Rente / 31.03.2020

Als Frührentner zurück in den Job: Das lohnt sich nun richtig

Corona macht's möglich: Mit dem „Sozialschutzpaket“ lockert die Bundesregierung die Hinzuverdienstregelungen. Frührentner können ihr Einkommen 2020 leichter aufstocken.

Rente aufstocken: Arbeiter im Rentenalter sitzt mit Schutzhelm in einer Lagerhalle.

Inhalt

Bislang harte Anrechnung von Arbeitseinkommen auf Frührenten

In vielen Branchen bricht derzeit die Arbeit weg. In manchen Bereichen werden Arbeitskräfte dagegen händeringend gesucht – etwa in Supermärkten, Krankenhäusern, Pflegeheimen, bei Lieferdiensten und in der Landwirtschaft. Die Lücken sollen auch Frührentner füllen.

Doch bislang galt: Wer in einem Kalenderjahr mehr als 6.300 Euro brutto verdiente, musste mit einer Kürzung seiner Rente rechnen. Und zwar so lange, bis er das reguläre Rentenalter erreichte. Die Bundesregierung hat diese Regel nun im Rahmen des Sozialschutzpakets ausgesetzt.

Neue Grenze für Hinzuverdienst gilt bis Ende 2020

2020 können Bezieher eines vorgezogenen Altersruhegeldes 44.590 Euro hinzuverdienen – ohne dass die Rente gekürzt wird. Wer beispielsweise im April wieder ins Arbeitsleben einsteigt, kann damit brutto knapp 5.000 Euro im Monat verdienen, ohne dass seine Rente gekürzt wird. Wer Anspruch auf Sonderzahlungen hat, darf ohne Rentenabstriche etwas weniger verdienen.

Fällt der Hinzuverdienst höher als 44.590 Euro aus, so wird die Rente anteilig gekürzt. Das über diesen Betrag hinausgehende Brutto-Einkommen wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Dabei kommt es nicht auf das monatliche Einkommen, sondern auf das Einkommen innerhalb eines Jahres an.

Beispiel für Hinzuverdienst 2020

Wer 2020 ein Bruttoeinkommen in Höhe von 50.590 Euro erzielt, liegt genau 6.000 Euro über der Hinzuverdienstgrenze. Auf den Monat umgerechnet sind das 500 Euro. 40 Prozent davon werden auf die Rente angerechnet. Diese wird damit um 200 Euro gekürzt. Im Gegenzug fällt dann später – wenn wieder die volle Rente bezogen wird – diese etwas höher aus.


Rente zusätzlich zum Job beantragen

Die Neuregelung können auch diejenigen nutzen, die bereits eine Frührente beantragen könnten, aber bislang darauf verzichtet haben und unverändert weiterarbeiten. Für sie lohnt sich nun die Kombination von Job und Rente mehr als bislang. Derzeit gibt es im Wesentlichen noch drei vorgezogene Altersrenten:

  • Altersrente für schwerbehinderte Menschen vielfach bereits ab 61 Jahren
  • Altersrente für langjährig Versicherte frühestens mit 63 Jahren
  • Altersrente für besonders langjährig Versicherte

Bei den beiden erstgenannten Renten müssen Versicherte bei einem frühzeitigen Bezug allerdings hohe Abschläge hinnehmen. Nicht so bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Diese wird abschlagfrei gezahlt. Das Eintrittsalter für diese Rente steigt Schritt um Schritt auf 65 Jahre. Für Versicherte, die 1956 geboren wurden, kommt diese Rente ab einem Alter von 63 Jahren und acht Monaten in Frage.

Tipp: Nur für langjährig Versicherte sinnvoll

Die Kombination von Job und Rente dürfte sich vor allem für Arbeitnehmer rechnen, die Anspruch auf die Altersrente für besonders langjährig Versicherte haben. Die anderen Frührenten werden pro Monat, in dem sie vorzeitig in Anspruch genommen werden, um 0,3 Prozent gekürzt.

Wer die Rente drei Jahre zu früh in Anspruch nimmt, erhält damit 10,8 Prozent weniger. Aus 1.000 Euro Bruttorente werden dann 892 Euro. Und hiervon gehen noch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab.


Neue Beschäftigung bringt weitere Rentenansprüche

Frührentner, die eine neue Beschäftigung aufnehmen, sind voll sozialversicherungspflichtig. Das bedeutet auch: Ihre Rente erhöht sich durch die während des Rentenbezugs weiter gezahlten Rentenbeiträge nochmals deutlich.

Wer 2020 insgesamt ein Bruttoentgelt von 40.000 Euro bezieht, steigert seine ab dem Monat nach Erreichen des regulären Rentenalters gezahlte Monatsrente um rund 34 Euro. Bei 20.000 Euro Bruttoentgelt liegt der Anstieg bei 17 Euro.

In der Altersrente: keine Grenze für den Hinzuverdienst

Auch ältere Rentner können nochmals eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen. Das galt allerdings auch schon vor Corona. An den Regeln hierzu hat sich nichts geändert.

Wer im regulären Rentenalter ist, darf zur Rente unbegrenzt hinzuverdienen. Die Rente wird nicht gekürzt. Und wer aufpasst, kann durch die weitere Arbeit nochmals ein Rentenplus erwirtschaften. Dafür haben die Regeln der Flexirente gesorgt.

Rentenbezieher, die das reguläre Rentenalter erreicht haben und nochmals eine Arbeit aufnehmen oder einfach weiterarbeiten, können danach ihre Rente weiter steigern.

Wichtig: Versicherungspflicht wählen

Rentner, die nochmals eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen wollen, müssen selbst aktiv werden und ausdrücklich die Versicherungspflicht wählen (Opt-In). Nur so sammeln Sie als Pflichtversicherter durch Ihre eigenen Beiträge weitere Rentenpunkte und bekommen den Arbeitgeberbeitrag auf Ihrem Rentenkonto gutgeschrieben.

Voraussetzung des Eintretens der Versicherungspflicht ist, dass Sie „durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber auf die Versicherungsfreiheit verzichten“. Der Verzicht kann nur mit Wirkung auf die Zukunft erklärt werden, regelt Paragraph 5 Abs. 4 SGB VI in der neuen Fassung.


Unterm Strich bringt die Neuregelung einem Rentner, der ein Jahr lang mit einem Durchschnittsverdienst weiterarbeitet, ein sattes Rentenplus und zusätzlich noch einen Rentenzuschlag. Denn der neu erwirtschaftete Teil der Rente wird ja erst deutlich nach Erreichen des regulären Rentenalters bezogen. Wie hoch der Zuschlag ausfällt, hängt davon ab, wie viele Monate dann zwischen dem regulären Rentenalter des Betroffenen und dem ersten Monat des Rentenbezugs vergangen sind.

Für die neu erwirtschafteten Ansprüche gibt es einen Zuschlag von 0,5 Prozent pro Monat des „verspäteten Rentenbezugs“. Wer den neuen Teil der Rente also erst 40 Monate nach Erreichen seiner Altersgrenze gutgeschrieben bekommt, erhält hierauf einen Zuschlag von (40 x 0,5 =) 20 Prozent. Aus den 34 Euro Rentenplus, die ein Durchschnittsverdiener erwirtschaftet, werden dann 41 Euro.

Weitere Information

www.bmas.de
Referentenentwurf zum Sozialschutzpaket

Reha und Corona
Themenschwerpunkt auf Ihre Vorsorge

Autorenbild

Autor

Rolf Winkel