Übergang zur Altersrente

von
Jürgen Franke

Hallo,
Vorab zur Info: ich werde im Juli 62 Jahre und bin seit März diesen Jahres wegen einer Krebserkrankung daheim. Zum 01.02.2019 kann ich in Rente gehen.
Heute rief mich mein Chef an und bestellte mich für morgen zu einer Aussprache. Ich vermute das es um die Kündigung geht. Nun mache ich mir Sorgen ob ich noch einen Job bekomme. Welche Möglichkeiten habe ich unbeschadet in Rente zu gehen ?
Vielen Dank.

von
ThomasausLautern

Meinst du mit unbeschadet, dass dir zwischen März 2018 und Juli 2020 nicht die besagten 0,3% pro Monat von der Regelaltersrente abgezogen werden?

von
senf-dazu

Hallo!

Da sind auch eine Reihe arbeitsrechtlicher Themen betroffen.
Wenn es Ihnen gesundheitlich möglich ist, an diesem Gespräch teilzunehmen, nehmen Sie einen Betriebrat oder Personalrat mit dazu ...
Wenn Sie krank sind, sind Sie krank und müssen auch nicht zu einem solchen Gespräch erscheinen.
Siehe dazu u.a. http://www.zeit.de/karriere/2016-11/urteil-bundesarbeitsgericht-krankheit-mitarbeitergespraech-mitarbeiter-personalgespraech

Wenn es dann doch wie befürchtet kommen sollte, gibt es zunächst einmal Kündigungsfristen, dann gibt es Krankheit (nach der Lohnfortzahlung hat der Arbeitgeber eigentlich keine Kosten mehr Ihretwegen, warum sollte er da kündigen?), dann gibt es Arbeitslosigkeit, auch diese Zeiten zählen für die Rente.
Wenn es Ihre Kraft zulässt, lassen Sie sich in Ruhe von der DRV und vom JobCenter beraten. Treffen Sie keine Entscheidungen, sondern überlegen Sie in Ruhe, was der Arbeitgeber für Ideen hat. Eine unbeteiligte Person (wie ein Betriebsrat) ist dabei hilfreich, sich nicht unter Druck setzen zu lassen.

Alles Gute für Sie!

von
Jürgen Franke

Vielen Dank für Ihre Beiträge.
Betriebsräte gibt es bei uns nicht (Fa. zu klein) und der Bitte um ein Gespräch habe ich zugestimmt. Ich habe jetzt noch erfahren, das es der Fa. nicht so gut geht (Einnahmen weggekrochen). Wenn es ja so weit kommen sollte werde ich erstmal nichts unterschreiben.

von
Bernd1954

Hallo Jürgen Franke,
mit Ihrer Krebserkrankung haben Sie doch ganz bestimmt Anspruch auf einen GDB. Falls noch nicht beantragt, einfach mal zum VdK gehen und beraten lassen. Die stellen auch den Antrag. Mit einem GDB von mindestens 50 könnten Sie theoretisch sofort die Rente für Schwerbehinderte beantragen. Aber davor nutzen Sie besser das Krankengeld und evtl. noch das ALG aus und haben dann die Rente abschlagsfrei. Alles Gute für Sie!
Gruß Bernd

von
chi

(GdB = Grad der Behinderung)

von
W*lfgang

Zitiert von: Jürgen Franke
Ich habe jetzt noch erfahren, das es der Fa. nicht so gut geht
Jürgen Franke,

sofern Sie bereits im Krankengeldbezug sind, kosten Sie ihrer Firma grundsätzlich nichts mehr ...vielleicht als Anregung für Sie/den Chef, der vielleicht wegen Personalkosten ohne Arbeitsleistung an eine Kündigung denkt. Und lassen Sie sich keinesfalls zu einer Kündigung überreden (wenn die Abfindung nicht überproportional 'stimmt' ;-)).

Die Sache mit dem Schwerbehindertenausweis wurde Ihnen schon mitgeteilt, diese Rente wäre sofort möglich, aber finanziell vermutlich nicht die günstigere Option ./. Krankengeld ...das vorausschauend bis zur abschlagsfreien Altersrente mit 63 + 6 möglich ist (01.02.2019), wären die Altersrente für Schwerbehinderte erst mit 63 + 9 möglich wäre ...aber eben mit der Option, auf diese Rente sofort aufzuspringen, mit einem immer kleiner werdenden Abschlag.

Wie Bernd1954 schon sagte, 1. Option immer, die höchstmöglichen Leistungen (KG/ALG) vorrangig auszureizen.

Warten Sie das Gespräch ab und fragen Sie dann mit neuen Erkenntnissen ruhig nochmal nach.

Gruß
w.

von
Jürgen Franke

Vielen, vielen Dank. Ich melde mich.

von
Fortitude one

Hallo Jürgen Franke,

Sie haben bereits soviele Tipps und Ratschläge erhalten und hoffe nur, dass Sie die richtige Entscheidung treffen. Die von W*lfgang vorgeschlagene überproportionale Abfindung wird schwierig werden, zumal Sie ja geschrieben haben, dass die Firma klein ist, ohne Betriebsrat und das es der Firma schlecht geht. Ich hatte in meinem Fall etwas Glück. Bei uns gab es einen Sozialplan und ein Interressenausgleich. Möchte Ihnen trotzdem Mut machen. Wenn Sie schon sehr lange im Unternehmen tätig sind und der Boss nicht vernünftig kooperiert , dann empfehle ich Ihnen einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu nehmen. Es ist ja nicht mehr lange bis zu Ihre reguläre Rente. Versuchen Sie das Beste für sich. Es heißt so schön - wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren.
Bestmögliche Gesundheit und alles Gute

Mfg

Experten-Antwort

Hallo Jürgen Franke,

Sie haben von den anderen Usern schon einige richtige Hinweise erhalten.

Leider ist es beim Eintritt einer schweren Krankheit nicht immer möglich, die eigentlich angedachten Pläne umzusetzen (in Ihrem Fall die abschlagfreie Rente mit 63+6). Die Rente wegen Erwerbsminderung oder die Altersrente wegen Schwerbehinderung können dann eine Alternative sein, den Lebensunterhalt weiter sicher zu stellen. Bei der Altersrente für Schwerbehinderte (Voraussetzung mind. GdB 50 ) müssten Sie aktuell mit einem Abschlag von 6,3 % rechnen (Jahrgang 1955, Altersgrenze ohne Abschläge 63+9, 62-63+9 sind 21 Monate vorzeitig), mit jedem Monat späteren Rentenbeginn wird der Abschlag um 0,3 % geringer. Bei der EM-Rente würden die Abschläge aktuell bei 10,8 % liegen (maßgebende Altersgrenze ist hier 65).

Solange Sie Anspruch auf Krankengeld haben, wird dieses jedoch vermutlich finanziell günstiger sein. Es könnte allerdings zu gegebener Zeit passieren, dass die Krankenkasse Sie auffordert, einen Antrag auf Rehabilitation zu stellen, der bei erfolgloser Reha in einen EM-Rentenantrag umgedeutet werden könnte - spätestens in dem Zeitpunkt wäre dann vielleicht die Altersrente wegen Schwerbehinderung die bessere Option. Allerdings sind das noch viele "könnte" - im Moment müssen Sie sicher erstmal das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber abwarten, vielleicht findet sich ja noch eine andere Lösung. Alles Gute für Sie.