Volle Erwerbsminderungsrente

von
Nina79

Hallo liebes Forum!
Folgender Sachverhalt:
Schwere Erkrankung im August 2016 mit anschließender Reha. Aufgrund der Diagnosen gehe ich von einer schlechten Erwerbsprognose aus.
Schön während der Reha aufforderung der KK eine Reha bei Rentenversicherungsträger zu stellen. Diese wurde abgelehnt und ging zurück an KK.
Auch diese lehnten zunächt ab. Nach Widerspruch übernimmt KK jetzt doch die Kosten.
Am ersten Tag der bewilligten Reha kam die Mitteilung von Rentenversicherung über bewilligte volle Erwerbsminderungsrente zunächst befristet.
Allerdings ist der Gesundheitszustand, trotz schlechert Prognose sehr viel besser. Der Betroffene möchte seine Erwerbsfähigkeit wieder kompl. herstellen, daher auch die Freude über die begonnene Reha. Wie gesagt, der Gesundheitszustand ist sehr viel besser als nach der letzten Reha zu erwarten war. Der Betroffene fühlt sich arbeitsfähig, wenn auch mit Einschränkungen der stetigen Belastbarkeit. Es müssten evtl. mehr Pausen erfolgen.
Wie geht man denn jetzt vor?
Der KK mitteilen, dass neu gestellte Erwerbsprognose nach Reha abzuwarten ist?

Wenn die Rente in Anspruch genommen werden muss, was ist mit dem Arbeitsplatz?
Der bleibt doch nicht erhalten!?

Vielen Dank für Informationen.

von
HotRod

Zitiert von: Nina79

Wenn die Rente in Anspruch genommen werden muss, was ist mit dem Arbeitsplatz?
Der bleibt doch nicht erhalten!?

Umgekehrt wäre es schlimmer.
Deshalb sollte man eine einmal bewilligte Rente niemals freiwillig hergeben !

von
Nina79

Ich finde, dies liegt immer im Auge des Betrachters!

Wenn ein Mensch jedoch arbeiten kann und will sollte, so finde ich, auch diese Möglichkeit betrachtet werden.
Mit Sicherheit gibt es auch Menschen die sich nicht mehr als arbeitsfähig sehen, und auf eine Rente hoffen.
Was besser oder schlimmer ist, kann schlecht bewertet werden.

von
Nina79

Noch angemerkt, die Rente ist ja auch nur befristet!

Wenn jetzt schon zu sehen ist, dass die Arbeit wieder aufgenommen werden kann. Sollte dann der Arbeitsplatz gefährdet werden?

Ich denke nicht......

von
KSC

Dann soll er / sie doch arbeiten gehen und seine Arbeit wieder aufnehmen.

Wenn das möglich ist und der Arbeitgeber mitmacht, hat doch zunächst keiner ein Problem damit. Die Krankenkasse meckert auch nicht, wenn jemand kein Krankengeld mehr bekommt und statt dessen als Arbeitnehmer wieder Beiträge einzahlt. Und die DRV muss letztlich auch nichts zahlen, wenn er / sie wieder wie bisher arbeitet.

Blöd nur wenn sich nach kurzer Zeit rausstellt dass man doch nicht so belastbar ist wie man es gemeint hat.........dann muss halt im schlimmsten Fall wieder Rente beantragt werden.

von
W*lfgang

Zitiert von: Nina79
Wenn die Rente in Anspruch genommen werden muss, was ist mit dem Arbeitsplatz? Der bleibt doch nicht erhalten!?
Nina79,

ich kann nur für den öffentlichen Dienst sprechen, wo tarifvertraglich geregelt ist, wie bei den diversen Arten der EM-Rente das mit dem Arbeitsplatz geregelt ist.

1. Das Arbeitsverhältnis endet bei einer vollen unbefristeten EMRT mit Monatsende der Rentenbescheiderteilung.
2. Bei voller EMRT _befristet_, sei es med. bedingt oder aus Arbeitsmarktgründen, ruht es zunächst bis zum Fristablauf - dann stünden Sie ihrem Arbeitgeber wieder zur Verfügung.
3. Teilweise EMRT - natürlich auch hier ein Ruhen des Arbeitsverhältnisses mit der Option zur teilweisen Weiterbeschäftigung
4. Auch bei voller EMRT aus Arbeitsmarktgründen gibt es die Option der (teilweisen) Weiterbeschäftigung.

Wichtig, in allen Fällen laufen tarifrechtliche Fristen, deswegen Sie sich umgehend mit Personalbüro /Personalrat und/oder Schwerbehindertenvertretung in Verbindung setzten sollten - egal, in welcher Branche Sie beschäftigt sind.

Und nein, Ihr 'persönlicher' Arbeitsplatz bleibt in Ihnen trotz 'Ruhens' nicht erhalten ...eine adäquate Stelle irgendwo im Beschäftigungs-Pool des Betriebs wird Ihnen nach 'Rückkehr' angeboten .

