formlosen Antrag stellen und sollten (!), um Ihrer Mitwirkungspflicht ausreichend nachzukommen, den formellen Antrag schnellstmöglich nachreichen. Hierzu genügt es, den frühestmöglichen Termin in der Auskunfts- und Beratungsstelle des Rentenversicherungsträgers wahrzunehmen, auch, wenn dieser nach Fristablauf liegt, wenn eine wirksame Antragstellung vorher erfolgt ist. Den frühestmöglichen Termin sollten Sie sich unbedingt schriftlich zur Vorlage bei der Krankenkasse bestätigen lassen.

Zitiert von: W*lfgang

11.05.2016 - 19:12
RE: Rehaantrag hinauszögern

Hallo Marta Schneider,

ganz einfach: Sie vereinbaren zunächst vor Ablauf der 10-Wochen-Frist einen Termin in der nächsten Beratungsstelle zwecks 'Aufnahme' des Antrages, also zum Ausfüllen selbst (Sie müssen den nicht ausfüllen). Da gehen schon mal locker wieder 2 Monate ins Land. Dann muss der Antrag zur Zentrale gehen - bei einer Aufnahmestelle mit Postversand haben Sie da noch mal eine Woche drauf ...wenns der Sachbearbeiter überhaupt noch vor seinem Urlaub schafft, den Antrag fertig zu machen icon_wink.gif

Wichtig: lassen Sie sich die Antragstellung (Terminvereinbarung) bestätigen, dass legen Sie der KK vor - und alle Fristen sind gewahrt, die KK kann nur mit der Kassenzahnergänzungsgebiss knirschen icon_wink.gif

Gruß
w.


Nach W*lfgang ist die Terminvereinbarung bei einer Beratungsstelle zur Fristwahrung bereits ausreichend, ohne dass vorher ein formloser reha-Antrag gestellt werden muss.

Was stimmt denn nun?

Ich tendiere eher zu @Petere, da ein formloser Antrag durchaus Sinn macht und auch jedem Betroffenen ohne vorherige Fachberatung zugemutet werden kann.
Außerdem kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sich die GKV-Mitarbeiter gerne für dumm verkaufen lassen.

Meine Krankenkassen-Mitarbeiter sind sogar so freundlich, dass die für mich den Reha-Antrag ausfüllen und weiterleiten würden.
Und zwar ohne vorherige Terminvereinbarung!

Gruß

von
Nahla

Zitiert von: Benno R.

Ich tendiere eher zu @Petere, da ein formloser Antrag durchaus Sinn macht und auch jedem Betroffenen ohne vorherige Fachberatung zugemutet werden kann.
Außerdem kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sich die GKV-Mitarbeiter gerne für dumm verkaufen lassen.

Meine Krankenkassen-Mitarbeiter sind sogar so freundlich, dass die für mich den Reha-Antrag ausfüllen und weiterleiten würden.
Und zwar ohne vorherige Terminvereinbarung!

Gruß

Natürlich, dann kann die KK aus dem Reha-Antrag noch einen Eilantrag machen, dann geht das Ganze noch viel schneller. Es hat nichts mit dumm verkaufen zu tun, wenn Sie sich für die Ausfüllen des Reha-Antrages einen Termin bei der DRV holen wollen.

Vereinbaren Sie einen Termin bei der Beratungsstelle innerhalb der 10-Wochen-Frist und lassen Sie sich diesen auf alle Fälle schriftlich bestätigen, ist ein Termin innerhalb dieser 10 Wochen nicht möglich und Sie sind unsicher, dann stellen Sie eben vor Ablauf dieser 10-Wochen-Frist eine formlosen Antrag auf Reha, aber unbedingt mit Einlieferungsnachweis (per Einschreiben).

Selbst bei sofortiger Genehmigung der KK können Sie immer noch Einfluss auf den Anreisetermin der Einrichtung nehmen. Wenn das mit den Arztterminen kollidiert, dann informieren Sie Ihre KK und lassen sich von dort dann die Terminverschiebung bestätigen. Bei nachvollziehbaren Gründen - eben wichtige Arzttermine z.B. - wird die KK diese in der Regel nicht verweigern und wenn doch, gibt es noch den Weg des Widerspruchs gegen die Terminierung.

von
Benno R.

Zitiert von: Nahla

Es hat nichts mit dumm verkaufen zu tun, wenn Sie sich für die Ausfüllen des Reha-Antrages einen Termin bei der DRV holen wollen.

Vereinbaren Sie einen Termin bei der Beratungsstelle innerhalb der 10-Wochen-Frist und lassen Sie sich diesen auf alle Fälle schriftlich bestätigen, ist ein Termin innerhalb dieser 10 Wochen nicht möglich und Sie sind unsicher, dann stellen Sie eben vor Ablauf dieser 10-Wochen-Frist eine formlosen Antrag auf Reha, aber unbedingt mit Einlieferungsnachweis (per Einschreiben).....


So weit die Theorie.
In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die Krankenkassen nicht unbedingt Verständnis dafür haben, wenn ein Versicherter unbedingt diese 10 Wochen-Frist voll ausschöpfen will, wenn es dafür überhaupt keinen nachvollziehbaren Grund gibt.

Wenn man den diesbezüglichen hatnäckigen Nachfragen der GKV-Mitarbeiter standhalten will, braucht man schon ein starkes Nervenkostüm.

Viel Erfolg!

Gruß

von
W*lfgang

Zitiert von: Benno R.
In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass die Krankenkassen nicht unbedingt Verständnis dafür haben, wenn ein Versicherter unbedingt diese 10 Wochen-Frist voll ausschöpfen will, wenn es dafür überhaupt keinen nachvollziehbaren Grund gibt.
Benno R.,

der/Ihr Grund ist eine gesetzliche Frist, die bis zum letzten Tag läuft - ob es der KK nun passt oder nicht/auch die ist an das SGB gebunden ...wie Sie schon sagen, man braucht starke Nerven, um dem 'gesetzwidrigen' Verhalten der KK entgegenwirken zu können. Im einfachsten Fall reagieren Sie gar nicht auf telef./schriftliche 'Nachfragen' ...oder bitten daher um schriftliche Bestätigung der 10-Wochen-Frist - Kopie der Anforderung geht an den Vorstand der KK, ob dieses Einschränkens Ihrer Rechte durch KK-Mitarbeiter ...zum Bundesversicherungsamt/Aufsichtsbehörde muss man nicht gleich laufen ob dieser drangsalierenden Methode ;-)

Gruß
w.