Mütterrente und sozialrechtlicher Herstellungsanspruch

von
RolfK

Hallo,
ich habe die Threads schon durchkämmt, möchte aber dennoch mal nachfragen zum o.g. Thema.

Meine Mutter (78 Jahre, 4 Kinder vor 1992) hat nie in die Rentenversicherung eingezahlt und das Thema Mütterrente verschlafen. Sie hat, meines Wissens, zu diesem Thema auch nie Post bekommen. Mittlerweile hat sie einen Antrag auf Mütterrente gestellt (Januar 2021), er ist in Bearbeitung.
Meine erste Frage: hat sie einen sozialrechtlichen Herstellungsanspruch und damit Anspruch auf rückwirkende Zahlungen, zumindest für vier Jahre?
Zweite Frage: muss sie sich darum kümmern, oder wird dies die Rentenversicherung selbst feststellen?

Vielen Dank für die Hilfe im voraus
RolfK

von
W°lfgang

Zitiert von: RolfK
Zweite Frage: muss sie sich darum kümmern, oder wird dies die Rentenversicherung selbst feststellen?

Hallo RolfK,

dürfte vom gewählten Rentenbeginndatum UND der Verfahrensweise der jeweiligen DRV abhängigen. Grundsätzlich ist die DRV verpflichtet, den günstigsten Rentenbeginn - unabhängig vom 'Antragswunsch' des/der Antragssteller/in - selbst zu ermitteln/zu hinterfragen, was optimaler sein könnte!

UND das sollte eindeutig im Rentenantrag vermerkt worden sein, dass die DRV selbst das 'bestmögliche' Ergebnis für die 'Mütterrente'/diesen Regelaltersrentenantrag ermittelt, da Sie bis dato dazu keine Informationen erhalten hat.

4 Jahre rückwirkend (20-19-18-17/oder 16, falls Antrag in 2020 gestellt), na - immerhin ist dabei keine Erklärung zur (freiwilligen) Beitragszahlung mehr erforderlich, da seit 2014 für 4 Kinder schon 8 Jahre Pflichtbeitragszeit anzurechnen sind = Voraussetzungen für die Regelaltersrente (5 Beitragsjahre) erfüllt.

→ abwarten und ggf. nachfragen/Widerspruch, wenn der Bescheid vorliegt.

Gruß
w.

von
KSC

Und egal was rauskommt immer daran denken, dass man/frau das selbst verschusselt hat.

Denn als das Gesetz mit den Kindern vor 35 Jahren kam, war Ihre Mutter Mitte 40 und will nie mitgekriegt haben, dass eine Frau mit 4 Kindern "plötzlich" 4 Beitragsjahre hat und mit 1 Jahr Zahlung (damals ca 1000 DM) einen Rentenanspruch mit 100 DM erreichen kann, wass sich immer lohnt wenn frau mindestens 66 Jahre alt wird.

Also nie Zeitung gelesen? Nie Nachrichten gehört?
Diese Beispiele standen in jedem "goldenen Blatt" der Bäckerblume und jeder Frisörzeitung.
Sie hat auch nie mit Freundinnen, einer Frauengruppe oder mit Familienangehörigen geredet und auch die 4 Kinder sind nie auf die Idee gekommen, dass Muttern ne Rente kriegen könnte? Der Ehemann natürlich auch nicht.

Bei all dieser Sorglosigkeit ist natürlich wieder mal der Staat schuld und hat die Dame nicht individuell aufgeklärt....und man wirft der DRV Beratungsfehler vor....

von
W°lfgang

Zitiert von: KSC
(...)

*Locker bleiben, geschätzter KSC,

hier geht es nur um 'Heilung' der Versäumnisse/Unkenntnis vergangener Tage/der Rechtsänderungen ...auch wenn wir beinahe tgl. darüber lächeln, was hier und da beim Versichertenvölkchen 'versäumt' worden ist - insofern aktuell das Beste draus machen im Sinne der Anfrage, nö ...stimmts?!! ;-))

Gruß
w.

von
Jana

Die Frage gab es vor ein paar Wochen.

Zahlung ab Antragsstellung.

Alles andere ist verjährt.

von
Siehe hier

Zitiert von: Jana
Die Frage gab es vor ein paar Wochen.

Zahlung ab Antragsstellung.

Alles andere ist verjährt.

Fiel mir auch sofort ein, vielleicht kam die Frage neulich ja von einem Geschwisterkind :-)

Hier jedenfalls der Link dazu:

https://www.ihre-vorsorge.de/expertenforum/forum/detail/rueckwirkende-zahlung-der-muetterrente.html

Experten-Antwort

Hallo RolfK,

ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch kann im Zusammenhang mit der Mütterrente nicht mehr pauschal angenommen werden, sondern muss im Einzelfall geprüft werden. Soweit noch nicht geschehen, sollten Sie daher dem Rentenversicherungsträger Ihrer Mutter mitteilen, dass ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch geprüft werden soll und die Gründe für die verspätete Antragstellung darlegen.

