Rentenabschlag vermeiden durch Ausgleichszahlungen

von
Albert Lechner

Hallo zusammen,

ich möchte mit 63 in Rente gehen UND ggf. die Abschläge durch eine Einmalzahlung vermeiden. Alle Voraussetzungen sind erfüllt, alles ist berechnet. Auszugleichen sind max. 6,42 Entgeltpunkte bzw. 188 Euro.

Dennoch 2 Fragen:

1) Startet meine Rente mit 188 Euro mehr oder mit 188 Euro PLUS der bis dahin erfolgten Rentenerhöhungen?
2) Kann die einmal berechnete Einmalzahlung auch über 2 Jahre verteilt erfolgen?

Vielen Dank für Eure Hilfe!

von
SuchenUndFragen

zu 1)
Die Rentenerhöhungen beziehen sich auf eine Erhöhung des Wertes für die Entgeltpunkte. Ihre 6,42 Entgeltpunkte haben derzeit einen Wert von 188 Euro - und haben zum Zeitpunkt des Rentenbeginns einen "neuen" Wert.

zu 2)
"Die errechneten Beiträge bleiben maßgebend, wenn sie innerhalb von drei Monaten nach Erhalt der besonderen Rentenauskunft gezahlt werden." - Steht auf der zugehörigen Infoseite http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/2_Rente_Reha/01_rente/03_vor_der_rente/03_rentenzeiten/02_nachzahlung_und_erstattung/02_rentenminderung_ausgleichen.html

von
Albert Lechner

Vielen vielen Dank für die schnelle Antwort! Das bedeutet also:

zu 1) Meine "zusätzliche" Rente mit 63 startet mit 6,42 Entgeltpunkten multipliziert mit dem zu diesem Zeitpunkt (2023) gültigen Wert eines Entgeltpunkts?

zu2) Wäre es möglich, einen Antrag im November 2016 so zu stellen, dass ich im Dezember 2016 die Hälfte des Betrags bezahle und im Januar 2017 die andere Hälfte (steuerlich gut!)?

von
Rentenversteher

Es sind sogar Teilzahlung bis zu 5 Jahre möglich, was steuerrechtliche durchaus Sinn ergeben kann.
Hierbei ist allerdings zu beachten, dass sich bei Teilzahlung der Gesamtbetrag erhöhen kann, wenn sich die Berechnungsgrundlagen verändern.
siehe auch
http://raa.deutsche-rentenversicherung-regional.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_187AR4.2&a=true

mfg

von
Albert Lechner

Vielen Dank, lieber Rentenversteher.

Ich interpretiere den Gesetzestext so, dass bei Bescheid Mitte November 2016 die Zahlungsfrist bis Mitte Februar 2017 läuft und der JAHRESWECHSEL mit einem evtl. steigenden Durchschnittsentgelt völlig UNSCHÄDLICH ist.

Sehe ich das richtig?

von
Rentenversteher

Wenn sie innerhalb von 3 Monate alles auf einmal begleichen ändert sich an dem festgestellten Beitragsaufwand meiner Meinung nach nichts. Würden sie aber einen Teil in 2016 und den Rest in 2017 dann läge ja eine Teilzahlung vor. In diesem Fall ist folgende Anweisung zu befolgen und der Restbeitragsaufwand wird ermittelt:
http://raa.deutsche-rentenversicherung-regional.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_187AR4.3&a=true

Hier bin ich mir aber nicht 100% sicher und ein Experte weiß sicherlich mehr.

mfg

von
Albert Lechner

Danke, lieber Rentenversteher (das Wort trifft bei Ihnen wirklich zu!).

Nochmal kurz zu Frage 1:

Sehe ich das richtig, dass meine "zusätzliche" Rente mit 63 mit den 6,42 Entgeltpunkten multipliziert mit dem zu diesem Zeitpunkt (2023) gültigen Wert eines Entgeltpunkts startet, also z.B. 32€ statt der heutigen 29,21€?

