Im Fokus / 13.11.2017

Altersvorsorge mit Fonds: Für wen ist das die richtige Wahl?

Im aktuellen Zinstief suchen viele Vorsorgesparer eine Möglichkeit, renditestark vorzusorgen: In den Fokus geraten dabei schnell Fonds, die eine überdurchschnittliche Rendite bei überschaubarem Risiko zu versprechen scheinen. Aber für wen ist die Altersvorsorge mit Fonds wirklich die richtige Wahl? Wir haben die klassischen Sparertypen und ihre „Fonds-Eignung“ unter die Lupe genommen.

Hände umrahmen ein gezeichnetes Sparschwein. – Bild:sdecoret - stock.adobe.com

Inhalt

Die Sparertypen

Zu den klassischen Sparertypen gehören der offensive Renditesparer, der Sicherheitssparer und der Zielsparer. Für welchen Typ Fonds unter welchen Umständen geeignet sind – hier ein erster Überblick.

Der offensive Renditesparer

Der Renditesparer möchte für das Alter Kapital aufbauen und setzt dabei auf eine hohe Rendite. Er weiß, dass hohe Renditen auch ein höheres Risiko bedeuten, er hat aber als 20- bis 30-Jähriger noch viele Jahre Zeit, um das gewünschte Vermögen anzusparen – und er kann den einen oder anderen Kursrückgang deshalb auch verkraften.

Die richtige Lösung für den Renditesparer: Fondssparpläne sind für ihn tatsächlich das richtige Mittel zur Vorsorge. Wenn er noch mindestens 20 Jahre Zeit hat bis zum Rentenbeginn, hat er die Möglichkeit, den Rendite-Hebel zu nutzen und gleichzeitig Schwächephasen an den Börsen auszusitzen.

Die passende Strategie: Grundsätzlich sollte der Renditesparer sich breit aufstellen und vier bis sechs verschiedene Fonds besparen. Das verteilt das Risiko, gleichzeitig bleibt das Portfolio so übersichtlich, dass er die Anlagen jederzeit im Blick behalten kann. Bei sinkenden Kursen gilt: Nerven bewahren, aber klare Verkaufsaufträge für Fondsanteile vorgeben, sogenannte Stop-Loss, also Kursmarken, bei deren Erreichen automatisch verkauft wird.

Wann kann es Probleme geben? Vor allem bei massiven Kursrückgängen kurz vor dem Renteneintritt. Der Renditesparer muss fünf bis sechs Jahre vor Rentenbeginn damit anfangen, das aufgebaute Vermögen in sichere Fonds oder in Festzinsanlagen umzuschichten. Das ist sein Motto: Rendite in den Vordergrund – aber die Sicherheit daneben, vor allem im Alter!

Der Sicherheitssparer

Der Sicherheitssparer weiß, dass die Rendite sein größter Vorteil beim Sparen für das Alter ist: Fünf statt sechs Prozent Rendite über 30 Jahre lassen das Vermögen um rund 20 Prozent steigen! Deshalb möchte der Sicherheitssparer auf Fonds setzen. Gleichzeitig hat er Angst davor, Gewinne wieder einzubüßen, die Kursentwicklungen aus dem Blick zu verlieren, als Geldanleger überfordert zu sein.

Die richtige Lösung für den Sicherheitssparer: Er muss den Spagat finden zwischen den Renditechancen der Fonds und seinem Sicherheitsbedürfnis. Die entsprechenden Produkte sind Fondssparpläne mit Kapitalgarantien, die klassischerweise von Versicherungen angeboten werden.

Die passende Strategie: Der Sicherheitssparer konzentriert sich auf eine fondsgebundene Versicherung, die ihm möglichst viel Flexibilität bei der Fondsauswahl lässt. So kann er umschichten – im Idealfall ohne Zusatzkosten.

Wann kann es Probleme geben? Der Sicherheitssparer muss bei den Versicherungslösungen die Kosten im Blick behalten – und zwar am besten bereits vor Vertragsabschluss. Das gilt neben den klassischen Abschluss- und Verwaltungskosten vor allem für die Kosten, die die gewünschte Garantie mit sich bringt. Hier hilft nur ein Vergleich verschiedener Anbieter mit einem kompetenten Berater.

Das ist sein Motto: Rendite ist nur möglich mit geringen Kosten.

Der Zielsparer

Der Zielsparer hat eine feste Rendite im Blick: Er weiß, was er Jahr für Jahr mit seinen Sparbeiträgen erwirtschaften will und muss, um seine private Altersvorsorge genau so aufzubauen, dass sie die anderen Ansprüchen aus der gesetzlichen Rente und der betrieblichen Altersvorsorge ergänzt. Er scheut das Risiko, möchte nicht Gefahr laufen, angespartes Kapital zu verlieren.

