Zahlung für Rentenabschläge

von
50erin

Liebe Leser,

dieses Jahr werde ich 50 (Jahrgang 08/1972) und wäre dann berechtigt Ausgleichszahlungen für eine vorzeitige Inanspruchnahme der Rente für langjährige Versicherte zu leisten. Die 35 Jahre bekomme ich bis dahin (September '35) ziemlich sicher auch zusammen, 45 Jahre sicher nicht (die hätte ich erst ca. mit der regulären Altersrente im September '39).

Noch geht es mir gut und ich bin aktuell mit 38h pro Woche berufstätig. Durch eine (sich oft stark verschlimmernde) chronische Krankheit kann es aber sein, dass ich doch noch in Erwerbsminderungsrente gehen muss.

Jetzt frage ich mich, wie diese freiwilligen Zahlungen für den Ausgleich des Abschlags und die Zurechnungszeit verrechnet werden?

Wenn ich bis zur vorgezogenen Rente im Schnitt 1 Punkt / Jahr verdient haben werde und auf 40 Jahre komme, wären das ja 40 Punkte. Für die 4 Jahre früher in Rente gehen, bekomme ich dann 14,4% Abzug = 5,76Punkte.

Was ist, wenn ich für diese diese 5,76 Punkte Ausgleichszahlungen leiste - immerhin 41.677EUR - und dann doch in Erwerbsminderungsrente muss:
- Werden die 5,76Punkte dann auch noch mit der Zurechnungszeit hochgerechnet oder
- werden diese von der Zurechnungszeit "überschrieben" und entfallen damit oder
- nochmals etwas anderes?

Vielen Dank im Voraus für ein paar Entscheidungshilfen, ob diese Zahlung für den Fall einer nicht unwahrscheinlichen EM-Rente sinnvoll ist ... oder auch nicht.

50erin.

von
Fabian

Wenn die Ausgleichszahlung vor Eintritt der Erwerbsminderung gezahlt werden, dann kann die Einzahlung sinnvoll sein.
Eine Verrechnung mit der Zurechnungszeit findet nicht statt. Wenn sie allerdings gezahlt haben und es kommt zu einer rückwirkenden Krankheitsrente mit einem Rentenbeginn vor dem Termin der Einzahlung haben Sie mit Zitronene gehandelt.

Merke Diese Einzahlung ist etwas für Steuersparfüchse mit hoher Lebenserwartung .
Nicht zwingend etwas für Otto Normalverbraucher.
Schauene Sie sich mal auf dem "Privatierblog" um. Da geht's dann darum. sechstellige Abfindungssummen in Niedrigzinsphasen vor dem Fiskus zu retten.
Für Geringverdiener, die nicht lange etwas von Ihrer Rente haben werden, ist das halt eine Wette auf ein langes Leben.
In ihrem konreten Fall könnte es etwas für sie sein, wenn sie die Summe aus steuerlichen Gründen ab diesem Jahr verteilt einzahlen sicher davon ausgehen in ein paar Jahren eine Rente aus gesundheitlichen Gründen zu erhalten. sie aber gleichzeitig sicher sind, dass sie noch mindestens 20 Jahre eine Rente zu beziehen.
Wenn Sie aber erst in 13 bis 17 Jahren erstmals eine Altersrente beziehen, kann die Entscheidung bereits heute mit 50 eine große Summe einzuzahlen rückblickend unrentabel sein.
Wer weiß was und wen die deutsche Bevölkerung bis dahin noch als Regierung wählt, die dann irgendwann mal doch den Rotstift ansetzt.

Warum die Zahlung in diesem Jahr lukrativer als im Jahr 2021 aber auch 2023 ist erfahren Sie sehr ausführlich Beitrag beim Rentenfuchs (einfach bei Bedarf mal googeln

Experten-Antwort

Hallo 50erin,

ergänzend zu den Ausführungen von „Fabian“:

Der von Ihnen beschriebene Sachverhalt beinhaltet eine komplexe Rechtsmaterie. Neben den rentenrechtlichen Gesichtspunkten, können auch steuerliche Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Wir empfehlen Ihnen, sich ausführlich persönlich beraten zu lassen. Bitte wenden Sie sich dafür an den für Sie zuständigen Rentenversicherungsträger.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

von
50erin

Hallo Fabian,
danke für den Hinweis auf das Forum. Ich werde versuchen mich mal dort einzulesen.

Hallo Experten,
danke für die Antwort. In Bezug auf die steuerliche Seite kann ich mich während meiner 38h-Arbeitswoche schlau machen - das ist nicht das Thema. Der Hinweis auf die Ausgleichszahlungen kam von meinem Chef ;-)

Was mich wirklich interessiert, ist wie sich die Ausgleichszahlung bei einer eventuellen EM-Rente auswirken. Hierzu muss es doch einen Gesetzestext, eine Arbeitsanweisung oder ähnliches geben. Ich bin mir sicher, dass die Kollegen auf der Beratungsstelle diese Fragen auch nicht aus dem Stegreif beantworten können. Es wäre also wirklich hilfreich, wenn Sie mir hier etwas mehr "Lesestoff" zur Verfügung stellen können.