Danke und schöne Woche!

von
Vor der Rente

Zitiert von: Albert Lechner

1) Startet meine Rente mit 188 Euro mehr oder mit 188 Euro PLUS der bis dahin erfolgten Rentenerhöhungen?

Wenn ich die Frage richtig verstanden habe, würde ich sie verneinen.
Sie gleichen den Abschlag aus. Das ist keine Rentenerhöhung.
Bsp.: Sie würden mit 63 45 RP haben und somit eine Anwartschaft von ca. 1314 €.
Mit der Rentenminderung wären es nur 1126 €. Diese gleichen sie aus.
Dass diese dann 45 RP in 2017 etwas höher sind als heute, ist klar, schläg doch im Juli die Rentenerhöhung zu. Würden sie regulär die knapp zwei Jahre weiterarbeiten, hätten sie ggf. 47 RP und 1373 €. Sie können einzahlen, was sie wollen, auf diesen Endwert würde sie nie kommen.

Etwas anderes wäre, sie würden den Ausgleich leisten und tatsächlich länger arbeiten.
Dann entsteht eine höhere Anwartschaft, eine höhere Rente.

An ihrer Stelle würde ich mir das überlegen. Mit ihrem Kapital von 47000+x könnten sie 10,5 Jahre überbrücken. Da sie sicher noch mehr in der Hinterhand haben, würde ich für einen Kompromiss plädieren. Sie arbeiten etwas länger und zahlen nichts ein.

Steuerlich betrachtet, dieser Link: https://www.ihre-vorsorge.de/index.php?id=1383
Die Verteilung auf mehrere Jahre macht sicher mehr Sinn als die Nachteile einer Nachberechnung.

Überlegen sie in Ruhe, sie haben ja noch Zeit.

von
W*lfgang

Zitiert von: Albert Lechner
Sehe ich das richtig, dass meine "zusätzliche" Rente mit 63 mit den 6,42 Entgeltpunkten multipliziert mit dem zu diesem Zeitpunkt (2023) gültigen Wert eines Entgeltpunkts startet, also z.B. 32€ statt der heutigen 29,21€?
Albert Lechner,

JA. EP sind das eine/feststehend, der aktuelle Rentenwert bei Rentenbeginn und künftigen Anpassungen das andere - ob Sie nun bereits Rentner sind oder es erst werden, wann Sie die EP 'erwirtschaftet' haben (oder hier durch Beitragsentrichtung Zuschlags-EP dazu gewonnen haben), spielt keine Rolle. Bis zum Ableben ist das dynamisch im EUR-Betrag ...und sogar für etwaige Hinterbliebene geht es so weiter, jährliche Rentenanpassungen gehen dafür immer oben drauf.

Gruß
w.

von
Albert Lechner

Hallo und vielen Dank für die beiden letzten Antworten, die aber leider widersprüchlich sind.

Ich versuchs mal einfach, da ich mich vermutlich umständlich ausgedrückt habe:

Was "kaufe" ich mit den ca. 45.000 Euro? Eine feste Eurosumme mit 63 (in 2023), in meinem Fall 188 Euro ODER normale Entgeltpunkte, in meinem Fall 6,41, deren Eurowert ja bis 2023 steigen würde?

Sorry nochmal und danke für die Hilfe!

von
Vor der Rente

Sie kaufen weder das Eine noch das Andere!
Sie hätten im Bsp. die 1314 €, die sie sich erarbeitet haben, bei einem Rentenfaktor (RF) von 1.
Der gilt aber nur, bei normalem Rentenverlauf.
Leider vermindert sich der RF für jeden Monat Abschlag um 0,3%. Im Jahr 3,6%.
Dann hätten sie im Bsp. 1-0,036=0,964. Dieser verminderte RF führt zu 1314*0,964=1267 €.
Wenn sie die "1314" behalten wollen, müssen sie ausgleichen. Sie kaufen dadurch aber keine zusätzlichen Punkte. Das wird viell. klarer, wenn sie sich vorstellen, dass sie "zwei Jahre länger" Rente beziehen als andere. :)
Die Faustformel ist etwa 250€ für 1 € Rente/Monat.

