LTA Schulische Umschulung von Zuhause

von
Julienne Schneider

Sehr geehrte Experten,
sehr geehrte Mitforisten,

ich muss etwas ausholen um die nötigen Details meines Anliegens herauszuarbeiten und entschuldige mich vorab schon dafür.

Aktuell absolviere ich eine schulische Umschulung bei einem Bildungsträger, der den theoretischen Unterricht in einem virtuellen Klassenraum abhält - sprich online. Dazu finde ich mich täglich in den Räumlichkeiten des Bildungsträgers ein, der an meinem Wohnort einen Standort unterhält.
Bis zum Beginn meines Pflichtpraktikums habe ich in einem Raum gesessen, der, im Gegensatz zum modern gestalteten und ansprechenden Hauptraum, über wesentlich weniger Platz als dieser verfügte und als verwohnt zu beschreiben wäre. Alles in allem keine optimale Lernumgebung aber ich hatte mich damit arrangiert. Nun wurde ich nach dem ersten Teil meines Pflichtpraktikums aber in einem Raum untergebracht, der noch kleiner ist bei der gleichen Anzahl an Mitschülern und dringend renovierungsbedürftig ist. Dazu ist er links und rechts flankiert von Schulungsräumen, die nur durch veraltete Trockenbauwände von unserem abgetrennt sind und keinerlei Schallschutz bieten. Dazu liegt der Raum direkt am einzigen Treppenhaus im Gebäude und Zugang erfolgt über eine Metalltür mit einem Schnappschloss und fehlender Dichtung. Folglich bekomme ich auch alles mit, was im Treppenhaus geschieht. Addiert man alles zusammen, ergibt sich eine katastrophale Lernumgebung in der für mich nicht an konzentriertes Arbeiten zu denken ist. Diese Umstände belasten jeden im Raum aber ich bin Hochsensibel und das macht die Situation absolut unerträglich für mich. Schon in drei Monaten beginnen die Abschlußprüfungen und anstatt dafür zu lernen, weiß ich nicht mehr weiter.

Da der Unterricht Online erfolgt, ist es praktisch möglich ihm von Zuhause aus, in einer meiner Bedürfnisse angepassten Umgebung, zu folgen. Dies wäre für meine örtliche IHK kein Problem und auch der DRV Berater sieht darin kein Problem. Nur der Bildungsträger stellt sich quer.

Nun ist meine Frage, wie ist das möglich, wenn der Kostenträger, die DRV, doch damit kein Problem hat? Immerhin zahlt sie richtig viel Geld für diese Umschulung während der Bildungsträger nur die entsprechende Dienstleistung leistet. Sehen Sie irgendeine Möglichkeit, dass sich das Blatt noch zu meinen Gunsten wendet? Hätte ich eine körperliche Behinderung, dann wäre die Teilnahme von Zuhause aus überhaupt kein Problem. Bevor ich erneut mit dem Berater der DRV spreche, hätte ich gerne schon ein paar Informationen gesammelt um vorbereitet zu sein. Er ist zwar sehr nett und kompetent aber auch ziemlich überlastet.

Ich bin für jede Information/Idee dankbar.

Mit freundlichen Grüßen,

Julienne

von
Berater

Sie haben es schon auf den Punkt gebracht. Bei individuellen Problemen mit dem Bildungsträger ist Ihr Rehafachberater der richtige Ansprechpartner.
Eine Ferndiagnose in einem Forum ist da eher nicht zielführend. Was soll auch ein Außenstehender dazu sagen?

von
Julienne Schneider

Zitiert von: Berater
Sie haben es schon auf den Punkt gebracht. Bei individuellen Problemen mit dem Bildungsträger ist Ihr Rehafachberater der richtige Ansprechpartner.
Eine Ferndiagnose in einem Forum ist da eher nicht zielführend. Was soll auch ein Außenstehender dazu sagen?

Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ganz offensichtlich habe ich mein Anliegen nicht ausreichend ausformuliert.
1. Was ist in meinem Fall mit einer Gleichbehandlung? Umschüler in der gleichen Situation haben eine wesentlich bessere Lernumgebung und haben mir gegenüber darum einen entscheidenden Vorteil. Dazu wird es doch im SGB eine Regelung geben.
2. Auf welcher Gesetzeslage im SGB basierend, ist es dem Bildungsträger möglich, dass, obwohl die IHK und DRV keine Einwände haben gegen meinen Wunsch, er mir eben diesen verwehren kann? Laut Bildungsträger, soll es auf einem Gesetz basierend aber dieses Gesetz scheint für den Mitbewerber WBS nicht zu gelten, denn da ist es in Einzelfällen möglich. Es fällt mir ebenfalls schwer zu glauben, dass der Kostenträger überhaupt kein Mitsprache recht hat.
3. Welche Minimalanforderungen im Bezug auf die Räumlichkeiten muss ein Bildungsträger erfüllen um für den Kostenträger, DRV, als akzeptabel zu gelten? Nach der Arbeitsstättenverordnung muss für eine Person mindestens 8qm zur Verfügung stehen und für jeden weiteren 6qm. In dem besagten Raum sind wir zu siebt ergo müssten uns 44qm zur Verfügung stehen aber de facto sind es kaum mehr als 25qm. Bislang hatte ich meine, mit der Hochsensibilität einhergehende, Platzangst im Griff aber jetzt stosse ich an meine Grenzen und das ich die Tür im Rücken habe macht die Situation nicht besser. Abgesehen davon kann ich auch hier kaum glauben, dass das so richtig ist und es stellt sich mir wieder die Frage nach der Gleichbehandlung. In allen anderem Räumen haben die Teilnehmer wesentlich mehr Platz.

Nehmen wir an der Rehaberater hat meine Aussagen verifiziert und als Glaubwürdig eingeschätzt, was kann ich noch tun um meine Umschulung zu retten? An wen kann ich mich sonst wenden zwecks Beratung bei der DRV?
Abends lernen wäre noch eine Möglichkeit aber da muss und will ich mich um meinen 3 Jahre alten Sohn kümmern der tagsüber bei einer Tagesmutter ist. Wer selbst Kinder hat und vllt. auch mit neurologischen Besonderheiten umgehen muss, der wird verstehen wie verzweifelt ich bin.
Hoffentlich habe ich mich jetzt nicht zur Zielscheibe für Mitforisten gemacht, die ihren Frust über was auch immer abarbeiten. Hätte gerne auch einen anderen Lösungsweg beschritten aber der ist mir nicht bekannt.

von
Schade

Das können Sie im Forum nicht lösen.

Lösungen müssen im Einzelfall individuell mit Rehafachberater und Einrichtung gesucht werden.

von
alleinerziehender PC

Hallo Julienne,

wenn die Schulung "online" innerhalb der Betriebsräume Ihres Bildungsträgers erfolgt, so haben Sie einen Zugang üblicherweise via Intranet (das ist eine hausinterne Verbindung von Arbeitsplätzen an den Zentralrechner und nutzt nicht das Internet).

Genau das aber würden Sie benötigen. Den Zugang auf den Zentralrechner von Ihrem persönlichen Computer zuhause aus (über Internet).

Dies kann, durch Passwort geschützt, relativ "einfach" von dem Netzwerkadministrator Ihres Bildungsträgers eingerichtet werden.

Diese Freigabe kann nach Beendigung der Maßnahme auch wieder "gelöscht" werden, so dass Sie über diesen Zeitraum hinaus keine Möglichkeit mehr haben, den Zugang zu nutzen.

Verständlicherweise ist der Bildungsträger zunächst an einer derartigen Lösung nicht interessiert. Bekommt er doch grundsätzlich seine Kosten auf Basis einer "inhouse-Schulung", wie es auf 'neudeutsch' heißt. Da aber sowohl die IHK als vor allem auch Ihr zuständiger Rentenversicherungsträger keine Einwendungen haben, dass Sie (aufgrund Ihrer persönlichen, gesundheitlichen Probleme) grundsätzlich von zuhause aus lernen, dürfte der Bildungsträger sich nicht unendlich quer stellen.

Vielleicht ist es ihm völlig egal, das kommt auf die Verträge an, die er mit der DRV hat. Ob die Kosten der Maßnahme übernommen werden, auch wenn der Teilnehmer abbricht.

Da Sie ja aber schon im verständnisvollen Gespräch mit Ihrem Rehafachberater sind, der vermutlich Einblick in die Vereinbarungen hat, sollten Sie weiter mit ihm die Angelegenheit zu Ihrer Zufriedenheit (und vor allem Möglichkeit) zu lösen anstreben.
So könnte man den Bildungsträger fragen, was diese "Einrichtung eines externen Zugangs" kosten würde. Zeitaufwand hierfür maximal 15 min. für den Administrator (naja, vielleicht auch eine halbe Stunde...)
Und je nachdem, ob Ihre RV bezahlt, auch wenn Sie abbrechen würden oder ob mit Abbruch auch die Zahlung an den Bildungsträger entfällt, kann Ihr Rehafachberater "verhandeln". Bzw. es könnte auch geklärt werden, ob Ihre zuständige RV evtl. zusätzlich anfallende Kosten für diese Zugangseinrichtung übernimmt.

