Zu spät?

von
Retroaktiv

Ich bin Ende Juli 1952 geboren und habe Anfang Februar 2018 bei der Beratungsstelle der DRV einen Antrag auf „frühestmögliche“ Altersrente gestellt. Dank des Einsatzes des Beraters konnten einige Monate an Arbeitslosigkeit noch als Bezug von Arbeitslosengeld geklärt werden. Damit hatte ich dann ab Juli 2017 die erforderlichen 45 Jahre für die abschlagsfreie Altersrente. Bis Januar 2018 habe ich in letzter Zeit monatlich geringfügig unterhalb des kalenderjährlichen Freibetrags von 6300 € verdient. Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass mir die abschlagsfreie Rente rückwirkend ab Dezember 2017 bewilligt werden kann. Nun sagt mir aber ein zugelassener Rentenberater, dass das nicht möglich wäre, ich vielmehr mit der Altersrente für langjährig Versicherte und einem Abschlag von 0,6 % vor Lieb nehmen muss.
Was stimmt denn nun?

Experten-Antwort

Hallo Retroaktiv,
ohne Einblick in Ihr Versicherungskonto kann ich Ihnen hierzu keine konkrete Auskunft geben. Sofern die erforderlichen 45 Jahre erfüllt waren, könnten Sie ggf. aufgrund des Antrags im Februar 2018 die abschlagsfreie Rente ab 01.02.2018 (Beginn des Antragsmonats) erhalten.
Die Frage ist, welche Rente tatsächlich beantragt wurde. Wurde tatsächlich "frühestmögliche" Rente beantragt, könnte es tatsächlich sein, dass Sie aufgrund eines besonderen Dispositionsrechts rückwirkend ab Dezember 2017 eine Rente mit Abschlägen erhalten.
Mein Tipp: suchen Sie nochmal die Beratungsstelle auf und versuchen Sie dies zu klären. Ggf. können Sie innerhalb der Widerspruchsfrist den Rentenantrag auf die "frühestmögliche" Rente noch zurücknehmen.

von
Retroskriv

Zitiert von: Experte/in
Hallo Retroaktiv,
ohne Einblick in Ihr Versicherungskonto kann ich Ihnen hierzu keine konkrete Auskunft geben. Sofern die erforderlichen 45 Jahre erfüllt waren, könnten Sie ggf. aufgrund des Antrags im Februar 2018 die abschlagsfreie Rente ab 01.02.2018 (Beginn des Antragsmonats) erhalten.
Die Frage ist, welche Rente tatsächlich beantragt wurde. Wurde tatsächlich "frühestmögliche" Rente beantragt, könnte es tatsächlich sein, dass Sie aufgrund eines besonderen Dispositionsrechts rückwirkend ab Dezember 2017 eine Rente mit Abschlägen erhalten.
Mein Tipp: suchen Sie nochmal die Beratungsstelle auf und versuchen Sie dies zu klären. Ggf. können Sie innerhalb der Widerspruchsfrist den Rentenantrag auf die "frühestmögliche" Rente noch zurücknehmen.

Ab Februar 2018 kann ich ohnehin schon die abschlagsfreie Regelaltersrente erhalten. Mir geht es ja gerade um eine frühestmögliche, also früher beginnende abschlagsfrei Rente. Da verstehe ich den Tipp nicht, den Antrag für die "frühestmöglich" Rente zurückzunehmen.

von
Prisum

Zitiert von: Retroskriv
Zitiert von: Experte/in
Hallo Retroaktiv,
ohne Einblick in Ihr Versicherungskonto kann ich Ihnen hierzu keine konkrete Auskunft geben. Sofern die erforderlichen 45 Jahre erfüllt waren, könnten Sie ggf. aufgrund des Antrags im Februar 2018 die abschlagsfreie Rente ab 01.02.2018 (Beginn des Antragsmonats) erhalten.
Die Frage ist, welche Rente tatsächlich beantragt wurde. Wurde tatsächlich "frühestmögliche" Rente beantragt, könnte es tatsächlich sein, dass Sie aufgrund eines besonderen Dispositionsrechts rückwirkend ab Dezember 2017 eine Rente mit Abschlägen erhalten.
Mein Tipp: suchen Sie nochmal die Beratungsstelle auf und versuchen Sie dies zu klären. Ggf. können Sie innerhalb der Widerspruchsfrist den Rentenantrag auf die "frühestmögliche" Rente noch zurücknehmen.