von
W*lfgang

Zitiert von: Vor der Rente
(...)
...damit kann jeder Normal-Versicherte wirklich was anfangen - danke dafür/hoffentlich kein Berater/von wo auch immer ;-)

> Was "kaufe" ich mit den ca. 45.000 Euro? Eine feste Eurosumme mit 63 (in 2023), in meinem Fall 188 Euro ODER normale Entgeltpunkte, in meinem Fall 6,41, deren Eurowert ja bis 2023 steigen würde?

Ok Albert, auch wenn Sie ein wenig 'begriffsstutzig' sind, nochmal:

Sie erkaufen sich Entgeltpunkte/die 6,41 eben - UND die steigen im Wert von Jahr zu Jahr, bis Sie in Rente gehen und dann ALLE EP (Ihre bis dahin erarbeiteten und die nachgekauften) einen nach allen Anpassungen höheren Wert haben.

Nu muss es aber sitzen - nö?!! :-)

Gruß
w.

von
Albert Lechner

Hallo W.,

Freu mich sehr, dass sie mich trotz meiner Begriffsstutzigkeit unterstützen. tut echt gut.

Noch eine Zusatzfrage: Unterliegen die 6,41 zusätzlichen Entgeltpunkte mit 63 wieder den 12 Prozent Abschlägen.

Danke!

von
Vor der Rente

Lieber W*lfgang,

sie unterstützen schon seit Jahren das Forum und ich schätze sie sehr!
Ich bin hier nur sporadisch anwesend, weil ich noch voll im Erwerbsleben stehe und auch noch andere Schwerpunkte habe.
Diese "Begriffsstutzigkeit" ist aber leider weiter verbreitet als man denkt. :)

Ich hatte auch mal diese Vorstellung von Albert, nur bin ich mittlerweile etwas ernüchtert:
Sie können sich durch diese Ausgleichszahlungen keine Rentenerhöhungen für die Zukunft kaufen!
Sie bekommen keine zusätzlichen EP und können nur den "Besitzstand" erhalten. Und das für viel Geld! (Siehe das Bsp. oben.)

Zusätzliche Mittel in die DRV einzubringen wäre auch mein Wunsch! Die LVA BW hat nicht umsonst seit Jahren eine Initiative eines zusätzlichen Rentenkontos gestartet.
Leider wird das in Berlin negiert - weil die eben ganz anders abgesichert sind.
Ein zusätzliches Rentenkonto bei der DRV würde bei ca. 1,4% an Kosten eine tatsächliche Rentensteigerung ermöglichen.
Leider bis dato eine Illusion. Dafür lebt "Riester" weiter...

Wer zusätzliche Mittel in die RV einbringen will, hat nur die Möglichkeit, Ausgleichszahlungen einzubringen und zusätzlich länger zu arbeiten. Ein scheinbarer Widerspruch, das gebe ich zu.
Aber nur so geht es!

von
Albert Lechner

Leute, versucht doch bitte einfach mal emotionsfrei die ganz einfache Frage zu beantworten, was ich nun für meine heutige Einmalzahlung bekomme wenn ich 2023 mit 63 in Rente gehe:

A) Einen fixen, heute schon bekannten Eurowert von 188€, also einen Besitzstand, wie "Vor der Rente" sagt, oder

B) Entgeltpunkte, die bis 2023 alle Erhöhungen mitmachen, wie W*lfgang sagt oder

C) Etwas ganz anderes, aber dann versucht es bitte einem Begriffstutzigen nochmal zu erklären, auch oder gerade wenn das eine Herausforderung zu sein scheint.

