Selbstfinanzierte Weiterbildung bei Bezug einer dauerhaften vollen EMR

von
Anastasia

Guten Abend,

ich beziehe derzeit die volle Erwerbsminderungsrente. Sie wurde letztes Jahr dauerhaft weiterbewilligt.

Ich denke über eine Weiterbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie/Systemische Therapeutin nach. Diese würde meine eigenen therapeutischen Maßnahmen und Genesungsprozesse (Psychotherapie, Ergotherapie und 12-Schritte-Programm einer Selbsthilfegruppe) sehr gut begleiten und unterstützen und gleichzeitig würde die Weiterbildung mir helfen, eine Tagesstruktur und eine Basis für meine berufliche Zukunft zu schaffen.

Ein telefonisches Gespräch mit der Reha-Fachberaterin der Deutschen Rentenversicherung Bund hat ergeben, dass die Finanzierung einer beruflichen Reha schwierig, wenn nicht unmöglich, und zeitintensiv wäre, da ich bereits Rente erhalte.
Nun überlege ich, die Weiterbildung selber zu finanzieren, da ich zeitnah beginnen möchte.

Wäre mein Bezug von Erwerbsminderungsrente gefährdet, wenn ich z.B. eine Weiterbildung besuche, die am Wochenende, Samstag und Sonntag je 8 Stunden, stattfindet?

Wie sähe es aus, wenn ich eine Weiterbildung besuche, die von Montag- bis Freitagabend je 2,5 Stunden stattfindet?

Anders gefragt: Darf ich maximal 15h/Wo in der Ausbildungsstätte sein? Zur Info: Die Wochenend-Weiterbildung würde ein Mal im Monat für insgesamt 21 Monate stattfinden.

Sollte ich die Weiterbildung der DRV schriftlich mitteilen bzw. benötige ich eine schriftliche Bestätigung, dass ich die Weiterbildung beginnen darf?

Gäbe es noch andere Punkte, die ich berücksichtigen sollte im Zusammenhang von Bezug einer dauerhaften vollen Erwerbsminderungsrente und selbstfinanzierter Weiterbildung?

Ich hoffe auf eine Experten-Antwort und natürlich auf das Schwarmwissen.

Danke euch.

von
Siehe hier

Bei voller EM-Rente dürfen Sie nicht mehr als drei Stunden täglich 'arbeiten' und damit Einkommen erzielen.

Ich persönlich habe jedoch in den Gesetzen bisher noch nichts gefunden, dass es nicht erlaubt ist, sich trotz EM-Rente weiterzubilden. Ob dies nun ein Sprach- oder Kochkurs ist oder ein Gasthörerstudium an der Uni. Oder eben auch eine freiwillige Weiterbildung, die späterhin vielleicht sogar dann auch zu einem Erwerbseinkommen führen kann. Spätesten dann allerdings müssen Sie Ihrer zuständigen DRV mitteilen, dass Sie nun wieder arbeiten und damit auch Einkünfte erzielen.

Kontraproduktiv wäre allerdings sicherlich eine Weiterbildung zum Sporttherapeuten, wenn Ihre eigenen gesundheitlichen Einschränkungen aber genau aufgrund 'Rücken & Co.' zu einer EM-Rente geführt haben.

Dies scheint hier allerdings nicht der Fall zu sein :-)

Also denke ich, dass Ihrem Vorhaben nichts im Wege stehen sollte und wünsche Ihnen viel Erfolg!

von
Schade

Weiterbildungen sind für einen EM Rentner nicht verboten und müssen im Gegensatz zu einem Arbeitsverhältnis oder einer selbständigen Tätigkeit auch nicht gemeldet werden.

Aber spätestens wenn Sie als Heilpraktikerin arbeiten müssen Sie das melden.

Machen Sie die Weiterbildung um sich später selbst therapieren zu können, würde dies auch später kein Problem darstellen. Sobald Sie damit aber Geld verdienen und arbeiten wäre es zu melden und es wäre ein Grund für die DRV zu prüfen ob überhaupt noch (volle) EM vorliegt oder Sie durch Ihren beruflichen Einsatz beweisen nicht mehr erwerbsgemindert zu sein.

Momentan können Sie dieses Projekt m.E. beruhigt angehen.

von
Anastasia

Vielen Dank für die beiden Rückmeldungen.

Das hört sich ja bisher ganz gut an.

Hätte jemand noch eine Rückmeldung bzgl. der Stunden?

Danke.

von
Siehe hier

Zitiert von: Anastasia
Vielen Dank für die beiden Rückmeldungen.

Das hört sich ja bisher ganz gut an.

Hätte jemand noch eine Rückmeldung bzgl. der Stunden?

Danke.

Da gibt es keine Begrenzung, Sie arbeiten ja nicht.

Es würde Ihnen auch keiner verbieten, wenn Sie das ganze Wochenende in Ihrem Kleingarten Gemüse anbauen und dabei das gesamte Kräuter-ABC auswendig lernen. Gilt auch nicht als Arbeit.

Es gibt also keine Zeitbegrenzung, sondern ist Ihr Privatvergnügen.

'Nachher' (also irgendwann nach Wochenende-Ende in den Büros der DRV) meldet sich auch noch der @Experte dazu.

Der allerdings hätte vielleicht aber doch auch noch einen Tipp für Sie, ob es nicht doch möglich ist, die Weiterbildung im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation durchzuführen, ohne dass das Antragsprocedere soooo lange dauert, dass Sie diesen Kurs nun verpassen würden (wer weiß...?)

***
Ansonsten aber einfach auch die Belege aufbewahren und falls es dann zu einer (selbstständigen) Tätigkeit kommen sollte, diese als Gründungskosten bei der Steuererklärung mit geltend machen. Könnten auch jetzt schon Fortbildungskosten sein, aber nur, wenn Sie Ihre EM-Rente versteuern müssen, sonst wirkt sich das nicht aus.
(genauer dazu berät Sie z.B. ein Steuerberater, das hat nämlich was mit Steuern zu tun, nicht mit Rente :-)...)
***

Experten-Antwort

Hallo Anastasia,
Grundsätzlich können Sie neben dem Bezug einer vollen Erwerbsminderungsrente eine Weiterbildung besuchen. Eine Begrenzung auf eine bestimmte Stundenzahl ist nicht bestimmt.
Voraussetzung dafür, dass die Weiterbildung evtl. als Reha-Leistungen erbracht würde, ist unter anderem eine positive Erfolgsprognose für die Wiedereingliederung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
Von einer wesentlichen Besserung kann ausgegangen werden, wenn die Minderung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben zumindest teilweise, jedoch nicht nur geringfügig oder kurzzeitig behoben werden kann.
Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit bedeutet, dass die Minderung der Leistungsfähigkeit im Erwerbsleben dauerhaft behoben wird.

Letztendlich handelt es sich hier um eine Einzelfallentscheidung, die Sie abschließend mit Ihrer Rehafachberaterin klären sollten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
Anastasia

Vielen Dank an alle für die Antworten. Das hat mir schon mal weitergeholfen.

Gute Zeit.
Anastasia

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