Was stimmt denn jetzt?

von
Beitragslaie

Ich bin Mitte Dezember 1953 geboren und seit Anfang 1992 selbständig mit freiwilligen Mindestbeiträgen bis 2011. Die Wartezeit von 45 Jahren für besonders langjährig Versicherte kann ich vor der Regelaltersgrenze im Juli 2019 nicht mehr erfüllen.
Im Februar 2018 war ich bei der DRV zur Beratung. Ergebnis: Ihre Altersrente beträgt zwar im März 2018 eigentlich 814 €, Sie müssen aber 5,1 % an Abschlägen in Kauf nehmen, so dass sich nur noch gut 772 € ergeben. Die Abschläge können Sie aber vermeiden, wenn Sie rund 9930 € als Ausgleichsbeiträge zahlen. Dann ergeben sich auch die 814 € an Monatsrente.
Meine Frage: Wieviel Rente kann ich denn bei einer solchen Einzahlung als noch weiterhin Selbständiger mit 4000 € monatlichen Einkünfte erhalten? Antwort: Bei dem Hinzuverdienst können Sie gar keine Rente bekommen, Sie haben ja in den letzten 15 Jahren immer nur Mindestbeiträge gezahlt!
Ein guter Bekannter (seines Zeichens privater Rentenberater) meinte dazu: Ja, im Prinzip ist das schon richtig. Aber: Wenn du – ohne die Einzahlung - die Rente erst ab November 2018 beantragen würdest, gäbe das immerhin bis Juli 2019 insgesamt 1300 € an Teilrente, bei Rentenbeginn erst ab Juni 2019 sogar etwas mehr. Mit Einzahlung ergäben sich bei Rentenbeginn im November 2018 etwa 1385 € und ab Juni 2019 ca. 1420 €. Alle Beträge natürlich nur als Summe bis zur Regelaltersgrenze.
Und dann kam seine Frage: Bist du denn nicht darauf hingewiesen worden, statt der Ausgleichsbeiträge denselben Betrag in freiwilligen Beiträgen noch für 2017 einzuzahlen? Dann hättest du nämlich mit einem Beitrag in derselben Höhe eine monatliche Anwartschaft von etwas mehr als 814 € erzielt. Die könnten zwar ab März 2018 wegen des Hinzuverdienstes ebenfalls nicht einmal als Teilrente gezahlt werden. Und das gilt auch, obwohl ein erheblich höherer „Hinzuverdienstdeckel“ durch die normalen freiwilligen Beiträge erzielt worden wäre. Aber bei Wahl eines Rentenbeginns im September 2018 wären bis zur Regelaltersrente mehr als 3000 € fällig. Und wegen der nicht in Anspruch genommenen Entgeltpunkte könntest du ab August 2019 ohne Anrechnung von Hinzuverdienst knapp 880 € erwarten.
Da frage ich mich als Laie doch: Was ist denn nun richtig?

von
W*lfgang

Zitiert von: Beitragslaie
Da frage ich mich als Laie doch: Was ist denn nun richtig?

Hallo Beitragslaie,

'schwerer Tobak', den Sie hier hinterfragen ...

Daher nur 'gefühlt': im Februar 2018 hätte ich eine freiwillige Beitragszahlung in maximaler Höhe für 2017 zunächst überdacht, um auf den Zug 'Flexirente' bei gleichzeitigem Einkommen aufzuspringen und etwaige/maximale Teilrentenbeträge im Rahmen des Hinzuverdiensteckel vor Erreichen der Regelaltersgrenze mitnehmen zu können.

Im Detail - hey, Sonntagabend kurz vorm Schlafengehen ;-) - mögen sich andere User mehr Gedanken dazu machen/das mal durchzurechnen. Und wann der jetzt optimale Beginn der 'Flexirente' wäre ...lässt sich anhand der erwarteten Zahlen/Einkünfte ziemlich genau ermitteln. Ihr Rentenberater wird da wohl schon Recht haben, so viel Ahnung gestehe ich ihm zu, ansonsten müsste er seine Zulassung zurückgeben :-)

Gruß
w.

von
Leon der Profi

Der bekannte Rentenberater hat Recht und die DRV Berater würden ihm auch Recht geben, wenn man sie exakt danach fragt und wenn das vorgegebene zeitliche Beratungsfenster dies zulässt...

Brave new Flexi World :-)

Experten-Antwort

Hallo Beitragslaie,

zunächst: Bei dem von Ihnen dargestellten Sachverhalt handelt es sich um eine sehr komplexe Fragestellung deren umfassende Beantwortung den Rahmen dieses Forums sprengen würde.

