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Doppelte Beiträge 2012

78,75 Euro statt bisher 38,33 Euro im Monat. Lohnt sich die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige noch?

Unangenehme Post haben in den letzten Wochen rund 175.000 von Selbstständigen von den Arbeitsagenturen bekommen. Betroffen sind alle, die das Angebot der freiwilligen Arbeitslosenversicherung nutzen. Die Beiträge dafür werden 2012 mehr als verdoppelt. Ihre-vorsorge.de erklärt, für wen sich die Zahlung weiterhin lohnt. 

Können sich alle Selbstständigen freiwillig arbeitslosenversichern?

Nein. Die Versicherung ist als "Weiterversicherung" gedacht. Wer bislang bereits über die Agenturen für Arbeit versichert ist, bleibt weiterhin arbeitslosenversichert. Neugründer können sich nur dann freiwillig arbeitslosenversichern, wenn sie bislang bereits unter dem Schutz der Arbeitslosenversicherung standen.

Was bedeutet das genau?

Gründer müssen

  • unmittelbar vor Beginn ihrer selbstständigen Tätigkeit versicherungspflichtig in der Arbeitslosenversicherung gewesen sein
  • und sie müssen zugleich in den letzten 24 Monaten mindestens zwölf versicherungspflichtige Monate nachweisen können. In der Regel sind das Beschäftigungszeiten, es zählen aber auch andere Zeiten - beispielsweise für die Erziehung von Kindern unter drei Jahren.

Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, für den reicht es auch, wenn er unmittelbar vor seiner Existenzgründung Arbeitslosengeld I bezogen hat.

Gründer die bisher noch nie arbeitslosenversichert waren - wie etwa Hochschulabgänger, die sich sofort nach ihrem Abschluss selbstständig machen - kommen dagegen nicht in die Arbeitslosenversicherung rein.

Bis wann muss der Antrag auf die Weiterversicherung gestellt werden?

Die Anträge müssen bei der örtlichen Arbeitsagentur innerhalb von drei Monaten nach Beginn der selbstständigen Tätigkeit gestellt werden. Später geht’s nicht mehr.

Was kostet die freiwillige Versicherung?

Der monatliche Beitrag liegt für Selbstständige künftig bei  78,75 Euro (alte Bundesländer) beziehungsweise 67,20 Euro (neue Bundesländer). Eine Ausnahme gibt es nur für Neu-Selbstständige: Sie müssen im ersten Jahr ihrer Selbstständigkeit nur die Hälfte des regulären Beitrags zahlen.

Wie errechnen sich die Beiträge?

Sie werden auf Grundlage der "monatlichen Bezugsgröße" errechnet, die jährlich neu berechnet wird. Sie entspricht etwa den Durchschnittseinkommen aller Beschäftigten. 2012 beträgt die Bezugsgröße in den alten Bundesländern 2.625 Euro pro Monat, in den neuen Ländern 2.240 Euro. Für Selbstständige wird der Beitrag künftig auf Grundlage der vollen Bezugsgröße errechnet (2011 waren es nur 50 Prozent). Drei Prozent dieser Beträge müssen Selbstständige als freiwilligen Beitrag an die Arbeitslosenversicherung abführen.

Und welche Leistungen gibt's dafür?

Werden die Selbstständigen arbeitslos, so erhalten sie - genau wie Arbeitnehmer - Arbeitslosengeld (ALG) I. Zumeist werden die Betroffenen dann "fiktiv" eingestuft. Die Höhe der Leistung hängt dann vor allem von ihrer Qualifikationsgruppe ab. Die Arbeitsagenturen unterscheiden dabei vier Gruppen - von Personen mit "Hochschulausbildung" bis zu "ohne Ausbildung" (siehe Tabelle). Für diejenigen, die in eine Tätigkeit mit Uni-Abschluss vermittelt werden können, gilt Qualifikationsstufe I.

Mit Steuerklasse III und Kind würden sie im Westen monatlich etwa 1.475 Euro ALG I erhalten. Der niedrigste Satz nach der fiktiven Einstufung liegt  bei knapp 500 Euro - und wird im Osten (bei Steuerklasse V ohne Kind) für diejenigen gezahlt, die nur in Tätigkeiten vermittelt werden können, für die keine Berufsausbildung erforderlich ist.

Obwohl alle Selbstständigen den gleichen Beitrag in die freiwillige Versicherung einzahlen, fallen die Leistungen also höchst unterschiedlich aus. Misslich ist dies vor allem für gering Qualifizierte. Sie bekommen wesentlich weniger als Akademiker oder Handwerksmeister.

Wie lange wird ALG I gezahlt?

Nach zweijähriger Versicherungszeit in der Regel für ein Jahr. Bei Arbeitslosen ab 50 Jahren gibt’s die Leistung länger. Am längsten - maximal 24 Monate - können Arbeitslose ab 58 das ALG I erhalten.

