Altersvorsorge / 06.12.2021

Altersvorsorge mit Aktien: 5 häufige Fehler

Beim Investieren in Fonds und Aktien kann viel schiefgehen. Was hilft, kein Geld zu verlieren.

Figuren Stier und Bär auf Geldscheinen vor einer Lupe und Zeitung mit Aktienkursen. Bild: IMAGO / McPHOTO

Viele Anleger in Deutschland träumen davon, besonders schlau zu sein. Sie würden gerne mehr aus ihrem Geld machen, denken aber an den Spruch des griechischen Philosophen Sokrates: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Das zeigt eine Untersuchung der Frankfurt School of Finance & Management: Mehr als die Hälfte derjenigen, die nicht am Aktienmarkt Geld anlegen, glauben demnach, dass ihnen dafür das Wissen fehlt. Die Folge: Sie legen an der Börse nichts an. Andere vor allem mehr und mehr junge Menschen trauen sich schon zu investieren, laufen aber Gefahr, sich zu falschen finanziellen Entscheidungen verleiten zu lassen.

Was typische Anlegerfehler mit menschlichen Schwächen zu tun haben und wie man sie vermeiden kann – fünf Tipps zum Selbstcheck.

Warum die Liebe zur Heimat gefährlich werden kann

Geldexperten empfehlen privaten Anlegerinnen und Anlegern immer wieder, ihr Geld gerade auch für die zusätzliche Altersvorsorge in weltweit anlegende Fonds und ETFs zu investieren, um das Risiko breit zu streuen. Viele Bankkunden kaufen aber mit Vorliebe das, was sie am besten zu kennen glauben. Sie haben dann überproportional viele Fonds im Depot mit dem Anlageschwerpunkt Deutschland. Und/oder sie setzen vor allem auf Einzelaktien bekannter deutscher Unternehmen.

Dies wird durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt: Demnach war in den Wertpapierdepots deutscher Direktbank-Kunden der Deutschland-Anteil überproportional hoch. Wer aber vor allem oder nur auf deutsche Werte setzt, hat ein Klumpenrisiko und macht sich von der Entwicklung der Unternehmen hierzulande zu sehr abhängig.

Wieso man bei heißen Aktientipps cool bleiben sollte

Als zur Jahrtausendwende der Neue Markt boomte, machten Aktientipps überall die Runde. Doch viele Internetbuden, mit deren Aktien Millionen Bundesbürger spekulierten, gingen später schnell pleite. An der Flut von Aktientipps hat sich nicht viel geändert, nur dass sie nun vor allem über die sozialen Netzwerke, Whatsapp-Gruppen oder bestimmte Finanzportale weitergereicht werden.

 

Besonders gefragt sind Tipps von sogenannten Börsengurus. Nicht wenige Anleger folgen ihnen – wie einst unsere Vorfahren als Jäger und Sammler dem Alphatier. Je größer die Fangemeinde, desto gefragter dabei der Guru. Experten sprechen hier vom Herdentrieb.

 

Anleger sollten sich aber stets fragen, warum empfiehlt mir jemand etwas, welches Eigeninteresse könnte dahinterstecken? Wer den Kick trotzdem braucht und auf heiße Tipps und Einzelaktien setzt, sollte ehrlich Bilanz ziehen und zumindest ein Anlage-Tagebuch führen, in dem Kauf, Verkauf, Kosten und Ergebnis festgehalten sind. Die Stiftung Warentest hält das Herauspicken mehr oder weniger willkürlich ausgewählter Aktien in Privatdepots allerdings für einen „Renditekiller erster Güte“.

 

 

 

Weshalb zu viel Aktivität schaden kann

Täglich gibt es weltweit Zehntausende neuer Nachrichten. Wer sich damit befasst, läuft Gefahr, ständig darauf zu reagieren, neue Anlageentscheidungen zu treffen und von den eigenen Zielen abzuweichen, die man vorher festlegen sollte. Besser ist es, sich ein bekanntes Börsen-Sprichwort in Erinnerung zu rufen. „Hin und her macht Taschen leer“, heißt: Wer ständig kauft und verkauft, häuft eher Verluste statt Gewinne an.

Deshalb raten Fachleute: lieber ruhig bleiben, an der eigenen Strategie festhalten und ab und zu mal ins Depot schauen und prüfen, ob Korrekturen fällig sind.

Wie Anleger sich selbst überschätzen können

Viele Autofahrer sind überzeugt, dass sie gut und sicher lenken – jedenfalls besser als derjenige, den sie gerade überholen. Diesen Hang zur Selbstüberschätzung gibt es auch beim Geld anlegen. Wer als Privatanleger glaubt, die Zukunftsaussichten von Unternehmen wie Tesla, Biontech oder VW treffsicher einschätzen zu können und schlauer als Profis am Markt zu, sein, unterliegt allerdings einem Trugschluss und neigt zu weiteren riskanten Anlageentscheidungen.

Vor allem in Phasen mit steigenden Aktienkursen schreiben Anleger Gewinne ihrem Können zu. Läuft es schlecht, war hingegen Pech im Spiel, oder man kann sagen, die anderen haben ja auch Verluste gemacht. 

Warum der falsche Umgang mit Verlusten teuer wird

Der Schmerz über einen Verlust ist größer als die Freude über einen spiegelbildlichen Gewinn, sagen Börsenkenner, die sich mit dem menschlichen Faktor bei Anlageentscheidungen befassen. Deshalb werden Verluste gerne verdrängt, zumal Menschen lieber ausblenden, was nicht in ihr Weltbild passt, was an ihrem Selbstbild rüttelt. Gewinne hingegen bleiben eher im Gedächtnis haften.

 

Das kann teure Folgen haben: Informationen werden selektiv verarbeitet: Anleger nehmen das auf, was sie in ihrer Meinung stützt, und blenden das aus, was ihrer Auffassung widersprechen könnte. Sie sagen sich dann: Das wird schon wieder, halten eisern an quasi wertlosen gewordenen Papieren fest, obwohl die Prämissen für ihren Einstieg längst überholt sind. Das fällt ihnen leichter, als sich einzugestehen, dass sie tatsächlich Geld verloren haben. Auch daraus können Anleger lernen, um nicht wieder Investmentruinen im Depot zu haben – wie damals nach der Jahrtausendwende, als die New-Economy-Blase platzte.

 

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Autor

Thomas Öchsner