Reha bei Suchterkrankungen

Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder Drogen kann zu einem Teufelskreis werden. Hier hilft die Sucht-Reha.

Junge Frau umfasst Whiskyglas. – Bild: gettyimages © nixki

Ziele der Reha bei Suchterkrankungen

Eine Reha bei Suchterkrankungen nennt man auch Entwöhnungsbehandlung. Sie kann stationär in einer Klinik oder ambulant erfolgen. Die Dauer bemisst sich am Grad der Erkrankung.

  • Eine stationäre Kurzzeit-Therapie für Alkohol- und Medikamentenabhängige dauert in der Regel acht Wochen. Bei Drogenabhängigen sind bis zu 14 Wochen vorgesehen.
  • Eine Standardtherapie kann bei Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit stationär 12 bis 15 Wochen dauern, bei Drogenabhängigkeit 21 bis 26 Wochen.
  • Nach der Behandlung in der Klinik ist eine Adaptionsphase von bis zu drei Monaten möglich. Erprobt wird, ob der Betroffene sein Leben wieder eigenständig führen kann.
  • Bei der ganztägig ambulanten Behandlung kommt der Rehabilitand täglich sechs bis acht Stunden in eine wohnortnahe Einrichtung. Die Therapie dauert bis 12 Wochen bei Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, bei Drogenabhängigkeit bis zu 20 Wochen.
  • Therapeutische Einzel- und Gruppengespräche bestimmen die rein ambulante Entwöhnungsbehandlung. Sie dauert in der Regel maximal 18 Monate.
  • Rehabilitanden können im Anschluss an eine stationäre oder ganztägig ambulante Therapie Nachsorgeleistungen in Anspruch nehmen. Sie sollen möglichst nahtlos, spätestens aber innerhalb von drei Monaten nach der Rehabilitation beginnen.

  • Tipp: Entwöhnungsbehandlungen werden nicht nur bei stoffgebundenem Suchtverhalten (Alkohol, Medikamente, Drogen) angeboten. Auch diagnostiziertes pathologisches Glücksspiel oder pathologischer PC-/Internetgebrauch sind eine Indikation für eine Rehabilitation. In der Fachklinik Eußerthal in Rheinland-Pfalz etwa werden Rehabilitanden in eigener Wohn- und Therapiegruppe behandelt.

Mit der Rehabilitation bei Suchterkrankungen verfolgt die Rentenversicherung zwei große Ziele:

  1. Eine Entwöhnungsbehandlung soll dem Betroffenen vor allem helfen, abstinent zu werden und abstinent zu bleiben. Dies bedeutet, enthaltsam in Bezug auf Alkohol, Medikamente oder Drogen zu leben. Auch Spiel- und Onlinesucht werden behandelt.
  2. Versicherte mit schwerwiegendem und krankhaftem Suchtverhalten sollen gesund werden und ihren Platz im Beruf, in der Familie und der Gesellschaft wieder einnehmen können.

Medizinische Voraussetzungen

Bei der Behandlung von Suchterkrankungen arbeiten gesetzliche Krankenkassen und Rentenversicherung zusammen. Für die Entgiftungsphase beim Entzug sind die Krankenkassen zuständig. Die anschließende Entwöhnungsbehandlung trägt meist die Rentenversicherung. Sie kann im Anschluss an eine stationäre Entgiftung im Akutkrankenhaus von Hausärzten, Psychiatern oder Psychotherapeuten veranlasst werden, Betriebsärzte können sie empfehlen.

Entwöhnungsbehandlungen werden angeraten, wenn ein zwanghafter Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenkonsum mit Verlust der Selbstkontrolle und Unfähigkeit zur Abstinenz vorliegt. Den entscheidenden ersten Schritt muss der Betroffene selbst tun: Er muss die Entwöhnungsbehandlung anstoßen. Dabei sollte er sich beraten lassen:

  • Reha-Servicestellen: Das sind gemeinsame Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung und der Krankenkassen (Adressen und Öffnungszeiten unter www.reha-servicestellen.de).
  • Suchtberatungsstellen: Mit den Suchworten „Suchtberatung“ und dem Namen der nächsten Stadt erhalten Sie eine Reihe von Treffern im Internet. Sie werden etwa von der Diakonie, der Caritas oder Städten und Gemeinden angeboten.

Tipp: Nutzen Sie die Beratung durch diese Experten. Sie beraten bei der Wahl der richtigen Klinik, helfen bei der Entscheidung ambulant oder stationär und wissen welche Klinik welche Therapieformen und zusätzliche Angebote wie Kinderbetreuung anbietet.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Wer eine Rehabilitation nach Suchterkrankung beantragen will, muss

  • in den letzten zwei Jahren vor dem Antrag sechs Kalendermonate Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben oder
  • innerhalb von zwei Jahren nach einer Ausbildung eine versicherte Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit aufgenommen haben oder
  • zum Zeitpunkt des Antrags bereits erwerbsgemindert oder von Erwerbsminderung bedroht sein und die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllen.

Wer zum Zeitpunkt der Antragstellung entweder die Mindestversicherungszeit von 15 Jahren erfüllt hat oder eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bezieht oder eine Hinterbliebenenrente wegen Erwerbsminderung bekommt, kann ebenfalls eine Rehabilitation erhalten.

Therapieangebot

Eine Behandlung zur Entwöhnung umfasst das gesamte ärztliche und therapeutische Spektrum der Rehabilitationsmedizin. Es berücksichtigt die körperlichen und die seelischen Aspekte der Erkrankung.

Im Rehabilitationsteam arbeiten Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten und Bewegungstherapeuten zusammen. Den Behandlungsplan stellt das Team zusammen mit dem Patienten auf. Gemeinsam werden auch die Ziele der Therapie festgelegt.

Die Stärkung der Eigeninitiative des Patienten spielt eine wichtige Rolle in der Therapie. Sie macht ihn stark für den künftigen Umgang mit dem Suchtmittel. Und ebnet Wege für ein abstinentes Leben.

Einen besonderen Schwerpunkt legt die Rehabilitation auf berufsbezogene Maßnahmen. Sie sollen eine dauerhafte Wiedereingliederung in das Erwerbsleben ermöglichen. Dazu gehört auch das Erarbeiten von Schritten zurück in das soziale Umfeld.

Wichtig für die Wiedereingliederung ist die Teilhabe von Angehörigen und/oder anderen Bezugspersonen in allen Phasen der Behandlung von Anfang an. Einige Einrichtungen bieten auch spezielle Seminare für Angehörige an.

Weitere Informationen

Bei Fragen zur Rehabilitation können Sie sich an die Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung wenden. Wo die nächste Stelle in Ihrer Nähe ist, erfahren Sie auf der Internetseite www.reha-servicestellen.de.

Magazin

Artikel zum Thema

Aktuell beleuchtet   / 

Kraftfahrzeughilfe: Unterstützung für den Arbeitsweg

Die Kraftfahrzeughilfe ist eine oft unbekannte Leistung der deutschen Rentenversicherung

Nachgefragt  /

Herausforderung Lebensstil