Anschlussrehabilitation

Unfall, Herzinfarkt, Operation – für die Erstbehandlung ist ein Akutkrankenhaus zuständig. Und dann? Um Patienten nach einem längeren Krankenhausaufenthalt wieder fit für Arbeit und Beruf zu machen, gibt es die Anschlussrehabilitation.

Eine ältere Dame mit einer Fitnesstrainerin. Bildnachweis: Getty Images ©

Bei welchen Krankheiten kommt eine Reha in Betracht?

Für die direkte Verlegung in eine Reha-Klinik sorgen die Kliniken zusammen mit der Deutschen Rentenversicherung. Das Krankenhaus stellt zunächst fest, ob eine Anschlussrehabilitation – auch Anschlussheilbehandlung (AHB) genannt – notwendig ist. Spätestens zwei Wochen nach der Akutbehandlung im Krankenhaus oder nach einer Operation beginnt in der Regel die ganztägig ambulante oder stationäre Reha. Ausnahmen gibt es bei Krebserkrankungen. Hier wird die sogenannte Primärbehandlung berücksichtigt.

Die Anschlussrehabilitation kommt bei folgenden Krankheiten in Betracht:

  • Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen,
  • Entzündlich- und degenerativ-rheumatische Krankheiten, auch nach Operationen und bei Unfallopfern,
  • Erkrankungen des Verdauungsapparates und bei Stoffwechsel-Störungen
  • Erkrankung der Atmungsorgane,
  • Neurologische Krankheiten sowie nach OP an Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven,
  • Erkrankungen von Nieren, Harnwegen und Prostata (nach OP)
  • onkologische Krankheiten und
  • gynäkologische Krankheiten.

Vorteil dieser Reha-Leistung ist die direkte Weiterbehandlung nach Operationen, um verloren gegangene Funktionen wieder zu erlangen oder auszugleichen. Der Patient kann so schneller an die Belastungen im Alltag und Berufsleben herangeführt werden.

Ganztägig Ambulant oder stationär

Ob eine Anschlussrehabilitation besser stationär oder ganztägig ambulant  durchgeführt wird, hängt vom Ausmaß der Beeinträchtigung ab und von den örtlichen Möglichkeiten. Patienten nach Herzoperationen werden zum Beispiel in der Regel stationär aufgenommen.

In der Regel dauert die Anschlussrehabilitation drei Wochen. Die Dauer ist von der Diagnose und dem Verlauf der Behandlung abhängig. Ist es medizinisch notwendig, kann die Leistung auch verlängert werden. Sie kann verkürzt werden, wenn das Rehabilitationsziel früher erreicht wird oder sich keine Besserung abzeichnet.

Medizinische Voraussetzungen

Der Patient muss persönliche und medizinische Voraussetzungen erfüllen:

  • Die Akutphase der Behandlung beziehungsweise die Wundheilung muss abgeschlossen sein.
  • Der Patient muss ohne fremde Hilfe essen, sich waschen und auf Stationsebene bewegen können.
  • Zudem muss er reisefähig sein. Arzt- und Transportkosten werden selten erstattet.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Nicht nur die Deutsche Rentenversicherung zahlt AHB, auch die gesetzlichen Krankenkassen. Ist das Ziel die Wiederherstellung der Aktivitäten des Alltags, ist die gesetzliche Kasse zuständig. Steht die Wiedererlangung der Erwerbsfähigkeit im Mittelpunkt, ist die Deutsche Rentenversicherung der zuständige Kostenträger. Bei der Antragstellung hilft der Sozialdienst der Akutklinik.

Wird eine Rehabilitation bei der Rentenversicherung beantragt, muss der Antragsteller

  • in den letzten zwei Jahren vor dem Antrag sechs Kalendermonate Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung gezahlt haben oder
  • innerhalb von zwei Jahren nach einer Ausbildung eine versicherte Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit aufgenommen haben oder
  • zum Zeitpunkt des Antrags die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllen.

Die Mehrzahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer erfüllt die Voraussetzungen für eine Anschlussheilbehandlung. Gleiches gilt für Kranke, die bereits eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit oder eine Witwer- beziehungsweise Witwenrente beziehen. Ausnahmen gelten für Selbstständige.

