Übergangsgeld

Ist der Anspruch auf Krankengeld verbraucht, haben Arbeitnehmer während einer Reha Anspruch auf Übergangsgeld. Auch Teilnehmer an berufsfördernden Rehabilitationsmaßnahmen erhalten die Leistung der Deutschen Rentenversicherung. Je nach Fall zahlen auch andere Sozialversicherungsträger. Welche Voraussetzungen gelten, wie Sie es beantragen, wie lange es gezahlt und wie es berechnet wird – ein Überblick.

Mann in Jeans geht an Krücken und mit Beinschiene durchs Büro, einen Aktenordner unter dem Arm.

Wird ein Arbeitnehmer krank und ist vorübergehend arbeitsunfähig, dann zahlt der Arbeitgeber Lohn oder Gehalt sechs Wochen lang weiter. Was aber, wenn die Krankheit länger dauert, eine Operation mit anschließender Rehabilitationsleistung folgt? Ein beruflicher Neuanfang nötig ist? Wenn der Arbeitgeber nicht mehr zahlt, kann der betroffene Arbeitnehmer Übergangsgeld beanspruchen. Die wichtigsten Eckpunkte im Überblick.

Was ist Übergangsgeld?

Das Übergangsgeld ist als Entgeltersatzleistung eine wirtschaftliche Hilfe, die von verschiedenen Sozialversicherungsträgern erbracht wird. Gezahlt wird es an Menschen, die

  • an einer medizinischen Rehabilitation,
  • einer Anschlussheilbehandlung oder
  • einer beruflichen Wiedereingliederung teilnehmen
  • mit Behinderung ins Arbeitsleben starten.

Die Leistung soll diesen Zeitraum finanziell überbrücken. Es wird deshalb auch nur gezahlt, wenn Versicherte in dieser Zeit kein Arbeitseinkommen und auch keinen Anspruch mehr auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber (in der Regel sechs Wochen) haben. Bestimmte Einkünfte werden aufs Übergangsgeld angerechnet (siehe dazu „Was aufs Übergangsgeld angerechnet wird“).

Wer Übergangsgeld erhält, ist in der Regel in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung pflichtversichert, wenn er dies bereits vorher war. Die Beiträge zahlt der Träger, der auch das Übergangsgeld zahlt. Wer vorher nicht pflichtversichert war, kann sich auf Antrag absichern lassen.

Voraussetzungen

Anspruch auf Übergangsgeld hat, wer

  • unmittelbar vor Beginn einer Reha oder einer vorangegangenen Arbeitsunfähigkeit Einkommen (auch als Selbstständiger oder Freiberufler) erzielt
  • und Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt hat.

Dies gilt auch bei Bezug einer Entgeltersatzleistung wie Krankengeld, Arbeitslosengeld oder Verletztengeld. Kein Anspruch auf Übergangsgeld besteht bei Erhalt von Mutterschaftsgeld.

Übergangsgeld können Arbeitnehmer und andere Rentenversicherte erhalten, die aufgrund einer Erkrankung oder eines Arbeitsunfalls intensive Betreuung benötigen, um wieder arbeiten zu können. Es wird bezahlt bei Leistungen zur medizinischen und beruflichen Rehabilitation und bei Maßnahmen zur Prävention und Nachsorge.

Wer zahlt Übergangsgeld?

Welcher Sozialversicherungsträger das Geld zahlt, ist von Fall zu Fall verschieden:

  • Gesetzliche Rentenversicherung:
    Die Rentenversicherung bezahlt bei allen Reha-Maßnahmen, die den Erhalt der Erwerbsfähigkeit von Arbeitnehmern zum Ziel haben. Sie ist zuständig, wenn der Grundsatz „Reha vor Rente“ zutrifft.
  • Gesetzliche Krankenversicherung:
    Die Krankenkasse zahlt, wenn durch eine medizinische Reha eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit gemindert oder abgewendet werden kann.
  • Gesetzliche Unfallversicherung:
    Die Unfallversicherung ist zuständig, wenn jemand durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit betroffen ist.
  • Agentur für Arbeit:
    Die Agentur für Arbeit übernimmt die Kosten für das Übergangsgeld bei allen Maßnahmen, die Menschen mit Behinderung den Weg in das Berufsleben ebnen.

    Individuelle Auskunft erteilt der jeweils zuständige Sozialversicherungsträger, Service-Telefon der Deutschen Rentenversicherung Bund: 0800 1000 480 70. Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. (BAR) koordiniert und unterstützt das Zusammenwirken der Reha-Träger.

Höhe des Übergangsgeldes

Egal, welcher Träger das Übergangsgeld zahlt: Wie viel Sie bekommen, hängt davon ab, wie hoch Ihr letztes Arbeitsentgelt war.

  • Versicherte ohne Kinder bekommen 68 Prozent von Ihrem letzten Nettolohn.
  • Bei Versicherten mit Kind, für das Kindergeldanspruch besteht, erhöht sich der Anspruch auf 75 Prozent der Berechnungsgrundlage.
  • Dies gilt für Pflegebedürftige, die von ihrem Ehepartner gepflegt werden, und deren Partner wegen der Pflege nicht erwerbstätig sein kann.
  • Für Selbstständige und Freiberufler beträgt das Übergangsgeld in der Regel 80 Prozent des Einkommens aus dem Vorjahr, das für die Berechnung der Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zugrunde gelegt wurde.

