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Gesetzliche Rentenversicherung: Reguläre Altersrente gibt es später

2017 gibt es weitere Schritte auf dem Weg zur "Rente mit 67". Wir sagen, wer derzeit wann in Rente gehen kann - und was ein vorzeitiger Renteneintritt kostet.

Reguläre Altersrente: Das Alter, ab dem es nach Erfüllung einer fünfjährigen Mindestversicherungszeit eine ungekürzte Altersrente gibt, steigt nun auf 65 Jahre und sechs Monate. Genauer gesagt gilt dieser Wert nicht für das Jahr 2017, sondern für den kompletten Geburtsjahrgang 1952.

Das bedeutet beispielsweise: Wer am 2. Dezember 1952 geboren wurde, kann die reguläre Altersrente erst ab Juli 2018 erhalten. Denn im Juni 2018 wird er 65 Jahre und sechs Monate alt. Die reguläre Altersrente gibt es dann ab dem Folgemonat. Jahrgang für Jahrgang steigt diese Altersgrenze auch künftig an. Ab dem Jahrgang 1964 - also für die derzeit 52- bis 53-Jährigen - liegt die reguläre Altersgrenze dann bei 67 Jahren.

Altersrente für besonders langjährig Versicherte: Seit Juli 2014 gibt es für Versicherte, die auf eine 45-jährige Mindestversicherungszeit kommen, allerdings die Möglichkeit, bereits deutlich früher in Rente zu gehen. Sie können die "Altersrente für besonders langjährig Versicherte" in Anspruch nehmen - und zwar ohne Abschläge. Für den Jahrgang 1954, diejenigen also, die 2017 ihren 63. Geburtstag feiern, ist dies allerdings nicht mehr mit 63 möglich, sondern erst vier Monate später. Das Zugangsalter für den abschlagsfreien Rentenzugang wird nämlich hier schrittweise für jeden Jahrgang um zwei Monate angehoben. Ab dem Jahrgang 1964 gilt dann wieder die 65-Jahres-Grenze.
Wichtig zu wissen: Diese Altersrente gibt es nur ganz oder gar nicht. Ein vorzeitiger Bezug mit Abschlägen ist hier nicht möglich.

274.300 Versicherte nutzten diese Altersrente 2015. Somit entfiel ein knappes Drittel der Renteneintritte auf dieses vorgezogene Altersruhegeld. Zum Erstaunen vieler war der Frauenanteil dabei mit 41 Prozent recht hoch. Ursprünglich waren Bundesregierung und Rentenversicherung davon ausgegangen, dass diese Rente wegen der geforderten langen Versicherungszeit von 45 Jahren eine "Männerdomäne" sein würde.

Der hohe Frauenanteil dürfte wohl durch die volle Berücksichtigung der sogenannten Kinderberücksichtigungszeiten bei dieser Frührente zu erklären sein. Für die Rente zählen nicht nur die ersten drei (beziehungsweise bei Jahrgängen vor 1992: zwei) Erziehungsjahre als sogenannte Kindererziehungszeiten. Es wird die komplette Zeit bis zum zehnten Geburtstag eines Kindes als Kinderberücksichtigungszeit anerkannt. Soweit Frauen mehrere Kinder haben, zählt dabei die Zeit bis zum zehnten Geburtstag des jüngsten Kindes.

Dazu ein Beispiel:

Das erste Kind wurde 1972 geboren, das zweite Kind 1982. In diesem Fall zählt die Zeit zwischen 1972 und 1992 als Kinderberücksichtigungszeit - insgesamt also 20 Jahre. Kommen dann noch 25 Jahre sozialversicherter Beschäftigung hinzu, die sich nicht mit der Kinderberücksichtigungszeit überschneiden, so erfüllen die Betreffenden bei Erreichen der für sie maßgeblichen Altersgrenze die Mindestversicherungszeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

Rechtsstreitigkeiten bei den Anspruchsvoraussetzungen zu dieser vorzeitigen Altersrente gibt es nach wie vor insbesondere über die Berücksichtigung von Zeiten des Bezugs der Versicherungsleistung Arbeitslosengeld (ALG) I in den letzten beiden Jahren vor dem Rentenbeginn. Solche Zeiten werden nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) VI nämlich nur in Sonderfällen für die Mindestversicherungszeit berücksichtigt - insbesondere wenn die Arbeitslosigkeit durch eine Insolvenz verursacht war. Dies hat das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg mit einem Urteil vom 21. Juni 2016 für rechtens befunden (Aktenzeichen L 9 R 695/16). Gegen das Urteil wurde allerdings Revision bei dem Bundessozialgericht eingelegt (Aktenzeichen B 5 R 16/16 R).

