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Risikolebensversicherung: So umfangreich muss der Schutz wirklich sein

Welche zusätzlichen Leistungsmerkmale machen bei einer Risikolebensversicherung wirklich Sinn und auf welche kann man getrost verzichten? Und wie umfangreich muss der Schutz bei einer Risikolebensversicherung eigentlich sein? Wir klären die Fakten.

Die klassische Absicherung im Todesfall war gestern: Viele Anbieter versehen heute ihre Risikolebensversicherungen mit weiteren Leistungsmerkmalen. Aber wie sinnvoll sind die? Lohnt sich der Mehraufwand? Wir haben die wichtigsten dieser Leistungsmerkmale unter die Lupe genommen.

1. Todesfallleistung zu Lebzeiten

Einige Risikolebensversicherungen sehen heute vor, dass die Versicherungssumme bereits zu Lebzeiten ausgezahlt werden kann, wenn der Versicherte aufgrund einer lebensbedrohlichen Erkrankung voraussichtlich innerhalb der nächsten Monate stirbt. Klingt makaber, ist als Wahlrecht aber gar nicht so schlecht. Mit einer solchen Auszahlung besteht die Möglichkeit, bei einer schweren Erkrankung eine medizinische Behandlung nach Wunsch zu finanzieren oder auch - ganz menschlich - sich einen großen Wunsch zu erfüllen. Vorsicht aber: Die Versicherungssumme muss so bemessen sein, dass das Geld auch für die finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen reicht, denn dafür ist es ja eigentlich gedacht.

Sinnvoll oder nicht? Sinnvoll kann eine solche Vereinbarung allemal sein, wenn sie finanzielle Möglichkeiten in einer sehr schwierigen Lebenslage schafft. Den Anbieter sollte man nach diesem Leistungsmerkmal aber nicht unbedingt aussuchen!

2. Nachversicherungsgarantie

Mit der Nachversicherungsgarantie besteht die Möglichkeit, die einmal vereinbarte Versicherungssumme noch einmal kräftig aufzustocken, wenn eine höhere Versicherungssumme gewünscht wird.

Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn sich die finanzielle Situation des Versicherten nach der Geburt eines Kindes oder zu einer Immobilienfinanzierung ändert und der Absicherungsbedarf steigt. Mit einer Nachversicherungsgarantie kann die Versicherungssumme dann erhöht werden - und zwar ohne Gesundheitsprüfung, sodass auch bei Vorerkrankungen die Anpassungen möglich sind.

Sinnvoll oder nicht? Wenn die Möglichkeit besteht, dann unbedingt mit einschließen in den Versicherungsschutz. Mit der Nachversicherungsgarantie besteht die Möglichkeit, den Schutz an sich verändernde Lebensumstände anzupassen.

3. Beitragsdynamik

Mit einer Beitragsdynamik steigt die Versicherungssumme jährlich um einen vorher festgelegten Prozentsatz - meist zwischen zwei und sechs Prozent. Die Versicherungssumme steigt so Jahr für Jahr und passt sich an die steigenden Lebenshaltungskosten sowie an das steigende Gehalt an.

Sinnvoll oder nicht? Unbedingt vereinbaren - die Dynamikvereinbarung an sich kostet wie auch die Nachversicherungsgarantie nichts, und man kann der Erhöhung jederzeit widersprechen.

4. Erhöhte Versicherungssummen in bestimmten Lebenssituationen

Manche Risikolebensversicherungen versprechen erhöhte Leistungen bei einem Todesfall in bestimmten Lebenssituationen: So steigt die Auszahlungssumme etwa bei einem Todesfall in zeitlicher Nähe zu einer Baufinanzierung oder zur Geburt eines Kindes-  und auch bei einem Unfalltod wird oft die Versicherungssumme deutlich erhöht.

Sinnvoll oder nicht? Eher weniger sinnvoll. Die Versicherungssumme sollte so bemessen beziehungsweise anpassbar sein (siehe oben Nachversicherungsgarantie), dass solche Extrazahlungen gar nicht notwendig sind - egal, wann und wie der Tod eingetreten ist.

5. Verlängerungsoption

Eine Lebensversicherung wird immer mit einem festen End-Alter verkauft - der Kunde entscheidet sich, bis wann er den Risikoschutz benötigt. Manche Anbieter sehen jetzt vor, dass man den Schutz noch während der Vertragslaufzeit strecken kann. Bedarf dürfte sicherlich bei Familien bestehen, die unerwartet noch Nachwuchs bekommen oder die im Alter noch einmal eine Baufinanzierung planen und dafür Risikoschutz benötigen.

Sinnvoll oder nicht? Ohne Frage ein pfiffiges Produktmerkmal, das eine Risikolebensversicherung flexibel werden lässt.

6. Beitragsbefreiung

Wer vorübergehend mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat, neigt dazu, als Gegenmaßnahme Versicherungen zu kündigen. Aber gerade die Risikolebensversicherung sollte nicht aufgegeben werden - zu wichtig ist die finanzielle Absicherung der Familie. Immer mehr Risikolebensversicherungen sehen deshalb vor, dass die Leistungen bei finanziellen Engpässen ganz oder zumindest reduziert bestehen bleiben.

Sinnvoll oder nicht? Ein wirklich sinnvolles Leistungsmerkmal für die Risikolebensversicherung, damit der Schutz nicht leichtfertig aufgegeben werden muss.

Das Fazit

Einige der Leistungsmerkmale sind schon sinnvoll, vor allem die Nachversicherungsoption, die Möglichkeit, die Versicherungssumme zu dynamisieren und eine Beitragsbefreiung sollten Bestandteile der Risikolebensversicherung sein.

Finanziell muss das nicht unbedingt mit Mehrkosten verbunden sein, weil auch günstige Versicherer das durchaus anbieten - eine gute Beratung sollte hier aber dem schnellen Online-Abschluss ohne Beratung vorgezogen werden.

Die weiteren Leistungsmerkmale sind sicherlich kein Muss. Sie sind oft Bestandteil der sogenannten Premium- oder Komfort-Varianten der jeweiligen Anbieter - und die sind meist schon 20 bis 35 Prozent teurer als der günstigere Basis-Schutz - ob einem das den Preisaufschlag wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

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Autor: Oliver Mest

Zuletzt aktualisiert am 25.07.2017