Wie lange wird Übergangsgeld bezahlt?

Übergangsgeld wird in der Regel für die Dauer der medizinischen bzw. beruflichen Rehabilitation bezahlt, maximal sechs Wochen.

Wenn Sie eine Leistung aus gesundheitlichen Gründen unterbrechen, aber die Prognose für einen Erfolg bei Wiederaufnahme gut ist, beginnt für Sie dann ein neuer Sechs-Wochen-Zeitraum.

Sind Sie im Anschluss an eine erfolgreiche abgeschlossene Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben weiter arbeitslos, kann das Übergangsgeld bis zu drei Monate weitergezahlt werden.

Während einer Wiedereingliederung im Anschluss an eine medizinische Rehabilitation oder bei Arbeitsunfähigkeit läuft die Zahlung weiter. Mit dem Abschluss der Wiedereingliederung endet der Anspruch, spätestens aber mit einer Arbeitsaufnahme.

Info: Die genauen Regelungen und die Rechtsgrundlage zum Übergangsgeld sind im Sozialgesetzbuch (SGB VI) formuliert. Rechtsvorschriften zur Höhe und Berechnung des Übergangsgeldes sind im SGB IX enthalten.

Wie bekommt man Übergangsgeld?

Übergangsgeld muss beim zuständigen Sozialversicherungsträger beantragt werden. Voraussetzung: Ein Arzt hat die Arbeitsunfähigkeit vorher festgestellt.

Ist der Träger nicht zuständig, bei dem ein Antrag eingeht, ist dieser zur Prüfung und zur Weiterleitung an die richtige Stelle verpflichtet.

Individuelle Auskunft bieten die Rentenversicherungsträger, die Krankenkassen, die Unfallversicherungsträger und die Agentur für Arbeit.

Das komplette Antragspaket finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung: Formulare zum Übergangsgeld

Was wird aufs Übergangsgeld angerechnet?

Hat ein Versicherter während des Bezuges von Übergangsgeld Arbeitseinkünfte, dann werden diese Einkünfte auf das Übergangsgeld angerechnet.

Einnahmen aus selbstständiger oder freiberuflicher Tätigkeit in diesem Zeitraum werden ebenfalls abgezogen.

Angerechnet werden auch Verletztengeld, Erwerbsminderungsrenten, Altersrenten und andere Geldleistungen von öffentlich-rechtlichen Stellen.

Krankengeld oder Übergangsgeld?

Wer aus dem Bezug von Krankengeld in eine Reha-Maßnahme geht, muss das Übergangsgeld beantragen. Die Krankenkassen zahlen während der Reha kein Krankengeld. Wird das eine gewährt, ruht der Anspruch auf das andere, Krankengeld und Übergangsgeld schließen sich gegenseitig aus.

Aufgrund der Berechnungsgrundlage fällt das Übergangsgeld niedriger aus als das Krankengeld. Das Krankengeld beträgt in der Regel 70 Prozent vom letzten Brutto-, aber höchstens 90 Prozent vom letzen Nettogehalt – bis zu einem gesetzlichen festgelegten Höchstbeitrag pro Tag (105,88 Euro für 2019).

Wenn nach einer Reha Arbeitsunfähigkeit attestiert wird, hat der Betroffene wieder Anspruch auf Krankengeld.

Welche weiteren Leistungen können Empfänger erwarten?

Der jeweilige Träger übernimmt die Kosten der Reha und die Beiträge zur Sozialversicherung. Bei geringem Einkommen sind Versicherte auch von der üblichen Zuzahlung pro Tag befreit.

Zur Rehabilitation erhalten Sie auch die Fahrt- und Reisekosten. Erwerbsfähige haben Anspruch auf Arbeitslosengeld II, wenn ihr anrechenbares Einkommen nicht ausreicht.

Steuern auf Übergangsgeld?

Nein, das Übergangsgeld ist steuerfrei. Es muss jedoch in der Steuererklärung als Einkommensersatzleistung angegeben werden.

Übergangsgeld bei Arbeitslosigkeit

Wer unmittelbar vor Beginn einer Reha-Maßnahme arbeitslos gemeldet war, erhält in der Regel ein Übergangsgeld in Höhe des zuvor gezahlten Arbeitslosengeldes. Die Agentur für Arbeit verrechnet dies mit dem zuständigen Rentenversicherungsträger.

Empfänger von Arbeitslosengeld II bekommen weiterhin die Grundsicherung. Die Kosten übernimmt der Träger, der auch Übergangsgeld zahlt.

Bei Arbeitslosigkeit nach einer Reha ohne Anspruch auf Arbeitslosengeld wird das Übergangsgeld für maximal drei Monate gewährt. Es reduziert sich jedoch auf 67 bzw. 60 Prozent der Berechnungsgrundlage.

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