Minijob bei voller EU-Rente, Stunden

von
Michi

Hallo! Ich könnte mir vorstellen, dass meine nachfolgende Frage hier schon des öfteren gestellt wurde, allerdings habe ich für das Forum keine Suchfunktion finden können (oder habe ich sie übersehen?)

Jedenfalls: Ich beziehe derzeit eine volle EU-Rente. Die ist nun nicht gerade üppig und mir fehlen durch das viele zu Hause hocken auch viele Sozialkontakte. Also warum nicht Geld verdienen und wieder unter Leute kommen kombinieren und im Rahmen meiner Rest-Leistungsfähigkeit einen Minijob annehmen.

Nun habe ich gelesen, dass dabei die tägliche Höchstarbeitszeit von 3 Stunden nicht überschritten werden darf. Gilt das wirklich für jeden einzelnen Arbeitstag oder ist damit ein Durchschnitt gemeint? Und was heißt "3 Stunden pro Tag" konkret? Meint es monatlich 30 Kalendertage? Dürfte ich somit im Monat 90 Stunden arbeiten?

Ich frage deshalb, weil es nach meiner Überlegung für meine Situation viel besser wäre, nicht jeden Tag 3 Stunden zu arbeiten und täglich lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, sondern beispielsweise nur alle zwei Tage, dann aber für 5 oder 6 Stunden und dann am nächsten Tag frei zu haben um mich wieder sammeln zu können. Darf ich das, also auch vereinzelt länger als 3 Stunden arbeiten, wenn ich im Mittel nicht über die 3 Stunden komme? Oder gefährde ich dann meine Rente?

Danke für die Antwort und viele Grüße,

Michi

von
Schade

Wenn von täglich unter 3 Stunden die Rede ist, meint man eine 5 Tage Woche, also auch unter 15 Stunden wöchentlich.

Bei Ihrem genialen Vorschlag, dass Sie kalendertäglich 3 Stunden arbeiten zu dürfen glauben, kämen Sie auf wöchentlich 21 Stunden, das wäre mehr als ein Halbtagsjob!
Glauben Sie wirklich, dass Sie dann noch voll erwerbsgemindert wären, wenn Sie 21 Wochenstunden arbeiten können?
Bei Nachdenken werden Sie sicher draufkommen, dass Sie dies gar nicht hätten fragen brauchen, oder?

Viele RV Träger unterstellen immer dann wenn jemand einen Minijob macht, dass er dann auch die Zeitgrenzen einhält und überprüfen bei Minijobbern die Gesundung oftmals nicht.

Alle besondernen Arbeitszeitmodelle wie "einige Tage gehen auch 5-6 Stunden" sollte man im Vorfeld von der DRV abgesegnen lassen, das sind dann in aller Regel Einzelfallentscheidungen nach denen man dann vor unliebsamen Überraschungen geschützt sein sollte. Und wenn einer zu diesem Job dann auch noch stundenlang anreisen kann, mache ich mir meine Gedanken......3 Tage in der Woche mit 6 Stunden ist auch schon fast ein Halbtagesjob!

Und bei allem gibt es auch die Fälle, die eigentlich gar nicht arbeiten können, dies aber dennoch auf "Kosten Ihrer Gesundheit" tun. Auch so jemand könnte dennoch weiter voll erwerbsgemindert sein.

Fazit: Jeder Fall ist anders, im Einzelfall sollte man sich absichern, wenn man gedenkt täglich 3 und mehr Stunden zu arbeiten und mehr als 450 € zu verdienen.
Des weitern kann die Gier nach dem Maximum sehr schnell zum Eigentor werden, weil die DRV argwöhnt dass der liebe Rentner doch nicht so erwerbsgemindert ist wie er im Antrag angegeben hat.
Letztlich ist es Ihre Verantwortung und Ihr Risiko
:)

von
Michi

Hallo Schade,

ich habe nicht gesagt, dass ich 21 Stunden in der Woche arbeiten möchte (es sind tatsächlich ziemlich genau 10), sondern ich habe danach gefragt, was mit "täglich" gemeint ist und wie viele Stunden das *maximal* ergibt. Das haben Sie ja im Nebensatz beantwortet; es ist also eine 5-Tage-Woche, somit höchstens 15 Stunden.

Und "lange Anfahrtswege" sind im Übrigen immer relativ zu betrachten. Was für den Gesunden nur ein "Katzensprung" ist, kann für den Schwerkranken eine kleine Weltreise sein... Und da ist es schon ein großer Unterschied, ob man das täglich macht oder nicht.

Nun verstehe ich allerdings nach wie vor nicht, was, um bei meinen 10 Wochenstunden zu bleiben, jetzt daran so dramatisch sein soll, ob ich sie an drei Tagen in jeweils 3,3 Stunden oder an zwei Tagen in jeweils 5 Stunden erledige.

von
Schade

Das klären Sie im Ernstfall direkt mit der Sachbearbeitung.

