Umschulung über die DRV

von
Stefan

Hallo liebes Ihre-Vorsorge Forum,

kurz zu meiner Situation und mir.

Ich bin 36, habe eine abgebrochene Ausbildung zum Maler und Lackierer. (Schon circa 13 Jahre her und arbeite als Lagerhelfer aktuell. Ich habe keinen Schulabschluss und vor meiner jetzigen Tätigkeit habe ich hauptsächlich in der Gastronomie als Küchenhilfe gearbeitet.

Ich bin seit ich 16 bin Suchtkrank. Angefangen mit Drogen bis zu meinem 23. Lebensjahr. Als meine erste Tochter geboren ist (von zwei) habe ich durch die Gastronomie leider angefangen zu Trinken und von diesem Suchtmittel bin ich jetzt seit 10 Jahren abhängig. Clean Phasen gab es natürlich und ich bin jetzt aktuell seit dem 2.6 in einer Entwöhnungsbehandlung.

Mittlerweile bin ich verheiratet und möchte endlich mein Leben gestalten da ich durch die Trinkerei nicht nochmal meine Familie verlieren möchte weil ich mich lieber für das Trinken entscheide.

Nun zu meinem Anliegen.

Ich möchte nicht mehr ohne Perspektive herum laufen und mich fragen wo ich hingehöre in die Gesellschaft. Nicht zu wissen was ich beruflich machen will, weil ich Angst habe abzubrechen oder zu versagen ist hier mein Thema in der Reha.

Die erste Therapie habe ich die Kindheit aufgearbeitet und jetzt bin ich beim hier und jetzt.

Nun habe ich von dem Arbeitstherapeuten gehört das ich eine Umschulung beantragen kann. Bzw. erstmal eine berufsfindung wäre super.

Beides möchte denn ich will etwas finden was mir gefällt. Mir ist klar das es auch Dinge gibt die einem nicht so sehr gefallen.

Nun hat mir die Ärztin hier in der Einrichtung gesagt das sie mich nicht unterstützen können/wollen (eher letzteres bei dieser schlechten Ärztin.) mit der Begründung das ich nicht in der Küche arbeite wo ich mit Alkohol zu tun habe.

In meinem jetzigen Beruf habe ich mit einem Kollegen zu tun der, Choleriker und Alkoholiker zugleich ist. Ich keine Möglichkeit habe den Arbeitsplatz zu wechseln und auch sonst nur mit ihm zu tun habe.
Dieser Mann arbeitet seit 14 Jahren dort und hat dort Privilegien. Er hat mich mehrfach bis aufs äußerste angeschrien und ich bin jedesmal zum Chef aber geändert hat sich nichts.

Nun habe ich für mich entschieden das ich dort diesen Druck psychisch nicht mehr aushalte. Die körperliche Belastung mit den Fahrrädern und dem entleeren von 3 Lkws in der Saison zu zweit ist sehr belastend für mich. Zusätzlich noch der Kollege.

Da ich von meiner Frau finanziell unterstützt werde sollte ich dort kündigen, was ich auch vorhabe.

Möchte ich gerne wissen wie und ob die Rentenversicherung mich unterstützt?

Da ich ja hier auf die Ärztin nicht zählen kann weiß ich nicht was ich tun kann.

Ich würde sehr gerne in den Friedehorst gehen um in einem geschützten Rahmen, berufliche Orientierung zu finden. Und nicht gleich wieder in den freien Arbeitsmarkt geschickt zu werden um wieder zu scheitern weil es noch zu viele Probleme mit mir selbst gibt an denen ich arbeiten will.

Entschuldigung bitte für den langen Text.

Wenn ihr Fragen habt bitte gerne.

Danke für eure Antworten.