Ab Februar 2018 kann ich ohnehin schon die abschlagsfreie Regelaltersrente erhalten. Mir geht es ja gerade um eine frühestmögliche, also früher beginnende abschlagsfrei Rente. Da verstehe ich den Tipp nicht, den Antrag für die "frühestmöglich" Rente zurückzunehmen.

Und warum hast du es nicht gemacht. Wir haben jetzt schon Ende März. Bei deinem Kauderwelsch würde ich das auch nicht verstehen.

Grüße

von
W*lfgang

Hallo Retroaktiv,

man muss hier trennen, bei den Anpruchsmöglichkeiten/Erfüllung der Voraussetzungen für die
- Rente ohne Abschlag
- die frühestmögliche Rente (mit Abschlag)
und dem _abhängig vom Antragsdatum_ frühestmöglichen Zahlungsdatum.

Die abschlagsfreie Rente mit den 45 kann erst ab Antragsmonat/01.02.2018 gezahlt werden, eine rückwirkende Zahlung dieser Rente im Rahmen der sonst üblichen 3-Monatsfrist (ab 01.12.2017) ist nicht möglich.

Die frühestmögliche Rente, die Sie ja haben wollen (die benötigt nur 35 Jahre, die 45 sind da bedeutungslos!) kann hingegen noch ab 01.12.2017 nachgezahlt werden - und die hat dann eben den Abschlag - errechnet rückwärts von der Regelaltersgrenze/rente ab 01.02.2018 ...01.12.2017 ist 2 Monate vorgezogener Rentenbeginn x 0,3 % = 0,6 % Abschlag. Insofern alles richtig.

Sie müssen nun bewerten, ob Sie lieber 2 x die um 0,6 % gekürzte Rente (auf Dauer!) mitnehmen wollen oder darauf verzichten, um dann im Methusalem-Alter mit dem Mehrbetrag von 0,6 % so richtig abzukassieren und Sie dann noch beschwerdefrei ein Fass auf dem Rollator ins Pflegeheim bugsieren können ;-)

Machen wir einfach mal eine Rechnung auf:

- 1000 EUR Rente ohne Abschlag
- 0,6 % sind 6 EUR weniger
- 994 x 2 Monate wären aber schon 1988 EUR
- 1988 nicht erhalten und dann Mehrbetrag von 6 EUR extra = 332 (Monate!, 1988 / 6), bis Sie die liegen gelassen 1988 EUR zusammen hätten – überzeugt?! :-)

Nebenbei, für den Minijob 12.2017 - 01.2018 gibt es dann noch ein paar Cent Rente ohne Anschlag ab 01.02.2018 oben drauf.

Gruß
w.
PS: Antragsaufnahme war in 02.2018, oder hatten Sie den Termin schon davor/nachweislich vereinbart? Dann kämmen Sie vielleicht noch ein paar mehr Monate rückwirkend in die Rentenzahlung – natürlich stiege der Abschlag, ab in der Summe ist das völlig unbedeutend.

von
Retroaktiv

W*lfgang,
danke, sehr schön verständlich.

Aber warum kann die abschlagsfreie Rente mit den 45 erst ab Antragsmonat/01.02.2018 gezahlt werden und woraus ergibt sich, dass eine rückwirkende Zahlung dieser Rente im Rahmen der sonst üblichen 3-Monatsfrist (ab 01.12.2017) nicht möglich ist?

War nur mal so eine Rückfrage. Bis die Kürzung der Rente um 6 € den Ertrag von 1988 € aufgezehrt hat, dauert ja ganz schön lange. Ich melde mich dann wieder!
Gruß
Retroaktiv

von
W*lfgang

Zitiert von: Retroaktiv
Aber warum kann die abschlagsfreie Rente mit den 45 erst ab Antragsmonat/01.02.2018 gezahlt werden und woraus ergibt sich, dass eine rückwirkende Zahlung dieser Rente im Rahmen der sonst üblichen 3-Monatsfrist (ab 01.12.2017) nicht möglich ist?