Danke schon mal.
50erin

von
KSC

Wenn Sie die Ausgleichszahlung geleistet haben bevor die EM eingetreten ist haben Sie damit die EM Rente um die EP erhöht, um die sich auch die Altersrente erhöhen würde.

Das Problem ist halt dass man den Eintritt der EM nicht planen kann. Tritt diese vor der Zahlung ein, wirken sich die Zahlungen erst auf die Altersrente aus und fallen da möglicherweise mit der Zurechnungszeit zusammen. Das kann zur Folge haben dass es nichts mit der erwarteten Rentensteigerung wird und man feststelt dass man sich die Zahlung auch hätte sparen können.

Da braucht sich der Berater nicht groß einlesen.

Sie können aber auch nicht erwarten dass er Ihnen jedes hätte wenn und aber aufdröselt.

Er wird Ihnen sagen dass Sie für 25000 € Zahlung ungefähr 100 € mehr Rente bekommen, entweder im Alter oder halt bei EM (aber halt mit oben erwähntem Risiko).

von
Maximilian

Zitiert von: KSC
Wenn Sie die Ausgleichszahlung geleistet haben bevor die EM eingetreten ist haben Sie damit die EM Rente um die EP erhöht, um die sich auch die Altersrente erhöhen würde.

Heißt das, dass sich die Ausgleichszahlung nicht auf den Durchschnitt für die Zurechnungszeit auswirkt?

Mit hatte die Beraterin in der Auskunfts- und Beratungsstelle abweichendes erklärt.

von
LSch

Nach meiner Kenntnis errechnet sich der Durchschnitt, mit dem die Zurechnungszeit bewertet wird, aus den Entgeltpunkten, die im Erwerbsleben bis zum Monat vor Rentenbeginn erzielt wurden.
.
Der Minderungsausgleich hingegen ist eine Zahlung, die eine Entgeltpunkte-Minderung wegen früherem Rentenbeginn kompensieren soll.
.
So gesehen liegen hier zwei unterschiedliche Rentensachverhalte zugrunde. Die Ausgleichszahlung kann keine Auswirkung auf den Durchschnitt haben, meine ich.

von
50erin

Hallo KSC,

auch Ihnen vielen Dank!

Mit Ihrer Antwort, dass die Punkte der Ausgleichszahlung zu den eigenen Punkten der EM hinzugezählt werden, haben Sie meine eigentliche Frage aus dem Ursprungspost doch schon vollumfänglich beantwortet. Diese war nämlich nämlich
"- Werden die 5,76Punkte dann auch noch mit der Zurechnungszeit hochgerechnet oder
- werden diese von der Zurechnungszeit 'überschrieben' und entfallen damit oder
- nochmals etwas anderes."

Es war "etwas anderes" (alles andere war halt mein wohl etwas ausuferndes Beispiel): Die Punkte werden ohne weitere Hochrechnung nach der normalen Berechnung der EM-Rente zu diesen Punkten dazu addiert.

Ihre Antwort war auch für einen Laien klar verständlich.

Und wie Sie an den Aussagen von "Maximilian" und "LSch" sehen, sind die Antworten auf den Beratungsstellen auch nicht immer eindeutig.

Des Risikos, dass die Zahlung ins Leere läuft, wenn ich rückwirkend EM werde, bin ich mir bewusst. Da ich aktuell noch keine relevanten Probleme / Krankheitstage habe, sollte das in den nächsten Jahren erst Mal kein Thema sein. Ich werde es aber im Hinterkopf behalten und die Einzahlungen aus Steuergründen sowieso auch "scheibchenweise" machen; das sollte dieses Risiko auf jeden Fall etwas reduzieren.

Hallo Experten-Team,

können Sie die Aussage von KSC bestätigen?
- Zunächst wird EM ganz normal berechnet (ohne Ausgleichszahlung)
- dann kommmen die Punkte von der Ausgleichszahlung dazu (werden diese eigentlich nochmal gekürzt um die 10,8%?)

In den Auskunftsstellen der DRV bekommmt man wohl auch keine eindeutigen Antworten (siehe "Maximilian" und "LSch"), daher wäre ein allgemeiner Gesetzestext o.ä. wirklich hilfreich (rund um den §187a / SGB VI habe ich nichts gefunden).

Danke
50erin

Danke!
50erin

Experten-Antwort

Hallo 50erin,

Beiträge, die nach § 187a SGB VI zum Ausgleich einer Rentenminderung wegen vorzeitiger Inanspruchnahme einer Altersrente vor einer Rente wegen Erwerbsminderung gezahlt werden, wirken sich bereits bei der Rente wegen Erwerbsminderung erhöhend aus.

Der Zuschlag, der sich aus den Beiträgen nach § 187a SGB VI errechnet, wird zusätzlich zur Rente wegen Erwerbsminderung gezahlt.

Allerdings ist beim Zuschlag auch der Zugangsfaktor der Rente wegen Erwerbsminderung zu berücksichtigen.

Viele Grüße
Ihr Expertenteam der Deutschen Rentenversicherung

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