Die richtige Lösung für den Zielsparer: Fonds sind für den Zielsparer nur als „Beimischung“ geeignet. Er braucht festverzinste Anlagen, bei denen er die „sichere Rendite“ durch einen kleinen Fondsanteil aufpeppen kann.

Die passende Strategie: Wenn die festverzinsliche Anlage gefunden ist, sollten zehn bis 20 Prozent des Sparbeitrages übrig sein für einen Fondssparplan. Der Fokus liegt dabei auf breit aufgestellten Fonds, möglichst mit internationalem Fokus auf klassischen Bluechips – und es werden klare Vorgaben an die Bank gegeben, wann die Anteile bei sinkenden Kursen zu verkaufen sind.

Wann kann es Probleme geben? Wenn der Anteil des Fondssparplanes an der gesamten Altersvorsorge so gering ist, dass er die feste Rendite nur unwesentlich verbessert. In einem solchen Fall kann nur eine Erhöhung des Fondsanteils Abhilfe schaffen – aber will der Zielsparer das?

Das ist sein Motto: Die Gesamtrendite aus Festzins und Fonds muss stimmen.

Diese Produkte stehen zur Auswahl

Wer seine Altersvorsorge mit Fonds auf- und ausbauen will, hat eine immense Auswahl an Produkten, die seinen Sparzielen entsprechend eingesetzt werden können. Wir zeigen hier, welche Produkte es gibt.

Fondssparpläne

Wer für die Altersvorsorge auf Fondssparpläne setzt, hat zwei Möglichkeiten: klassische, aktiv gemanagte Fonds und sogenannte Indexfonds. Die klassischen Fonds haben das Ziel, eine Performance zu erreichen, die den Vergleichsindex übertrifft – so müssen bei einer entsprechenden Ausrichtung zum Beispiel der DAX oder der EURO Stoxx 50 übertroffen werden.

Bei den aktiv gemanagten Fonds ist es am Fondsmanagement, eine Aktien-Auswahl zu treffen, die den Index übertrifft – und gleichzeitig noch die Kosten zu erwirtschaften, die das Management verursacht. Die Praxis zeigt, dass dieser Spagat oft nicht gelingt und die Performance hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Mit den börsengehandelten Indexfonds (sogenannte ETF, Exchange Trades Funds) setzen Anleger darauf, den entsprechenden Index nachzubilden und haben damit eine transparente Wertentwicklung. Steigt der, legt auch das eigene Fondsvermögen zu – sinkt der Bezugsindex, gilt das auch für das Ersparte.

Für die Altersvorsorge haben sich diese Fonds bewährt, denn die Kostenstruktur ist attraktiv, die Gebühren gering. Zudem muss kein Sparer aktiv Zeit für die Auswahl der richtigen Fonds aufwenden: Er partizipiert ohne Auswahl von Aktien oder Fonds an der Wertentwicklung des entsprechenden Indexes.

ETF: Physisch oder synthetisch?

Die börsengehandelten Indexfonds können auf zwei Arten gebildet werden. Entweder legt der Fonds sich tatsächlich genau die Aktien ins Portfolio, die auch den Index ausmachen. Die entsprechenden Aktien müssen dann jeweils im entsprechenden Verhältnis ge- und verkauft werden.

Die Alternative: Offiziell wird zwar die Indexentwicklung der Partnerbank garantiert, im Portfolio aber liegen ganz andere Papiere, die die Rendite erwirtschaften sollen. Im Hintergrund werden dann auch Aktien verliehen, um die Rendite zu optimieren. Manchen Anlegern ist das suspekt, allerdings gehen Experten hier nicht unbedingt von einem höheren Risiko aus.

Fondsgebundene Rentenversicherungen

„Ich will die Börsenchancen nutzen – aber ich will kein Risiko eingehen“. Mit diesem Anlegerwunsch lässt sich die Funktionsweise einer fondsgebundenen Rentenversicherung gut beschreiben. Denn viele Fondspolicen bieten eine Kapitalgarantie an: Zum Ende der vereinbarten Laufzeit steht immer das garantierte Kapital ganz oder zu einem festgelegten Prozentsatz zur Verfügung. Damit ist es möglich, von den Renditechancen der Fonds zu profitieren, gleichzeitig ist das Verlustrisiko minimal.

