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Finanzen

15.02.17

Altersvorsorge: Privat oder gesetzlich?

Für wen sich eine Rürup-Rente lohnen kann und warum die gesetzliche Rente eine Alternative ist.

Berlin (dpa/tmn) Vor allem Freiberufler oder Selbstständige können mit der Rürup-Rente für das Alter vorsorgen. Doch der Garantiezins für neu abgeschlossene Rentenversicherungen ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken – seit Januar 2017 liegt er nur noch bei 0,9 Prozent. Dennoch kann die private Vorsorge interessant sein. "Sie ist eine Alternative für alle, die keinen staatlich geförderten Riester-Vertrag oder keine Betriebsrente abschließen können", erklärt Theo Pischke von der Stiftung Warentest. Darüber hinaus kann sie sich für Arbeitnehmer und Beamte lohnen. "Wer regelmäßig viel verdient und hohe Steuern zahlen muss, kann von dem Steuervorteil sofort profitieren", sagt Pischke. "Und zwar viel stärker als Durchschnitts- oder Gering-Verdiener."

Jedes Jahr mehr von der Steuer absetzen

Warum, erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler: "Versicherte können die eingezahlten Beiträge als Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung geltend machen." Für das Jahr 2017 gilt ein Höchstbetrag von 23 362 Euro. Maximal können 84 Prozent abgesetzt werden. Das heißt konkret: "Alleinstehende können bis zu 19 625 Euro und Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner bis zu 39 250 Euro steuerlich geltend machen", sagt Klocke. Dieser Prozentsatz steigt in den kommenden Jahren und liegt ab 2025 bei 100 Prozent.

Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt es in Deutschland rund zwei Millionen Rürup-Verträge. Versicherte haben drei Optionen – sie können sie als fondsgebundene Versicherung (Fondspolice), als Fondssparplan und als klassische Rentenversicherung abschließen. "Wer seine Rente sicher planen will, sollte die klassische Form wählen", rät Pischke. "Die Mindestrente steht hier zu Vertragsbeginn fest", erklärt er. Durch Überschüsse, die die Versicherer erwirtschaften und an ihre Kunden weitergeben, kann die Rente noch weiter steigen. "Doch das ist in der derzeitigen Niedrigzinsphase keinesfalls mehr selbstverständlich", sagt Pischke.

Im Alter verlangt der Fiskus seinen Teil

Trotz der sofortigen Steuervorteile sollten Rürup-Sparer wissen, dass sie ihre Rente nachgelagert versteuern müssen. "Für Personen, die beispielsweise 2017 in Rente gehen, liegt der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente bei 74 Prozent. Dieser wird bei ihnen festgeschrieben. Für neu hinzukommende Rentner steigt der Anteil in den kommenden Jahren an", sagt Klocke. Für Personen mit Rentenbeginn im Jahr 2040 liegt er bei 100 Prozent. "Sie müssen dann also ihre Rürup-Rente ab der ersten Zahlung voll versteuern", erklärt Klocke.

Gesetzliche Rentenversicherung als Alternative

Für einige kann es sinnvoll sein, stattdessen freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, erklärt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (siehe unten). Wer eine Rürup-Rente abschließen will, sollte die Tragweite der Entscheidung kennen: Versicherte können den Vertrag nicht einfach kündigen. "Denn das bewirkt nur eine Beitragsfreistellung", erklärt Hentschel. "Das eingezahlte Kapital behält der Vertragspartner meist so lange, bis er dem Kunden eine monatliche Rente auszahlen kann." Anders als bei der Riester-Rente sind Kapital- oder Teilauszahlungen hier nicht möglich. Versicherte können keinen Rückkaufwert verlangen.

Bei geringer Lebensewartung lohnt sich die Rürup-Rente  weniger

Dafür erhalten Versicherte die Rürup-Rente ab dem Renteneintritt ein Leben lang. "Ob sie die eingezahlten Beiträge am Ende vollständig wieder rausbekommen, hängt von der Höhe der garantierten Rente und der eigenen Lebenserwartung ab", sagt Pischke. "Bei einer Rentendauer von unter 20 Jahren lohnt sich die Rürup-Rente in der Regel nicht", gibt er zu bedenken. Wer seine Lebenserwartung also nicht so hoch einschätzt, sollte besser flexibler für das Alter sparen.

Da gerade bei Selbstständigen der monatliche Verdienst nicht immer absehbar ist, empfiehlt Pischke: "Der Rürup-Vertrag sollte flexibel sein." Versicherte sollten auch Sonderzahlungen leisten können, wenn es die Auftragslage hergibt – und zwar zu den gleichen Bedingungen, die beim Vertragsabschluss gegolten haben. "Bei finanziellen Engpässen hingegen sollte der Versicherte die Beiträge möglichst kostenfrei aussetzen können", sagt er. Dann müssen sie später aber mit Einbußen bei der garantierten Mindestrente rechnen.

Hohe Unterschiede bei garantierter Rente

Wer nach Angeboten sucht, sollte auf die Effektivkosten achten: "Je geringer sie sind, desto mehr kann in den Spartopf fließen, und umso höher ist letztlich die Rente", erklärt Pischke. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt große Unterschiede: Die garantierte Mindestrente für einen 40-jährigen Modellkunden lag je nach Anbieter zwischen 559 Euro und 647 Euro pro Monat. Voraussetzung: Der Versicherte zahlt 27 Jahre lang einen Beitrag von 6000 Euro pro Jahr ein. Nur 3 von 18 getesteten Angeboten erhielten eine gute Bewertung ("Finanztest", Ausgabe 12/2016).

Hentschel rät: "Bei den Verträgen sollten Verbraucher auf die garantierte Rente und die genaue Leistung achten." Insgesamt soll das laut GDV einfacher werden: Anbieter der Rürup-Versicherung müssen seit 2017 die Produktinformationsblätter in einer vom Gesetzgeber vorgegebenen Form gestalten – also einheitlich über garantierte Leistungen, mögliche Wertentwicklungen, Kosten sowie über die Chancen-Risiko-Klasse informieren. Auch die Berechnungsmethode sei klar definiert. Verbraucher können auf vergleichbare Angaben hoffen.

Freiwillig in die Rentenversicherung einzahlen

Jeder, der in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht pflichtversichert ist, darf freiwillig Beiträge dort einzahlen. "So kann man einen gesetzlichen Rentenanspruch erwerben", sagt Theo Pischke von der Stiftung Warentest. Das gilt für Selbstständige, aber auch für Hausfrauen und Beamte. Gerade für ältere Rürüp-Sparer – ungefähr ab 55 Jahren – lohnt sich dies mitunter mehr, als zusätzliche Beiträge in ihren Rürup-Vertrag fließen zu lassen. "Denn je kürzer die Beitragszeit, desto weniger wirkt sich der Zinses-Zins-Effekt der kapitalgedeckten Rürup-Rente aus", erklärt Pischke. Generell könne sich gerade für ältere Selbstständige eine freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung lohnen, wie Finanztest in seiner aktuellen Ausgabe schreibt.

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