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Arbeitslosenversicherung: Beiträge verdoppelt

Selbstständige können sich auch 2011 freiwillig in der Arbeitslosenversicherung anmelden. Wir zeigen, für wen sich das noch lohnt.

Beiträge verdoppeln sich - Für wen lohnt sich die Zahlung noch?

Unangenehme Post bekommen Anfang dieses Jahres rund 200.000 Selbstständige von den Arbeitsagenturen. Betroffen sind alle, die das Angebot der freiwilligen Arbeitslosenversicherung nutzen. Die Beiträge dafür haben sich Anfang 2011 mehr als verdoppelt. Ihre-vorsorge.de erklärt, für wen sich die Zahlung weiterhin lohnt und wer jetzt lieber auf die freiwillige Versicherung verzichten sollte. 

Können sich alle Selbstständigen freiwillig in der Arbeitslosenversicherung absichern?

Nein. Die Versicherung ist als "Weiterversicherung" gedacht. Wer bisher nie arbeitslosenversichert war - wie etwa Hochschulabgänger, die sich sofort nach ihrem Abschluss selbstständig machen - kommt nicht in die Arbeitslosenversicherung rein.

Welche Bedingungen müssen genau erfüllt sein?

Die Interessenten müssen

  • unmittelbar vor Beginn ihrer selbstständigen Tätigkeit versicherungspflichtig in der Arbeitslosenversicherung gewesen sein
  • und sie müssen zugleich in den letzten 24 Monaten mindestens zwölf versicherungspflichtige Monate nachweisen können. In der Regel sind das Beschäftigungszeiten, es zählen aber auch andere Zeiten - beispielsweise für die Erziehung von Kindern unter drei Jahren.

Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, für den reicht es auch, wenn er unmittelbar vor seiner Existenzgründung Arbeitslosengeld I oder Kurzarbeitergeld bezogen hat.

Bis wann muss der Antrag auf die Weiterversicherung gestellt werden?

Die Anträge müssen bei der örtlichen Arbeitsagentur innerhalb von drei Monaten nach Beginn der selbstständigen Tätigkeit gestellt werden. Später geht’s nicht mehr. Bis Ende 2010 galt sogar nur eine Ein-Monat-Frist.

Was kostet die freiwillige Versicherung?

Der monatliche Beitrag liegt für Selbstständige bei 38,33 Euro (alte Bundesländer) beziehungsweise 33,60 Euro (neue Bundesländer). 2012 werden die Beiträge nochmals verdoppelt - auf knapp 80 bzw. knapp 70 Euro. Eine Ausnahme gibt es ab 2012 nur für Neu-Selbstständige: Sie müssen im ersten Jahr ihrer Selbstständigkeit nur die Hälfte des regulären Beitrags zahlen.

Wie errechnen sich die Beiträge?

Sie werden auf Grundlage der "monatlichen Bezugsgröße" errechnet, die jährlich neu berechnet wird. Sie entspricht etwa den Durchschnittseinkommen aller Beschäftigten. 2011 beträgt die Bezugsgröße in den alten Bundesländern unverändert 2.555 Euro pro Monat, in den neuen Ländern 2.240 Euro. Für Selbstständige wird der Beitrag 2011 auf Grundlage von 50 Prozent der Bezugsgröße errechnet (vorher waren es nur 25 Prozent). Dies sind in den alten Ländern 1.277,50 Euro, in den neuen Ländern 1.120 Euro. Drei Prozent dieser Beträge müssen Selbstständige als freiwilligen Beitrag an die Arbeitslosenversicherung abführen.

Und welche Leistungen gibt’s dafür?

Ab 2012 verdoppeln sich die Beiträge für diejenigen, die heute bereits versichert sind. Dann wird die volle Bezugsgröße bei der Beitragsbemessung zugrunde gelegt, nur bei Neu-Selbstständigen gilt zunächst ein Jahr lang noch die halbe Bezugsgröße.

Werden die Selbstständigen arbeitslos, so erhalten sie - genau wie Arbeitnehmer - Arbeitslosengeld (ALG) I. Zumeist werden die Betroffenen dann "fiktiv" eingestuft. Die Höhe der Leistung hängt dann vor allem von ihrer Qualifikationsgruppe ab. Die Arbeitsagenturen unterscheiden dabei vier Gruppen - von Personen mit "Hochschulausbildung" bis zu "ohne Ausbildung" (siehe Tabelle). Für diejenigen, die in eine Tätigkeit mit Uni-Abschluss vermittelt werden können, gilt Qualifikationsstufe I. Nach den Sätzen von 2011 würden sie mit Steuerklasse III und Kind monatlich im Westen 1439,10 Euro ALG I erhalten. Der niedrigste Satz nach der fiktiven Einstufung liegt 2011 bei 496,20 Euro - und wird im Osten (bei Steuerklasse V ohne Kind) für diejenigen gezahlt, die nur in Tätigkeiten vermittelt werden können, für die keine Berufsausbildung erforderlich ist.

Obwohl alle Selbstständigen den gleichen Beitrag in die freiwillige Versicherung einzahlen, fallen die Leistungen also höchst unterschiedlich aus. Misslich ist dies vor allem für gering Qualifizierte. Sie bekommen wesentlich weniger als Akademiker oder Handwerksmeister.

Wie lange wird ALG I gezahlt?