Grundvoraussetzung ist sicherlich, dass Sie zuhause über einen persönlichen Computer verfügen, über den Sie dann nach Freigabe den Zugang zum "Klassenraum" vom Wohnzimmer aus haben.

Letztendlich dürfen Sie aber auch nicht vergessen, dass im "normalen" Arbeitsleben immer wieder Störungen auftreten, die - je nach gesundheitlichem Grundzustand - nicht für alle gleichermaßen "leicht" zu ertragen sind. Und auch hierfür ist diese Maßnahme ja auch gedacht, dass Sie feststellen können, wo Ihre Einschränkungen weiterhin liegen, selbst wenn Sie am Ende erfolgreich eine "neue Qualifikation" haben sollten.
Auch bei einem potentiellen neuen Arbeitsplatz sind Sie also nicht davor geschützt, dass Sie den Anforderungen ohne Gespräche mit dem Arbeitgeber, der auf Ihre persönlichen Einschränkungen doch bitte Rücksicht nehmen soll, gewachsen sind.

Insofern sind solche "Inhouse-Schulungen" auch ein 'Übungsfeld'. Und es wird bewusst darauf geachtet, dass die Teilnehmer pünktlich vor Ort erscheinen (wie im Arbeitsleben auch), auch mal in einem nicht so tollem 'Büro', anstatt zuhause den PC einzuschalten, um dann doch festzustellen, dass die 'Kollegen', mit denen man sich in den Pausen konstruktiv unterhält, im Wohnzimmer einfach nicht da sind...

Wenn Sie also versuchen, diese "miesen Voraussetzungen der Unterrichtsräume" als Chance zu sehen, sich auf die Realität 'danach' einzuüben, könnte es Ihnen vielleicht weniger schwer fallen, sich auf den Lerninhalt zu konzentrieren.

Wie Sie schreiben, ist ihr Sohn tagsüber (gut) untergebracht. Und entsprechend sollten Sie natürlich "nach Feierabend" für ihn Zeit haben, ob nach Feierabend jetzt, während der Maßnahme, oder später, in einem neuen Job.

Auch wenn Sie es schaffen, alles durchzusetzen, also von zuhause aus lernen dürfen, müssen Sie ihn tagsüber zur Tagesmutter bringen. Und dann diszipliniert lernen. So wie im späteren - neuen - Arbeitsleben. Pünktlich erscheinen, die gestellten Aufgaben erfüllen, und danach mit dem Lütten noch eine Runde Tretroller fahren oder zum Schwimmkurs gehen.

Sollten Sie dazu -noch- nicht bereit sein, werden Sie vielleicht die angestrebte Qualifikation auch nicht von zuhause aus erreichen.

Auch wenn es dann so sein sollte, ist es kein Beinbruch, immerhin sind Sie - zumindest jetzt - nicht "voll leistungsfähig". Aber Sie sollten auch (vor allem) dann mit Ihrem Rehafachberater in engem Kontakt Ihre weiteren Schritte (und auch einen eventuellen Abbruch der Maßnahme aufgrund Ihrer Einschränkungen) besprechen.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft dafür, egal, wofür Sie sich entscheiden!

Experten-Antwort

Hallo Julienne Schneider,

dem Vorschlag von alleinerziehender PC ist soweit nichts entgegen zu bringen.

Wenn der Bildungsträger auf ein bestimmtes Gesetz pocht, weshalb ein Onlinelernen von Zuhause aus nicht möglich ist, lassen Sie sich genau zeigen, wo dieses Gesetz oder Richtlinie zu finden ist, damit dem Berater und der IHK etwas rechtliches vorliegt, mit dem man arbeiten und gegenargumentieren kann.

Möglicherweise hilft auch eine Beschwerde und ein "Zusammentun" der anderen Mitschüler, da diese ja ebenfalls von der unangenehmen Situation im Klassenraum betroffen sind. Nur weil es die Mitschüler möglicherweise nicht stört, heißt es nicht, dass solch eine Belegung korrekt ist. Jedoch sind das nur Meinungsäußerungen meinerseits.

von
Berater

Letztendlich läuft es eben doch auf ein Gespräch mit der Rehafachberater hinaus.