Unwissende oder Zelda oder andere Mehrwissende habe das erst vor ein paar Tagen ausführlich dargestellt - schlicht: bei der abschlagsfreien Rente können Sie das Rentenbeginndatum frei wählen und auch rückwirkend ab Antragsdatum 3 Monate zurück gehen, weil eine abschlagsfreie Rente noch nicht möglich ist. Mit der abschlagsfreien Rente haben Sie die dafür erforderliche abschlagsfreie Altersgrenze erreicht/überschritten - deswegen kein rückwirkender Rentenbeginn möglich.

§§ suche ich dazu eben mal nicht raus/werden spätestens morgen folgen ...dafür ist das Spiel D/BRA viel zu interessant ;-)

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo Retroaktiv,
der Gesetzgeber hat in § 99 SGB VI geregelt:
"eine Rente ... wird von dem Kalendermonat an geleistet, zu dessen Beginn die Anspruchsvoraussetzungen für die Rente erfüllt sind, wenn die Rente bis zum Ende des 3. Kalendermonats nach Ablauf des Monats beantragt wird, in dem die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Bei späterer Antragsstellung wird eine Rente ... von dem Kalendermonat an geleistet, in dem die Rente beantragt wird."
Wenn Sie also in der Vergangenheit die Voraussetzungen für eine Rente ohne Rentenminderung erfüllt haben und den Antrag später als 3 Monate nach der Erfüllung des Anspruchs beantragen, kann die Rente erst mit dem Antragsmonat beginnen. Haben Sie also im Februar den Antrag gestellt, könnte der Rentenbeginn frühestens der 01.02.2018 sein.
Bei den Renten mit Abschlägen gibt es ein besonderes Dispositionsrecht. Hier ist vom Antragsdatum ausgehend der frühestmögliche Rentenbeginn rückwirkend unter Berücksichtigung der 3-monatigen Antragsfrist festzustellen. Das bedeutet, dass der Antrag als innerhalb der 3 Kalendermonate nach Erfüllung des Anspruchs gestellt wird und somit rückwirkend der Rentenbeginn auf den Beginn des 1. Kalendermonats gelegt wird.

Wie W*lfgang bereits vorgeschlagen hat, können Sie aber ggf. tatsächlich nochmal auf die Beratungsstelle zugehen und sich erkundigen, wann Sie den Februar-Termin gebucht haben. Ggf. kann das Buchungsdatum als Rentenantragsdatum angenommen werden mit der Folge, dass Sie - wie W*lfgangs Ausführung - die "frühestmögliche" Rente sogar noch etwas früher erhalten, wenn auch mit höheren Abschlägen, oder dass Sie im Rahmen einer Umdeutung in die Altersrente für besonders langjährig Versicherte (sofern Sie noch keinen Rentenbescheid haben) oder eines Widerspruchs die abschlagsfreie Rente doch schon ein wenig früher erhalten können und dadurch vielleicht weniger (Terminbuchung Januar?) oder sogar keine Abschläge (Terminbuchung Dezember?) mehr haben. Ein Versuch ist es wert.

von
Imaschmid

Zitiert von: Retroaktiv
Ich bin Ende Juli 1952 geboren und habe Anfang Februar 2018 bei der Beratungsstelle der DRV einen Antrag auf „frühestmögliche“ Altersrente gestellt. Dank des Einsatzes des Beraters konnten einige Monate an Arbeitslosigkeit noch als Bezug von Arbeitslosengeld geklärt werden. Damit hatte ich dann ab Juli 2017 die erforderlichen 45 Jahre für die abschlagsfreie Altersrente. Bis Januar 2018 habe ich in letzter Zeit monatlich geringfügig unterhalb des kalenderjährlichen Freibetrags von 6300 € verdient. Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass mir die abschlagsfreie Rente rückwirkend ab Dezember 2017 bewilligt werden kann. Nun sagt mir aber ein zugelassener Rentenberater, dass das nicht möglich wäre, ich vielmehr mit der Altersrente für langjährig Versicherte und einem Abschlag von 0,6 % vor Lieb nehmen muss.
Was stimmt denn nun?