Tipp:

Für Bezieher von ALG I, die die vorgezogene Rente beziehen möchten, gibt es allerdings eine recht einfache Lösung, um die Nicht-Berücksichtigung von Zeiten mit ALG-I-Bezug auszuhebeln: Sie können als Arbeitslose einen Minijob aufnehmen. Die Minijobs sind prinzipiell rentenversicherungspflichtig und können so Rentenansprüche verschaffen (die Versicherungspflicht kann allerdings abgewählt werden). Vor allem aber: Durch die Beitragszahlung zählt der Minijob auch für die Versicherungszeit für die Altersrente für besonders langjährig Versicherte.

Wichtig ist allerdings: Die Aufnahme eines Minijobs muss der Arbeitsagentur umgehend gemeldet werden. Sofern die Bemühungen um eine vollwertige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung "dadurch nicht eingeschränkt werden und die wöchentliche Arbeitszeit unter 15 Stunden liegt", wird der Anspruch auf Arbeitslosengeld I dadurch nicht berührt, schreibt die Bundesagentur für Arbeit.

Altersrente für langjährig Versicherte: Für dieses vorgezogene Altersruhegeld gibt es deutlich niedrigere Hürden. Hier reichen schon 35 Versicherungsjahre. Dafür sind die Konditionen hier deutlich schlechter. Die Rente kann zwar schon ab 63 bezogen werden - aber mit kräftigen Rentenabschlägen. Jeder Monat, in dem die Rente vor Erreichen des regulären Renteneintrittsalters in Anspruch genommen wird, kürzt das Ruhegeld um 0,3 Prozent - lebenslang.

2017 erreicht der Jahrgang 1954 die 63-Jahres-Grenze. Wer in diesem Jahr geboren wurde, kann die Altersrente für langjährig Versicherte mit einem Abschlag von 9,6 Prozent beziehen. Wer mit 63 Jahren Rentenansprüche in Höhe von 1.000 Euro erworben hat, bekommt als Rente also nur 904 Euro - wovon noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abgehen. Für jeden neuen Rentnerjahrgang werden die Abschläge höher. Ab 2024 sind es dann maximal 14,4 Prozent, wenn man schon mit 63 in Rente geht.

Wichtig ist aber: Wer diese vorzeitige Rente bekommen will, muss sie nicht schon mit 63 beantragen. Das ist auch einige Monate später oder beispielsweise erst mit 65 Jahren möglich. Dann fallen die Rentenabschläge entsprechend geringer aus. Wer zum Beispiel 1954 geboren wurde und die Rente erst 2019 mit 65 beanspruchen möchte, muss nur Abschläge von (8 x 0,3 Prozent =) 2,4 Prozent hinnehmen.

Schwerbehindertenrente: Dieses vorgezogene Altersruhegeld kann als einziges noch vor dem 63. Geburtstag bezogen werden. Im Regelfall gibt es diese Rente aber nun - anders als früher - nicht mehr ab 60 Jahren. Für den Jahrgang 1954 liegt die Altersgrenze für den regulären (abschlagsfreien) Bezug dieser Rente bei 63 Jahren und acht Monaten. Die Schwerbehindertenrente kann man auch maximal drei Jahre vorher erhalten (für den Jahrgang 1954: ab 60 Jahren und acht Monaten), dann aber mit Abschlägen von bis zu 10,8 Prozent (0,3 Prozent x 36 Monate).

Erwerbsminderungsrente: Die schrittweise Anhebung des Rentenalters wirkt sich auch auf Erwerbsgeminderte aus. Sie bekommen ab 2017 eine abschlagsfreie Erwerbsminderungsrente erst mit 63 Jahren und elf Monaten. Wer diese Rente also ungekürzt erhalten will, "darf" erst mit knapp 64 Jahren erwerbsgemindert werden. Der maximale Abschlag bleibt bei 10,8 Prozent. Er fällt an, wenn die Rente mit 60 Jahren und elf Monaten oder - was meist der Fall ist - noch deutlich früher bezogen wird.

 

 

 

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