Viele Grüße,
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

[Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 19.02.2021, 08:03 Uhr]

von
RolfK

Liebe Experten und (fast) alle anderen,

ich bin absolut begeistert wie schnell und kompetent mir geantwortet wurde, eindeutig 1. Liga! Herzlichen Dank dafür! Dem KSC antworte ich separat, ist ja auch 2. Liga.

Ich möchte aber schon um Verständnis werben, dass es einfach immer noch genügend Menschen in diesem Land gibt, die nicht täglich darauf schauen, möglichst effizient staatliche Leistung abzuschöpfen und diese auch nicht erwarten. ES hat mich einiges an Überzeugungskraft gekostet, dass meine Mutter überhaupt den Antrag stellt. Sie wird die Mütterrente dann auch komplett spenden.

Danke für die tolle Arbeit
RolfK

von
RolfK

Zitiert von: KSC
Und egal was rauskommt immer daran denken, dass man/frau das selbst verschusselt hat.

Denn als das Gesetz mit den Kindern vor 35 Jahren kam, war Ihre Mutter Mitte 40 und will nie mitgekriegt haben, dass eine Frau mit 4 Kindern "plötzlich" 4 Beitragsjahre hat und mit 1 Jahr Zahlung (damals ca 1000 DM) einen Rentenanspruch mit 100 DM erreichen kann, wass sich immer lohnt wenn frau mindestens 66 Jahre alt wird.

Also nie Zeitung gelesen? Nie Nachrichten gehört?
Diese Beispiele standen in jedem "goldenen Blatt" der Bäckerblume und jeder Frisörzeitung.
Sie hat auch nie mit Freundinnen, einer Frauengruppe oder mit Familienangehörigen geredet und auch die 4 Kinder sind nie auf die Idee gekommen, dass Muttern ne Rente kriegen könnte? Der Ehemann natürlich auch nicht.

Bei all dieser Sorglosigkeit ist natürlich wieder mal der Staat schuld und hat die Dame nicht individuell aufgeklärt....und man wirft der DRV Beratungsfehler vor....

Lieber KSC,
ich verstehe Ihre Antwort nicht. Ich habe doch auf das Versäumnis meiner Mutter hingewiesen und dann einfach zwei Fragen gestellt. Daraufhin werde ich dann mit Vorwürfen und Unterstellungen überschüttet!?
Erlauben Sie mir ein Feedback:
Für diese Art Expertenantwort gibt es sicher geeignetere Plattformen als diese.

Mit freundlichen Grüßen
RolfK

von
egal (der Erste)

Die Antworten von KSC sind manchmal wirklich "sehr direkt", aber im Kern nahezu immer korrekt.
Die Frage nach dem sozialrechtlichen Herstellungsanspruch haben aber SIE bereits in der Überschrift ins Spiel gebracht. Und der bedeutet nun mal den Ausgleich sozialrechtlicher Schäden durch rechtswidrige Amtshandlungen. Damit impliziert allein Ihre Fragestellung schon mögliches fehlerhaftes Handeln von anderer Seite als Ihrer Mutter. Denn nur in diesem Fall ("Fehler vom Amt") käme dieser in Frage...

von
Hades59

Bei einem Anspruch auf Rente ab 2017 sollten doch aber noch 0,5 Prozent pro Monat auf die Rente drauf kommen,lohnt sich schon da dran zu bleiben,oder liege ich falsch?

von
W°lfgang

Zitiert von: Hades59
Bei einem Anspruch auf Rente ab 2017 sollten doch aber noch 0,5 Prozent pro Monat auf die Rente drauf kommen,lohnt sich schon da dran zu bleiben,oder liege ich falsch?

...käme _automatisch_ ontop, holt aber die nicht erhaltene Rente (ohne diesen Bonus/Zuschlag) nicht wieder auf! Also nicht bei einer Lebenserwartung u100 ;-)

Gruß
w.

von
Berater

Die ganze Diskussion hier führt doch zu keinem Ergebnis. Die Versicherte möge einen entsprechenden Antrag stellen. Ob ein sozialrechtlicher Herstellungsanspruch in Betracht kommt, wird darauf ankommen, wie glaubhaft die Antragstellerin begründen kann, warum Sie erst jetzt, immerhin sind seit dem 01.07.2014 schon mehr als sechseinhalb Jahre vergangen, den Antrag stellt.
Vermutlich wird darüber in dem ein oder anderen Fall sogar erst in einem Klageverfahren vor dem Sozialgericht entschieden werden.
Warten wir mal ab, was da noch passieren wird.
Fakt ist aber, dass die Rentenversicherung nicht mehr „einfach so“ rückwirkend eine Mütterrente zahlt.

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