Altersvorsorge / 26.10.2020

Altersvorsorge in ETFs: Wann einsteigen?

Wann ist der richtige Einstiegszeitpunkt? Und warum empfiehlt sich ein Aktienfondssparplan eher als eine Einmalanlage?

Lupe auf Aktienkursen und Finanzcharts, daneben ein Taschenrechner.

Inhalt

Wer hätte im Nachhinein nicht gerne im März 2020, als die weltweiten Börsen auf Talfahrt gingen, investiert und sich nur wenige Monate später über satte Aktiengewinne gefreut. Market Timing nennen Börsianer die Strategie, zu niedrigen Kursen zu kaufen und zu möglichst hohen wieder zu verkaufen. Dazu nutzen sie diverse Analysetechniken, etwa Chart- und Fundamentalanalyse, sowie diverse Kennzahlen.

Derlei Indikatoren können helfen, die aktuelle Bewertung und Entwicklung von Aktien besser einzuschätzen. Doch Kursverläufe vorauszusehen ist schlicht unmöglich. Es gibt denn auch keine zuverlässige Methode, den richtigen Zeitpunkt für den Einstieg in einzelne Aktien, Märkte oder den Aktienmarkt an sich zu bestimmen.

Anleger handeln daher meist auf Basis bisheriger Erfahrungen: Investiert wird erst, wenn der Markt oder einzelne Aktien bereits erfolgreich laufen. Verkauft wird aus Angst vor Verlusten oft zu schnell.

Anlagestrategie für die Altersvorsorge

Für eine langfristige Anlage zur Altersvorsorge ist ein solches Handeln mit ungewissem Ausgang kaum geeignet. Hier sind andere Strategien gefragt.

Wichtiger als der Einstiegszeitpunkt ist die Zeitspanne, die man investiert bleibt. Anschaulich wird dies bei einem Blick auf die „Renditedreiecke“ des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Die simplen, aber eindrucksvollen Grafiken zeigen die Durchschnittsrenditen des DAX und des Euro Stoxx 50 abhängig vom Anlagezeitraum. Ein privates Institut liefert entsprechende Daten auch für den MSCI World, der für die Altersvorsorge in ETFs eine große Rolle spielt .

„Buy and hold“ optimieren

Ein genauerer Blick auf die Grafik zeigt zudem: Je länger der Anlagehorizont, desto einheitlicher werden die durchschnittlichen Jahresrenditen. Experten empfehlen für die langfristige Aktienanlage zur Altersvorsorge denn auch einen möglichst langen Anlagehorizont, mindestens 15 Jahre, sowie eine „Buy-and-hold“-Strategie (Kaufen und liegenlassen).

Doch auch wenn die Zeit den Zeitpunkt schlägt, macht es auch nach vielen Jahren noch einen Unterschied, ob eine bestimmte Summe zum Beispiel 1999 (vor der Krise des Neuen Markts) oder 2002 (an deren Ende) investiert wurde. Nach 15 Jahren liegt die jährliche Durchschnittsrendite im ersten Fall bei 2,3, im zweiten bei 10,5 Prozent – um einmal ein extremes Szenario herauszugreifen.

Einmalanlage splitten und Cost-Average-Effekt nutzen

Um dieses Risiko, die Anlage zum ungünstigsten Zeitpunkt, zu verringern, empfehlen Experten, Einmalanlagen zu splitten. Zum Beispiel auf drei Anlagen innerhalb von zwölf Monaten oder auch zwölf innerhalb von drei Jahren, je nach Gusto. Dadurch entsteht der sogenannte Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt).

ETF-Sparplan senkt Risiko

Sparpläne haben den Cost-Average-Effekt von Natur aus eingebaut. Durch die Investition eines konstanten Monats- oder Quartalsbetrags werden bei hohen Kursen weniger, bei niedrigen mehr Anteile gekauft. Damit handeln Anleger automatisch antizyklisch.

Beispielrechnung: Cost-Average-Effekt bei Sparplänen

Wer monatlich 100 Euro in einen ETF-Sparplan steckt, erhält dafür (bei einem ETF-Kurs von 50 Euro) zwei Anteile. Schwankt in den Folgemonaten der Kurs, verändert sich die Anzahl der gekauften Anteile. Bei einer zyklischen Schwankung um den Eingangskurs von 50 Euro werden insgesamt mehr Anteile erworben, als wenn der Kurs konstant geblieben wäre.

ETF-Sparplan mit 100 Euro im Monat
Monat 1 2 3 4 5 6 7 8 9
Kurs ETF 50 40 50 60 50 40 50 60 50
Anteile* 2 2,5 2 1,67 2 2,5 2 1,67 2
Summe Anteile** 2 4,5 6,5 8,17 10,17 12,67 14,67 16,34 18,34
Summe Kosten*** 100 200 300 400 500 600 700 800 900
* Im jeweiligen Monat für 100 Euro erworbene Anteile
** Insgesamt gekaufte Anteile zum jeweiligen Zeitpunkt
*** Insgesamt getätigte Investition

ETF-Sparplan oder Einmalanlage?

Die Wertentwicklung von Sparplänen liegt im Schnitt unter der von Einmalanlagen. Grund ist der Zinseszinseffekt. Während bei der Einmalanlage das gesamte Kapital von Anfang an verzinst wird, baut sich dieses beim Sparplan erst sukzessive auf. Nach der halben Laufzeit beispielsweise ist erst die Hälfte des Kapitals eingezahlt. Im Sparplanrechner lassen sich die Unterschiede leicht nachvollziehen.

Vorteil von Sparplänen: Im schwankenden Aktienmarkt ist der Einstiegszeitpunkt deutlich weniger wichtig als bei der Einmalanlage, da Kursschwankungen zu Beginn der Investition aufgrund der geringen Beträge kaum ins Gewicht fallen. Wer zum Beispiel kurz vor einer Börsenkrise einen ETF-Sparplan begonnen hat, ist schneller aus dem Minus als jemand, der gerade dann eine Einmalzahlung geleistet hat.

Sparpläne gleichen die Ausschläge in guten wie schlechten Zeiten aus, sie profitieren weniger von steigenden Kursen, sind aber auch von fallenden Kursen weniger betroffen.

Beispiel: Wer 100 Euro im Monat in einen DAX-ETF investiert, hat in einem guten Börsenjahr mit 20-prozentige Plus des DAX „nur“ 10,8 Prozent gut gemacht (bezogen auf die Investition dieses Jahres). Sinkt der DAX aber im nächsten Jahr um 10 Prozent, verliert der Sparplan nur 5,4 Prozent.

Der richtige Ausstiegszeitpunkt

Wichtiger aus der Einstiegszeitpunkt dürfte beim ETF-Sparen für die Altersvorsorge der richtige Ausstiegszeitpunkt sein. Denn wer das investierte Geld zu einem konkreten Termin braucht, muss zum gerade herrschenden Kurs verkaufen.

Auch hier lohnt ein Blick in die Renditedreiecke mit ihren weißen (also renditeschwachen) Flecken. Wer zum Beispiel Ende 1999 in einen DAX-ETF anlegte und Ende 2011 sein Geld brauchte, machte 1,4 Prozent Verlust.

Tipp: Anleger sollten bereits einige Jahre vor der Rente mit dem Entsparen beginnen, indem sie in guten Börsenphasen Anteile verkaufen und sich so schon mal eine bestimmte Rendite sichern.

Autorenbild

Autor

Jürgen Baltes