Die von Ihrem DRV-Berater durchgeführte Beratung bezog sich offenbar nur auf die Möglichkeit des Ausgleichs von Abschlägen. Weitere, sicher sinnvolle alternative Möglichkeiten wurden hierbei offenbar nicht beleuchtet. Warum entzieht sich allerdings meiner Kenntnis…

Grundsätzlich ist die von Ihrem Rentenberater genannte Alternative -ohne Sie hier im Detail nachrechnen zu können - nicht abwegig. Um eine rechtssichere Bestätigung zu erhalten empfehle ich Ihnen daher, sich nochmals an die Auskunfts- und Beratungsstelle zu wenden und hierbei auch direkt die von Ihrem Rentenberater genannte Alternative anzusprechen/zu hinterfragen. Hier können dann auch die ggf. notwendigen weiteren Schritte eingeleitet werden.

von
Really cool

Diese Variante hat was!

Mit RB 09/2018 ergibt sich 4x Teilrente a ca. 533 Euro und für 2019 Dann 7x 133 Euro, gesamt 3068 Euro und ca. 0,62 EP, die nicht in Anspruch genommen wurden, kommen auch wieder zum Vorschein.

So wollte es der Gesetzgeber!?
:-)

von
KSC

Ja so wollte es wohl der Gestzgeber.....

Und alle wundern sich dass sich der Berater im damaligen Gespräch nicht 1 Stunde oder auch mehr Zeit genommen hat, dies dem Kunden in aller Ausführlichkeit zu erklären, bis der das dann versteht.

Erinnert mich irgendwie ans Flüchtlingsbundesamt: die Politik schafft Fakten, aber ob und wie die Verwaltung das dann umsetzt, kümmert dort oben keinen.

Und die Opposition beschuldigt die Regierung, usw.

Es ist schon irgendwo Zufall ob eine Flexiberating möglich ist....oder am Zeitraster und der Anzahl der Kunden scheitert.

von
Beitragslaie

Vielen Dank auch. Werde die zustimmenden Antworten dann mal meinem Bekannten weiterleiten. Statt des üblichen Honorars für einen privaten Rentenberater, der das natürlich auch nicht mal kurz aus dem Ärmel schüttelt, werde ich ihn zu einem Gläschen einladen.
Der Tipp kommt für mich zwar zu spät, mag aber dem einen oder anderen Forumsleser nützlich sein.
Danke vom Beitragslaien

von
Tollhaus DRV

interpretiere ich dies richtig, muss der Versicherte mit " richtigen " Fragen die er nur von einem freien Rentenberater bekommt , seine Rente von etwa 830.-- Euro auf 1.330.-- Euro erhöhen können, durch etwas Wartezeit , richtiger Zeitpunkt des Rentenantrages.??

Nicht durch Einzahlung von freiwilligen Beiträgen.

Ist das so richtig DRV?
Von der DRV wird er darauf beim Beratungsgespräch nicht hingewiesen !

Ist das der Grund von einem Rentensprung von etwa 800.-- Euro auf 1.300.-- Euro

Ich kann dies nicht glauben.

Zitiert von: Experte/in
Hallo Beitragslaie,

zunächst: Bei dem von Ihnen dargestellten Sachverhalt handelt es sich um eine sehr komplexe Fragestellung deren umfassende Beantwortung den Rahmen dieses Forums sprengen würde.

Die von Ihrem DRV-Berater durchgeführte Beratung bezog sich offenbar nur auf die Möglichkeit des Ausgleichs von Abschlägen. Weitere, sicher sinnvolle alternative Möglichkeiten wurden hierbei offenbar nicht beleuchtet. Warum entzieht sich allerdings meiner Kenntnis…

Grundsätzlich ist die von Ihrem Rentenberater genannte Alternative -ohne Sie hier im Detail nachrechnen zu können - nicht abwegig. Um eine rechtssichere Bestätigung zu erhalten empfehle ich Ihnen daher, sich nochmals an die Auskunfts- und Beratungsstelle zu wenden und hierbei auch direkt die von Ihrem Rentenberater genannte Alternative anzusprechen/zu hinterfragen. Hier können dann auch die ggf. notwendigen weiteren Schritte eingeleitet werden.

von
???

"Alle Beträge natürlich nur als Summe bis zur Regelaltersgrenze."

