Altersvorsorge für Familien

Familien sollten gut überlegt vorsorgen, ihre Kinder absichern und sich darüber freuen, dass der Staat sie bei der Altersvorsorge fördert – etwa durch Kinderzulagen wie bei der Riester-Rente.

Junge Familie mit kleiner Tochter und Sprechblase: Risiken absichern? Für die Familie! – Bildnachweis: © www.wdv.de

Gesetzliche Rente

Ein guter Begleiter von Anfang an. Die gesetzliche Rente schützt insbesondere Familien - zum Beispiel mit Hinterbliebenen- oder Erziehungsrenten.

Ein Elternteil erhält von der Deutschen Rentenversicherung "Kindererziehungszeiten" gutgeschrieben. Grob dargestellt tut sie so, als würde eine junge Mutter drei Jahre lang einen Durchschnittsverdienst verdienen – auch wenn sie sich in dieser Zeit statt um den Job um ihre Kinder kümmert. Dadurch steigt die Rente.

Die Kindererziehungszeiten werden aber nur auf Antrag gewährt. Beim Ausfüllen helfen die Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung. Es lohnt sich im gleichen Atemzug eine Kontoklärung zu veranlassen, falls dies noch nicht geschah. Dabei wird das Rentenkonto auf den Prüfstand gestellt. Fehlende Angaben können nachgetragen werden – oft wirkt sich eine Kontenklärung rentenstärkend aus (auch für den Mann!).

Die gesetzliche Rente ist für die meisten Arbeitnehmer die wichtigste Form der Altersvorsorge, denn der größte Teil des Geldes, den sie im Alter zur Verfügung haben, kommt von der Deutschen Rentenversicherung.

Tipps: Weitere Informationen gibt es in der kostenlosen Broschüre "Was wir für Familien tun" der Deutschen Rentenversicherung (www.deutsche-rentenversicherung.de). Eine Kontenklärung lässt sich bei einem persönlichen Beratungsgespräch in einer Auskunfts- und Beratungsstelle starten.

So geht es:

  • Antrag auf Kindererziehungszeiten stellen über das Formular V0800 und gegebenenfalls auf Kontenklärung,
  • Formulare ausfüllen und bei Bedarf Auskunfts- und Beratungsstelle aufsuchen.

Riester-Rente

Bei der Riester-Rente hat der Staat ein Herz für Kinder. Familien profitieren von Grund- und Kinderzulagen. Ehepaare, die sich für eine Riester-Rente entscheiden, erhalten jeder für seinen Vertrag bis zu 154 Euro Grundzulage. Für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, fließen pro Jahr an einen der Partner bis zu 185 Euro oder gar bis zu 300 Euro Kinderzulagen, wenn das Kind nach 2008 geboren wurde.

Voraussetzung für den Erhalt der vollen Zulagen ist, dass mindestens vier Prozent des Vorjahreseinkommens inklusive der Zulagen in den Riester-Vertrag eingezahlt werden. Das gilt aber nur für einen von beiden. Der andere Partner kann die vollen Zulagen erhalten. Verfügt er über kein Einkommen im Vorjahr, muss der Partner mindestens einen Sockelbeitrag von 60 Euro im Jahr in seinen Riester-Vertrag einzahlen. Die günstige Zusatz-Förderung ist vom Staat durchaus so gewollt – er will gerade Verheiratete und Familien die Altersvorsorge erleichtern. Der Fachausdruck hier heißt "abgeleitete Förderung".

Familien, die überlegen, ob sie mal Immobilienbesitzer werden wollen, sollten Wohn-Riester unter die Lupe nehmen. Hierunter fallen spezielle Riester-Produkte, die es erlauben die staatliche Förderung für die Entschuldung der selbstgenutzten Immobilie zu verwenden.

So geht es:

  • Prüfen ob ein Anrecht auf staatliche Förderung besteht,
  • das richtige Riester-Produkt auswählen,
  • bei Verbraucherzentralen oder der Stiftung Warentest Angebote einholen oder Tests lesen.
  • Vor Abschluss Einzahlhöhe und staatliche Förderung für sich und den Partner berechnen.
  • Zulagenantrag ausfüllen.

Betriebliche Altersvorsorge

Die alte Schwester der Riester-Rente ist die betriebliche Altersvorsorge, deren Geschichte bis ins Kaiserreich zurückreicht. Inzwischen haben sich fünf Formen (so genannte Durchführungswege) gebildet. Üblich sind Formen der betrieblichen Altersvorsorge, bei denen Arbeitnehmer entweder alleine einzahlen oder ihr Chef einen Teil zuschießt. Dabei handelt es sich um Standardangebote, die für große Gruppen (Konzern oder Branche) konzipiert sind (Kostenvorteil). Es ist eher unüblich, dass Arbeitnehmer eine Auswahl treffen können. Branchentarifverträge oder Angebote des Arbeitgebers dominieren. Die betriebliche Altersvorsorge wird über Steuervorteile  und Sozialversicherungsfreiheit gefördert.