Die werden dann prüfen, was dramatisch ist und was nicht. Und entweder ist das dann ein Problem oder auch nicht.

Genaueres werden Sie im Forum dazu wohl kaum zu hören bekommen.

Und ich habe ja angedeutet dass es in vielen Fällen gar nicht hinterfragt wird, wenn die 450 € eingehalten werden.

von
Schorsch

Zitiert von: Michi

Nun habe ich gelesen, dass dabei die tägliche Höchstarbeitszeit von 3 Stunden nicht überschritten werden darf.

Da haben Sie etwas Falsches gelesen.
Bei strenger Auslegung des Gesetzestextes liegt die Grenze bei UNTER drei Stunden.

Und wer behauptet, er könne 2 Stunden und 59 Minuten täglich arbeiten aber keine 3 Stunden, (was auch hier schon öfter zu lesen war), der macht sich höchstens lächerlich.

Auf der einigermaßen sicheren Seite ist man eigentlich nur dann, wenn die tägliche Arbeitszeit 2,5 bis 2,75 Stunden nicht überschreitet.
Aber selbst in diesen Fällen könnte ein Gutachter unterstellen, dass jemand mit einem Leistungsvermögen von 2,75 Stunden täglich bestimmt auch 3 Stunden schaffen würde.

Daher ist diese "unter drei Stunden-Regelung" nur ein Richtwert, der je nach Sachverhalt individuell ausgelegt wird.

Selbst mehr als drei Stunden täglich KÖNNTEN rentenunschädlich sein, wenn der Betroffene nach Gutachter-Ansicht auf Kosten seiner Restgesundheit arbeitet.

Deshalb fragen Sie besser im Zweifelsfall zuerst bei der DRV an, BEVOR Sie einen Job annehmen.

MfG

von
Michi

Vielen Dank für Ihren Beitrag, Schorsch!

Die Frage dich ich mir dabei stelle ist, woher die RV denn eigentlich wissen will, wie lang die Schichten in einem Betrieb tatsächlich sind. Aus den Unterlagen die man bei der Anmeldung des Minijobs einreichen muss, geht nur das Vertragsverhältnis für einen Minijob hervor. Da können die allenfalls Nachrechnen: Selbst wenn man als unterstes Limit den aktuellen Mindestlohn von 8,84 EUR zugrunde legt, dann müssen für 450 EUR knapp 51 Stunden gearbeitet werden, was verteilt auf 20 Arbeitstage im Monat einen Tagesdurchschnitt von 2,55 Std. - und damit deutlich unter 3 - ergibt.

Ob man also jetzt jeden Tag genau diese 2,55 Std arbeitet oder das Pensum nun in 6 Vollzeitschichten erledigt, dürfte doch weder von großem Interesse noch zu ermitteln sein?

von
Fastrentner

Zitiert von: Michi
Vielen Dank für Ihren Beitrag, Schorsch!

Die Frage dich ich mir dabei stelle ist, woher die RV denn eigentlich wissen will, wie lang die Schichten in einem Betrieb tatsächlich sind. Aus den Unterlagen die man bei der Anmeldung des Minijobs einreichen muss, geht nur das Vertragsverhältnis für einen Minijob hervor. Da können die allenfalls Nachrechnen: Selbst wenn man als unterstes Limit den aktuellen Mindestlohn von 8,84 EUR zugrunde legt, dann müssen für 450 EUR knapp 51 Stunden gearbeitet werden, was verteilt auf 20 Arbeitstage im Monat einen Tagesdurchschnitt von 2,55 Std. - und damit deutlich unter 3 - ergibt.

Ob man also jetzt jeden Tag genau diese 2,55 Std arbeitet oder das Pensum nun in 6 Vollzeitschichten erledigt, dürfte doch weder von großem Interesse noch zu ermitteln sein?

Schade und Schorsch haben doch alles eindeutig erläutert.
Sie müssen Ihrem Rententräger jede Beschäftigungsaufnahme mitteilen.
Im Normalfall wird bei einer geringfügigen Beschäftigung zwar nicht kontrolliert mit welchem Zeitaufwand das Geld erarbeitet wird, allerdings kann die Rentenversicherung jederzeit Ihren Arbeitgeber um eine entsprechende Stellungnahme bitten (es soll gar nicht so selten sein, dass neidische Mitmenschen den Rententräger auf solche Umstände hinweisen).
Sollten Sie dann tatsächlich 3 Stunden oder mehr arbeiten, kann Ihre volle EM-Rente gefährdet sein.
Allein die Gedanken die Sie sich machen, assoziieren, dass Sie gar nicht voll erwerbsgemindert sind.
Auf der sicheren Seite sind Sie nur, wenn Sie unter 3 Stunden täglich, bei einer 5 Tage-Woche arbeiten oder Ihr Rententräger Ihnen bestätigt, dass eine Mehrarbeit auf Kosten Ihrer Restgesundheit erfolgt.
Gehen Sie das Risiko ein oder lassen Sie es bleiben. Letztendlich ist es Ihre Entscheidung und Sie allein tragen die Konsequenzen!