Dazu kommen zahlreiche Optionen, die den Schutz für jeden Sparer individuell interessant machen: So kann eine Kapitalrückgewähr vereinbart werden: Im Todesfall des Versicherten erhalten die Hinterbliebenen den Wert der bis dahin erworbenen Fondsanteile ausgezahlt. Und selbst nach Rentenbeginn kann eine Auszahlung des Kapitals abzüglich bereits geleisteter Renten vereinbart werden.

Zu Rentenbeginn ist neben einer Kapitalauszahlung auch eine Verrentung möglich, die dann eine lebenslange Rentenzahlung vorsieht. Dann ist auch die Vereinbarung einer Rentengarantiezeit möglich, bei der die vereinbarte Rente auch dann weitergezahlt wird, wenn der Versicherte vorzeitig stirbt. Gleichzeitig ist es möglich, die Vorsorge invaliditätssicher zu machen, sodass bei Berufs- und Erwerbsunfähigkeit die Prämien für die Vorsorge von der Versicherung weitergezahlt werden.

Und einen besonderen Clou haben einige Versicherer im Angebot: Sie bieten an, die Altersrente bei Pflegebedürftigkeit zu verdoppeln. Damit lässt sich auch dieses Risiko mit der Police absichern.

Die Anbieter der fondsgebundenen Rentenversicherungen haben mittlerweile auch entdeckt, dass Anleger gerne auf einen Index wie den DAX setzen und bilden das Modell einer ETF-Anlage nach: Index-Policen heißt das Zauberwort dafür. Der Wert der Policen wird dabei an die Wertentwicklung eines Aktienindexes gekoppelt – meist ist es der EURO STOXX 50 oder eben der deutsche Leitindex DAX. Sie partizipieren dann bis zu einer festgelegten Obergrenze von den Gewinnern – Verluste sind auf Jahressicht immer ausgeschlossen.

Im schlimmsten Fall also legt Ihre Rentenversicherung eine Nullrunde ein. Meist haben Sie auch die Option, statt der Indexbeteiligung ganz oder teilweise auf eine feste Verzinsung umzustellen – so besteht die Möglichkeit, eine sichere Rendite einzufahren. Die Modelle werden von den Kunden sehr gut angenommen, gelten aber auch durch die erforderlichen Sicherungsmechanismen als teuer und intransparent.

Viele Vorteile und Bonuspunkte für die fondsgebundene Rentenversicherung – aber was steht auf der Sollseite? Vor allem sind es die Kosten: Zum einen werden die Sparer mit den Verwaltungs- und Abschlusskosten belastet, die deutlich höher sind als bei einem reinen Fondssparplan.

Und auch die Garantien kosten Geld, weil die Versicherer die Sicherungsmechanismen finanzieren müssen – natürlich mit dem Geld der Sparer. Hier hilft nur eine transparente und unabhängige Beratung (zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale oder beim Bund der Honorarberater), die die Kosten der Fonds-Modelle aufzeigt.

Geförderte Fonds-Lösungen

Vor allem die Riester-Rente kombiniert das Thema Fonds mit der staatlich geförderten Vorsorge. Die meisten Versicherten schließen eine fondsgebundene Rentenversicherung ab, die einen Teil der Einzahlungen in Fonds investiert.

Die Alternative ist das Riester-Fondssparen mit einem Fondssparplan. In der Wahrnehmung vieler Verbraucher gelten die Fondssparpläne als attraktiver, rentabler und günstiger.

Tatsache ist: Auch die Fondssparpläne sind mit Gebühren belegt, die zu Lasten der Rendite gehen. Und die Rendite ist nicht zwangsläufig und automatisch besser als die der Rentenversicherungen. Die gelten vielen Kunden als zu teuer, weil Abschluss- und Verwaltungskosten fällig werden.

Fakt ist: Bei beiden Modellen ist ein Blick auf die Kostenstruktur vor dem Abschluss ein Muss. Die Auswahl bei den reinen Fondssparplänen ist dabei begrenzt, weil lediglich die Deka Bank, die DWS und Union Investment Sparpläne anbieten.

Ein Plus der Fondssparpläne: Niemand muss Angst haben, Verluste einzufahren mit seinem Fondssparplan. Denn es müssen sowohl die eingezahlten Beträge, als auch die staatlichen Zulagen zum Ende der Laufzeit garantiert werden. Im schlimmsten Fall besteht die Rendite also „nur“ aus den Zulagen.

Die fondsgebundenen Versicherungen sehen diese vom Gesetzgeber geforderte Garantie natürlich auch vor, und der Markt ist deutlich breiter aufgestellt: Viele Gesellschaften bieten fondsgebundene Produkte für die Riester-Rente an.

