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Rente

19.05.17

Rente: Ist Kinderfreibetrag sinnvoll?

Renten-Gegenfinanzierung würde Beitrag um 0,6 Prozentpunkte steigen lassen.

Kiel/Hamburg (sth). Immer wieder wird in der Öffentlichkeit gefordert, Familien nicht nur steuerlich, sondern auch im Bereich der Sozialversicherung finanziell zu entlasten. Das Modell niedrigerer Rentenbeiträge für Elternteile wird dabei schon seit vielen Jahren diskutiert – und von den meisten Experten mit guten Argumenten verworfen. Im vergangenen Jahr nun haben Forscher des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) – von der Öffentlichkeit kaum beachtet – für das Bundeswirtschaftsministerium die Auswirkungen eines Kinderfreibetrags in der Rentenversicherung untersucht – und kamen dabei zu bemerkenswerten Ergebnissen, die kürzlich in der Zeitschrift "Wirtschaftsdienst" veröffentlicht wurden (siehe auch Link unten).

Das Forscherteam um den Finanzwissenschaftler Andreas Peichl berechnete für einen Alleinverdiener-Haushalt mit zwei Kindern die Entlastung durch zwei Kinderfreibeträge von je 7.248 Euro bei den Arbeitnehmerbeiträgen zur Rentenversicherung. Ergebnis: Im Einkommenskorridor zwischen 16.600 Euro und der Beitragsbemessungsgrenze von 74.400 Euro (für 2016) pro Jahr beträgt die Entlastung bei den Rentenbeiträgen "konstant 677,69 Euro pro Kind, also 1.355,38 Euro für zwei Kinder". Bei Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze verringere sich die Entlastung durch die abnehmende Wirkung des Freibetrags schrittweise bis auf Null, so die Wissenschaftler.

Entlastung von 290 Euro jährlich für Haushalte mit zwei Kindern

Durchschnittlich würden Haushalte mit zwei Kindern durch eine solche Reform um "etwa 290 Euro pro Jahr" entlastet, rechnen die Forscher vor – unter Einrechnung der Kinderlosen ergebe sich eine Entlastung von im Schnitt 90 Euro pro Haushalt. "Insgesamt würden durch die Reform die Familien mit Kindern jedes Jahr um etwa 2,1 Milliarden Euro entlastet", schreiben die Mannheimer Ökonomen. Die Kosten eines Kinderfreibetrags in der Rentenversicherung beziffern sie auf etwa 4,5 Milliarden Euro jährlich.

Auch auf dem Arbeitsmarkt würde die Familien-Entlastung über die zusätzlichen Freibeträge Spuren hinterlassen. Je nachdem, ob die Entlastung durch eine um knapp 0,5 Prozentpunkte höhere Mehrwertsteuer oder einen um 0,6 Prozentpunkte höheren Rentenbeitrag gegenfinanziert würde, prognostizieren die ZEW-Wissenschaftler einen Beschäftigungszuwachs von etwa 20.000 bis 25.000 Vollzeitstellen. Ohne eine Gegenfinanzierung sei der Arbeitsmarkteffekt dabei "am stärksten, da die Erwerbsanreize nicht durch höhere Belastungen an anderer Stelle gedämpft werden", schreiben die Forscher.

Mehr zum Thema:

  • http://archiv.wirtschaftsdienst.eu
    Link zum Beitrag "Kinderfreibeträge in der gesetzlichen Rentenversicherung" in der Zeitschrift "Wirtschaftsdienst" 4/2017 (kostenpflichtig)

Autor: Stefan Thissen

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