Muss ich einen Reha-Antrag stellen wenn ich nicht mehr krank geschrieben bin?

von
pavemi

Guten Tag,

ich habe eine Frage bezgl. eines Reha-Antrages.
Folgendes zur Vorgeschichte:

Beginn der Arbeitslosigkeit 01.01.2016

Aufnahme einer Tätigkeit zum 01.05.2017

AU seit dem 26.06.2017 wegen Verdacht auf Krebs, anschhließend weiter wegen mittelgradiger depressiver Episode.

Beginn einer Psychotherapie im Dezember 2017 bis Mai 2018 die durch mich beendet wurde, da der Therapeut nichts wahr.
Ende August 2018 erneute Aufnahme einer Therapie nach Wartezeit in der alles passt.

Am 07.08.2018 Termin beim MDK mit dem Befund erhebliche Minderung der EF. Mein Eindruck war, dass es dabei von Anfang an nur um §51 ging, dennn die Arztin hat dies mehrfach wiederholt und auch keine Fragen zu meinem aktuellen Zustand gestellt sondern nur zu meiner Vorgeschichte.

Am 14.08.2018 erhalt der Aufforderung zum Reha-Antrag durch die Krankenkasse mit 10 Woche Frist bis zum Entzug des Krankengeldes.

Ende August 2018 erneute Aufnahme einer Therapie nach Wartezeit in der alles passt.

Meinen damaligen AG, der mich in der Probezeit aufgrund einer Krebsdiagnose entlassen hat, gibt es nicht mehr da Insolvent.

Ich habe aber nur Beiträge zu RV in den letzten 5 Jahren von 01.01.2016 durch ALG, 3 Monate aus Arbeitslohn und danach seit der Krankschreibung aus Krankengeld eingezahlt. Meiner Ansicht nach also keine 36 Monate wenn ich den Antrag bis zum 26.10.2018 stellen muß und wenn dieser in einen Rentenantrag umgemünzt werden würde.

Ich fühle mich derzeit schon wesentlich besser als es bei der Begutachtung durch den MDK war und kann mir auch schon vorstellen, mich wieder aktiv um eine Arbeitsstelle bemühen zu können und mich deshalb wieder gesund schreiben zu lassen. Mein weiterer Weg wäre dann mich beim Arbeitsamt als voll arbeitsfähig zu melden.

Jetzt meine Fragen:

1. Ist das überhaupt nach der Diagnose durch den MDK möglich oder obliegt es meinem Hausarzt dies festzustellen?

2. Was geschieht wenn ich diesen Reha-Antrag stelle, und dann anschließend wieder gesund geschrieben werde vor der Aussteuerung im Deszember. Ist dies möglich?

3. Wenn ich diesen Antrag stelle und ggf an einer Reha-Maßnahme teilnehme, dabei festgestellt werden sollte dass ich eigentlich nicht erwerbsfähig bin, ab wann zählt dann der Rentenbeginn? Ab dem Tag der Antragstellung auf Reha oder am Tag der Feststellung zu Ende der Reha?

4. Wenn es der Tag der Antragstellung auf Reah ist und ich keine 36 Monate Beiträge voll habe, was gescchieht dann?

Ich danke schon jetzt im Voraus für die Antwort auf die vielen Fragen, aber ich habe keine Ahnung was ich machen soll, denn die Krankenkasse hat mir heute schon wieder ein Einschreiben geschickt in dem sie mich darauf hinweist, dass bisher kein Antrag eingegangen ist und ich diesen umgehend stellen soll.

MFG

von
pavemi

Ich habe mein Alter in o.g Frage nicht genannt. Ich bin 55 Jahre alt.

von
Claudia

1. Du musst den Rehaantrag stellen, sonst wird dir das Krankengeld gestrichen. Du darfst aber die 10 Wochen komplett ausnutzen. Solltest du dann wieder arbeitsfähig sein, brauchst du nicht zur Reha
2. Reha heißt noch lange nicht Erwerbsminderungsrente
3. Wenn du die sozialrechtliche Bedingungen nicht erfüllt hast, ist ein Antrag aussichtslos
4. durch das Krankengeld hast du 8 Monate Alg1 Anspruch erwirkt, danach hättest du die sozialrechtlichen Bedingungen erfüllt
.

von
pavemi

Hallo Claudia,

vielen Dank erst mal für deine Antwort.

Ich verstehe da aber ein paar Dinge nicht.

1. Wenn ich mich jetzt sofort gesundschreiben lassen würde trotz der Aufforderung,ist dann der Antrag hinfällig? Und kann ich mich dann zu 100 % Arbeitsfähig bei der AfA melden obwohl der MDK sagt erheblich erwerbsgemindert?

4. Du schreibst, durch das Krankengeld hast du 8 Monate Alg1 Anspruch erwirkt, danach hättest du die sozialrechtlichen Bedingungen erfüllt

Wieso sind es nur 8 Monate ALG1 Anspruch? Werden da nicht alle Monate des Krankengeldes angesetzt?