von
Michi

Zitiert von: Fastrentner
[quote=297820]
Allein die Gedanken die Sie sich machen, assoziieren, dass Sie gar nicht voll erwerbsgemindert sind.

Was Sie "assoziieren" ist Ihre Sache. Fakt ist jedenfalls, dass ich meine volle EU-Rente nicht deshalb bekommen habe, weil ich eines schönen Tages einfach mal nett danach gefragt habe, sondern sie wurde schon mehrmals durch Gutachter bestätigt. Und die haben das bestimmt nicht ausgewürfelt...

Dennoch ist es natürlich so, dass ich meine Erkrankung und meine Rest-Belastbarkeit selbst am besten einschätzen kann. Und ich bin eben der Ansicht, dass ich gesundheitlich besser fahre, wenn ich in der Woche an nur 2 Tagen jeweils 6 Stunden arbeite und mich dazwischen immer erholen kann, statt jeden Tag 2,5.

Aber sei's drum, die Diskussion ist auch müßig. Ich werde das mit der Rentenversicherung abklären und fertig.

von
Kaiser

Zitiert von: Michi
Zitiert von: Fastrentner
[quote=297820]
Allein die Gedanken die Sie sich machen, assoziieren, dass Sie gar nicht voll erwerbsgemindert sind.

Was Sie "assoziieren" ist Ihre Sache. Fakt ist jedenfalls, dass ich meine volle EU-Rente nicht deshalb bekommen habe, weil ich eines schönen Tages einfach mal nett danach gefragt habe, sondern sie wurde schon mehrmals durch Gutachter bestätigt. Und die haben das bestimmt nicht ausgewürfelt...

Dennoch ist es natürlich so, dass ich meine Erkrankung und meine Rest-Belastbarkeit selbst am besten einschätzen kann. Und ich bin eben der Ansicht, dass ich gesundheitlich besser fahre, wenn ich in der Woche an nur 2 Tagen jeweils 6 Stunden arbeite und mich dazwischen immer erholen kann, statt jeden Tag 2,5.

Aber sei's drum, die Diskussion ist auch müßig. Ich werde das mit der Rentenversicherung abklären und fertig.

Sie können also einschätzen, dass Sie an 2 Tagen in der Woche 6 Stunden arbeiten können?
Dann viel Glück bei der Weitergewährung Ihrer vollen EM-Rente, denn das können Sie dann auch gebrauchen.

von
KSC

Ja die Diskussion ist müßig.

Aber mal zum Nachdenken: wenn Sie an 2 Tagen in der Woche jeweils 6 Stunden arbeiten können, dann kann so jemand doch vielleicht auch an den anderen 3 Arbeitstagen jeweils 2 Stunden arbeiten? Und dann wäre man schon bei 18 Wochenstungen?

von
Stunden

...oder vormittags 2,5 Stunden und nachmittags 2,5 Stunden. Wäre auch eine Möglichkeit. :-)

von
Max

Es besteht doch auch die Möglichkeit das er durchaus 6 h arbeiten kann, aber was er in dieser Zeit produziert vielleicht dem entspricht was andere in 2-3 Stunden schaffen.....man nennt das dann Minderleistung....und ist wohl auch eine Erwerbsminderung...allerdings hat er ja dann auch nicht Anspruch auf den vollen üblichen Arbeitslohn....nicht wahr.....und das ist dann ja wohl arbeiten auf Kosten der Restgesundheit....ist natürlich für den gesunden nicht nachvollziehbar.....bei mir hat es früher immer geheißen der arbeitet an einem Tag was andere in einem halben Tag schaffen....nun bin ich Rentner....ich suche allerdings auch keinen Minijob mehr....weil ein gesunder (Arbeitgeber) es sei den er hätte ein soziales Gewissen, dies nie verstehen würde....

Experten-Antwort

Hallo Miche,

"Schade" und "Schorsch" haben in Ihren Ausführungen den Auslegungsspielraum schon ausführlich dargelegt.

Sollten Sie weiteren Klärungs- und Entscheidungsbedarf haben, setzen Sie sich bitte mit der Sachbearbeitung Ihres Rentenversicherungsträgers in Verbindung und lassen die Details in Ihrem Einzelfall prüfen.