Frage:
Warum bestehen Zweifel an der Aussage des zugelassenen Rentenberaters? Den Sachkundenachweis gibt es vermutlich nicht geschenkt.

von
Fröhlisch

Zitiert von: Imaschmid
Zitiert von: Retroaktiv
Ich bin Ende Juli 1952 geboren und habe Anfang Februar 2018 bei der Beratungsstelle der DRV einen Antrag auf „frühestmögliche“ Altersrente gestellt. Dank des Einsatzes des Beraters konnten einige Monate an Arbeitslosigkeit noch als Bezug von Arbeitslosengeld geklärt werden. Damit hatte ich dann ab Juli 2017 die erforderlichen 45 Jahre für die abschlagsfreie Altersrente. Bis Januar 2018 habe ich in letzter Zeit monatlich geringfügig unterhalb des kalenderjährlichen Freibetrags von 6300 € verdient. Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass mir die abschlagsfreie Rente rückwirkend ab Dezember 2017 bewilligt werden kann. Nun sagt mir aber ein zugelassener Rentenberater, dass das nicht möglich wäre, ich vielmehr mit der Altersrente für langjährig Versicherte und einem Abschlag von 0,6 % vor Lieb nehmen muss.
Was stimmt denn nun?

Frage:
Warum bestehen Zweifel an der Aussage des zugelassenen Rentenberaters? Den Sachkundenachweis gibt es vermutlich nicht geschenkt.


Auch bei den bezahlten Rentenberatern gibt es gute und weniger gute. Das hier war offensichtlich ein sehr guter. Da lohnen dann die paar Hunderter die man investiert hat unter dem Strich.

von
oder so

Mal blöd gefragt: hätte man, durch kalkulierte Mitwirkung, auch nur so viele ALG-Zeiten zum 'Nachverschlüsseln' belegen können, dass der 540. Monat erst mit 11/2017 entstanden wäre?

von
Retroaktiv

Zitiert von: oder so
Mal blöd gefragt: hätte man, durch kalkulierte Mitwirkung, auch nur so viele ALG-Zeiten zum 'Nachverschlüsseln' belegen können, dass der 540. Monat erst mit 11/2017 entstanden wäre?

Sehr gute Frage!!!!
Und dann noch eine Rückfrage an den Experten.
Wo steht denn im Gesetzestext Ihre Auslegung, dass das Dispositionsrecht nur für Renten mit Abschlägen gilt?

von
Fastrentner

Zitiert von: oder so
Mal blöd gefragt: hätte man, durch kalkulierte Mitwirkung, auch nur so viele ALG-Zeiten zum 'Nachverschlüsseln' belegen können, dass der 540. Monat erst mit 11/2017 entstanden wäre?

Wie stellen Sie sich das denn vor?
Wenn die Berücksichtigung der Zeiten von Arbeitslosigkeit, das Erreichen der 45 Jahre zu einem bestimmten Zeitpunkt ergibt, dann wird doch keine Änderung der Speicherung im Interesse des Versicherten vorgenommen. Wo kämen wir denn dann hin, wenn jeder Versicherungsverlauf nicht nach der tatsächlichen Lebenssituation, sondern einer vom Versicherten gewünschten Situation gespeichert würde?

von
Unwissende

Zitiert von: oder so
Mal blöd gefragt: hätte man, durch kalkulierte Mitwirkung, auch nur so viele ALG-Zeiten zum 'Nachverschlüsseln' belegen können, dass der 540. Monat erst mit 11/2017 entstanden wäre?

Hallo,

die Frage ist - leider - überhaupt nicht blöd.

Man kann tatsächlich im Rahmen der Klärung eines AFG-Leistungsbezugs durch "kalkulierte Mitwirkung" ein späteres Datum der Erfüllung der Wartezeit von 45 Jahren bewirken.

