Reha bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wenn das Herz nicht mehr mitmacht, bekommen Patienten in mehr als 300 Reha-Kliniken Hilfe.

Ein Mann an einem Fitnessgerät im Fitnessstudio. Bildnachweis: wdv © Lauer, Jan

Ziele einer Reha bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Das Herz ist der zentrale Motor des Lebens. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind die häufigste Todesursache in Deutschland. In mehr als 300 Reha-Kliniken werden Menschen behandelt, um sie nach Herz- und Kreislauf- Erkrankungen fit für das Leben danach zu machen.

Mit der Rehabilitation bei Herz-/Kreislauferkrankungen verfolgt die gesetzliche Rentenversicherung mehrere Ziele:

  • Patienten sollen lernen, mit einem schwachen Herzen zu leben und Rückfällen wirksam vorzubeugen. Dazu gehört auch eine intensive Nachsorge.
  • Die Therapie soll dabei helfen, die Lebensqualität zu steigern. Patienten sollen möglichst aus eigener Kraft wieder am Leben teilnehmen zu können.
  • Übergeordnetes Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist, dass die Versicherten weiter arbeiten können und ihre Lebensqualität verbessert wird.

Eine Rehabilitation bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen erfolgt meist stationär, zunehmend aber auch ganztägig ambulant. Dies hat den Vorteil, dass Familienangehörige in die Therapie einbezogen werden können. Die häufige Arbeitsplatznähe kann beim Wiedereingliederungsversuch nützlich sein. Außerdem können Kontakte zu Selbsthilfegruppen vor Ort geknüpft werden. Die Reha dauert grundsätzlich drei Wochen, kann aber auch verkürzt oder verlängert werden, wenn es medizinisch notwendig erscheint.

Eine Reha-Maßnahme wird nach Befund einer Klinik, eines Arztes oder eines unabhängigen Gutachters verordnet, wenn die Erwerbsfähigkeit durch die Krankheit beeinträchtigt oder gefährdet ist und Erfolgsaussicht besteht, dies zu verhindern. Mögliche Indikationen für eine Reha sind zum Beispiel:

  • Zustand nach akutem Herzinfarkt
  • Zustand nach Stent-Implantation
  • Herzrhythmusstörungen
  • Angina Pectoris
  • Herzinsuffizienz
  • Herzklappenerkrankung
  • Herzmuskelentzündung (nach Virusinfektion)
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • Schlaganfall
  • Schlafapnoe
  • Bypass-Operationen
  • Hypertonie und Hypotonie (Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen)

  • Tipp: Wenden Sie sich mit Ihrem Wunsch nach einer Reha an Ihren behandelnden Arzt. Er kann am besten beurteilen, ob eine Reha bei Ihrem Krankheitsbild Sinn macht.

Es gibt beeinflussbare und nicht-beeinflussbare Risiko-Faktoren, die zu einer Herzerkrankung führen können. Die nicht beeinflussbaren sind Alter, Geschlecht und familiäre Vorbelastung. Es sind aber vor allem die beeinflussbaren Faktoren, die den überwiegenden Teil der Erkrankungen auslösen:

  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
  • Rauchen und Alkohol
  • Diabetes
  • Stress
  • Nicht ausreichende körperliche Bewegung

Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein Großteil der Erkrankungen vermieden werden könnten. Ein persönlicher Test ist einfach: Je mehr Faktoren zutreffen, umso größer ist die Gefahr einer Erkrankung.

Medizinische Voraussetzungen

Grundsätzlich müssen Versicherte „rehafähig“ sein – sie müssen belastbar genug sein, um an Therapien und Anwendungen aktiv teilzunehmen. Auch andere medizinische Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Die Reha muss vom Arzt verordnet sein
  • Die Erwerbsfähigkeit muss aufgrund der Erkrankung erheblich gemindert oder gefährdet sein,
  • die Verminderung kann voraussichtlich abgewendet werden,
  • die Erwerbsfähigkeit kann gebessert oder wiederhergestellt werden,
  • der Arbeitsplatz kann erhalten werden.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Wer eine Rehabilitation beantragen will, muss  

  • in den letzten zwei Jahren vor dem Antrag sechs Kalendermonate Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben oder
  • innerhalb von zwei Jahren nach einer Ausbildung eine versicherte Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit aufgenommen haben oder
  • zum Zeitpunkt des Antrags die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllen.

Auch wer bereits eine Rente bezieht, kann eine Reha beantragen. Dies gilt zudem für nichtversicherte Ehe- und Lebenspartner von Versicherten und Rentenbeziehern sowie für Hinterbliebene.  

  • Tipp: Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die versicherungsrechtlichen Bedingungen erfüllt haben, können Sie dies am Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung unter 0800 1000 4800 erfragen.

Therapieangebot

Eine einheitliche Reha bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems gibt es aufgrund des differenzierten Krankheitsbildes nicht. Sie wird auf die spezifischen Anforderungen des Patienten ausgerichtet, um eine erfolgreiche Genesung und bei Berufstätigen die rasche Rückkehr ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Ein Vorteil der Reha ist es, dass Ärzte und Diagnostiker, Psychologen und Ernährungsberater, Physio- und Ergotherapeuten als ein Team unter einem Dach zusammenarbeiten und sich austauschen. Dadurch entsteht ein ganzheitliches Bild der Erkrankung und ermöglicht individuelle Therapien.

Das Therapieangebot beinhaltet je nach Klinik und Krankheitsbild unterschiedliche Behandlungsmethoden. Neben den Anleitungen, wie der Patient nach der Reha im Alltag verantwortlich mit der Krankheit umgehen kann, enthält der Behandlungsplan unter anderem:  

  • Sport- und Bewegungstherapie
  • Koronar-/Gefäß- und Atemtraining
  • Physiotherapie
  • Psychologische Therapie, einzeln und in Gruppen
  • Ernährungsberatung
  • Entspannungstechniken
  • Ergotherapie
  • Herz-/Kreislauftraining
  • Beratung durch Sozialdienst  

Ganz wichtig: Auch Reha-Sport und Funktionstraining gehören zur erweiterten Rehabilitation. Die Rentenversicherung finanziert das unter der Voraussetzung einer Verordnung des Arztes in der Rehaklinik. Er muss eine Diagnose angeben und die Notwendigkeit begründen.  

  • Tipp: Viele Sportvereine bieten heute Koronarsportgruppen an. Die Herzsportgruppen werden in der Regel von Ärzten angeleitet. Kontakt über Sportvereine, Krankenkassen, den Landesverband für Behindertensport und die Deutsche Herzstiftung. Der Sport ist Teil der Reha-Nachsorge, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Funktion hat, um den Erfolg der Reha langfristig zu sichern.

Weitere Informationen

Bei Fragen zur Rehabilitation können Sie sich an die Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung wenden. Wo die nächste Stelle in Ihrer Nähe ist, erfahren Sie auf der Internetseite www.reha-servicestellen.de.

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