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Finanzen

19.06.17

Altersvorsorge mit Bremsklotz

Finanztest: Direktversicherung als Betriebsrente lohnt ohne Geld vom Chef oft nicht.

Berlin (mjj) Eine Direktversicherung lohnt erst dann, wenn der Vertrag gut ist und der Arbeitgeber sich an ihr beteiligt. Zu diesem Schluss kommt die Stiftung Warentest in ihrer aktuellen Juli-Ausgabe von "Finanztest". Dabei haben die Verbraucherschützer den Modellfall eines 40-jährigen Arbeitnehmer zugrunde gelegt, der 27 Jahre lang 1.200 Euro im Jahr in seine betriebliche Altersversorgung steckt. Unter der Lupe landeten 45 Angebote für Direktversicherungen. 

Das Ergebniss: "Je nach Tarif erhält er später eine monatliche Bruttorente zwischen 113 Euro, das entspricht einer Beitragsrendite von 0,72 Prozent, und 88 Euro, hier beträgt die Rendite nur minus 0,46 Prozent. Das ist garantiert." Allerdings verweist Finanztest auch darauf, dass Sparer zusätzlich mit Überschussbeteiligungen rechnen können - doch die sind nicht garantiert und sinken aufgrund des schwierigen Zinsumfelds seit Jahren. Bitteres Fazit der Tester: "Wenn der Chef also eine nicht gut getestete Direktversicherung aussucht, bekommt der Mitarbeiter nicht einmal seine eingezahlten Beiträge heraus."

Schädlich für die Rente

Die magere Verzinsung ist nur ein Problem: Zwar lockt der Staat mit weitreichenden Vergünstigungen - maximal sind in der Ansparphase bis zu 3.048 Euro jähr­lich steuer- und sozial­abgabenfrei - doch er hält in der Auszahlungsphase die Hand wieder auf. Dann gehören die Einnahmen aus einer Betriebsrente in die Steuererklärung. Zusätzlich werden für gesetzlich Versicherte Krankenkassen- und Pflegekassenbeiträge fällig (aktuell rund 18 Prozent). 

Weil die Beiträge in der Ansparphase vom Bruttolohn abgehen, fließen zudem weniger Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung. Dieser Umstand reduziert wiederum die gesetzliche Rente. Finanztest hat nachgerechnet: "Beim ledigen Gutverdiener mit 58.000 Euro Jahres­brutto­gehalt macht dies im Monat rund 16 Euro aus. So viel gesetzliche Rente bekommt er netto weniger, wenn er in seiner aktiven Zeit jeden Monat 100 Euro sozial­abgabenfrei in eine Betriebs­rente steckt."

Geduld macht sich bezahlt

Hält der Arbeitgeber kein gutes Angebot vor und beteilige er sich nicht an der Altersvorsorge seiner Mitarbeiter, könne sich Geduld lohnen: Spätestens ab 2019 sorgen Gesetzesänderungen dafür, dass Arbeitgeber sich an der Betriebsrente ihrer Mitarbeiter beteiligen müssen.

Finanztest rät daher, beim Abschluss neuer Verträge entweder zu warten, bis der Arbeitgeber etwas zur Betriebsrente dazugibt oder anhand der Tabellen in Finanztest zu beurteilen, ob sich die angebotene Direktversicherung überhaupt lohnt.

Mehr Informationen

  • www.test.de/betriebsrente
    Link zum Artikel auf der Seite der Stiftung Warentest. Die Juli-Ausgabe kostet 5,70 Euro (ab Mittwoch im Handel).

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