Wechsel aus der Selbständigkeit in ein Angestelltenverhältnis

von
TH

Ich überlege derzeit wieder eine Festanstellung einzugehen und möchte daher wissen, ob es eine Möglichkeit gibt die private Rentenversicherung anstatt der gesetzlichen Versicherung beizubehalten.
Bisher konnte ich nur nachlesen, das man wieder verpflichtet ist in die gesetzliche Rente einzuzahlen, was allerdings den privaten Rentenplan zerstören würde.
Beide Absicherungen zu nutzen bzw in beide Kassen einzuzahlen, ist aus dem mit den finanziellen Mitteln nicht möglich und die Stillegung der Privaten sowie Wiederaufnahme der Gesetzlichen nach 20 Jahren würde 2 halbgare und damit ineffiziente Verträge erzeugen.
Welche Möglichkeiten habe ich in dem Fall?

von
Klugpuper

Versicherungspflicht kraft Gesetzes hat nicht wirklich etwas mit einem Vertrag zu tun.

Es liegen nicht wirklich viele Fakten auf dem Tisch. Es gibt (sehr eingeschränkt) die Möglichkeit der Befreiung von der Versicherungspflicht. Könnte man zumindest prüfen.

Mit Entgeltdesign könnte man vielleicht eine Lösung finden, die Ihnen vorläufig zusagt.

von
suchenwi

> die Stillegung der Privaten sowie Wiederaufnahme der Gesetzlichen nach 20 Jahren würde 2 halbgare und damit ineffiziente Verträge erzeugen.

GRV ist halt Pflicht bei "unselbständiger Beschäftigung" oberhalb Minijob. Bei 20 Jahren Lücke wird aber wohl nur die Option Altersrente bei Regelalter (65..67..) bleiben, wenn wenigstens 5 Jahre Beiträge gezahlt wurden (bedarfsweise freiwillig nachzahlen). (35 für "langjährig", 45 für "besonders langjährig").

Immerhin zahlt der Arbeitgeber den halben Beitrag, bei Knappschaft sogar grob 2/3. Steuerlich sind die eigenen Beiträge auch teilweise vom vzE absetzbar.

Ich kenne Ihre Effizienzkriterien nicht, aber es wird immer wieder mal empfohlen, die Altersversorgung auf mehrere "Säulen" zu stützen, und GRV ist die erste davon.

von
W*lfgang

Zitiert von: TH
Ich überlege derzeit wieder eine Festanstellung einzugehen und möchte daher wissen, ob es eine Möglichkeit gibt die private Rentenversicherung anstatt der gesetzlichen Versicherung beizubehalten.

Hallo TH,

als 'schlicht' abhängig Normal-Beschäftigter: einfach nein! Da gibt es keinen 'Wahlmodus'.

Die DRV fängt Sie als Pflichtbeitragszahler damit wieder ein, Beiträge werden bis max. zur Beitragsbemessungsgrenze (78.000 € in 2018) fällig, eine Befreiungsmöglichkeit gibt es da nicht.

Ggf. können Sie Ihre private Versicherung 'ruhend' stellen, und/oder geringere Beiträge dort künftig hinterlegen - oder mit Ihrem AG ein Agreement finden, dass er das weiter (teil)finanziert.

Gruß
w.

von
suchenwi

Bei hinreichend verfügbaren Mitteln kann man auch gesetzliche und private RV parallel "füttern", wie ja von "Säulen"-Predigern empfohlen wird.

Und sogar mit Steuervorteil. Beiträge zur Altersversorgung können als Altersvorsorge zum Teil abgesetzt werden. Bei der GRV wird das etwas komisch berechnet: erst alle (AG+AN), davon ein Prozentsatz (2018: 86%), davon wieder ab die AG-Beiträge...

Private (oder freiwillige gesetzliche) Beiträge können Sie aber zusätzlich ansetzen, und die Höchstgrenze liegt gnädigerweise beim Höchstbeitrag der knappschaftlichen RV (Glück auf!) - 2018: 23808€. Also 9300€ "Luft" über dem GRV-Höchstbeitrag von 14508€,und ohne AG-Anteil zu 86% vom zvE abziehbar.

Ja, es ist kompliziert... ;^)

von
suchenwi

Mir steht das nächsten Januar bevor (Beratung bei der DRV), Vordruck V0210 (mit sonst sehr langem Namen), um zu erfahren, wieviel ich freiwillig in die GRV einzahlen kann, um Abschläge zu reduzieren.
Vorläufig geplant sind 16468€ für 2018, was 2.45 Entgeltpunkte bringen würde. Nach älteren Daten (von 2016) würde das 3473€ ESt-Nachlass ergeben, entspricht 0.52 EP, also gut 20%.

Wieviel 16468€ Einzahlung bei Ihrer privaten Rentenversicherung einbringen, müssen Sie selber recherchieren.

von
suchenwi

Nachtrag, hier ist der sehr lange Name vom V0210:
"Antrag auf Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum
Ausgleich einer Rentenminderung bei vorzeitiger
Inanspruchnahme einer Rente wegen Alters"

von Experte/in Experten-Antwort

Hallo TH,

wie sie den bisherigen Beiträgen bereits entnehmen können, gibt es bei einer „normalen“ abhängigen Beschäftigung grundsätzlich keine Möglichkeit, sich aufgrund einer bereits vorliegenden privaten Alterssicherung von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung befreien zu lassen. Lediglich für ganz besondere Fallgestaltungen, welche in § 5 und 6 SGB VI abschließend (von Übergangsregelungen abgesehen) aufgezählt sind, sieht der Gesetzgeber die Versicherungsfreiheit oder die Möglichkeit der Befreiung von der Versicherungspflicht vor.

Link zu § 5 SGB VI (Versicherungsfreiheit):

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Gt.do?f=G_SGB6_5G0&id=%A7%205%20Versicherungsfreiheit%20%205%205354

Link zu § 6 SGB VI (Befreiung von der Versicherungspflicht):

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Gt.do?f=G_SGB6_6G0&id=%A7%206%20Befreiung%20von%20der%20Versicherungspflicht%20%205%205355