Kinder- und Jugendreha

Je früher, desto besser – in spezialisierten Reha-Zentren werden Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten oder Übergewicht therapiert.

Junge im Freien inhaliert durch seinen Asthma-Respirator. – Bild: gettyimages.at © Seb Oliver

Ziele der Kinder- und Jugendreha

Die Gesundheit ihrer Kinder liegt Eltern besonders am Herzen. Der Nachwuchs soll so unbeschwert wie möglich aufwachsen. Dabei unterstützt sie die Deutsche Rentenversicherung mit einer Kinder- und Jugendreha. Ziele dieser Reha sind:

  • Die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Kindes soll verbessert oder wieder hergestellt werden.
  • Das steigert auch die Lebensqualität – etwa wenn Kinder wieder ungehindert ihren Sport und Hobbies nachgehen können.
  • Langfristig hilft eine Kinder- und Jugendreha vor allem aber dabei, dass Kinder und Jugendliche möglichst ohne Einschränkungen eine Schul- und Berufsausbildung absolvieren und in ihren Traumberuf starten können. Chronisch kranke oder übergewichtige Kinder sollen bei der Berufswahl dieselben Chancen haben wie gesunde.

Zudem profitiert die ganze Familie: Wissenschaftliche Untersuchungen und die Erfahrung von Eltern, deren Kinder bereits eine Reha besuchten, zeigen,

  • dass sich die Krankheits- und Therapieeinsicht und somit das Selbstmanagement der Kinder nach dem Aufenthalt verbesserte,
  • sich der Aufenthalt positiv auf das Selbstwertgefühl des Nachwuchs auswirkte,
  • sich die Familiensituation insgesamt entspannte und
  • auch Eltern besser mit den Krankheitsfolgen ihrer Kinder umgehen können.
  • Eltern beurteilten zudem positiv, dass unter dem Dach einer Kinder- und Jugendrehaklinik alle Ärzte und Therapeuten eng zusammenarbeiten. Dadurch erzielen alle Beteiligten ein umfassendes Krankheitsbild.
  • Haus- und Kinderärzte erhalten am Ende einer Kinder- und Jugendreha einen detaillierten Entlassungsbericht, der sie bei der Planung weiterer Therapieschritte unterstützt.
  • Ältere Kinder heben vor allem die Gemeinschaft auf den Stationen hervor: Dort treffen sie auf Kinder mit den gleichen Gesundheitsproblemen und Alltagserfahrungen sowie auf Ärzte und Therapeuten, die ihre Probleme verstehen.

Die Vorteile dieser Reha-Leistung hat der Gesetzgeber erkannt und die Kinder- und Jugendreha 2017 von der Kann- zur Pflichtleistung erhoben. Konkret: Sind die medizinischen und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, ist der Weg in eine Kinder- und Jugendreha in jedem Fall frei.

Medizinische Voraussetzungen

Liegen chronische Erkrankungen der Haut, der Atemwege, des Herz-Kreislaufsystems, der Nieren und Harnwege, des Stoffwechsels, des Bewegungsapparats, der Psyche oder von Leber, Darm oder Magen vor, kommt eine Kinder- und Jugendreha in Betracht – ebenso bei Übergewicht. Damit kann bei folgende Indikationen eine Reha beantragt werden:

  • Diabetes,
  • Allergien,
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
  • psychosomatische/psychomotorische Störungen (zum Beispiel Sprechentwicklungs-, Zwangsstörung oder bipolare Phasen),
  • nach Krebserkrankungen,
  • bei chronischen Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa),
  • Übergewicht in Verbindung mit weiteren Risikofaktoren wie etwa Diabetes sowie
  • Adipositas mit einem Body-Mass-Index (BMI) oberhalb der 97. Perzentile. Das bedeutet, dass 97 Prozent der vergleichbaren Kinder leichter sind (BMI-Rechner auf der Seite der https://www.kinderaerzte-im-netz.de/mediathek/bmi-rechner/). Im Internet gibt es zahlreiche BMI-Rechner für Kinder.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Nur wer in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, erhält auch Leistungen. Da Kinder und Jugendliche in der Regel keine Rentenversicherungsbeiträge zahlen, sind die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Kinder- und Jugendreha an die Eltern geknüpft:

  • Ein Elternteil muss zum Zeitpunkt der Antragstellung die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllen. In dieser Zeit müssen entweder freiwillige oder Pflichtbeiträge in die Rentenkasse geflossen sein.
  • Oder ein Elternteil leistete in den letzten zwei Jahren mindestens sechs Kalendermonate Pflichtbeiträge oder
  • erhält bereits eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente.
  • Eine Kinder- und Jugendreha ist bis zum 18. Lebensjahr und darüber hinaus bis zum 27. Lebensjahr möglich, wenn der Nachwuchs noch in Ausbildung ist (Schule, Betrieb, Studium) oder ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolviert. Gleiches gilt im Fall eine Bundesfreiwilligendienstes oder eine Behinderung.

Auch zwischen zwei Ausbildungen (etwa zwischen Betriebsausbildung und Studium) ist eine Reha möglich, wenn diese Übergangszeit nicht mehr als vier Monate beträgt (Antrag rechtzeitig stellen!).

  • Tipp: Für Laien ist es manchmal nicht einfach zu bestimmen, ob die Voraussetzungen für eine Kinder- und Jugendreha vorliegen. So zahlen zum Beispiel die Unfallversicherungen eine solche Reha, wenn diese in Folge eines Unfalls auf dem Schulweg nötig wird. Deswegen rät ihre-vorsorge.de zur Beratung in einer staatlichen Reha-Servicestelle (www.reha-servicestelle.de).

Behandlung

In der Regel dauert eine Kinder- und Jugendrehabilitation mindestens vier Wochen. Je nach Indikation und Schwere kann sie aber auch entweder von Anfang an länger terminiert oder noch während der Reha verlängert werden.

Am Anfang einer jeden Reha wird ein Therapieplan erstellt, der sich an der Krankheit und den persönlichen Zielen orientiert. Dieser Behandlungsplan enthält ärztliche, psychologische, pädagogische, physiotherapeutische sowie bei Bedarf auch berufsorientierte Leistungen. Im betreuenden Team arbeiten Kinderärzte, Kinderkrankenschwestern, Diätassistentinnen, Psychologen, Physiotherapeuten und Lehrer. Denn Kinder erhalten auch während der Reha Überbrückungsunterricht in ihren Hauptfächern. Dazu bringen die Kinder in der Regel Lehrmaterial selbst mit. Was gelernt werden soll, melden die Lehrer.

Neben Unterricht enthält eine Behandlungsplan beispielsweise:

  • Diagnostik (zum Beispiel Allergietests oder Blutuntersuchungen)
  • Gruppensport,
  • Medizinische Trainingstherapie an Laufbändern oder Fahrradergometern,
  • Schwimmen oder
  • Unterricht in einer Lehrküche.

Begleitung und Kosten

Wenn es für den Erfolg einer Kinder- und Jugendreha wichtig ist, übernimmt die Deutsche Rentenversicherung auf Antrag die Kosten für eine Begleitperson inklusive An- und Abreise. Auch entgangener Verdienst kann ersetzt werden. 

  • Tipp: Begleitpersonen können auch Oma und Opa oder eine Tante sein. Ebenso ist ein Betreuungswechsel möglich – etwa wenn die Begleitung aus beruflichen Gründen nicht durchgehend bis zum Reha-Ende möglich ist.

Bleiben während der Reha eines Kindes Geschwister unter 12 Jahren zu Hause, können Eltern zudem eine Haushaltshilfe beantragen.

Wichtig: Die sonst bei Rehabilitationsleistungen übliche Zuzahlung entfällt bei der Kinder- und Jugendreha. 

Weitere Informationen

Bei Fragen zur Rehabilitation können Sie sich an die Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung wenden. Wo die nächste Stelle in Ihrer Nähe ist, erfahren Sie auf der Internetseite www.reha-servicestellen.de.

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