Nach zweijähriger Versicherungszeit in der Regel für ein Jahr. Bei Arbeitslosen ab 50 Jahren gibt’s die Leistung länger. Am längsten - maximal 24 Monate - können Arbeitslose ab 58 das ALG I erhalten.

Wann gelten Selbstständige als arbeitslos?

Wann der Versicherungsfall "Arbeitslosigkeit" bei Selbstständigen eintritt, ist nicht ganz einfach zu bestimmen. Grundsätzlich gilt: Als arbeitslos gelten sie, wenn ihre selbstständige Tätigkeit so schlecht läuft, dass diese sie weniger als 15 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt. Dann kann grundsätzlich auch ALG I beantragt werden. Eine Gewerbeabmeldung ist - derzeit jedenfalls - nicht Voraussetzung für den Anspruch auf diese Leistung. Die selbstständige Tätigkeit kann sogar im Nebenjob (mit weniger als 15 Stunden pro Woche) fortgeführt werden. Die Einkünfte werden dann als Nebeneinkommen angerechnet, wobei 165 Euro Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben) pro Monat anrechnungsfrei sind. Wichtig ist allerdings: Wer ALG I beziehen will, muss auch als (Noch-)Selbstständiger bereit sein, künftig jede zumutbare abhängige Beschäftigung anzunehmen.

Lohnt sich also die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Gründer und Selbstständige 2011 noch?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Drei Grundregeln gibt es: Je besser die Selbstständigen qualifiziert sind, desto eher lohnt es sich - weil die Leistungen entsprechend höher sind. Und: Für Selbstständige ab 50 lohnt es sich eher als für Jüngere, denn sie bekommen im Versicherungsfall einige Monate länger ALG I. Außerdem gilt: Je höher die Interessenten das Risiko einschätzen, mit ihrer selbstständigen Tätigkeit Schiffbruch zu erleiden, desto ratsamer ist es, sich freiwillig gegen das Risiko der Arbeitslosigkeit (weiter) zu versichern.

Selbstständige mit niedriger Qualifikation werden aber bei Arbeitslosigkeit so wenig Versicherungsgeld aus Nürnberg bekommen, dass sie häufig noch zusätzlich auf Hartz IV angewiesen sein werden. Gerade für sie lohnt sich daher die freiwillige Weiterversicherung kaum noch.

Wie kann man aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung aussteigen?

Vermutlich werden viele Selbstständige und Auslandsbeschäftigte nach den drastischen Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel 2010/11 und erst recht nach der im Folgejahr eintretenden nochmaligen Verdopplung der Beiträge an einen Ausstieg aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung denken. Bis zum 31. März 2011 können alle, die bereits jetzt versichert sind, rückwirkend zum 31. Dezember 2010 ihren Austritt aus der Versicherung erklären. Das muss schriftlich in einem Schreiben an die Arbeitsagentur geschehen. Auch danach funktioniert die Beendigung des Versicherungsverhältnisses ganz einfach, indem man die Beitragszahlung einstellt. Nach drei Monaten wird man dann automatisch aus der Versicherung ausgesteuert. Damit entfällt allerdings noch lange nicht der Leistungsanspruch. ALG I erhält, wer arbeitslos ist und innerhalb der letzten 24 Monate vor dem Antrag auf diese Leistung mindestens 12 Versicherungsmonate nachweisen kann. Das bedeutet: Wer Anfang 2011 aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung aussteigt, kann bis Anfang 2012 noch seinen Leistungsanspruch geltend machen.

Arbeitslosengeld I für freiwillig Versicherte

Höhe des monatlichen ALG I nach fiktiver Einstufung für freiwillig Versicherte in 2011 (ohne Kinder)*

Berufliche Qualifikation**

Steuerklasse
I/IV
Steuerklasse
III
Steuerklasse
V
Alte Bundesländer

Ohne Berufsausbildung654,60726,60538,20
Ausbildungsberuf819,30940,20674,70
Meister981,301.124,40806,70
Uni/Fachhochschule1.135,801.288,50930,00
Neue Bundesländer

Ohne Berufsausbildung594,60636,90496,20
Ausbildungsberuf737,70841,20605,40
Meister882,301.013,10727,50
Uni/Fachhochschule1.021,801.167,60838,50
*   Zugrunde gelegt wurden die Bezugsgrößen des Jahres 2011
** genau: berufliche Qualifikation, die für die Tätigkeit erforderlich ist, in die hinein vermittelt wird

Höhe des monatlichen ALG I nach fiktiver Einstufung für freiwillig Versicherte in 2011 (mit Kindern)*

Berufliche Qualifikation**

Steuerklasse
I/IV
Steuerklasse
II
Steuerklasse
III
Steuerklasse
V
Alte Bundesländer

Ohne Berufsausbildung731,10751,80811,50600,90
Ausbildungsberuf914,70935,701.050,00

753,30

Meister1.095,601.118,401.255,50900,90
Uni/Fachhochschule1.268,401.292,701.439,101.038,30
Neue Bundesländer

Ohne Berufsausbildung663,90679,50711,30554,10
Ausbildungsberuf823,80843,30939,60676,20
Meister985,201.006,801.131,30812,10
Uni/Fachhochschule1.141,201.164,001.303,80936,30
*   Zugrunde gelegt wurden die Bezugsgrößen des Jahres 2011
** genau: berufliche Qualifikation, die für die Tätigkeit erforderlich ist, in die hinein vermittelt wird

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Autor: Rolf Winkel

Zuletzt aktualisiert am 12.01.2011

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