Da es sich dabei aber um Sozialbetrug handelt, werde ich hier nicht weiter ausführen, wann und wie dies möglich ist. Jeder, der das macht oder daran denkt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er eine Straftat begeht!

von
Hirni

Zitiert von: Unwissende
Zitiert von: oder so
Mal blöd gefragt: hätte man, durch kalkulierte Mitwirkung, auch nur so viele ALG-Zeiten zum 'Nachverschlüsseln' belegen können, dass der 540. Monat erst mit 11/2017 entstanden wäre?

Hallo,

die Frage ist - leider - überhaupt nicht blöd.

Man kann tatsächlich im Rahmen der Klärung eines AFG-Leistungsbezugs durch "kalkulierte Mitwirkung" ein späteres Datum der Erfüllung der Wartezeit von 45 Jahren bewirken.

Da es sich dabei aber um Sozialbetrug handelt, werde ich hier nicht weiter ausführen, wann und wie dies möglich ist. Jeder, der das macht oder daran denkt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er eine Straftat begeht!

Sozialbetrug? Ball flach halten.

Erstens: im Normalfall wird man die Wartezeit von 45 J. lieber früher als später erfüllen wollen.

Zweitens:der Gesetzgeber wollte es trotz zahlreicher Hinweise dazu so geregelt haben, dass hier der Versicherte mitzuwirken hat, und dieser Mitwirkungswille kann nunmal unterschiedlich sein.

Drittens: es ist nichts Neues - mit dem Nachweis einer Lehrzeit genau dasselbe, kann bis zu 50-60 Euro mehr bringen, kann aber - in seltenen Fällen- auch eine ganze Stange am Mindestentgeltpunkten kosten, nicht wahr?

Und ja, bevor das kommt: das Leben ist kein Wunschkonzert, ist bekannt.

Sozialbetrug in diesem Zusammenhang ist schon sehr weit hergeholt.

von
Unwissende

Zitiert von: Hirni

Sozialbetrug? Ball flach halten.


Sozialbetrug ist überhaupt nicht weit hergeholt, sondern würde im hier diskutierten Fall zweifelsfrei vorliegen:

Wenn Retroaktiv bewusst unzutreffende Angaben zu seinem AFG-Leistungsbezug machen würde oder entsprechende Angaben bewusst verschweigen würde, um gezielt einen späteren Leistungsfall und dadurch einen frühere Rentenzahlung zu bewirken, die ihm tatsächlich (= bei Berücksichtigung des tatsächlichen AFG-Leistungsbezugs) nicht zusteht, handelt es sich um eine Erschleichung von Sozialleistungen und damit Sozialbetrug.

Zitiert von: Hirni

Erstens: im Normalfall wird man die Wartezeit von 45 J. lieber früher als später erfüllen wollen.

Darum geht es bei der Anfrage von @von oder so aber gar nicht! Lesen Sie doch mal den Sachverhalt!
Zitiert von: Hirni

Zweitens:der Gesetzgeber wollte es trotz zahlreicher Hinweise dazu so geregelt haben, dass hier der Versicherte mitzuwirken hat, und dieser Mitwirkungswille kann nunmal unterschiedlich sein.

Dann schauen Sie mal ins Gesetz: "Wer Soziallleistungen beantragt, *HAT* alle Tatsachen anzugeben…"
Der Gesetzgeber hat die Mitwirkung NICHT in den freien Willensbereich des Antragstellers gestellt. Das Gesetz besagt eindeutig was anderes ("hat … anzugeben").

Zitiert von: Hirni

Drittens: es ist nichts Neues - mit dem Nachweis einer Lehrzeit genau dasselbe, kann bis zu 50-60 Euro mehr bringen, kann aber - in seltenen Fällen- auch eine ganze Stange am Mindestentgeltpunkten kosten, nicht wahr?

Was hat das mit dem Fall hier zu tun? Wie kann das mit den Mindestentgeltpunkten auf diesen Fall übertragen werden?
Sie vergleichen hier Äpfel mit Birnen!

von
Quark

Zitiert von: Unwissende
[quote=293572]

Sozialbetrug? Ball flach halten.

