müssen mehr Beiträge gezahlt werden als BBG x Beitragssatz ?

von
Tom

Hallo,

nach meinem Verständnis werden MAXIMAL Beiträge bis zur Höhe der BBG veranschlagt.

Für 2010 mit einer BBG von 61.800 und 19,5% Beitragssatz wären dies = 12.051.

Ist es richtig, dass maximal diese 12.051 Euro für das Jahr 2010 an Beiträgen seitens der DRV gefordert werden können, unabhängig davon ob Einkünfte aus AN- und Selbst.-Tätigkeit zusammentreffen?

Mich interessiert zur Zeit nur der Euro-Beitrag, der MAXIMAL für 2010 anfallen kann.

Eine Gesetzesquelle wäre mir sehr hilfreich !

Und sollten mehr Beiträge als BBG x Beitragssatz gefordert werden können, wie hoch ist denn das Maximum?

Dass der § 22 Abs.2 SGB IV eine Verhältnisrechnung vorsieht, ist mir bekannt. Ich verstehe dies jedoch derart,
dass diese Regelung die BBG nicht außer Kraft setzt, also dass insgesamt nicht mehr Beiträge zu zahlen sind als für 2010 diese 12.051 Euro.

Vielen Dank

von
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Die BBG Ost lag 2010 bei 55800.- Euro und die BBG West bei 66000.- Euro.
In der Knappschaft West bei 81600.- und Knappschaft Ost bei 68400.-.

Woher haben sie den Wert von 61800.-?

von
****

Hallo Tom
und noch zur Ergänzung.
Der Beitragssatz 2010 lag bei 19,9% in der allgem. RV und in der Knappschaft bei 26,4 %

von
Konrad Schießl

Schon öfters nannte ich hier die Bemessungs-
grenzen für 50, 45 und 40 Beitragszahlung.

Handelte mir deshalb auch Häme ein, dies macht
mir aber nur die Hälfte aus.
Trinke längst kein Bier mir, aber Plapperer
dichten mir immer wieder "Weißbier an".
Mein Eintrag vom 12.02.2015 nennt die BG.

Im Jahr 2010 gelten 66.000 und derzeit 18,7% Gesamtbeitrag, somit Euro 12342
Beitrag.
Euro 61800 BG. Grenze galten 2004, der Satz
von 19,5% ist überholt.

M fG.

von
Jonny

Für 2010 war der Höchstbeitrag bei einer BBG von 66.000 € und einem Beitragssatz von 19,9 % = 13.134,00 €.

Die für 2010 angegebenen Werte beziehen sich auf 2004, was dann die 12.051 ergibt.

von
Tom

hier ist Tom, der Themenstarter:

auf dem mir vorliegenden Bescheid (West) wird für das Jahr 2010 eine BBG von 61.800 mit 19,5% angegeben.
Offenbar beziehen sich die Werte auf 2004.
Danke für den Hinweis!

Also grundsätzlich bedeutet die BBG x Beitragssatz den Maximalbeitrag eines Jahres? Und es ist egal ob aus AN-Tätigkeit neben versicherungspflichtiger Selbstständigkeit?
Kann mir jemand die entsprechende Rechtsvorschrift nennen?

Danke!

von
W*lfgang

Hallo Tom,

dort müssten alle Faktoren rechtlich zu finden sein:

http://raa.deutsche-rentenversicherung-regional.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_157R2

Gruß
w.

von
Knut Rassmussen

Hallo!

Sie suchen wahrscheinlich das hier:

Auszug aus dem Rechtshandbuch der DRV Bund - 4 Zusammentreffen von versicherungspflichtiger Beschäftigung und Versicherungspflicht als Selbständiger
Übersteigen die beitragspflichtigen Einnahmen beim Zusammentreffen mehrerer Versicherungsverhältnisse die Beitragsbemessungsgrenze, so sind die beitragspflichtigen Einnahmen für die Beitragsberechnung nach dem Verhältnis ihrer Höhe so zueinander zu mindern, dass die beitragspflichtigen Einnahmen zusammen höchstens die Beitragsbemessungsgrenze erreichen. Dies gilt auch bei einem Zusammentreffen von beitragspflichtigen Einnahmen aus einer abhängigen Beschäftigung mit beitragspflichtigen Einnahmen aus einer versicherungspflichtigen selbständigen Tätigkeit.

Die beitragspflichtigen Einnahmen aus dem jeweiligen Versicherungsverhältnis sind vor der Verhältnisrechnung auf die maßgebliche Beitragsbemessungsgrenze zu reduzieren.

Es finden ebenfalls die unter den Abschnitten 3.2 und 3.3 dargestellten Formeln zur anteiligen Minderung der Beitragsbemessungsgrundlagen Anwendung. Hierbei ist Folgendes zu beachten:

Die anteilige Minderung der Pflichtbeiträge aufgrund der abhängigen Beschäftigung und aufgrund der selbständigen Tätigkeit kann grundsätzlich erst nach Ablauf des Kalenderjahres erfolgen, wenn der Deutschen Rentenversicherung alle Berechnungsgrößen bekannt sind, das heißt, nachdem die Entgeltmeldung der zuständigen Einzugsstelle eingegangen ist. Die Pflichtbeiträge aufgrund der versicherungspflichtigen selbständigen Tätigkeit sind insoweit zunächst zu den jeweiligen Fälligkeitszeitpunkten unter Berücksichtigung von §§ 165, 279 SGB VI, also ungemindert zu zahlen.