Achtung: Zu den Sozialabgaben gehören die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die betriebliche Altersvorsorge mindert durch die Sozialabgabenfreiheit also die spätere Rente. Privat Krankenversicherte zahlen nicht in die gesetzliche Krankenversicherung ein und profitieren so weniger von der Sozialabgabenfreiheit. Später, wenn die betriebliche Rente ausbezahlt wird, müssen gesetzlich Krankenversicherte auf die Auszahlungen Krankenkassenbeiträge zahlen.

So geht es:

  • Bei Personalabteilung oder im Tarifvertrag recherchieren, welche Angebote es gibt,
  • Steuervorteil ausrechnen,
  • Angebot checken und abschließen.

Sonstige private Vorsorge

Mindestens genauso wenn nicht wichtiger als die Altersvorsorge ist für Familien die Risikoabsicherung. In der Hauptsache geht es um die Frage, was passiert, wenn der Hauptverdiener ausfällt. Da immer öfter beide Partner arbeiten, müssen sie sich auch fragen, ob der weniger verdienende Partner nicht auch eine Absicherung benötigt - etwa dann, wenn sein Gehalt für die Abbezahlung einer Immobilie wichtig ist. In Betracht kommen unter anderem eine Risikolebensversicherung und eine private Berufsunfähigkeitsversicherung als Ergänzung zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente. Letztere ist allerdings nicht leicht zu bekommen und teuer (Preis abhängig von Job, Alter und eventuellen Vorerkrankungen).

Im Gegensatz zur Deutschen Rentenversicherung wählen Versicherungen sich ihre Kunden nach marktwirtschaftlichen Kriterien aus. Menschen mit Vorerkrankungen oder in risikoreichen Jobs müssen entweder Risikozuschläge zahlen oder erhalten erst gar keine Versicherung. Menschen, die auf dem Privatmarkt keine Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten, sollten darauf achten, dass sie die Mindestbedingungen für den Erhalt einer gesetzlichen Erwerbsminderungsrente erfüllen (mindestens fünf Jahre eingezahlt haben) und zusehen, ob sie im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge einen Vertrag erhalten können, in dem auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung eingebaut ist. Die Renten sind dort zwar nur klein, aber immerhin eine zusätzliche Absicherung.

Absolute Pflicht für Familien ist übrigens die private Haftpflichtversicherung (50 bis 60 Euro pro Jahr). Eine Unfallversicherung, die nach einem Unfall in der Freizeit zahlt, wird oft empfohlen – vor allem für alle, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung haben.

Oftmals bestimmt das frei verfügbare Einkommen, ob noch zusätzlich Geld für die private zusätzliche Altersvorsorge da ist. Wenn ja, sollte vorher noch eine frei verfügbare Notreserve von mindestens zwei Monatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto geparkt werden.

Nicht staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte und Geldanlagen haben einen Vorteil: Sie werden aus bereits versteuerten Einkommen bezahlt und müssen in der Regel in der Auszahlungsphase nicht oder nur gering versteuert werden. Sparer sollten auf die Flexibilität, Kosten und vor allem Sicherheit achten. Denn eine Altersvorsorge, die im Alter nicht zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird, ist ein Schuss in den Ofen.

So geht es:

  • Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen oder gefährlichen Jobs, sollten sich vor Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung beraten lassen (Verbraucherzentrale, Bund der Versicherten, Versicherungsberater).
  • Bei Banken und Versicherungen ein Beratungsprotokoll zur Geldanlage führen.
  • Berater direkt und offen auf Risiken und Kosten einer Anlage ansprechen und genaue Informationen fordern.

Arbeitslosigkeit

Gesetzliche Rente: Während des Bezugs von Arbeitslosengeld I, zahlt die Bundesagentur für Arbeit Beiträge zur Rente auf Basis von 80 Prozent des letzten Verdienstes ein (geringe Minderung der späteren Rente). Bei Arbeitslosengeld II fließen keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Infos: Gesetzliche Rente

Riester-Rente: Einzahlungen können gedrosselt oder ganz gestoppt werden. Dadurch kann aber die staatliche Förderung sinken. Der Mindesteigenbetrag von 60 Euro sollte von Geringverdienern nicht unterschritten werden, da es sonst keine Zulagen gibt. So lange Arbeitslosengeld oder Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung fließen, erhalten Sparer die staatliche Riester-Förderung. Angespartes Riester-Kapital wird nicht angerechnet. Mehr Infos: Riester-Rente