Sozialbetrug ist überhaupt nicht weit hergeholt, sondern würde im hier diskutierten Fall zweifelsfrei vorliegen:

Wenn Retroaktiv bewusst unzutreffende Angaben zu seinem AFG-Leistungsbezug machen würde oder entsprechende Angaben bewusst verschweigen würde, um gezielt einen späteren Leistungsfall und dadurch einen frühere Rentenzahlung zu bewirken, die ihm tatsächlich (= bei Berücksichtigung des tatsächlichen AFG-Leistungsbezugs) nicht zusteht, handelt es sich um eine Erschleichung von Sozialleistungen und damit Sozialbetrug.

Die Frage war nicht von Retroaktiv, sondern von "oder so".

Desweiteren: "späterer Leistungsfall und dadurch frühere Rentenzahlung"? Es ist also schlechter, die Wartezeit von 45 Jahren zu haben als die 35 Jahre.

Und die Richtigkeit der AFG Zeiten wird dann wie rekonstruiert? Durchsuchungsbeschluss oder haben Sie noch eine anderen Vorschlag? Lebensfremd diese Sicht der Dinge wie es erscheint.

Aber bleiben Sie bei ihrer Meinung.

von
Retroaktiv

Sozialbetrug will ich natürlich nicht begehen.

Aber kann es denn wirklich logisch sein, dass man bei Erfüllung einer schwierigeren Voraussetzung schlechter gestellt wird als wenn man eine geringere Voraussetzung erfüllt?

von
W*lfgang

Zitiert von: Retroaktiv
Wo steht denn im Gesetzestext Ihre Auslegung, dass das Dispositionsrecht nur für Renten mit Abschlägen gilt?

Hallo Retroaktiv,

aus dem Gesetzestext ergibt es sich nicht:

http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Gt.do?f=G_SGB6_99G1

Aus den GRA der DRV:

reguläres Rentenalter
http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Gt.do?f=G_SGB6_99G1

Rente mit Abschlägen
http://rvrecht.deutsche-rentenversicherung.de/Raa/Raa.do?f=SGB6_99R2.6.2

ist nur eine 'Arbeitsanweisung' zu erlesen, tieferes Wissen/Gerichtsentscheidungen (?) ist da nicht verbaut.

Vielleicht kommt da noch ein Easter Egg, dass das nicht nur mit 'DRV-Laberei' belegt.

Gruß
w.

Experten-Antwort

Hallo Retroaktiv,
dieses besondere Dispositionsrecht steht nicht direkt im Gesetzestext, jedoch im Kommentar dazu:

"Bei vorzeitiger Inanspruchnahme der Altersrente können Versicherte über den Rentenbeginn bestimmen, indem sie hinsichtlich der Erfüllung der altersmäßigen Voraussetzung disponieren. Durch ein ‚Verschieben’ dieser Voraussetzung kann als Rentenbeginn jeder Monatserste bestimmt werden, der zwischen dem Zeitpunkt der frühestmöglichen vorzeitigen Inanspruchnahme und der angehobenen Altersgrenze liegt. Soweit die übrigen Voraussetzungen gegeben sind, bestimmt sich ausgehend von diesem Zeitpunkt dann die Antragsfrist nach § 99 Abs. 1 SGB VI.

Bestimmen Versicherte im Rentenantrag, dass die Altersrente unter Berücksichtigung eines geminderten Zugangsfaktors (§ 77 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 Buchst. a SGB VI) früher als ab dem ‘regulären’ Rentenbeginn geleistet werden soll und sind die jeweiligen Anspruchsvoraussetzungen erfüllt, kann die Rente zu diesem vom Versicherten bestimmten Zeitpunkt beginnen, sofern der Rentenantrag innerhalb von drei Kalendermonaten gestellt wurde.

Wurde der Rentenantrag bezogen auf diesen vom Versicherten bestimmten Zeitpunkt verspätet gestellt, ist abhängig vom Zeitpunkt der Antragstellung der sich unter Beachtung des § 99 Abs. 1 S. 1 SGB VI ergebende frühestmögliche Rentenbeginn zu ermitteln."