Welche Lösung ist für mich geeignet?

Ist die Entscheidung für eine Altersvorsorge mit Fonds erst einmal gefallen, stellt sich die Frage nach dem „richtigen“ Produkt. Hier die Vor- und Nachteile im Überblick – steuerliche Erwägungen inklusive.

Fondssparpläne

Grundsätzlich muss Ihnen eines klar sein, wenn Sie auf Fondssparpläne setzen wollen: Sie haben Aufwand, denn Sie gehen eine Verpflichtung ein, Ihre Geldanlage und Altersvorsorge im Blick zu behalten. Dem steht aber auch ein attraktiver Lohn gegenüber: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass über einen Zeitraum von zwei oder drei Jahrzehnten im Schnitt acht Prozent erwirtschaftet werden – die werden Sie mit keiner anderen Anlage erreichen. Und so können Sie Ihr Altersvorsorgeziel schon mit kleinen Sparbeiträgen erreichen.

Ein weiteres Plus der Fondssparpläne ist das hohe Maß an Flexibilität gegenüber vielen anderen Anlageformen: Sie können ohne Probleme die monatlichen Sparbeiträge aussetzen oder verändern, ohne dass dabei zusätzliche Kosten entstehen. Damit kann Sie Ihre Altersvorsorge nicht in finanzielle Probleme bringen, weil die Raten gezahlt werden müssen. Fondssparen lässt Sie als Anleger auch besonders geschützt dastehen: Denn Sie sind nicht betroffen, wenn eine Fondsgesellschaft einmal Pleite gehen sollten. Denn alle Wertpapiere, die Fondsmanager kaufen, gehören Ihnen als Besitzer der Fondsanteile, nicht der Fondsgesellschaft.

Es gibt nie den richtigen Zeitpunkt, mit der Altersvorsorge zu beginnen – behaupten viele. Tatsache ist: In Zeiten hoher Kurse zahlen Sie viel für Fondsanteile, sind die Kurse niedrig, steigen Sie günstig ein, aber es bleibt die Angst vor einer dauerhaften Baisse. Fondssparen minimiert dieses Risiko: Sie kaufen monatlich Anteile – bei hohen Kursen weniger, bei niedrigen Kursen mehr. Über die Jahre aber bildet sich daraus ein attraktiver Durchschnittswert, der die Basis einer guten Rendite bilden kann.

Sie sehen: Es gibt neben dem Argument des Aufwands viele Gründe, die für das Fondssparen sprechen – der gewichtigste Grund dagegen ist natürlich aber noch unerwähnt: das Kursrisiko. Niemand kann Ihnen garantieren, dass die Kurse gerade dann günstig stehen, wenn Sie in Rente gehen wollen. Sie haben immer ein Restrisiko, dass Sie Verluste erleiden – und hier schließt sich der Kreis: Dieses Risiko lässt sich nur mit Aufwand minimieren, indem Sie frühzeitig umschichten und Kursgewinne sichern.

Ein ärgerlicher Punkt ist die steuerliche Behandlung der Fondssparpläne mit einer Schlechterstellung gegenüber den Versicherungsprodukten: Denn für die Erträge aus einem Fondssparplan muss Abgeltungssteuer gezahlt werden. Da es sich im Allgemeinen um thesaurierende Fonds handelt, führt die inländische Fondsgesellschaft auf die laufenden Erträge die Abgeltungsteuer jährlich ab, wodurch sich das Anlagekapital vermindert – der Zinseszinseffekt wird geschmälert. Gleichzeitig wird auf die Erträge aus Verkäufen, die zum Beispiel durch sinkende Kurse notwendig werden, auch Abgeltungssteuer fällig. Auch hier nagt die steuerliche Schlechterstellung am Zinseszins.

Fondsgebundene Rentenversicherungen

Fondsgebundene Rentenversicherungen gelten nicht umsonst als die Börsen-Chance für die Faulen und Bequemen: Sie eröffnen Zugang zu Fonds- oder Indexanlagen, ohne dass der Anleger sich um die Anlage kümmern muss. Die Versicherungsgesellschaft übernimmt das Management, garantiert auf Wunsch das Kapital oder einen Teil davon bei Rentenbeginn und ermöglicht sogar die Chancen, Fonds selber zu wählen und jederzeit zu wechseln, um eigene Strategien verfolgen zu können. Grundsätzlich haben die fondsgebundenen Rentenversicherungen damit deutlich höhere Ertragschancen als klassische Rentenversicherungen, die konservativer anlegen (müssen).

