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Pflege-Bahr unter der Lupe

Eine private Pflegezusatzversicherung kann sinnvoll sein, wenn die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht reichen, um die Pflegeleistungen zu finanzieren, die einem wichtig sind. Mit einer Förderung durch Pflege-Bahr unterstützt der Staat diejenigen, die das Risiko einer Pflegebedürftigkeit absichern möchten.

Pflegerin kümmert sich um pflegebedürftige Seniorin

Seit nunmehr rund vier Jahren fördert der Staat den Abschluss einer privaten Pflegeversicherung mit bis zu 60 Euro im Jahr. Rund 800.000 geförderte Verträge wurden seitdem abgeschlossen, die bei Pflegebedürftigkeit die finanziellen Risiken für die Verbraucher begrenzen sollen.

Bedingungen für die Förderung

Um den Zuschuss zum Pflege-Bahr zu erhalten, muss der monatliche Beitrag inklusive des Förderanteils mindestens 15 Euro ausmachen. Dafür muss die Pflegezusatzversicherung bei Pflegegrad V mindestens eine Leistung von 600 Euro monatlich bieten und darüber hinaus in allen Pflegegraden Leistungen anbieten.

Außerdem muss der Pflege-Bahr-Vertrag einen Verzicht auf das ordentliche Kündigungsrecht vorsehen sowie auf eine Risikoprüfung, Risikozuschläge und Leistungsausschlüsse wegen Vorerkrankungen verzichten.

Die Wartezeit darf für die Pflegezusatzversicherung maximal fünf Jahre betragen. Außerdem muss der Vertrag beinhalten, dass bei finanziellen Problemen mit dem Bezug von Hartz IV oder Sozialhilfe der Vertrag bis zu drei Jahre ruhend gestellt oder gekündigt werden kann.

Beratung - Fehlanzeige?

Eine Beratung für eine Pflege-Bahr-Versicherung zu bekommen, gestaltet sich meist schwierig: Denn die Provision für den Berater darf nur doppelt so hoch sein wie die erste Bruttoprämie. Liegt die also tatsächlich nur bei 15 Euro, bekommen Vertreter 30 Euro Courtage.

Attraktiv wird das für sie nur, wenn Kunden zusammen mit dem Pflege-Bahr-Vertrag eine nicht geförderte Pflegezusatzversicherung abschließen, die höher verprovisioniert wird.

Solche Koppel-Verträge bieten viele Versicherer an, um das Geschäft für die Versicherungswirtschaft selbst attraktiver zu gestalten. Einen solchen privaten Schutz ohne Förderung bekommen aber vor allem Interessenten mit Vorerkrankungen nicht, die gerade die Zielgruppe von Pflege-Bahr sind. Die Idee eines Pflege-Bahrs als Eintrittskarte in eine umfassende Beratung ist also nicht umsetzbar.

Pflege-Bahr sinnvoll?

Wer also mit Vorerkrankungen auf der Suche nach einer Pflegezusatzversicherung ist, der muss sich oft selbst informieren und den passenden Schutz finden.

Die Stiftung Warentest sieht die Pflege-Bahr-Tarife alleine aber als nicht ausreichend an, um die Versorgungslücke zu schließen, die das Risiko einer Pflegebedürftigkeit birgt. Nach einem etwas älteren Test aus 2015 bieten aus den Dutzenden Tarifen lediglich drei davon ansatzweise ausreichenden Schutz. Und auch die Experten von Ökotest kritisierten die Pflege-Bahr-Vorsorge als unzureichend und überteuert - vor allem, wenn ungeförderte Tarife noch abschließbar seien.

Vor- und Nachteile im Überblick

Die Vor- und Nachteile der Pflege-Bahr-Versicherungen haben sich nach rund vier Jahren herausgeschält - und halten sich fast die Waage: Als Pluspunkte sind sicherlich zu nennen:

  • Abschluss ohne Gesundheitsprüfung
  • Keine Altersbeschränkung
  • Keine Leistungsausschlüsse und Risikozuschläge

Auf der Soll-Seite sehen Experten allerdings auch einige Argumente:

  • Wartezeit von fünf Jahren, bis Leistungen in Anspruch genommen werden können
  • Keine Beitragsbefreiung im Leistungsfall
  • Geringe Leistungen bei niedrigen Pflegegraden    

Bestandsverträge umstellen?

Wer bereits eine Pflegezusatzversicherung hat, ärgert sich oft natürlich über die Förderung, die ihm für seinen Vertrag nicht versprochen wurde. Auch nachträglich sind sie nicht förderbar, da sie in aller Regel kaum die gesetzlichen Vorgaben erreichen dürften.

Möglich ist - zumindest theoretisch - die steuerliche Förderung als sonstige Vorsorgeaufwendungen. Diese Förderung können Versicherte erhalten, wenn ihr Krankenversicherungsbeitrag unter 1.900 Euro (Arbeitnehmer) oder 2.800 Euro (Selbstständige) liegt. Ist der Beitrag höher, geht man bei der steuerlichen Anerkennung der Beiträge für die Pflegezusatzversicherung leer aus.

 

 

Themenhinweise:

Autor: Oliver Mest

Zuletzt aktualisiert am 21.06.2017