Wann gelten Selbstständige als arbeitslos?

Wann der Versicherungsfall "Arbeitslosigkeit" bei Selbstständigen eintritt, ist nicht ganz einfach zu bestimmen. Grundsätzlich gilt: Als arbeitslos gelten sie, wenn ihre selbstständige Tätigkeit so schlecht läuft, dass diese sie weniger als 15 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt. Dann kann grundsätzlich auch ALG I beantragt werden. Eine Gewerbeabmeldung ist - derzeit jedenfalls - nicht Voraussetzung für den Anspruch auf diese Leistung. Die selbstständige Tätigkeit kann sogar im Nebenjob (mit weniger als 15 Stunden pro Woche) fortgeführt werden. Die Einkünfte werden dann als Nebeneinkommen angerechnet, wobei 165 Euro Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben) pro Monat anrechnungsfrei sind. Wichtig ist allerdings: Wer ALG I beziehen will, muss auch als (Noch-)Selbstständiger bereit sein, künftig jede zumutbare abhängige Beschäftigung anzunehmen.

Lohnt sich die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige und Gründer also 2012 noch?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Drei Grundregeln gibt es:

  • Je besser die Selbstständigen qualifiziert sind, desto eher lohnt es sich - weil die Leistungen entsprechend höher sind.
  • Und: Für Selbstständige ab 50 lohnt es sich eher als für Jüngere, denn sie bekommen im Versicherungsfall einige Monate länger ALG I.
  • Außerdem gilt: Je höher die Interessenten das Risiko einschätzen, mit ihrer selbstständigen Tätigkeit Schiffbruch zu erleiden, desto ratsamer ist es, sich freiwillig gegen das Risiko der Arbeitslosigkeit (weiter) zu versichern.

Selbstständige mit niedriger Qualifikation werden aber bei Arbeitslosigkeit so wenig Versicherungsgeld aus Nürnberg bekommen, dass sie häufig noch zusätzlich auf Hartz IV angewiesen sein werden. Gerade für sie lohnt sich daher die freiwillige Weiterversicherung kaum noch.

Wie kann man aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung aussteigen?

Im Zweifelsfall sollten Sie den Antrag auf die freiwillige Versicherung in jedem Fall stellen. Denn ein Ausstieg ist ohne Kündigungsfristen jederzeit möglich - dafür muss man einfach die Beitragszahlung einstellen. Dann wird man nach drei Monaten aus der Versicherung "ausgesteuert" - und zwar rückwirkend ab dem ersten Monat, in dem keine Zahlung eingegangen ist. Darüber hinaus gibt es seit Anfang 2011 auch eine "offizielle" Kündigungsmöglichkeit - allerdings erst nach fünf Versicherungsjahren.

Wer aus der Versicherung aussteigt, für den entfällt noch lange nicht der Leistungsanspruch. ALG I erhält, wer arbeitslos ist und innerhalb der letzten 24 Monate vor dem Antrag auf diese Leistung mindestens 12 Versicherungsmonate nachweisen kann. Das bedeutet: Wer Anfang 2012 aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung aussteigt, kann bis Anfang 2013 noch seinen Leistungsanspruch geltend machen.

Höhe des monatlichen Arbeitslosengeld I nach fiktiver Einstufung für freiwillige Versicherte in 2012*
Steuer-
klasse
I/IV

Steuer-
klasse
II
Steuer-
klasse
III

Steuer-
klasse
V
Berufliche Qualifikation**ohne Kindmit Kindmit Kindohne Kindmit Kindohne Kindmit Kind
Alte Bundesländer
Ohne Berufsausbildung669,00747,00767,70746,40833,40550,50614,70
Ausbildungsberuf839,70937,80958,50962,401.074,60693,30774,00
Meister1.005,901.123,201.146,001.149,301.283,40828,30924,90
Uni/Fachhochschule1.164,901.300,801.325,701.320,001.473,90956,101.067,40
Neue Bundesländer
Ohne Berufsausbildung595,50664,80680,10636,90711,30497,40550,30
Ausbildungsberuf738,90825,00845,10842,10940,20607,20678,30
Meister885,00988,201.009,801.014,001.132,50731,10816,60
Uni/Fachhochschule1.025,401.144,801.167,901.169,401.305,60843,60942,00

* Zugrunde gelegt wurden die Bezugsgrößen des Jahres 2012 und der Arbeitslosengeld-Rechner der Bundesagentur für Arbeit für 2011        
** genau: berufliche Qualifikation, die für die Tätigkeit erforderlich ist, in die hinein vermittelt wird

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Autor: Rolf Winkel

Zuletzt aktualisiert am 23.12.2011

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