Er hat hier anscheinend die Teilrentenbeträge ab Rentenbeginn bis zur Regelaltersgrenze zusammengerechnet. Solche Steigerungen sind durch reines zuwarten von nicht mal einem Jahr nicht zu erreichen.

von
Beitragslaie

Zitiert von: Really cool
Diese Variante hat was!

Mit RB 09/2018 ergibt sich 4x Teilrente a ca. 533 Euro und für 2019 Dann 7x 133 Euro, gesamt 3068 Euro und ca. 0,62 EP, die nicht in Anspruch genommen wurden, kommen auch wieder zum Vorschein.

So wollte es der Gesetzgeber!?
:-)

Ähnlich rechnet mein Bekannter auch: 4*535 und 7*135, also 3086 etwas mehr + noch knapp 20 ab Regelaltersgrenze. Sehr schön, dass man in der Größenordnung doch übereinstimmt.

Und ja, so wollte des der Gesetzgeber (vielleicht) wohl. Aber hat er das (und viele andere Kuriositäten) auch bewusst geregelt? WC ( wohl kaum)
mein jedenfalls mein Bekannter

von
Willy wills wissen

Zitiert von: Beitragslaie
Zitiert von: Really cool
Diese Variante hat was!

Mit RB 09/2018 ergibt sich 4x Teilrente a ca. 533 Euro und für 2019 Dann 7x 133 Euro, gesamt 3068 Euro und ca. 0,62 EP, die nicht in Anspruch genommen wurden, kommen auch wieder zum Vorschein.

So wollte es der Gesetzgeber!?
:-)

Ähnlich rechnet mein Bekannter auch: 4*535 und 7*135, also 3086 etwas mehr + noch knapp 20 ab Regelaltersgrenze. Sehr schön, dass man in der Größenordnung doch übereinstimmt.

Und ja, so wollte des der Gesetzgeber (vielleicht) wohl. Aber hat er das (und viele andere Kuriositäten) auch bewusst geregelt? WC ( wohl kaum)
mein jedenfalls mein Bekannter

Kann das eigentlich jeder Rentenberater rechnen?
Oder nur die Guten?

von
Schade

Das sollte jeder Berater der DRV drauf haben.

Aber zwischen Theorie und Praxis können Welten liegen

Probleme können sein:

1) Zeitdruck - für eine perfekte Beratung im Sinne der Ausgangsfrage braucht es m.E. fürs Erstgespräch schon mal mindestens 1 Stunde. Dann benötigt der Kunde Zeit diese Informationen zu verarbeiten, gerade der Selbständige sollte die Konsequenz seiner Investition auch noch mit seinem Steuerberater abklären. Möglicherweise kommen Rückfragen vom Steuerberater und vom Kunden, dann benötigt der Berater nochmals Zeit sich in den Fall hineinzudenken, also auch wieder mindestens eine halbe Stunde.
Und wenn es zum Rentenantrag kommt geht die zeitaufwändige Diskussion vielleicht erneut los (dauert wieder länger als ein 0815 Altersrentenantrag. "soll ich jetzt im Oktober in Rente oder doch erst im November?"

2) Der Kunde kommt nicht jedes Mal zum gleichen Berater, der Kollege muss sich also auch wieder mühsam in die Besonderheit dieses Falles einarbeiten (s.o.)und sieht den ein oder anderen Punkt vielleicht ganz anders, bzw. muss die gesamten Hintergründe des Falles neu erfragen.

3)Es gibt Kunden die mit der Komplexität einer Flexiberatung heillos überfordert sind, die es einfach nicht kapieren. Entweder wegen Sprachproblemen oder intellektueller Kapazität oder weil es der Berater nicht schafft das problem einfach darzustellen.

4) Je nach Arbeitsvertrag / Tarifvertrag zickt ein Arbeigeber rum, wenn ich mit einem Kunden einen "genialen Flexiplan" ausgearbeitet habe. Oder der AG bringt den tollen Spruch " so was hatten wir hier noch nie".

5) Vorgaben der DRV für den Berater, dessen Zeitplanung von 30 Minuten Beratungen ausgeht. Da klappt es nicht wenn immer wieder ausführlichst beraten wird.

6) Ich hatte auch schon Kunden, die zusätzlich zum vollen Lohn mehrere Monate Teilrenten in erheblichem Umfang hätten bekommen können und dann kam am Schluss die Aussage "das will ich nicht" ohne dass diese Menschen einen vernünftigen Grund nennen konnten. Da ist der Berater dann sprachlos und alle Mühe war vergebens.