Nach der Entgeltmeldung ist bei der anteiligen Minderung der beitragspflichtigen Einnahme aus der versicherungspflichtigen selbständigen Tätigkeit die beitragspflichtige Einnahme, die Grundlage für die Berechnung der Pflichtbeiträge aus der selbständigen Tätigkeit war (§§ 165, 279 SGB VI), an die Stelle des Einzelarbeitsentgelt in die entsprechende Formel einzusetzen. Das könnte ein Arbeitseinkommen in Höhe der Bezugsgröße, der halben Bezugsgröße oder das tatsächlich nachgewiesene gegebenenfalls dynamisierte Arbeitseinkommen bei einkommensgerechter Beitragszahlung sein.

Das Gesamtarbeitsentgelt in der Formel ergibt sich durch Addition des Einzelarbeitsentgelts aus der abhängigen Beschäftigung (begrenzt auf die Beitragsbemessungsgrenze) und der beitragspflichtigen Einnahme aus selbständiger Tätigkeit (begrenzt auf die Beitragsbemessungsgrenze).

§ 22 SGB IV

Zusammengefasst: Mehr als BBG x Beitragssatz wird nicht fällig, eventuelle geht man aber in "Vorleistung" und bekommt Beiträge nach Ablauf des Jahres erstattet.

von Experte/in Experten-Antwort

Siehe Beitrag von Knut Rassmussen.

von
****

Hallo Tom,
sie schreiben
"auf dem mir vorliegenden Bescheid (West) wird für das Jahr 2010 eine BBG von 61.800 mit 19,5% angegeben."

Dieser Bescheid ist so nicht korrekt, da falsche Werte bei der Berechnung berücksichtigt wurden.
Ob sie in Widerspruch gehen liegt bei ihnen, denn bei der Anwendung der richtigen Werte ( 66000.- + 19,9%) käme u.U. noch eine Beitragsnachforderung auf sie zu.

von
Tom

Vielen Dank für die hilfreiche Unterstützung!

Ich habe verstanden:
Offenbar wurden BBG und Beitragssatz von 2004 statt 2010 zugrunde gelegt; dies ist falsch.
BBG x Beitragssatz sind der maximal zu zahlende Beitrag eines Jahres.

Die DRV hat nun die Vergleichsrechnung nach § 22 Abs.2 SGB IV angestellt.
Hiernach soll ich die überzahlten Beiträge aus Selbst.-Tätigkeit zurückerhalten.
Nun wurde seinerzeit aus AN-Tätigkeit der Höchstbeitrag bis zur Höhe der BBG abgeführt.
Zu den überzahlten Beiträgen aus dieser AN-Tätigkeit wird im Bescheid jedoch keine Stellung bezogen.
Mithin habe ich mehr als den Maximalbeitrag gezahlt.

Fragen:
Kann ich mit einem weiteren Bescheid rechnen, mit dem ich die überzahlten AN-Beiträge zurückerhalten werde ?
Oder sollte / muss ich gegen den vorliegenden Bescheid Widerspruch einlegen, weil er eben die überzahlten AN-Beiträge nicht berücksichtigt ?

Ist der § 22 Abs 2 SGB IV eigentlich für das Jahr 2010 anwendbar ?
Schreiben der GKV-Spitzenverbände aus Nov. 2011, dass die angestellte Verhältnisrechnung erst ab 2012 gilt.

"Antrag auf schlichte Änderung" :
Kennt das RV-Recht sowas wie im EKSTR ?
Dort braucht man bei offensichtlichen Fehlern keinen Widerspruch einzulegen, sondern stellt eben diesen o.g. Antrag.
Vorteile: geht schneller, der Amtsschimmel wird weniger geritten und es können behördenseits auch nur die Aspekte geändert werden, die unter den Änderungsantrag fallen.

Vielen Dank !

von
W*lfgang

Zitiert von: Tom
Kennt das RV-Recht sowas wie im EKSTR ?
Tom,

meinen Sie das:

http://www.aok-business.de/tools-service/formulare/erstattungsantrag-zu-unrecht-gezahlter-beitraege/

Diesen Antrag kann sowohl AN wie AG allein stellen.

Gruß
w.

von
Dozent Rosenkot

Die BBG ist nur eine rein fiktive Größe, die es real gar nicht gibt. Daher müssen Sie aus allen Einnahmen Beiträge bezahlen.
Damit brauchen Sie dann aber auch keine mehr, denn Sie bekommen dann auch keine Rente.
Wenn Sie aber das so machen, dass Sie die Einnahmen aufteilen, sind Sie unter der BBG und dann bekommen Sie alles voll angerechnet. Das zählt dann auch auf die 45 Beitragsjahre und die EM-Rente, wenn ein Versicherungsfall eintritt.
Bei der Steuererklärung können Sie dann die BBG-übersteigenden Beiträge auch voll unter der Anlage R absetzen. Wenn Sie dann Rente erhalten, müssen sie damit rechnen, dass etwa 58 % davon als Rentnersteuer abgezogen werden. Das zumindest ist für 2016 zur Einführung vorgesehen.
Also geben Sie gut Acht, dass Sie in jedem Fall unter der BBG bleiben!