Verschiebung Renteneintrittsalter zur Kompensation von Beitragsfehlzeiten

von
Dieter.B

Ich bin 56 Jahre alt und befinde mich seit rund 2 Jahren in einem versicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis. Vorher war ich 22 Jahre selbstständig tätig (ohne freiwillige Mitgliedschaft in der DRV). Die in der Selbstständigkeit für den privaten Rentenbezug angesparten Policen sind leider zu einem Großteil insolvenzbedingt für mich verloren gegangen.
Vor diesem Hintergrund wäre es für mich doch grundsätzlich interessant, ausreichende Vitalität und Gesundheit vorausgesetzt, eine bestimmte Zeit über den eigentlichen Renteneintrittstermin mit 67 Jahren hinaus zu arbeiten, entsprechend weiterhin Rentenbeiträge zu zahlen um somit einen Teil der seinerzeits in der Selbstständigkeit nicht gezahlten Beiträge kompensieren zu können. In diesem Zeitraum des Arbeitens jenseits von 67 Jahren würden dann entsprechend auch keine Rentenleistungen von mir bezogen werden, was bei einem später erfolgenden Renteneintritt mit z.B. 72 Jahren die Grundlage einer spürbaren Anhebung der dann einsetzenden Rentenleistung sein sollte. Wäre ein solches Szenario vor dem Hintergrund der gesetzlichen Rente vorstellbar, bzw. wenn ja aus Ihrer Sicht auch sinnvoll?

Experten-Antwort

Hallo Dieter.B,

natürlich ist es möglich, über den Zeitpunkt der Regelaltersgrenze hinaus weiter rentenversicherungspflichtig beschäftigt zu sein und damit entsprechend weiterhin Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen.
Bei einem späteren Renteneintrittsalter würden dann sämtliche bis zum Rentenbeginn eingezahlten Beiträge berücksichtigt. Darüber hinaus würde noch für jeden Monat nach dem möglichen Beginn der Regelaltersrente, für den man die Rente nicht in Anspruch genommen hat, ein Zuschlag von 0,5 % hinzukommen.
Sie können aber auch die Regelaltersrente beziehen und parallel weiter arbeiten. Dann hätten Sie auch ein höheres Nettogehalt, da daraus keine Beiträge mehr zur Rentenversicherung abgeführt würden.
Sie können sich in einer Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung individuell beraten lassen, welche Variante bei Ihnen sinnvoll ist.

von
Klugpuper

Denkbar: Ja.
Sinnvoll: Da gibt es mehr als eine Meinung.

Ausführliche Beratung kann das Forum nicht leisten. Vielleicht muss man das Problem auch ganzheitlicher angehen.

von
senf-dazu

Ich nehme an, dass Sie vor der Selbststänigkeit auch Zeiten in der gesetzlichen RV zurückgelegt haben und somit bereits mehr als zwei Jahre in Ihrem Versicherungsverlauf enthalten sind.
Mit den kommenden 10 Jahren werden auf jeden Fall ausreichend Zeiten für die Regelaltersrente vorhanden sein.

Beim Szenario "vorgezogen oder Regelaltersrente" plädieren einige dafür, dass es lange (ca. 20 Jahre) dauert, bis der Betrag aus der vorgezogenen Rente durch den erhöhten Betrag übertroffen wird. Ähnlich ist es bei der Frage "Altersrente oder verspätet mit Zuschlag".
Sie müssen die Frage beantworten, ob das gesundheitlich klappt und ob der Arbeitgeber ein Arbeiten nach der Regelaltersgrenze mitmacht.
Das Finanzielle können Sie ja mal in einer Tabellenkalkulation vergleichen. Dabei sollten Sie auch die Flexi-Rente berücksichtigen, die Zuschläge auf die späten Beiträge ermöglicht und durch parallelen Rentenbezug und Einkommen auch Vorteile bietet.
Neben einer Regelaltersrente können Sie nämlich auch weiter versicherungspflichtig arbeiten, wenn Sie eine Teilrente beziehen.
Ein weiterer Vorteil einer möglichst hohen Rente sind die höheren Hinterbliebenenrenten.
Das klingt nach ausführlicher Information in einer Beratungsstelle der DRV ...