7) u.v.m.

Das ganze Thema ist sehr vielschichtig und kompliziert. Allen sei gesagt es gibt wie überall im Leben nicht nur "richtig" oder "falsch", "schwarz" oder weiß" und und auch bei den Beratern der DRV gilt die statistische Normalverteilung wie in jedem Beruf: es gibt begabtere und weniger Begabte, Engagierte und weniger Engagierte.....genauso wie es freundliche und weniger freundliche Menschen auf Kundenseite gibt.

von
W*lfgang

Zitiert von: Willy wills wissen
Kann das eigentlich jeder Rentenberater rechnen?

... kriegt der auf'm Bierdeckel hin :-)

Bastelt sich ne Excel-Tabelle (muss das ein Rentenberater können? ;-)) oder nimmt die vorbereitete Tabelle von der DRV und spielt damit ein wenig die Daten durch:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/5_Services/02_online_dienste/03_online_rechner_nutzen/flexirentenrechner/Hinzuverdienstrechner_node.html

Mit den Rahmendaten und diversen Gestaltungsmöglichkeiten (erwartete steigende/fallende Rente ab Tag X, ggf. unter Berücksichtigung variabler Abschläge + noch folgend zu berücksichtigende EP) sollte man vertraut sein - und ja, das Finanzamt hätte gern hintendran auch noch was vom zusätzlichen Rentenkuchen ab. DAZU weitere Infos kann eigentlich jeder Steuerberater geben - frag dazu niemals deinen Rentenberater, damit ist schon 1 Minute Beratungszeit vergeigt ;-)

Es ist im Detail etwas *tricky und leichter 'Schwund' in den Einschätzungen ist enthalten. Extrem seltene/böse Fallen lauern vielleicht im Bereich Gesamtleistungsbewertung /FRG /Mindest-EP …ich schlage mal eben die Finger zum Kreuz *g

Wie KSC schon sagte, alles eine Frage der verfügbaren Zeit - und da schaut man sich vielleicht die prägnanten Fälle mit einem halben Auge mal kurz genauer an.

Gruß
w.

von
W*lfgang

Zitiert von: Schade
Das sollte jeder Berater der DRV drauf haben.(..)

im Allgemeinen und im Besonderen sollte man sich ihren Beitrag verinnerlichen, wo die Wechselwirkungen Versicherter/Berater liegen - und die Widrigkeiten/Erfolge jeder Beratung!

Gruß
w.

von
Werner67

Eine Beratung sollte auf jeden Fall enthalten:
1. die Erläuterung der Hinzuverdienstgrenze
2. nahe liegende Informationen (wie z.B. wenn jemand im Dezember in Rente geht, dass er in diesem einen Monat den kompletten Jahresbetrag von 6300,- EUR hinzuverdienen darf)
3. den Hinweis, dass bei Überschreiten dieser Grenze 40% des zuviel erzielten Entgeltes von der Rente abgezogen und dementsprechend eine Teilrente gezahlt wird. (+ ggf. Hinweis auf den Hinzuverdiestdeckel)

An dieser Stelle endet dann aber auch in der Regel die Beratung, es sei denn, der Kunde zeigt Interesse an weitergehenden Informationen, etwa in der Art:
"Auch so? Das interessiert mich jetzt. Wie ist es denn z.B. wenn ich den Rentenbeginn verschiebe auf ... und nebenher noch arbeite?"

Eine Beratung ist eben immer eine Gratwanderung: Der Ratsuchende soll alle Informationen bekommen, die er für seine Entscheidung braucht. Er darf aber auch nicht mit Informationen überladen werden, die für ihn gar nicht wichtig sind (weil er z.B. kein Interesse an einem Hinzuverdient hat). Ein Zuviel an Informationen führt leicht dazu, dass in der Erinnerung des Kunden schon kurze Zeit nach der Beratung alles durcheinander gerät oder dass die wichtigen Informationen untergehen oder falsch erinnert werden. Gerade beim Hinzuverdienst ist der Sachverhalt auch schon kompliziert genug, wenn man sich auf das Notwendige beschränkt.

Also: wer zur Beratung geht, sollte gut zuhören und dem Berater deutlich sagen, was ihn interessiert. Und es schadet auch nichts, wenn man eine zweite Person (Freund, Ehepartner) zur Beratung mitnimmt, weil "4 Ohren mehr hören als 2" und man sich später noch mal austauschen kann.

Gruß
Werner.