In der Regel müssen Patienten aber nicht selbst prüfen, ob sie die Voraussetzungen erfüllen – das geschieht automatisch bei der Antragstellung.

Therapieangebot

Die Behandlungen und Therapie-Programme in der Anschluss-Reha werden individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt. Eine neurologische Erkrankung erfordert andere Methoden als eine gynäkologische Erkrankung, entsprechend werden die Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt.

Immer gleich sind die Basis-Inhalte: Diagnostik, Aufklärung und Information zu der jeweiligen Erkrankung und den beeinträchtigten Funktionen. Rehabilitationsteam und Patient entwickeln die Therapieziele gemeinsam. Mit Blick auf mögliche berufliche Probleme werden Strategien zu deren Bewältigung erarbeitet.

Therapiedichte und Trainingseffekt sind bei der stationären AHB am höchsten. Die Therapeuten können zudem unmittelbar auf Heilungsrückschläge und Besonderheiten reagieren und den Verlauf individuell anpassen. Als positiv wird auch der Austausch mit anderen Patienten mit ähnlicher Krankengeschichte gewertet.

  • Tipp: In einigen Häusern können erkrankte Mütter Kinder mitnehmen (Info über die Deutsche Rentenversicherung). Wenn nicht, kann eine Haushaltshilfe oder Betreuung beantragt werden.

Gehaltsfortzahlung, Übergangsgeld, Zuzahlung

Gehaltsfortzahlung und Übergangsgeld: Arbeitnehmer haben in der Regel ein Recht auf sechswöchige Entgeltfortzahlung. Dies gilt auch für den Zeitraum der Anschlussrehabilitation. Ist diese Wochenfrist bereits durch die Zeit in der Akutklinik ganz oder teilweise aufgebraucht, springt die Deutsche Rentenversicherung ein: Sie zahlt ein Übergangsgeld. Voraussetzung: Der betreffende Patient hat zuvor in die Rentenversicherung eingezahlt. Das Übergangsgeld beträgt für Versicherte ohne Kinder 68 Prozent des letzten Nettoarbeitsentgelts, mit einem Kind mit Kindergeldanspruch 75 Prozent. Aber auch Arbeitslose können diese Leistung erhalten. Ihr Übergangsgeld entspricht der Höhe des zuvor bezogenen Arbeitslosengeldes. Empfänger von Arbeitslosengeld II erhalten ihre Leistungen weiter vom Grundsicherungsamt.

Brauchen Selbstständige oder freiwillig Versicherte in der Deutschen Rentenversicherung eine AHB, wird das Übergangsgeld aus 80 Prozent des Einkommens ermittelt, das für die Berechnung der Beiträge im letzten Kalenderjahr herangezogen wurde.

Zuzahlung: An- und Abreise, Unterkunft, Diagnostik, ärztliche Behandlungen, Therapien – für alles das kommt die Deutsche Rentenversicherung auf. Der Gesetzgeber verlangt aber, dass Patienten sich an den Kosten in Form einer Zuzahlung beteiligen. Sie beträgt maximal zehn Euro pro Tag und ist nur von stationär aufgenommen Patienten zu zahlen. Ganztägig Ambulant versorgte AHBler zahlen keine Zuzahlung.

Wichtig: AHB-Patienten profitieren von einer Sonderregelung: Ihre Zuzahlung ist auf maximal 14 Tage begrenzt – die „normale“ Frist beträgt 42 Tage. Eine Anschlussrehabilitation dauert in der Regel drei Wochen, so dass die letzte Woche zuzahlungsfrei ist.

Tipp: Belege für die Zuzahlungen sollten aus zwei Gründen immer gut aufbewahrt werden. Erstens, muss kein Patient mehr als 42 Tage im Jahr Zuzahlungen leisten – inklusive AHB. Sprengt die Anschlussheilbehandlung also diese Frist, müssen Betroffene für die überschüssigen Tage keine Zuzahlung leisten. Zweitens zählen Zuzahlungen bei der Berechnung der Absetzbarkeit von außergewöhnlichen Belastungen mit und können so die Steuern mindern.

Weitere Informationen

Bei Fragen zur Rehabilitation können Sie sich an die Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung wenden. Wo die nächste Stelle in Ihrer Nähe ist, erfahren Sie auf der Internetseite www.reha-servicestellen.de.

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