Reha bei Atemwegserkrankungen

Mehr Luft zum Atmen … brauchen Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen. Luftveränderung ist daher wichtig bei der Behandlung. In spezialisierten Reha-Kliniken werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene therapiert, um ihnen das Leben zu erleichtern.

Mann genießt mit geschlossenen Augen die frische Luft am Meer. – Bild: istockphoto.com © maria_esau

Ziele der Reha bei Atemwegserkrankungen

Asthma zählt zu den Volkskrankheiten. Chronische Bronchitis ist eine der häufigsten Atemwegserkrankungen. Bei der Zahl der Arbeitsausfälle ist sie zweithäufigster Grund. Meist ist Rauchen die Ursache dafür. Lungenkrebs dominiert die Krebserkrankungen weltweit. Die gesetzliche Rentenversicherung unterstützt die Rehabilitation von Patienten mit chronischer Erkrankung der Atemwege. Ziele der Reha sind:

  • eine maximale Beschwerdefreiheit und weitestgehend uneingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit zu erreichen;
  • durch Patientenschulung mit Erlernen von Selbsthilfetechniken bei Atemnot Einschränkungen möglichst dauerhaft zu überwinden;
  • eine längere Teilhabe am Erwerbsleben zu ermöglichen und ein frühes Ausscheiden aus dem Beruf zu verhindern;
  • Hilfe und Anleitung zu bieten, wie die Krankheit im Alltag gemeistert werden kann;
  • Vermeidung psychologisch bedingter Folgeerkrankungen durch Stress in Zusammenhang mit der akuten Erkrankung;
  • Nachfolgebehandlungen und häufig notwendige Umschulungen vorzubereiten. Wenn Menschen am Arbeitsplatz Allergien auslösenden Risikofaktoren (z.B. Chemikalien, Rauch, Staub) ausgesetzt sind, ist dies oft der Fall.

Eine Rehabilitation bei Atemwegserkrankungen erfolgt in der Regel stationär, in Einzelfällen gibt es auch ambulante Angebote. Da diese Erkrankungen oft in Zusammenhang mit Umwelteinflüssen und Allergien stehen, bieten meist spezielle Fachkliniken in Gegenden mit klarer Luft, sauberer Umwelt und viel Sonne (oft am Meer und in den Bergen) besondere Therapie-Leistungen. Die Reha dauert grundsätzlich drei Wochen, kann aber auf Anraten der behandelnden Ärzte auch verlängert werden, wenn es medizinisch notwendig erscheint.

Medizinische Voraussetzungen

Atemwege leiten Luft in den Bereich der Lunge, in dem Sauerstoff aus der Atemluft an das Blut abgegeben wird. Umgekehrt wird Kohlendioxid aus der Lunge über die Atemluft nach außen befördert. Ist dieser Prozess behindert, wird der gesamte Körper geschwächt. Typische Symptome sind Husten, Auswurf, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, gestörter Atemrhythmus, Halsschmerzen, Heiserkeit und Kratzen im Hals.

Zu den häufigen rehabilitationsbedürftigen Erkrankungen gehören die chronischen Fälle. Unter diesen Voraussetzungen wird der behandelnde Arzt die Dringlichkeit einer Rehabilitation in der Regel bescheinigen und empfehlen, je nach Schwere ambulant oder stationär. Bei folgenden Indikationen kann eine Reha beantragt werden:

  • Asthma
  • Chronische Bronchitis
  • COPD (dauerhafte Verengung der Atemwege)
  • Lungenemphysem (Lungenbläschen überblähen, Strukturen werden beschädigt) - Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Tuberkulose
  • Lungenödem
  • Mukoviszidose (angeborene Stoffwechselerkrankung, die zu Lungenschädigungen führt)
  • Sarkoidose (Gewebeknötchen in der Lunge führen zu Husten und Kurzatmigkeit)
  • Lungenkrebs

und anderen chronischen Erkrankungen. Traumata wie Rippenbrüche und Skoliosen, Verwachsungen und neuromuskuläre Erkrankungen können ebenfalls eine Reha erforderlich machen.

Therapieangebot

Behandlungen und Therapie werden individuell gestaltet. In den Spezialkliniken für Atemwegserkrankungen arbeiten Ärzte, Fachärzte, Therapeuten, Ernährungsberater und Psychologen zusammen. Zur Diagnostik gehören medizinische Untersuchungen, Arztgespräche, Röntgenaufnahmen, Blutgasanalysen, Allergie-Tests, Analyse der Belastung am Arbeitsplatz und in der Familie.

Wichtig: Für den Erfolg der Reha ist eine aktive Mitarbeit des Patienten erforderlich. Sie wird in allen Kliniken erwartet, um das im Therapieplan formulierte Ziel zu erreichen. Raucher mit chronischer Bronchitis müssen bereit sein zum Entzug, die Gefahr des Übergangs in eine irreversible COPD ist groß.

Das Therapieangebot beinhaltet je nach Klinik und Krankheitsbild unterschiedliche Methoden und Schwerpunkte. Neben den Anleitungen, wie der Patient nach der Reha im Alltag seine Krankheit möglichst gut meistern kann, enthält der Behandlungsplan u.a.

  • Schulung von Selbsthilfetechniken bei Atemnot
  • Erlernen neuer Atem- und Entspannungstechniken
  • Angepasste Bewegungskonzepte
  • Ergotherapie
  • bewusste Ernährung / Gesunder Lebensstil
  • psychologische Beratung
  • Meerwasserschwimmen
  • Kunsttherapie

Tipp: Da es unterschiedlich spezialisierte Therapieangebote in den Kliniken gibt (z.B. am Meer oder in den Bergen), empfiehlt sich beim Antrag auf Reha mit Angabe des gewünschten Ortes in Absprache mit dem Arzt ein genauer Blick auf die Liste der möglichen Reha-Kliniken. Etwa ein Dutzend sind ausschließlich auf Therapien bei Lungen- und Atemwegserkrankungen spezialisiert, rund 200 Kurorte bieten die Reha in ihrem jeweiligen Gesamtprogramm an.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Wer eine Rehabilitation beantragen will, muss

  • in den letzten zwei Jahren vor dem Antrag sechs Kalendermonate Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben oder
  • innerhalb von zwei Jahren nach einer Ausbildung eine versicherte Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit aufgenommen haben oder
  • zum Zeitpunkt des Antrags die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllen oder
  • eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit beziehen.

Voraussetzung ist immer die begründete Einschätzung, dass der Patient nach der Rehabilitation voraussichtlich wieder arbeiten kann.

Weitere Informationen

Bei Fragen zur Rehabilitation können Sie sich an die Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung wenden. Wo die nächste Stelle in Ihrer Nähe ist, erfahren Sie auf der Internetseite www.reha-servicestellen.de.

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