Dazu kommt ein Steuerplus: Die gesamten Erträge wie Zinsen, Dividenden, und realisierte Kursgewinne müssen Sie – anders als bei einer Fondsanlage – nicht zum Zeitpunkt der Realisierung versteuern, sondern erst am Ende der Vertragslaufzeit. Dazu genießen Rentenversicherungen ein weiteres Steuerprivileg: Bei Kapitalauszahlung muss nur die Hälfte der Erträge versteuert werden – bei einer Verrentung wird die Rente nur mit einem besonders günstigen Steuersatz belegt.

Bleibt die Frage nach den Nachteilen, und Tatsache ist: Die Versicherer lassen sich die Faulheit und Bequemlichkeit gut bezahlen. Die fondsgebundenen Policen gelten als teuer, und dieses Vorurteil trifft in vielen Fällen auch zu. Wer dennoch die Vorsorgeverwaltung an eine Versicherung abgeben will, braucht eine umfassende Beratung, die neben der Wahl des richtigen Produktes vor allem die Kostenfrage behandelt.

Geförderte Fonds-Lösungen

Das größte Plus der mit dem Riester- oder Rürup-Modell geförderten Vorsorgemodelle ist natürlich die Förderung selbst: Hohe Steuervorteile und Zulagen ermöglichen eine deutlich attraktivere Rendite in der Ansparphase als es bei ungeförderten Modellen denkbar wäre. Die Kehrseite der Medaille: Der Staat holt sich in der Rentenphase die gewährten Vorteile wieder zurück und besteuert die Renten: Bei der Riester-Rente ist der gesamte Betrag steuerpflichtig, bei der Rürup-Rente gelten die Regelungen, die auch für die gesetzliche Rente gelten: Bis 2040 steigt die Steuerbelastung von derzeit 74 Prozent auf dann 100 Prozent ‒ sämtliche Rentensteigerungen werden zudem schon jetzt immer voll besteuert!

Natürlich ist die nachgelagerte Besteuerung kein echter Nachteil, sondern im System der Förderung so angelegt – nachteilig ist aber durchaus die mangelnde Flexibilität. Während Sie die fondsgebundene Riester-Rente – egal, ob als Versicherung oder Fondssparplan – noch kündigen können und im Alter zumindest einen Teilbetrag von bis zu 30 Prozent kapitalisieren dürfen, ist die Rürup-Rente noch restriktiver: Sie haben kein Kapitalwahlrecht, keine Kündigungsmöglichkeit und können über das Kapital in keiner Form verfügen – auch nicht durch Beleihungen, etwa für den Kauf einer Immobilie.

Dazu kommt, dass beim Rürup-Modell – anders als bei der Riester-Rente – keine Kapitalgarantie „eingebaut“ ist. Gerade bei Fondssparplänen gibt es damit kein Sicherheitsnetz für Ihre Altersvorsorge, und das Fondsvermögen kann durch sinkende Kurse abstürzen. Die Versicherungslösungen sehen hierfür oft Garantiemodelle vor, die aber auch den Schutz wieder deutlich verteuern.

Förderung im Überblick

Riester
Grundzulage: 154 Euro (175 ab 2018)
Kinderzulage: 185 Euro, 300 Euro für ab dem 1.1.2008 Geborene
Einmalzulage für Jugendliche bis 25: 200 Euro
Absetzbarkeit aller Beiträge bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben

Rürup
Beiträge sind bis zu 23.362 Euro (Ehepaare 46.724 Euro; Stand 2017) absetzbar – anerkannt werden derzeit 84 Prozent der eingezahlten Beiträge.
(Siehe dazu auch Themenschwerpunkt Rürup-Rente)

Altersvorsorge mit Fonds: Schritt für Schritt

Wenn Sie sich für eine Fondsanlage – in welcher Variante auch immer – entschieden haben, gilt es, aktiv zu werden. Was auf Ihrer To-do-Liste stehen sollte, erfahren Sie hier.

Depot eröffnen

Das richtige Depot – und vor allem seine Kostenstruktur – beeinflusst den Erfolg und damit auch die Rendite Ihrer Fondssparpläne nachhaltig. Achten Sie bei der Depoteröffnung auf diese Punkte:

