Reha nach Krebs und Tumorerkrankungen

Krebs kann jeden treffen – und das Leben komplett verändern. Für den Neuanfang benötigen Krebspatienten eine umfangreiche Nachsorge.

Eine Frau mit Kopftuch in einem Klinikbett. Bildnachweis: Getty Images © Eric Audras

Ziele der onkologischen Reha

Eine Krebserkrankung ist ein einschneidender Bruch in der Lebensstruktur mit körperlichen und seelischen Folgen. Nach der Erstbehandlung bösartiger Tumorerkrankungen stehen daher in der Reha Körper und Seele im Zentrum der Therapie. Für eine onkologische Reha spricht viel:

  1. Krebs ist kräftezehrend, die Rückkehr in den Alltag fällt oft schwer. Genau hier setzt die onkologische Reha an: Sie dient dazu, dass Betroffene wieder an Lebensqualität gewinnen und möglichst langfristig im Job bleiben.
  2. Die therapeutischen Maßnahmen in der Reha helfen den Erfolg der Behandlung zu sichern sowie Spätfolgen und Einschränkungen vorzubeugen.
  3. Die Reha unterstützt dabei körperliche und seelische Folgen der Krankheit zu beseitigen oder zu mildern.
  4. Sie bietet Betroffenen die Möglichkeit, mit Distanz zum zuvor krankheitsdominierten Alltag wieder neue Kraft zu schöpfen.

Eine onkologische Rehabilitation ist stationär oder ganztägig ambulant. In der Regel ist für stationäre und ganztägig ambulante Reha ein Zeitraum von drei Wochen vorgesehen. Sie kann aber auch länger dauern, wenn sie nach Auffassung der behandelnden Ärzte medizinisch notwendig ist.

Eine onkologische Reha wird auch als Anschlussrehabilitation gewährt – also im direkten Anschluss an einen Klinikaufenthalt oder wenn die Primärbehandlung mit Chemotherapie und/oder Bestrahlung abgeschlossen ist.

Medizinische Voraussetzungen

Die Vorteile von Reha-Maßnahmen sind allgemein anerkannt und durch zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigt. Entscheidend ist die „Reha-Fähigkeit“, so der Fachbegriff. Für einen Krebspatienten bedeutet das:

  • Eine fachärztliche Diagnose mit Stellungnahme ist Grundlage eines Reha-Antrages. Dies kann ein aktueller ärztlicher Befund, ein Gutachten oder ein Krankenhausbericht sein.
  • Wichtig: Bei einzelnen Rentenversicherungsträgern (DRV Westfalen, DRV Bund) gibt es Abweichungen im Verfahren.
  • Eine operative Behandlung der Krebserkrankung muss abgeschlossen sein. Laufende Chemotherapien sind grundsätzlich kein Hinderungsgrund für weiterführende Therapien.
  • Ärzte und Gutachter müssen bescheinigen, dass die körperlichen, seelischen, sozialen oder beruflichen Einschränkungen als Folge der Erkrankung therapierbar sind. Zumindest sollten sie positiv zu beeinflussen sein.
  • Der Patient muss aus Sicht der Mediziner ausreichend belastbar sein für die anstrengende Rehabilitation.

Wichtig: Eine Reha nach Krebs kann bis zwei Jahre nach abgeschlossener Primärbehandlung beantragt werden.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Wer eine Rehabilitation beantragen will, muss

  • in den letzten zwei Jahren vor dem Antrag sechs Kalendermonate Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben oder
  • innerhalb von zwei Jahren nach einer Ausbildung eine versicherte Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit aufgenommen haben oder
  • zum Zeitpunkt des Antrags die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllen.

  • Tipp: Auch wer bereits eine Rente bezieht, kann eine Reha nach Krebs beantragen. Dies gilt zudem für nichtversicherte Ehe- und Lebenspartner von Versicherten und Rentenbeziehern sowie für Hinterbliebene.

Für nichtversicherte Kinder ist dies bis zum vollendeten 18. Lebensjahr möglich. Kinder in Ausbildung und im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder ökologischen Jahr können eine Reha bis zum 27. Lebensjahr beanspruchen. Das gilt auch für Kinder mit Behinderung, die nicht selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Siehe hierzu auch den Themenschwerpunkt Kinder- und Jugendreha oder  www.kinder-und-jugendreha-im-netz.de.

Behandlung

Krebspatienten werden in spezialisierten Reha-Kliniken behandelt. „Wir setzen in der onkologischen Reha mit ganz einfachen Dinge an: Gesunde Ernährung, viel Sport und Bewegungstherapie. Das ist auch mit und nach solchen Erkrankungen möglich und hilft dabei, wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen“, erklärt Dr. Birgit Leibbrand, Ärztliche Direktorin der Salzetalklinik.

Die einzelnen Therapiebausteine im Behandlungsplan werden individuell zusammengestellt, damit jeder Patient die passenden Leistungen erhält.

  • Bei Brustkrebs-Patientinnen etwa steht nach einer Operation die Beweglichkeit und der Lymphabfluss des Armes im Vordergrund der Therapie.
  • Nach einer Entfernung des Kehlkopfes ist die Sprachschulung wichtig.
  • Neben medizinischen Maßnahmen gehört bei der onkologischen Reha in den meisten Kliniken auch Physiotherapie und Bewegungs- und Entspannungstraining zum Tagesprogramm.
  • Eine spezielle Ernährungsberatung, Gesprächsgruppen und kreative Therapien ergänzen den Behandlungskatalog.

Psychologische Betreuung

Viele Betroffene erleben ihre Krankheit in einer Art Daueralarmzustand: Zahlreiche Arzt-Termine, Operationen, ständig neue Informationen und Befunde. In dieser Phase „funktionieren“ sie einfach nur, wie viele es beschreiben. Für das Nachdenken bleibt wenig Zeit. In Krankheitspausen, nach Bestrahlungseinheiten oder einer Operation haben sie zudem das Gefühl, regelrecht in ein Loch fallen. Hinzu kommt, dass viele Patienten einschneidende Erlebnisse verarbeiten müssen.

Hier helfen speziell geschulte Psycho-Onkologen. Sie bieten Einzel- und Gruppenstunden an. Ihr Ziel ist es, Patienten bei der inneren Krankheitsbewältigung zu helfen.

Für viele Betroffene ist die onkologische Reha die erste Möglichkeit, sich mit ihrer Krankheit auch psychisch auseinanderzusetzen, sie aufzuarbeiten. Raum und Zeit dafür haben sie, denn auch das ist ein Vorteil in der Reha: Anstrengende Fahrten zu unterschiedlichen Spezialisten und Therapeuten entfallen – unter dem Dach einer Rehaklinik arbeiten alle Fachrichtungen zusammen.

Weitere Informationen

Bei Fragen zur Rehabilitation können Sie sich an die Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung wenden. Wo die nächste Stelle in Ihrer Nähe ist, erfahren Sie auf der Internetseite www.reha-servicestellen.de.

Magazin

Artikel zum Thema

Aktuell beleuchtet   / 

Kraftfahrzeughilfe: Unterstützung für den Arbeitsweg

Die Kraftfahrzeughilfe ist eine oft unbekannte Leistung der deutschen Rentenversicherung

Nachgefragt  /

Herausforderung Lebensstil