Nachgefragt / 04.05.2015

Altersvorsorge mit Plus

Wer heute mit einer Riester- oder Rürup-Rente für das Alter finanziell vorsorgen will, der bekommt von der Versicherungswirtschaft weit mehr angeboten als „nur“ eine Rentenversicherung.

Mann mit Taschenrechner – Bildnachweis: istockphoto.com © Rostislav_Sedlacek

Die Versicherer schnüren ganze Vorsorgepakete, die mit zusätzlichen Bausteinen zur individuellen Absicherung ergänzen – und locken damit, dass viele dieser Bausteine sogar staatlich gefördert werden. Aber ist das wirklich sinnvoll? Oder wird hier nur wertloser Zusatzschutz – vielleicht sogar zu teuer – verkauft? Unser Experte Oliver Mest sorgt für Aufklärung.

Welche Bausteine gibt es?

Oliver Mest: Es werden die verschiedensten Risiken und Eventualitäten abgesichert – ein bekanntes Beispiel ist die Berufsunfähigkeitsversicherung, die mit der Altersvorsorge gekoppelt wird. Das Hauptargument der Vertreter: Vor allem bei der Rürup-Rente kann dieser Berufsunfähigkeitsschutz umfassend „mitgefördert“ werden – anders als bei einer klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung, die in der Regel keine Steuervorteile bringt.

Also ein empfehlenswerter Baustein …?

Oliver Mest: Ja und nein. Natürlich ist die Absicherung des Risikos, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten zu können, immens wichtig. Aber wer die Wahl hat, sollte Altersvorsorge und Berufsunfähigkeitsschutz lieber trennen. Zum einen kann man so den besten Schutz für sich selbst finden, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf den Altersvorsorgevertrag, der an die Absicherung „angehängt“ ist. Zum anderen zeigt sich in der Praxis immer wieder, dass Rentenversicherungen oft frühzeitig gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden müssen. Ist das der Fall, geht auch der Invaliditätsschutz oft verloren. Das Problem: Neuer Schutz ist oft nicht oder nur mit Einschränkungen zu bekommen – und das gilt natürlich für staatliche geförderte Altersvorsorgeverträge ebenso wie für die klassische private Rentenversicherung.

Also doch Finger weg?

Oliver Mest: Ja, und das gilt auch für Verträge, die eine sogenannte Berufsunfähigkeitsvorsorge vorsehen. Der Unterschied: Die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt bei Invalidität die vereinbare Rente – die Berufsunfähigkeitsvorsorge übernimmt lediglich die Prämie für die gekoppelte Rentenversicherung. Das Ergebnis: Die private Altersvorsorge läuft auch dann wie geplant weiter, wenn man berufsunfähig wird und eigentlich das Geld nicht mehr hat, um die Prämien zu zahlen. Die Berufsunfähigkeitsvorsorge übernimmt also die Prämienzahlung bis zum Rentenbeginn, solange man eben berufsunfähig ist. Hier ist Vorsicht geboten, denn die Modelle sind oft teuer und die Bedingungen nicht wirklich transparent. Wer eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, sollte die Rente so wählen, dass er im Falle eines Falles auch Geld für die private Altersvorsorge hat – dann braucht man keine Berufsunfähigkeitsvorsorge.

Bestandteil vieler Riester- und Rürup-Renten ist die Absicherung der Familie – ist das sinnvoll?

Oliver Mest: Bedingt. Eine Familie sichert man finanziell am effektivsten mit einer Risikolebensversicherung ab. Mit einer Prämie von rund 100 bis 150 Euro im Jahr kann ein 30-Jähriger 100.000 Euro Versicherungssumme absichern – das ist bezahlbar, bleibt überschaubar und ist finanziell auch zu stemmen, wenn die Kassen mal etwas leerer sind. Der zusätzlich vereinbarte Hinterbliebenenschutz bei Riester und Rürup dagegen kostet Rente oder verteuert den Schutz: Das gleicht die mögliche staatliche Förderung meist nicht wieder aus. Hier geht vor allem die Angst der Sparer um, dass die Rente verloren ist, wenn man früh stirbt. Tatsache ist aber: Riester- und Rürup-Renten sind gute Modelle, um für sich selbst private Altersvorsorge zu betreiben – mehr nicht.

Vor allem bei der Rürup-Rente ist das Geld ja schnell verloren im Todesfall. deshalb gibt es ja Bausteine, die versprechen, den Beitrag für die Familie zu sichern. Was ist davon zu halten?

Oliver Mest: Hier gilt das Gleiche wie bei einem Hinterbliebenenschutz: Finanziell ist es natürlich ärgerlich, wenn der Versicherte den Rentenbeginn gar nicht mehr erlebt, sondern bereits vorher verstirbt. Aber wenn dann in den Vertrag vielleicht gerade einmal 10.000 Euro geflossen sind, dann ist das für eine Witwe mit zwei Kindern ein Tropfen auf den heißen Stein. Was die braucht, ist eine Risikolebensversicherung, die mindestens das fünffache Netto-Jahreseinkommen des Verstorbenen absichert – und zusätzlich im Idealfall die Hypothek der Immobilie tilgen hilft. Und da ist das Geld in einer Risikolebensversicherung besser angelegt als in einer Beitragssicherung der Rürup-Rente.

Zusätzlich gibt es ja auch Rentengarantien. Lohnen sie sich?

Oliver Mest: Ein Rentenverlust ist eine Sorge, die viele umtreibt. Jahrelang zahlen sie in ihre Altersvorsorge ein und kaum erhalten sie zwei, drei Jahre ihre Rente, sterben sie, und das Geld ist verloren. Für solche Fälle gibt es vor allem für nicht staatlich geförderte Verträge Rentengarantien: Die Erben können im Todesfall des Versicherten das Restvermögen aus dem Versicherungsvertrag erhalten oder die vereinbarte Rente einige Jahre weiter beziehen. Solche Optionen kosten lediglich zwei, drei Euro Rente im Alter und sollten vereinbart werden. Bei geförderten Riester- und Rürup-Verträgen stehen solchen Garantien nicht selten die gesetzlichen Vorgaben entgegen: Vor allem die Auszahlung des Kapitals ist kaum möglich – eine garantierte Rente auch nach dem Tode des Versicherten kann für enge Angehörige aber durchaus sinnvoll sein.

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Oliver Mest