  1. Online Broker oder Hausbank?
    Wer selbstständig seine Fondssparpläne einrichten und verwalten möchte, fährt meist mit einem Online-Broker am besten, der mit „Self-Service“ in der Regel die günstigsten Konditionen offeriert.
  2. Transaktionskosten im Blick behalten
    Bei der Auswahl Ihrer Depotbank sollten Sie vor allem einen Blick auf die Transaktionskosten richten: Beim Kauf von Fondsanteilen fallen Gebühren an – entweder in Form eines Ausgabeaufschlages oder beim Kauf über die Börse als Orderprovision, Handelsplatzgebühren und Maklercourtage. Grundsätzlich sollte Ihre Depotbank Ihnen beide Kaufoptionen – über die Fondsgesellschaft direkt oder über die Börse – ermöglichen, damit Sie die kostengünstigste Lösung wählen können. Außerdem sollte es möglich sein, Fonds zu reduzierten oder ganz ohne Ausgabeaufschläge kaufen zu können – die Aufschläge können nämlich bis zu sechs Prozent ausmachen, die Sie erst einmal erwirtschaften müssen, um wieder Ihren investierten Betrag zu erreichen.
  3. Handelsoptionen sichern
    Wenn Sie langfristig in Eigenregie Fondssparpläne besparen und verwalten möchten, werden Sie mit Limits arbeiten wollen. Damit legen Sie vor allem fest, dass bei einem Kursrutsch der Verkauf der Fondsanteile automatisch eingeleitet wird. Achten Sie darauf, dass für das Einrichten, Anpassen und Streichen dieser Limits keine zusätzlichen Gebühren anfallen. Ideal sind dynamische Limits, die sich dem Kursverlauf anpassen – so können Sie zum Beispiel vorgeben, dass die Fondsanteile verkauft werden, wenn der Gesamtgewinn unter eine vorgegebene Marke fällt. So stellen Sie sicher, dass Sie niemals mit Verlust aus dem Sparplan gehen.
  4. Angebotspalette im Blick behalten
    Für das Vorsorgesparen ist ein möglichst breites Angebot an Fonds und Fondssparplänen ein wichtiges Kriterium. Prüfen Sie vor Depoteröffnung insbesondere, wie viele Fonds Sie – direkt oder als Sparplan – kaufen bzw. handeln können.
  5. Kostenlose Depotführung ist ein Muss
    Es gibt immer noch – nicht wenige – Geldinstitute, die alleine für das Eröffnen eines Depots eine Grundgebühr verlangen. Sparen Sie sich diese unnötigen Kosten, und eröffnen Sie das Depot auf jeden Fall bei einem Anbieter, der Ihnen die Depotführung kostenfrei anbietet.

Bei Versicherungen gilt: Honorarberatung ist der bessere Weg

Vor der Wahl einer fondsgebundenen Versicherung steht vor allem anderen die Beratung, welche der Policen für Sie infrage kommt. Wählen Sie für die Beratung jemanden ‒ zum Beispiel einen unabhängigen Versicherungsberater oder -makler –, der Ihnen eine Auswahl bieten kann und nicht auf ein oder wenige Produkte festgelegt ist.

Und entscheiden Sie sich für eine Honorarberatung statt einer Beratung, für die der Berater eine Provision bekommt. Sie zahlen zwar so ein Honorar für die Beratungsleistung, aber Sie bekommen Zugang zu Netto-Policen, die ohne Vertriebs- und Abschlusskosten kalkuliert sind. Und erfahrungsgemäß lohnt es sich, die Beratung selbst zu zahlen, dafür aber eine deutlich renditestärkere Police zu erhalten.

Altersvorsorge im Blick behalten

Der Börsen-Guru André Kostolany riet einst: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ Grundsätzlich gilt auch heute noch: Hektik ist immer ein schlechter Ratgeber bei der Altersvorsorge.

Behalten Sie aber Ihre Fondssparpläne langfristig im Auge – die Depotbanken ermitteln in aller Regel die Rendite laufend automatisch – werfen Sie einen Blick auf die Zahlen: Reicht Ihnen die Rendite? Und arbeiten Sie immer mit automatischen Verkaufslimits, damit Sie nicht nach einem Urlaub plötzlich die Hälfte Ihres Vermögens verloren haben.

Bei den Fondspolicen gilt: Bleiben Sie aktiv am Ball und im Dialog mit dem Berater. Fragen Sie gezielt nach, wie sich die Fonds entwickelt haben und ob er Handlungsbedarf sieht. So können Sie durch gezielte Maßnahmen wie einen Fondswechsel oder eine Zuzahlung die Rendite steigern.

Worauf muss ich in der Ansparphase achten?

Wenn Sie sich für eine Altersvorsorge mit Fonds entscheiden oder entschieden haben, gilt es, die Vorsorge auch während der Ansparzeit im Auge zu behalten, um die Rendite zu optimieren.

