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Inhalt:

Berufliche Rehabilitation

"Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" von A bis Z.

Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in seinem Beruf arbeiten kann - zum Beispiel der Handwerker nach einem Bandscheibenvorfall -, kann durch Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben wieder so weit gefördert werden, dass er wieder dauerhaft ins Berufsleben zurückkehren kann. Neben den Leistungen zur medizinischen Rehabilitation kann auch die Rentenversicherung - neben anderen Reha-Trägern - für diese Versicherten eine Vielzahl von Leistungen erbringen. Früher als "Berufliche Rehabilitation" bekannt, werden sie heute unter dem Namen "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" zusammengefasst.

Beratung

Wenn der Versicherte im bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten kann, beraten ihn qualifizierte Mitarbeiter der Rentenversicherung (zum Beispiel Reha-Fachberater) bei der Entscheidung, in welche Richtung sich die Eignung und Neigungen der Versicherten beruflich weiterentwickeln lassen. Bisherige Tätigkeiten und Erfahrungen fließen dabei ebenso ein wie die aktuelle Lage sowie Entwicklungsperspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

Gründungszuschuss für Existenzgründer

Ein Rehabilitand, der eine gesundheitsgerechte selbständige Existenz gründen will, kann zur wirtschaftlichen und sozialen Absicherung in der ersten Zeit einen Gründungszuschuss erhalten (neun Monate, Verlängerung um sechs Monate möglich).

Grundkenntnisse

Vor der Qualifikation festgestellte Wissenslücken können vor der Umschulung gegebenenfalls noch durch eine Bildungsmaßnahme zur Vermittlung der erforderlichen Grundkenntnisse geschlossen werden. Auch dies kann die Rentenversicherung unterstützen.

Mobilität

Sollte jemand nicht mehr in der Lage sein, wie bisher seinen Arbeitsplatz zu erreichen, weil er zum Beispiel bei einem Unfall ein Bein verloren hat, kann die Rentenversicherung auch den Erwerb eines Autos und gegebenenfalls die Fahrerlaubnis bezuschussen oder den eventuell nötigen behindertengerechten Umbau eines Kraftfahrzeugs finanzieren. Weitere Mobilitätshilfen:

  • Eine Fahrkostenbeihilfe für die täglichen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle ist möglich, wenn ansonsten der Versicherte unzumutbar belastet würde und seine berufliche Wiedereingliederung gefährdet wäre.
  • Trennungskostenbeihilfe ist möglich, wenn der neue Arbeitsplatz weiter entfernt und tägliches Pendeln oder der Umzug der Familie zum Arbeitsort unzumutbar sind (doppelte Haushaltsführung).
  • Übergangsbeihilfe kann die Rentenversicherung bei der Arbeitsaufnahme bis zur ersten vollen Lohnzahlung als Darlehen gewähren,
  • und Umzugskostenbeihilfe, wenn ein geeigneter Arbeitsplatz am Wohnort nicht zu finden ist.
  • Wohnungshilfen können bewilligt werden, wenn diese überwiegend beruflich erforderlich werden.

Umbesetzung

Kann die medizinische Rehabilitation nicht erreichen, dass der Versicherte in seinem bisherigen Beruf wieder arbeitet, dann prüft die Rentenversicherung in Absprache mit dem Arbeitgeber zunächst, ob sich nicht innerhalb des Betriebs die Möglichkeit einer Hilfestellung oder Umbesetzung anbietet. Der Vorteil einer innerbetrieblichen Lösung ist, dass der Versicherte den Betrieb und insofern die Abläufe und Arbeitsprozesse kennt; eine Einarbeitung fällt ihm leichter, geht schneller. Eine solche berufliche Anpassung oder Weiterbildung baut auf bereits bestehenden Kenntnissen auf. Die Rentenversicherung kann dabei auch den Arbeitgeber mit Lohnkostenzuschüssen unterstützen.

Umschulung - berufliche Bildung

Sollte der Versicherte im bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten können und sich für eine Umschulung, Ausbildung oder Weiterbildung eignen, kann die Rentenversicherung ihm unter besonderen Voraussetzungen anbieten, sich im Rahmen einer beruflichen Bildungsleistung in höchstens zwei Jahren für einen neuen Beruf zu qualifizieren. Meist geschieht dies in einem Berufsförderungswerk, einer Fachschule oder einem Betrieb. Der Abschluss der Bildungsleistung erfolgt bei Handwerks-, oder Industrie- und Handelskammern.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Wer ohne diese Leistung eine Erwerbsminderungsrente erhalten müsste, oder wer vorher eine medizinische Rehabilitation erhalten hat, die ohne diese Leistung nicht erfolgreich abgeschlossen werden kann, oder wer 15 Jahre rentenversichert war, erfüllt die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen für diese Leistung.
Unter bestimmten Voraussetzungen - zum Beispiel nach einem Arbeitsunfall, einer Berufskrankheit oder einem Versorgungsleiden - ist nicht die Rentenversicherung, sondern ein anderer Versicherungsträger (bei einem Arbeitsunfall zum Beispiel die Unfallversicherung) zuständig. Die Sozialleistungsträger, insbesondere die Reha-Servicestellen, beraten Sie gern.

Werkstätten für Behinderte

Wenn dem Rehabilitanden aufgrund der Schwere der Behinderung der allgemeine Arbeitsmarkt verschlossen ist, kann die Rentenversicherung die Aufnahme in einer anerkannten Werkstatt für behinderte Menschen fördern:

  • höchstens drei Monate zur Überprüfung der Eignung im Eingangsverfahren,
  • anschließend höchstens bis zu zwei Jahren im Berufsbildungsbereich.

Zuschüsse an den Arbeitgeber / Leistungen im Betrieb

Auch der Arbeitgeber kann in diesem Rahmen Lohnkostenzuschüsse auf Antrag des Versicherten erhalten. Die Zuschüsse können an Auflagen und Bedingungen geknüpft sein. Es gibt zum Beispiel:

  • Ausbildungszuschüsse für betriebliche Bildungsleistungen,
  • Eingliederungszuschüsse (50 bis maximal 70 Prozent des tariflichen Bruttoarbeitsentgelts),
  • Zuschüsse für technische Arbeitsplatzausstattungen im Betrieb (zum Beispiel Hebe- und Transporthilfen,
  • Kostenerstattung für eine befristete Probebeschäftigung,
  • Umschulung, Aus- oder Weiterbildung im Betrieb.

Themenhinweise:

Autor: Friedrich Müller

Zuletzt aktualisiert am 01.07.2010