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Rentenkonto: Berufsausbildung im Blick

Wer keine Rente verschenken will, sollte regelmäßig sein Rentenkonto prüfen. Sind die gespeicherten Daten vollständig und korrekt? Ein besonderes Augenmerk sollte sich auf die Erfassung von betrieblichen Ausbildungszeiten richten. Fragen und Antworten zum Thema.

Handwerksmeister und Azubi im Betrieb, Hände schüttelnd

Sind Auszubildende in der gesetzlichen Rentenversicherung abgesichert?

Auszubildende sind nicht nur in der Rentenversicherung, sondern in allen Zweigen der Sozialversicherung abgesichert. Ab dem ersten Ausbildungstag besteht für Azubis die Pflicht zur Beitragszahlung. Jeder muss Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung entrichten. Um die Abführung der Beiträge kümmert sich der Arbeitgeber.

Das Entgelt bei betrieblichen Berufsausbildungen ist meist niedrig, was bedeutet das für die Rentenansprüche?

Die Ausbildungsvergütungen sind zwar nicht hoch. Doch in den meisten Fällen ist die Ausbildung für die spätere Rente deutlich mehr wert. Denn nachgewiesene betriebliche Ausbildungszeiten (nicht jedoch: Schul- und Studienzeiten!) werden bei der Rentenberechnung in der Regel höhergewertet, und zwar auf maximal 75 Prozent des Durchschnittsverdienstes aller Versicherten.

Ausbildungszeiten und Rente - Beispiel

Monika verdient während ihrer Ausbildung 600 Euro monatlich brutto, also 7.200 Euro im Jahr. 2017 beträgt das (vorläufige) beitragspflichtige jährliche Durchschnittseinkommen aller Versicherten 37.103 Euro. 75 Prozent davon sind 27.827 Euro.

Die Ausbildungszeit wird - was die Rente betrifft - maximal auf diesen Verdienst hochgewertet. Der Unterschied ist beträchtlich. Ein Jahresverdienst von 7.200 Euro würde im Westen Deutschlands nur monatliche Rentenansprüche in Höhe von 6,02 Euro bringen (im Osten wäre es geringfügig mehr). Durch die Höherbewertung dieser Zeit können die Ausbildungsjahre etwa viermal so viel wert sein. Nach dem ab Juli 2017 geltenden Rentenwert kann ein Lehrjahr des Azubis in den alten Bundesländern ein Rentenplus von 23,27 Euro bringen (in den neuen Ländern noch etwas mehr).

Kommt es immer zu dieser beträchtlichen Höherbewertung?

Fast immer - Voraussetzung ist, dass die versicherungspflichtigen Einkünfte des jeweiligen Versicherten im gesamten Arbeitsleben durchschnittlich mindestens 75 Prozent der Einkünfte aller Versicherten betrugen - andernfalls ist die Höherbewertung durch den niedrigeren individuellen Wert begrenzt.

Wer beispielsweise im Schnitt nur 60 Prozent des Durchschnittseinkommens erzielt hat, dessen Ausbildungszeit wird auch nur auf maximal 60 Prozent des Durchschnittsverdienstes hochgewertet.

Gilt die Höherwertung auch für lange zurückliegende Ausbildungszeiten?

Ja, allerdings sollte jeder Versicherte immer zeitnah prüfen, ob die Ausbildungszeiten korrekt auf dem Rentenkonto erfasst sind. Wer das noch nicht getan hat, sollte es bald tun. Dabei reicht ein genauer Blick auf den Versicherungsverlauf.

Was sollten Versicherte dabei prüfen?

Vor allem sollten sie darauf achten, ob für die Zeit der Ausbildung überhaupt ein rentenversicherungspflichtiges Arbeitsentgelt gespeichert ist.

Wenn auf dem Rentenkonto kein Beitragseingang verzeichnet ist, gibt es Probleme. Dann muss man nämlich als Versicherter den Nachweis führen, dass tatsächlich Beträge geflossen sind. Und das fällt umso schwerer, je länger die Ausbildung her ist.

Was passiert, wenn die Beitragszahlungen nicht nachgewiesen werden können?

Genau über einen solchen Fall wurde im letzten Jahr vor dem Sozialgericht Mainz verhandelt (Aktenzeichen S 10 R 511/14).

Ein Versicherter hatte bei seinem Rentenantrag angegeben, von 1969 bis 1972 eine Ausbildung als Raumausstatter gemacht zu haben. Er konnte dafür sogar eine Bestätigung der Kreishandwerkerschaft über den Abschluss eines Ausbildungsvertrags vorlegen - weitere Nachweise hatte er jedoch nicht.

Vor allem konnte er nicht belegen, dass Beiträge gezahlt wurden. Sein früherer Ausbildungsbetrieb existierte nicht mehr. Bei der Deutschen Rentenversicherung war für die Ausbildungszeit kein Beitragseingang registriert und auch bei der Krankenversicherung lagen dazu keine Informationen vor.

Die Bestätigung der Kreishandwerkerschaft reichte der Deutschen Rentenversicherung zwar als Nachweis, dass der Versicherte eine Ausbildung absolviert hatte, nicht jedoch als Nachweis für die Beitragsentrichtung.

Das sah das Sozialgericht Mainz genauso. Es wies die Klage auf Berücksichtigung der Ausbildungszeit für die Rente ab. Nach der Rechtsprechung des Bundessozialgerichts führe der Nachweis eines versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses nicht dazu, dass auch die Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen glaubhaft gemacht sei. Der fehlende Nachweis der Beitragszahlung gehe - so das Gericht - zu Lasten des Versicherten.

Im Übrigen werde nichts Unmögliches von ihm verlangt. Denn über alte Korrespondenz mit den Kranken- oder Rentenversicherungsträgern, alte Gehaltsabrechnungen oder Kontoauszüge oder die Benennung von Zeugen könne auch ein Arbeitnehmer grundsätzlich die Abführung von Beiträgen nachweisen.

Und worauf sollte man noch im Versicherungsverlauf achten?

Wichtig ist zudem, dass die Zeit der Berufsausbildung auch tatsächlich als Ausbildungszeit registriert ist. Zeiten einer betrieblichen Berufsausbildung tauchen in Versicherungsverläufen nicht selten als normale "Pflichtbeitragszeiten" auf. Dass es sich um Zeiten einer Berufsausbildung handelt, ist dann nicht erkennbar - sollte es jedoch sein: Denn die Jahre einer Berufsausbildung werden nur dann höher bewertet, wenn der Rentenversicherung Nachweise vorgelegen haben, dass es sich dabei wirklich um eine Ausbildung gehandelt hat.

Wann erhalten Versicherte einen Versicherungsverlauf?

Den ersten Versicherungsverlauf verschickt die Deutsche Rentenversicherung an Versicherte, die 27 Jahre alt sind und fünf Jahre lang Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt haben. Mit 43 bekommt man von der Deutschen Rentenversicherung einen aktuellen Versicherungsverlauf und einen Fragebogen zur Kontenklärung zugeschickt.

Wer die Unterlagen verlegt hat, kann sich jederzeit einen neuen aktuellen Versicherungsverlauf zuschicken lassen.

Themenhinweise:

Autor: Rolf Winkel

Zuletzt aktualisiert am 10.05.2017