Danke Euch für eure Geduld
Albert

von
Albert Lechner

Leute, versucht doch bitte einfach mal emotionsfrei die ganz einfache Frage zu beantworten, was ich nun für meine heutige Einmalzahlung bekomme wenn ich 2023 mit 63 in Rente gehe:

A) Einen fixen, heute schon bekannten Eurowert von 188€, also einen Besitzstand, wie "Vor der Rente" sagt, oder

B) Entgeltpunkte, die bis 2023 alle Erhöhungen mitmachen, wie W*lfgang sagt oder

C) Etwas ganz anderes, aber dann versucht es bitte einem Begriffstutzigen nochmal zu erklären, auch oder gerade wenn das eine Herausforderung zu sein scheint.

Danke Euch für eure Geduld
Albert

von
Feli

Wolfgang hat recht. Die gezahlten Beiträge werden zum Zeitpunkt der Zahlung in EP umgewandelt und unterliegen genauso den Erhöhungen wie alle anderen bisher erworbenen EP.

von
Albert Lechner

Danke Feli, 2 zu 1, dann will ich es mal glauben

Experten-Antwort

Hallo Albert Lechner,

„Rentenversteher“ hat´s wirklich verstanden.

Sind Beträge gezahlt worden, wird – unabhängig davon, ob der Versicherte die Rente wegen Alters vorzeitig in Anspruch nimmt – aus ihnen bei jeder Rente ein Zuschlag an Entgeltpunkten ermittelt
(§ 66 Abs. 1 Nr. 5 SGB VI, § 76 a SGB VI). Die Beiträge im Forum von “Vor der Rente” sind daher falsch. Der Zuschlag an Entgeltpunkten nimmt daher auch an den Rentenanpassungen teil.

Ausgangswert für den prognostischen Beitragsaufwand zum Ausgleich einer Rentenminderung ist der Wert der persönlichen Entgeltpunkte, der durch vorzeitige Inanspruchnahme der Rente „verloren“ geht. Dieser wird ermittelt, indem die Summe aller erworbenen Entgeltpunkte aus Beitragszeiten, Beitragsfreien Zeiten, Zuschlägen an Entgeltpunkten für beitragsgeminderte Zeiten usw. mit dem Zugangsfaktor vervielfältigt wird. Bei vorzeitiger Inanspruchnahme der Rente ist der Zugangsfaktor kleiner als „1,0“; er mindert sich um den Wert „0,03“ pro Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme. Der individuelle Wert für den einzelnen Versicherten kann der Rentenauskunft nach § 109 Abs. 4 Nr. 4 SGB VI („Prognoseauskunft“), Anlage 6, entnommen werden.

Daher nur nochmals zur Klarstellung, der in der bei Ihrem Rentenversicherungsträger angeforderten (Prognose-)Auskunft genannte Betrag bleibt in der genannten Höhe maßgebend, sofern eine eventuelle Zahlung innerhalb von drei Monaten nach Erhalt der Auskunft erfolgt. Bei einer späteren Zahlung wird der erforderliche Betragsaufwand erneut berechnet (bzw. werden die aus der Zahlung entstehenden Zuschlagsentgeltpunkte „neu“ ermittelt); hier kann sich eine Veränderung gegenüber den Werten der Auskunft ergeben, falls sich zwischenzeitlich das der ursprünglichen Berechnung zugrunde liegende Durchschnittsentgelt und/oder die Höhe des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung änderte.

von
Albert Lechner

Hallo Experte und Feli,

Danke hierfür. Ich habe mit 63 dann meine normalen bis dahin gesammelten Entgeltpunkte z.B. 54, die um 12% gekürzt werden PLUS die "gekauften" 6,41 Entgeltpunkte, die NICHT gekürzt werden. Richtig? Oder wird das anders berechnet?

Viele Grüße und sorry, aber ich muss mir genau ausrechnen, ob sich das lohnt...