Danke im Voraus

von
Claudia

Für den vollen Alg1 Anspruch muss du 24 Monate eingezahlt haben, hier sind es ja nur 18.
Wieso willst du dich sofort wieder gesundschreiben lassen, du hast doch 10 Wochen Zeit?
Bezüglich MDK Gutachten: das kannst du getrost außer Acht lassen. Im Alg1 Bezug einfach nicht mehr krankschreiben lassen, dann ist gut.
PS: soviel Auwand, nur um nicht zur Reha zu müssen? So schlecht ist Reha gar nicht!

von
W*lfgang

Zitiert von: pavemi
1. Ist das überhaupt nach der Diagnose durch den MDK möglich oder obliegt es meinem Hausarzt dies festzustellen?

Hallo pavemi,

grundsätzlich ist der behandelnde (Haus)Arzt zur Beurteilung der AU/Nicht-AU die erste Instanz, die die nach einem MDK-Gutachten (nach Aktenlage, wo die med. Befunde schon mal ein paar Tage älter sein können!) 'festgestellte' Arbeitsfähigkeit in Zweifel zu ziehen hat /ist doch/heute AU ...nur manche Ärzte haben nicht den 'Schneid', wider dem MDK eine andere med. Meinung nach eigenem Befund zu vertreten.

Fragen Sie daher konkret Ihren Hausarzt - und warum er ggf. vor der eigenen Diagnose/_seinem aktuellen Befund_, gegenüber dem MDK 'zurückschrecken' sollte und dann keine Eier in der Hose hat/Courage ;-)

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo pavemi,

in welcher Form Sie trotz einer eventuellen Arbeitsfähigkeit weiterhin von der Krankenkasse aufgefordert werden einen Rehabilitationsantrag zu stellen, können wir als gesetzliche Rentenversicherung nicht beurteilen. Hierzu wenden Sie sich bitte an Ihre Krankenversicherung.

Zu Ihrer zweiten Frage: Sollten Sie wieder gesund sein, wird die beantragte Rehabilitationsmaßnahme vermutlich nicht genehmigt, da diese dann aus medizinischen Gründen nicht erforderlich wäre. Ist die Maßnahme aber bereits genehmigt und Ihr Gesundheitszustand hat sich verbessert, dann sollten Sie der Stelle, von der die Genehmigung erfolgte, eine entsprechende Mitteilung geben.

Die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden ausgehend vom Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsminderung geprüft. In den letzen fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen 36 Monate mit Pflichtbeiträgen vorliegen. Die Antragstellung ist lediglich bei Vorliegen der Voraussetzungen maßgebend für die Beurteilung des Rentenbeginns. Sollten keine 36 Monate Pflichtbeiträge vorliegen, sind die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit grundsätzlich nicht erfüllt.

von
Pavemi

Zitiert von: Experte/in
Hallo pavemi,

Die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden ausgehend vom Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsminderung geprüft. In den letzen fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen 36 Monate mit Pflichtbeiträgen vorliegen. Die Antragstellung ist lediglich bei Vorliegen der Voraussetzungen maßgebend für die Beurteilung des Rentenbeginns. Sollten keine 36 Monate Pflichtbeiträge vorliegen, sind die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit grundsätzlich nicht erfüllt.

Hallo Experte,

wann ist denn der Zeitpunkt des Einsetzens der Erwerbsminderung?

Von dem Tag an als mein Hausarzt mich erstmalig krank geschrieben hat im Juni 2017, von da ab als der MDK dies diagnostiziert hat heuer im August, oder von dem Tag an, wenn die Reha-Ärzte Ihren Abschlußbericht mit Prognose abgeben?

Wenn es der Tag der MDK-Diagnose ist, habe ich keine 36 Monate voll.
Wenn es der Tag der Beurteilung durch die Reha-Ärzte ist wahrscheinlich schon, denn ich glaube ich bekomme die Reha heuer nicht mehr wenn ich den Antrag bis 26.10.2018 bei Ihnen einreiche, oder?
Ab Januar 2019 habe ich die 36 Monate voll, bin ausgesteuert und ALG 1 Empfänger.
Wie lange dauert es einen Reha Antrag zu bearbeiten und wie lange ist die Wartezeit auf einen Rehaplatz ca?

Vielen Dank im Voraus

Pavemi

Experten-Antwort

Hallo pavemi,

der beratungsärztliche Dienst des zuständigen Rentenversicherungsträgers prüft anhand der medizinischen Unterlagen Ihres behandelnden Arztes und des medizinischen Dienstes, ab welchem Datum der mögliche Leistungsfall der Erwerbsminderung eingetreten ist. Dies kann ab dem Zeitpunkt der ersten Krankschreibung sein oder auch erst zu einem späteren Zeitpunkt durch Hinzutritt weiterer gesundheitlicher Einschränkungen.

Entscheidend ist somit nicht das Datum der Antragstellung oder das Datum der Beurteilung durch die Reha-Ärzte, sondern der Tag, an dem aus medizinischer Sicht die Erwerbsminderung eingetreten ist.

Die Bearbeitungsdauer eines Rehabilitationsantrages ist individuell und bei einer Bewilligung hängt die Wartezeit bis zum Rehabeginn von der Kapazität der jeweiligen Klinik ab.

Wir empfehlen Ihnen für weitere individuelle Fragen Ihren zuständigen Rentenversicherung direkt zu kontaktieren.