Betriebliche Altersvorsorge: Ansprüche auf eine Betriebsrente im Alter, in die nur der Chef einzahlte, bleiben bestehen, wenn der Ex-Angestellte mindestens 30 Jahre alt ist und der Vertrag mindestens fünf Jahre schon läuft (bei Verträgen ab 2009 gilt eine Altersgrenze von 25 Jahren). Trick: Firmenneulinge/junge Arbeitnehmer sollten im Aufhebungsvertrag versuchen, eine "Unverfallbarkeit" zu vereinbaren. Sobald der Arbeitnehmer selbst eingezahlt hat, ist die spätere Rente sicher. Weiterführung der betrieblichen Altersvorsorge hat den Nachteil, dass Sozialabgabenfreiheit und Steuervorteil bei mangelndem Einkommen nicht greifen. Beitragszahlungen können in der Regel gestoppt werden. Auszahlung nur möglich, wenn das Kapital so niedrig ist, dass es nur für eine spätere Rente von unter 25 Euro reichen würde. Bei der Berechnung der Grundsicherung für Arbeitssuchende werden Betriebsrenten, in die ausschließlich der Arbeitgeber einzahlte, nicht berücksichtigt, wenn eine Verfügung vor dem Eintritt des Versorgungsfalles ausgeschlossen ist. Infos: Betriebliche Altersversorgung

Freibeträge bei Arbeitslosigkeit

Anrechnung beim Arbeitslosengeld II: Bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes II können Vermögen und Altersvorsorge berücksichtigt werden. Dabei stehen den Betroffenen ein Vermögens-Grundfreibetrag und ein Altersvorsorge-Freibetrag zu: Jedem Volljährigen steht zunächst ein Grundfreibetrag von 150 Euro je vollendetem Lebensjahr zu (mindestens 3.100 Euro). Die maximale Höhe richtet sich nach dem Alter und liegt zwischen 9.750 und 10.050 Euro. Zusätzlich räumt man erwerbsfähigen Hilfebedürftigen einen Altersvorsorge- Freibetrag in Höhe von 750 Euro je vollendetem Lebensjahr ein. Je nach Alter kann dieser Freibetrag auf 48.750 bis 50.250 Euro begrenzt sein. Voraussetzungen für Altersvorsorgeprodukte, die unter den Altersvorsorge-Freibetrag fallen:

  • Anlage kann nicht vor dem Renteneintritt verwertet werden,
  • Rückkauf, Kündigung und Beleihung dürfen nicht möglich sein. Ausschluss der Verwertung vor dem 60. Lebensjahr reicht aus.
  • Beiträge in eine private Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Risikolebensversicherung können ausgesetzt werden. Dadurch kann aber später eine erneute Gesundheitsprüfung drohen. Unbedingt Folgen einer Beitragsfreistellung im Vertrag nachlesen!

Anrechnungsfrei sind auch Betriebsrenten, wenn sie ausschließlich arbeitgeberfinanziert sind und eine Verfügung vor dem Eintritt des Versorgungsfalles ausgeschlossen ist. Mehr Informationen über diese und weitere Freibeträge unter www.arbeitsagentur.de.

Unfall/Krankheit

Gesetzliche Rente: Die Deutsche Rentenversicherung übernimmt umfangreiche Leistungen zur Rehabilitation. Kann ein Arbeitnehmer nur eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten, ist eine Erwerbsminderungsrente möglich.

Riester-Rente: Keine Leistungen zur Linderung von Unfall- oder Krankheitsfolgen. Nur bei Riester-Rentenversicherungen ist als Zusatzbaustein eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglich, wodurch aber ein Teil der Einzahlungen in eine Versicherung fließen und nicht der Altersvorsorge dienen.

Betriebliche Altersvorsorge: Einige Verträge sehen eine kleine Berufsunfähigkeitsrente und eine Hinterbliebenenabsicherung vor.

Sonstige private Vorsorge: Leistungen durch Berufsunfähigkeits- und/oder Unfallversicherung möglich.

Vererbung vor Rente

Gesetzliche Rente: Die Deutsche Rentenversicherung zahlt Witwen- oder Waisenrenten.

Riester-Rente: Kapital kann vererbt werden – allerdings ohne die staatliche Förderung. Es bleiben die Einzahlungen plus die Zinsen.

Betriebliche Altersvorsorge: Sobald der Staat Steuererleichterungen und Sozialabgabenfreiheit gewährt hat, ist eine Vererbung unmöglich.

Sonstige private Vorsorge: Leistung von Kapitallebens- oder Risikolebensversicherung. Vererbung bei Kapitallebensversicherung möglich. 

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