Stefan

von
Sozialdienstlerine

Hallo,

Sie befinden sich derzeit in einer medizinischen Reha-Maßnahme? Lassen Sie sich einen Termin beim Sozialdienst verordnen und dort zum LTA-Antrag beraten. (LTA = Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben = berufliche Reha)

Natürlich ist es förderlich, wenn die LTA auch durch die Reha-Klinik empfohlen wird. Wichtig wäre in der sozialmedizinischen Einschätzung eine Erwerbsfähigkeit von < 6 h für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit.
Sollte die Reha-Klinik da nicht mitgehen können, können Sie den LTA-Antrag natürlich auch auf eigene Initiative stellen. Dann auf (ich glaube, es ist Seite 4 des Formulars G0130) sorgfältig begründen, weshalb der aktuell ausgeübte Beruf nicht möglich ist und ggf. schon ausformulieren, welche Unterstützung Sie sich vom Kostenträger wünschen.

Experten-Antwort

Hallo Stefan,

um Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) über den Rentenversicherungsträger wahrnehmen zu können, müssen in erster Hinsicht die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

Die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen sind dann erfüllt, soweit eine Wartezeit von 180 Kalendermonaten (180 Monate = 15 Jahre Beiträge entweder durch eine versicherungspflichtige Beschäftigung oder freiwillig entrichtete Beiträge) erfüllt ist, oder die Notwendigkeit einer LTA im Rahmen der aktuell durchgeführten med. Rehabilitation bei einer Abhängigkeitserkrankung festgestellt wird.

Die Feststellung der Notwendigkeit würde sich aus dem Entlassungsbericht der Rehablitationsleistung durch direkte Empfehlung der Reha-Einrichtung oder indirekt bei der Einschätzung eines verminderten Leistungsvermögens Ihrer aktuellen beruflichen Tätigkeit ergeben. Sofern keine Einleitung der LTA durch die Reha-Einrichtung erfolgt, wird eine Einleitung bei erkennbarem Bedarf durch die Sachbearbeitung der Rentenversicherung vorgenommen.

Ist aus dem Entlassungsbericht im Anschluss an die medizinische Rehabilitationsleistung kein weiterer Bedarf für eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben erkennbar, sind Ihrerseits die entsprechenden Antäge zu stellen. Notwendig für die Antragsstellung sind hierbei die Formulare G0100 und G0130.

Sollte sich bei der Prüfung des Antrages herausstellen, dass die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind, wird Ihr Antrag an die für Sie zuständige Agentur für Arbeit weitergeleitet.

Soweit die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind und ein Bedarf an einer Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben auch aus medizinischer Sicht (Erfüllung der persönlichen Voraussetzungen) festgestellt wurde, würde sich der Reha-Fachberatungsdiesnt mit Ihnen in Verbindung setzen und alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten mit Ihnen durchgehen und abklären, sodass die bestmögliche Leistung für Sie gefunden wird. Eine weitere Abklärung über das Forum ist an dieser Stelle leider nicht möglich.

Gerne können Sie sicher vorab Kontakt mit der Sachbearbeitung des für Sie zuständigen Rentenversicherungsträgers aufnehmen und erfragen, inwieweit die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben auch ohne eine Empfehlung seitens der Rehabilitationseinrichtung für Abhängigkeitserkrankungen erfüllt wären.

Wir wünschen Ihnen alles Gute,
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

Interessante Themen

Altersvorsorge 

Steuererklärung in Corona-Zeiten

Wie sich die Corona-Pandemie auf Ihre Steuererklärung auswirkt, worauf Sie achten müssen und wo Sie Steuern sparen können.

Altersvorsorge 

Was die Dax-Erweiterung für Sparer bedeutet

Von 30 auf 40: Deutschlands wichtigster Börsenindex wird erweitert. Für Anleger lohnt es sich, deshalb einmal genau auf den Dax zu schauen.

Gesundheit 

Berufsunfähig: tückische 50-Prozent-Klausel

Die 50-Prozent-Klausel erweist sich oft als Hürde, wenn es um die Anerkennung einer Berufsunfähigkeit geht. Was es mit der Klausel auf sich hat.

Rente 

Erwerbsminderungsrente rechtzeitig verlängern

Eine Erwerbsminderungsrente wird meist nur befristet gewährt. Das Ende des Bewilligungszeitraums sollten Sie immer im Blick haben und rechtzeitig...

Rente 

Per Versorgungsausgleich zur Frührente

Eine Scheidung bringt manchen Versicherten einen vorzeitigen Rentenanspruch. Wie sich der Versorgungsausgleich auswirkt.