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Bonus für die Steuererklärung

Wer sich gesund und fit halten will, muss dafür einiges ausgeben - manchmal unterstützt von den Krankenkassen. Der Bundesfinanzhof hat derartige Bonusprogramme jüngst sehr steuerzahlerfreundlich begutachtet. Wie sich Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge steuerlich absetzen lassen und worauf Sie besonders achten sollten, erklärt Steuerexpertin Constanze Elter.

  • Steuerexpertin Constanze Elter
    Constanze Elter

Der Bundesfinanzhof hat vor kurzem Prämien- und Bonuszahlungen von Krankenkassen beleuchtet. Was war der Hintergrund?

Constanze Elter: In dem entschiedenen Fall ging es um ein Modell einer gesetzlichen Krankenkasse, das Vorsorge und Prävention fördern sollte. Die Versicherten bezahlten bestimmte Behandlungen ihrer Wahl selbst - zum Beispiel den Besuch beim Heilpraktiker, Massagen oder homöopathische Arzneimittel. Die Krankenkasse beteiligte sich mit einem jährlichen Zuschuss von 150 Euro an den Kosten. Das Finanzamt aber verrechnete diesen Zuschuss mit den steuerlich abziehbaren Versicherungsbeiträgen, sodass weniger Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden konnten. Sogar das Bundesfinanzministerium trat dem Verfahren vor dem Bundesfinanzhof bei und unterstützte die Sichtweise der Finanzverwaltung.

Der Bundesfinanzhof war anderer Meinung: Die Bonuszahlung stelle keine Beitragserstattung dar und mindere damit auch nicht den Sonderausgabenabzug. Schließlich war die entscheidende Voraussetzung für die Bonusleistung die Tatsache, dass die Versicherten mehr Geld für ihre Gesundheit ausgaben.

Welche Folgen hat das Urteil für den Steuerzahler?

Constanze Elter: Viele gesetzliche Krankenkassen arbeiten inzwischen mit verschiedenen Bonusprogrammen oder Prämien. Bislang hat die Finanzverwaltung solche Zahlungen wie Beitragserstattungen behandelt - mit der Folge, dass Steuerpflichtige nur noch einen Teil ihrer Krankenkassenbeiträge absetzen konnten.

Das Urteil ist eine gute Nachricht für Steuerzahler, denn damit wird gesundheitsbewusstes Verhalten nicht auch noch vom Fiskus bestraft. Da die Krankenkassen die Daten der Versicherten elektronisch melden und hier die verschiedenen Arten von Zahlungen nicht unterscheiden, sollten Steuerzahler allerdings auf mögliche Bonusprogramme achten und auf diese selbst beim Finanzamt hinweisen.

Welche Beiträge lassen sich denn überhaupt steuerlich geltend machen?

Constanze Elter: Die Beiträge zur sogenannten Basiskranken- und Pflegeversicherung, sie sind in voller Höhe als Sonderausgaben abziehbar. Jeder kann damit Beiträge zu einer gesetzlichen oder privaten Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich geltend machen.  

Was genau gehört zu dieser Basisversicherung?

Constanze Elter: Zur Basisversicherung zählen alle Beiträge für den grundlegenden Schutz. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind dies die normalen Beiträge ohne Wahl- und Zusatztarife. Auch der Anspruch auf Krankengeld wird abgezogen und der Beitrag pauschal um vier Prozent gekürzt.

Bei privat Versicherten akzeptiert die Finanzverwaltung Kosten für Leistungen auf dem Niveau des Basistarifs - ebenfalls ohne Krankentagegeldanspruch. Auch Chefarztbehandlung oder Einbettzimmer bleiben außen vor, ebenso wie Beiträge für private Zusatzversicherungen bei gesetzlich Versicherten.

Wenn ich als privat Versicherter versuche, meine Kosten niedrig zu halten - zum Beispiel durch eine Selbstbeteiligung …

Constanze Elter: … auch dann lassen sich nur die Beiträge selbst als Sonderausgaben geltend machen. Der Eigenanteil ist nach Ansicht des Bundesfinanzhofs höchstens bei den außergewöhnlichen Belastungen zu berücksichtigen. Denn mit der Selbstbeteiligung werde kein Versicherungsschutz erlangt, diese sei damit kein Beitrag im Sinne des Einkommensteuergesetzes.

Bei den außergewöhnlichen Belastungen muss man allerdings beachten, dass diese zunächst den sogenannten zumutbaren Eigenanteil überschreiten müssen. Dieser richtet sich nach dem eigenen Einkommen, dem Familienstand und der Zahl der Kinder.  

Darf ich auch die Beiträge für meine Kinder in der Steuererklärung ansetzen?

Constanze Elter: Zahlen Sie für andere unterhaltsberechtigte Personen Prämien - zum Beispiel für Ihre Kinder -, können Sie diese Prämien wie eigene Beiträge behandeln und angeben. Das gilt auch für die Basisprämien, die Sie für Ihren Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner zahlen. Voraussetzung ist, dass Sie diese Beiträge als Versicherungsnehmer leisten.

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Autor: Constanze Elter

Zuletzt aktualisiert am 05.12.2016