Fondsgebundene Versicherungen: Heute schon an morgen denken

Bei fondsgebundenen Versicherungen – egal, ob mit oder ohne Förderung ‒ gibt es eine garantierte Auszahlung zum Vertragsende nur im Hinblick auf die eingezahlten Beiträge – hat sich das Fondsvermögen im Laufe der Jahre hoffentlich gut entwickelt, können Sie es sich zum Vertragsende auszahlen oder es verrenten lassen. Wichtig ist es, zum Ende der Vertragslaufzeit die Gefahr von sinkenden Kursen zu minimieren und trotzdem die Rendite hochzuhalten.

Das richtige Mittel dazu nennt sich Umschichten: raus aus riskanteren Fonds, hin zu sicheren Anteilsscheinen. Die Versicherungsgesellschaften bieten Ihnen dafür die Möglichkeit, auf ein sogenanntes aktives Ablaufmanagement zurückzugreifen. Damit wird das aufgelaufene Fondsvermögen ganz oder teilweise in sicherheitsorientierte Anlagen überführt.

Die Versicherungen bieten an, diesen Vorgang für Sie zu übernehmen, und schichten nach und nach um – mit dem noch in rentableren Fonds investierten Teil haben Sie so die Möglichkeit, die Rendite zu optimieren, während Sie nebenbei Ihr Kapital „in Sicherheit bringen“. Alternativ binden andere Versicherer Sie aktiv in die Umschichtung ein und stimmen die einzelnen Schritte mit Ihnen ab.

Ihre Alternative: Sie bestimmen den Auszahlungsbeginn Ihres Kapitals oder eines Teils davon selbst innerhalb der vereinbarten Auszahlungsphase und schichten manuell in sicherere Anlagen um. Der Vorteil: Sie bleiben meist länger in renditestarken Fonds investiert als beim Ablaufmanagement der Versicherer. Das Problem: Erwischen Sie in den letzten Jahren der Vertragslaufzeit eine schlechte Börsenphase, verliert Ihr Fondsvermögen stark an Wert, wenn (noch) nicht umgeschichtet wurde.

Fondssparpläne: Hier sind Sie gefragt!

Bei Fondssparplänen ist Ihr Engagement während der Ansparphase eher gefragt als bei Versicherungslösungen: Kein Versicherer sorgt dafür, dass Ihr eingesetztes Kapital erhalten bleibt, am Ende der Vertragslaufzeit ist es immer an Ihnen, das Ablaufmanagement zu gestalten.

Während der Vertragslaufzeit müssen Sie vor allem darauf achten, dass Sie das aufgebaute Kapital mit den bereits erzielten Gewinnen nicht wieder verlieren. Dafür setzen Sie im Idealfall sogenannte Stop-Loss-Marken, die einen automatischen Verkauf bei fallenden Kursen auslösen. Das funktioniert so: Sie haben über fünf Jahre insgesamt 800 Anteile eines Fonds erworben, die Sie im Schnitt für zwölf Euro gekauft haben. Derzeit steht der Kurs bei 14,50 Euro – eine erzielte Rendite von rund 21 Prozent, die Sie zumindest zum Teil auch nicht wieder hergeben wollen. Sie setzen die Stop-Loss-Marke bei 13,50 Euro – damit wird automatisch der Verkauf der Anteile eingeläutet, wenn der Kurs unter 13,50 Euro sinkt. Das bedeutet: Bei einem Verkauf für 13,50 Euro sichern Sie sich eine garantierte Rendite von 12,5 Prozent.

Zu Beginn eines Sparplans hilft die Stop-Loss-Marke auch dabei, Verluste zu vermeiden: Sie beginnen einen Sparplan für einen Fonds, dessen Anteilspreis in den ersten beiden Jahren bei sechs bis sieben Euro liegt. Setzen Sie die Stop-Loss-Marke auf 5,50 Euro, wird bei Erreichen dieser Marke verkauft und Sie begrenzen den Verlust auf maximal 1,50 Euro pro Anteil.

Spätestens mit Mitte 50 sind Sie dann als Ablaufmanager gefragt – Sie müssen das aufgebaute Kapital mit seinen Renditen umschichten in sichere Anlagen. Das können weniger volatile (schwankende) Fonds sein, die den Kapitalerhalt ermöglichen – etwa Geldmarkt- oder Rentenfonds. Oder Sie entnehmen Kapital und legen es festverzinslich an.

Eine andere Variante ist das Umsetzen von Fondsvermögen in eine sogenannte Rentenversicherung gegen Einmalzahlung: Die bietet für das Ersparte eine Mindestverzinsung und bei einer Laufzeit von mindestens zwölf Jahren Steuervorteile und eine attraktive Rendite. Insgesamt besteht die größte Schwierigkeit derzeit vor allem darin, sichere und zinsstarke Anlagen zu finden ‒ hier hilft für kurzfristige Anlagen nur die Recherche auf den einschlägigen Portalen wie biallo.de oder finanztip.de.

