Aktuell beleuchtet / 12.01.2015

Aus Midi- werden Minijobber – Versicherungsschutz ändert sich

Zum Jahrenswechsel endete die Übergangsregelung, nach der Arbeitnehmer, die seit dem 31. Dezember 2012 durchgehend von 400,01 bis 450 Euro im Monat verdienten, als sogenannte Midi-Jobber in allen Zweigen der gesetzlichen Sozialversicherung versicherungspflichtig geblieben sind. Das hat Auswirkungen auf den Versicherungsschutz.

Geldscheine – Bildnachweis: shutterstock.com © WronaART

Wer bereits vor 2013 zwischen 400,01 und 450 Euro pro Monat verdient hat und weiterhin einen Job in dieser Verdienstspanne hat, muss aufpassen. Denn bis zum Jahreswechsel 2014/15 waren die Betroffenen für wenig Geld meist voll sozialversichert. Nach Auslaufen einer Bestandschutzregelung Ende 2014 stehen manche von ihnen nun jedoch ohne Sozialversicherungsschutz da.  

Oft gezielt auf der Suche nach Midi-Job

Manche Arbeitnehmer haben früher ganz gezielt einen Job gesucht, bei dem sie monatlich etwas mehr als 400 Euro verdient haben. Dabei reichte es, wenn der Verdienst nur einen Cent über der 400-Euro-Grenze lag. In diesem Fall galt die Beschäftigung als sozialversicherungspflichtig – und zwar in allen Sozialversicherungszweigen. Das bedeutete etwa: Waren die Betroffenen mehr als zwölf Monate beschäftigt und verloren ihren Job, so hatten sie einen Anspruch auf die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld. Weiterhin waren sie über ihren Job ganz normal krankenversichert und hatten – anders als „normale“ Minijobber mit Einkünften bis zu 400 Euro – Anspruch auf Krankengeld, wenn die Krankheit länger als sechs Wochen dauerte. 

Neue Geringfügigkeitsgrenze – und die Übergangsfrist

Anfang 2013 wurde die Geringfügigkeitsgrenze dann aber von 400 auf 450 Euro angehoben. Eigentlich wären die Betroffenen dann – jedenfalls bei einem Verdienst unter 450 Euro – nur noch rentenversicherungspflichtig gewesen. Aus den anderen Zweigen der Sozialversicherung wären sie herausgefallen. Damit das nicht passierte, wurde für Beschäftigte mit einem Monatsverdienst zwischen 400 und 450 Euro eine Bestandsschutzregelung geschaffen.

Für die Betroffenen blieb zunächst alles beim Alten. Ihr Job galt also weiterhin als voll sozialversicherungspflichtig, obwohl der monatliche Verdienst unter der neuen Geringfügigkeitsgrenze von 450 Euro lag. Dies galt allerdings nur bis zum 31. Dezember 2014. 

Bei Gehalt bis 450 Euro jetzt nur noch rentenversichert

Ab 2015 gelten für die Betroffenen dieselben Regeln wie für alle Minijobber. Sie sind also bei einem monatlichen Gehalt unter 450 Euro über ihre Beschäftigung nur noch rentenversichert, aber nicht mehr arbeitslosenversichert. Und auch der Kranken und Pflegeversicherungsschutz entfällt – soweit die Jobber nicht über ihren Ehepartner kostenlos familienversichert sind.

Vermieden werden kann das, indem der Lohn über die 450-Euro-Grenze angehoben wird. Dabei reicht es wiederum, wenn diese Grenze nur um einen Cent überschritten wird. 

Gespräch mit Arbeitgeber suchen

Betroffene sollten deshalb das Gespräch mit ihrem Arbeitgeber suchen. Dieser müsste eigentlich auch schon durch Mitteilungen der Minijob-Zentrale über das Auslaufen der Bestandsschutz-Regelung informiert sein und von sich aus aktiv werden. Denn mit dem Auslaufen des Bestandsschutzes ändern sich auch für ihn die Sozialversicherungsregeln.

Arbeitnehmer, die sich Sorgen machen, ob der Arbeitgeber mitspielt, sollten wissen, dass auch der Arbeitgeber mit einem 451-Euro-Job besser fährt als mit einem 450-Euro-Job. Denn Minijobs sind für gewerbliche Arbeitgeber die teuersten Beschäftigungsverhältnisse. Für sie fallen hier mehr als 30 Prozent Abgaben an. Bei einem normalen sozialversicherten Job – und hierzu zählt auch ein 451-Euro-Job – liegen die Arbeitgeber-Abgaben dagegen unter 20 Prozent. 

Minijobber teuer für Arbeitgeber

Das gilt nicht für diejenigen, die vom auslaufenden Bestandsschutz betroffen sind, sondern für alle Minijobber. Bei einem 450-Euro-Job muss ein gewerblicher Arbeitgeber monatlich 139,46 Euro an die Minijob-Zentrale abführen. Bei einem 451-Euro-Job sinken seine zusätzlichen Belastungen für Sozialversicherungen dagegen auf 87,16 Euro im Monat. Hinzu kommen noch der – je nach Branche unterschiedlich hohe – Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung und einige kleinere Umlagen. Unter dem Strich spart jeder gewerbliche Arbeitgeber gut 40 Euro im Monat, wenn er den Lohn eines Jobbers von 450 auf 451 Euro erhöht. 

Gestaffelte Abzüge in der Gleitzone

Bei einem monatlichen Arbeitsentgelt von 451 Euro fallen in der so genannten Gleitzone (bis 850 Euro) verminderte Beiträge an die Sozialversicherung an. Bei 451 Euro Monatsverdienst sind es 2015 genau 48,58 Euro im Monat. Zudem wird das Arbeitseinkommen – anders als in der Regel beim Minijob – steuerpflichtig. Steuern werden aber zumeist nur für diejenigen fällig, die einen besser verdienenden Ehepartner haben.

Bei einem 450-Euro-Minijob fallen dagegen nur 3,7 Prozent für die Rentenversicherung an, das sind 16,65 Euro im Monat. Und die Rentenversicherung kann zudem noch abgewählt werden – was meist allerdings nicht ratsam ist. Die Jobber selbst müssen also mit mindestens 31,93 Euro mehr Abzügen rechnen, wenn sie statt 450 Euro einen Euro mehr im Monat verdienen.

Arbeitgeber, die das Gehalt nicht auf mehr als 450 Euro erhöhen, müssen die beschäftigen Minijobber bei der Minijob-Zentrale anmelden. 

Lohnenswert für viele Arbeitnehmer

Für diejenigen, die nicht anderweitig – über einen "Hauptjob" – sozialversichert sind, auf jeden Fall. Hierzu nur drei Zahlen:

  • 451-Euro-Jobber können bei längerer Krankheit bis zu 78 Wochen Krankengeld von der gesetzlichen Kasse erhalten – und zwar rund 278 Euro pro Monat. Bei 450-Euro-Jobbern: Fehlanzeige.
  • Bei Schwangerschaft erhalten 451-Euro-Jobberinnen das Mutterschaftsgeld ihrer Krankenkasse in Höhe von 13 Euro pro Kalendertag. Während der Mutterschutzfrist kommen so mindestens 1.287 Euro zusammen. Für 450-Euro-Kräfte gibt es dagegen lediglich 210 Euro Mutterschaftsgeld.
  • 451-Euro-Jobber, die nach längerer Beschäftigungszeit ihren Job verlieren, bekommen Arbeitslosengeld I – und zwar 235,50 Euro pro Monat. Bei einem 450-Euro-Job gehen sie dagegen bei der Arbeitsagentur leer aus. 

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Autor

Rolf Winkel