Beispielhaft hier nachzulesen (1. Link, § 33 des Tarifvertrages) :

http://www.oeffentlichen-dienst.de/tvoed/tarifvertraege.html

Gruß
w.

von
Nina79

Zunächst mal Danke für die bisherigen Antworten.

Beim meiner Frage ob EW-Rente oder nicht, war mir schon bewußt, dass diese nicht leichtfertig vergeben wird. Und ich gehe momentan auch davon aus, dass eine Arbeitszeit von 6 Stunden nicht überschritten werden kann. Wenn, dann mit mehrerern Ruhepausen, vor allem Sitzpausen.

Und genau hier knüpft doch meine Frage an: Es kann nicht "einfach" normal weiter gearbeitet werden. Hierzu wäre Unterstützung nötig.
Aber dennoch ist der gesundhaietliche Zustand zu gut, um in Rente zu müssen.

Es gibt da ja noch andere Möglichkeiten!

In diesem Fall hat sich eine sehr schlechte gesundheitliche und berufliche Prognose so positiv verändert, wie es nicht zu erwarten war.
Die Einschätzungen der RV beruhen auf ärztlichen dokumentationen, die längt den Gesundheitszustand nicht mehr spiegel. Daher die Bewilligung der Rente!

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo Nina79,

grundsätzlich sollte zunächst der zuständige Rentenversicherungsträger über die geänderte Situation informiert werden.

Ggf. gibt es andere Möglichkeiten im Rahmen von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/03_
broschueren_und_mehr/01_broschueren/01_national/berufliche_reha_ihre_
chance.pdf?__blob=publicationFile&v=20

von
Nina79

Hallo und Danke,

mit dem Träger der Rentenversicherung wurde bereits gesprochen. Diese wären bereit die momentane Reha abzuwarten. Allerdings hat da wohl das letzte Sagen die GKV aufgrund des einschränkten Dispositionsrechtes. Die GKV befürwortet allerdings die Rente. Hier spielen natürlich auch Kostengründe eine Rolle. Das Krankengeld wäre eigentlich noch nicht ausgeschöpft, erst Ende des Jahres. Da allerdings die Rente gezahlt werden kann, will dies natürlich die GKV.

Keine schöne Sitation! Da ist man als betroffener scheinbar handlungsunfähig.

Könnte trotz beantragter Rente, wozu man ja aufgefordert wird, nach der Reha eine andere Leistung der RV beantragt werden?
Wie würde es dann finanziell aussehen. Wenn nach der Reha eine Rückführung in den Beruf beginnen könnte. Wer ist denn dann Kostenträger?
Ich vermute jetzt mal die RV in der geringeren Höhe der Rent, oder?

Momentan ist das sehr überfordernd. Alle stellen wollen natürlich nur das Beste. Allerdings wirkt sich die auf die finanziellen Leistungen enorm aus.

von
Schade

Ich würde Ihnen raten zunächst mal die Rente zu nehmen und alles weitere ruhig und besonnen anzugehen.

Sie führen das Gespräch mit dem Arbeitgeber und loten aus was der Ihnen anbieten kann:
a) (zunächst mal) einen Minijob um auszutesten was wirklich geht. Das wäre aus Rentensicht kein Problem
b) eine Teilzeitbeschäftigung, die Sie dann der DRV melden müssen und die zur Kürzung der Rente führt. Aber die Kürzung wäre nicht tragisch, weil Sie die Rente ja gar nicht wollen.
c) eine Vollzeitbeschäftigung bei der der AG Rücksicht auf Ihre Einschränkungen nimmt - auch das führt zu Kürzung oder Wegfall der Rente.

Und wenn es zu einer Arbeitsaufnahme im Betrieb kommt haben Sie Ihr Ziel erreicht.

Alles andere, d.h. gegen Gutachten anzukämpfen, neue Gutachten einzufordern u.ä. führt nur zu Verwirrung auf allesn Seiten. Und was dann rauskommt, wissen Sie ohnehin auch nicht im Voraus.

Schönes WE

von
Nina79

Herzlichen Dank für die Antworten.

Zumindest weiß ich jetzt, dass eine Leistung das andere nicht ausschließt. Sprich auch mit Rente eine Rückführung in den Beruf nicht ausgeschlossen ist.

Dennoch, so finde ich für Laien ein wirklich kaum verständliche Situation.

von
Schade

deshalb gibt es für diese Laien ja auch

Beratungsstellen der DRV, wo man solche Fragen persönlich besprechen kann
den Betriebs- oder Personalrat oder die Personalabteilung wo gefragt werden kann wie es mit dem Arbeitsverhältnis weitergeht

und zuallerletzt ist "Ihr Fall" ja auch etwas speziell gelagert: dass die DRV jemanden für voll erwerbsgemindert hält und der Rentenaspirant das aber wohl vollkommen anders sieht.
Der Standardfall läuft da eher andersrum........