Altersvorsorge mit Fonds: Was Sie vom Star-Investor Warren Buffett lernen können

Warren Buffett gilt das der Inbegriff des erfolgreichen Geld-Anlegers. Seine Ideen, Strategien und nicht zuletzt seine Intuition und seine Erfahrung haben die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway zu einem der erfolgreichsten Unternehmen weltweit gemacht – ein Richtungsgeber für viele Anleger und Vorsorgesparer. Und das gilt auch im Kleinen: Sein Vorgehen lässt sich in fünf Regeln zusammenfassen, die auch für Fondssparer gelten.

Fakten und Wissen statt Meinen und Glauben

Die erste Buffet-Regel lautet: Verlassen Sie sich bei der Auswahl der Fonds immer auf Fakten und Wissen – nicht auf Emotionen. Sie wollen keine Bauch-Entscheidungen treffen, wenn es um Ihre Altersvorsorge geht. Fondsgesellschaften legen wie auch die Versicherer umfangreiches Material auf, das die Fonds, ihre Strategien, die Zusammensetzung, die Ziele beschreibt. So erfahren Sie, welche Aussichten eine Vorsorgeanlage haben kann.

Verstehen – nicht blind nachlaufen!

Ein wichtiger Punkt in Buffetts Philosophie ist die Forderung, dass man seine Fonds verstehen muss. Das heißt: Wie sieht die Strategie des Fonds aus? Welche Unternehmen bildet er ab? Welche Branchen? Welchen Index?

Bei Fonds kommt es darauf an, ob Sie lediglich in eine Wundertüte investieren und hoffen, dass am Ende ein Plus rausspringt, oder ob Sie detailliert wissen, auf was Sie sich einlassen. Es dürfen keine Fragen offen bleiben – denn nur dann sind Sie überhaupt in der Lage, Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Und ohne diese Abwägung macht ein Investment keinen Sinn!

Entgegen dem Wind

Ein weiterer Punkt, an dem Buffet gebetsmühlenartig festhält: Er empfiehlt, immer dann zu kaufen, wenn die breite Masse sich nicht mehr oder noch nicht interessiert. Sein Credo: Man kann nicht etwas kaufen, das beliebt ist, und Erfolg damit haben, denn mit einer Mehrheitsmeinung verliert man an der Börse. Tatsächlich braucht man nur auf die goldenen Zeiten der Telekom zu schauen. Als die Hysterie um Telekom-Titel auf dem Höhepunkt war und wirklich jeder Anleger die „Volks-Aktie“ kaufen wollte, war mit dem Titel kein Geld mehr zu verdienen.

Setzen Sie auf Felder, die noch nicht überbelegt sind – informieren Sie sich ruhig einmal in den einschlägigen Portalen zu den Börsenthemen wie boerse.de – ja, das kostet Zeit, aber die muss man einfach investieren.

Der lange Atem

Ein weiterer Kernpunkt seiner Strategie ist der lange Atem: Man soll nichts kaufen, bei dem man nicht bereit ist, es auch zehn Jahre zu halten. Der Hintergrund dieser Regel: Ein Fonds sollte nur dann bespart werden, wenn Sie langfristig von dessen Perspektiven überzeugt sind. Wenn Sie nicht an den langfristigen Erfolg glauben, dann hat der entsprechende Fonds oder Fondssparplan in Ihrem Depot nichts verloren.

Die Harems-Idee mit der Arche-Noah

Ein weiteres Credo von Warren Buffett: „Wenn Sie über einen Harem mit 40 Frauen verfügen, lernen Sie auch keine richtig kennen.“ Anders formuliert: Weniger ist manchmal mehr. Tatsache ist aber auch: Nur auf ein oder zwei Fonds zu setzen, ist gefährlich. Denn Irren ist menschlich, und wenn Sie sich bei diesen zwei Fonds irren, dann ist Ihr Geld vielleicht komplett verloren.

Ideal ist dagegen der Arche-Noah-Ansatz von Waren Buffett: Ihr Depot soll niemals einem bunt gemischten (und vielleicht nicht einmal aufeinander abgestimmten) Zoo ähnlich sein, sondern aus Anlagen bestehen, die sich ergänzen und Ihr Risiko so gut wie möglich minimieren.

Weitere Informationen

Autorenbild

Autor

Oliver Mest