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Rente

25.05.16

Expertenstreit um Zukunft der Rente

Fachinger: Ziel ist aus dem Blick geraten. Börsch-Supan: Gefährdete Gruppen beachten.

Offenbach (sth). Der Richtungsstreit um die künftige Bedeutung der gesetzlichen Rente wird unter Experten mit zunehmender Schärfe geführt. Stellvertretend für die konträren Positionen auch in der Forschung zur Alterssicherung haben jetzt der Ökonom und Demografieforscher Uwe Fachinger (Bild links) sowie der Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan (Bild rechts) für die Zeitschrift "Wirtschaftsdienst" die wichtigsten Argumente beider Seiten einander gegenübergestellt. Während Fachinger für die Rückkkehr zu einer starken umlagefinanzierten Rente plädiert, spricht sich Börsch-Supan für eine zielgenaue Nachjustierung der derzeitigen Rentenpolitik aus (Link unten).

Nach Ansicht von Demografie-Forscher Fachinger ist die demografische Entwicklung in Deutschland für die Rentenreformen der Jahre 2001 und 2004 "instrumentalisiert" worden. Das Rentenniveau werde mit dem "(Schein-)Argument der Nicht-Finanzierbarkeit" einer stabilen gesetzlichen Rente reduziert, wirft Fachinger der aktuellen Rentenpolitik vor (von knapp 53 Prozent im Jahr 2000 bis auf etwa 44,5 Prozent im Jahr 2030, d. Red.). Entscheidend für die Stabilität des Rentensystems sei aber nicht das Zahlenverhältnis von älteren und jüngeren Menschen, "sondern die Zahl der Beitragszahler und der Leistungsempfänger".

"Ziel der Lebensstandardsicherung scheint aus dem Blick geraten"

Das Ziel von Alterssicherungspolitik, den Menschen im Alter "einen angemessenen Lebensstandard zu sichern, scheint aus dem Blick geraten zu sein", schreibt der Vechtaer Ökonom. Die Reduzierung des Rentenniveaus durch einen langsameren Anstieg des für die Rentenhöhe verantwortlichen aktuellen Rentenwerts in der Formel für die Rentenanpassung "unterminiert ... die Einkommens- bzw. Lohnersatzfunktion der Rente" und liefere immer mehr Menschen der Altersarmut aus, kritisiert Fachinger.

Es sei schon bei der Verabschiedung der Rentenreformen in den frühen 2000er-Jahren bekannt gewesen, dass die kapitalgedeckten Altersvorsorgesysteme das sinkende Rentenniveau nicht ausgleichen könnten, so der Ökonom. Zwar hätten Modellrechnungen "die Fiktion der Stetigkeit und Sicherheit" der betrieblichen und privaten Vorsorge unterstellt, "empirische Analysen haben jedoch gezeigt, dass dies in der Realität nicht der Fall ist". Deshalb gleiche die kapitalgedeckte Altersvorsorge "letztendlich eher einem Glücksspiel", resümiert Fachinger.

"Umlageverfahren funktioniert zunehmend weniger"

Dagegen weist der Münchner Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan eine Abkehr von der seit rund 15 Jahren betriebenen Rentenpolitik zurück. Die demografische Entwicklung führe dazu, dass das für die Finanzierung der gesetzlichen Renten verwendete Umlageverfahren "zunehmend weniger" funktioniere. Über den Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel würden die wachsenden Kosten des deutschen Rentensystems deshalb seit 2005 je zur Hälfte durch höhere Rentenbeiträge für die Jüngeren und durch weniger stark steigende Renten der Älteren finanziert, schreibt der Leiter des "Munich Center for the economics of Ageing" (MEA).

Eine Abschaffung des Nachhaltigkeitsfakors, wie sie von den Befürwortern einer stärkeren gesetzlichen Rente gefordert wird, führe aber "zu deutlich höheren Rentenbeiträgen für die jüngere Generation", warnt Börsch-Supan. Zudem würden dadurch die Sozialabgaben steigen, was erfahrungsgemäß zu einem starken Verlust von Arbeitsplätzen führe. Damit würde aber die Finanzierungsbasis der gesetzlichen Rente "wieder unterminiert werden", argumentiert der international tätige Forscher.

"Wachsende Altersarmut einzelner Gruppen in den Blick nehmen"

Statt die derzeitige Rentenpolitik grundsätzlich in Frage zu stellen, sollte man sich stärker der Gefahr wachsender Altersarmut einzelner Bevölkerungsgruppen zuwenden, empfiehlt Börsch-Supan. So wachse der Anteil von Rentnern, die auf die staatliche Grundsicherung angewiesen seien, nach pessimistischen Szenarien "von derzeit 3 Prozent auf 5,4 Prozent".

Besonders armutsgefährdet seien Erwerbsgeminderte, Solsoselbstständige und Menschen mit Migrationshintergrund, so der Münchner Forscher. Damit benennt er genau jene Gruppen, die auch von der Deutschen Rentenversicherung seit Jahren als von künftiger Altersarmut bedroht angesehen werden. "Hier sind zielgerichtete Verbesserungen dringend angesagt", fordert Börsch-Supan deshalb.

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Autor: Stefan Thissen

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