Altersvorsorge / 03.02.2020

Arbeitslos – was tun mit der betrieblichen Altersvorsorge?

Sie haben Ihren Job verloren oder Ihnen droht Arbeitslosigkeit? Wir erklären Ihnen, was in diesem Fall mit Ihrer betrieblichen Altersvorsorge passiert und wie Sie bei einem neuen Arbeitgeber fortgeführt werden kann.

Bild zum Thema Arbeitslos – was tun mit der betrieblichen Altersvorsorge? – Mann im Büro am Schreibtisch schaut nachdenklich in die Kamera.

Bei einem drohenden oder schon eingetretenen Jobverlust stellt sich neben vielen anderen Fragen auch die zum Schicksal der Betriebsrente beim (bald) ehemaligen Arbeitgeber. Denn die unverfallbaren Ansprüche sind portabel, können also übertragen und bei einem neuen Arbeitgeber fortgeführt werden.

Was sind unverfallbare Ansprüche?

Als unverfallbar werden alle Ansprüche, auf die der Arbeitnehmer einen Anspruch hat. Das sind vor allem betriebliche Altersvorsorgeleistungen, die er durch Entgeltumwandlung selbst finanziert hat sowie Leistungen des Chefs im gesetzlichen Rahmen.

Bei Versorgungszusagen ab dem 1.1.2018 sind Anwartschaften unverfallbar, wenn

  • der Vorsorgesparer das 21. Lebensjahr vollendet hat und
  • die Versorgungszusage mindestens 3 Jahre bestanden hat.

Bei Versorgungszusagen vor 2018 sind Anwartschaften unverfallbar, wenn

  • der Vorsorgesparer das 25. Lebensjahr vollendet hat und
  • die Versorgungszusage mindestens 5 Jahre bestanden hat.

Bei Arbeitslosigkeit hat der Arbeitnehmer dabei verschiedene Möglichkeiten, mit seinen Ansprüchen umzugehen:

  • Übertragung: Der Vertrag wird nach dem Ende der Arbeitslosigkeit zum neuen Arbeitgeber übertragen und dort nach den bAV-Regeln fortgeführt. Welches Versorgungssystem dort existiert, ob und ggf. wie hoch der Zuschuss des neuen Arbeitgebers ist, muss individuell geklärt werden oder ist Gegenstand einer Betriebsvereinbarung.
  • Beitragsfreistellung: Der bestehende bAV-Vertrag kann auch eingefroren werden - es werden dann keine Beiträge mehr gezahlt, das bis zum Einfrieren erreichte Kapital wird im Alter ausgezahlt oder verrentet.
  • Private Fortführung: Natürlich kann der Arbeitnehmer die Betriebsrente auch privat fortführen und die Beiträge ganz oder teilweise selbst zahlen.
  • Abfindung: Als letzte Möglichkeit besteht innerhalb enger gesetzlicher Grenzen die Option, eine Betriebsrente abzufinden: Die Rentenansprüche werden dann ausgezahlt.

Betriebsrente: Wie gehen Sie bei Arbeitslosigkeit vor?

Aber was spricht nun für und gegen die einzelnen Optionen? Eine Abfindung erscheint oft verlockend, weil gerade bei einer (drohenden) Arbeitslosigkeit die Aussicht auf zusätzliches Kapital verlockend ist, um den Einkommensverlust auszugleichen. Allerdings zählen die versilberten Rentenansprüche zum Vermögen und schließen ggf. Hartz-4-Leistungen aus. Nicht ausgezahlte bAV-Ansprüche dagegen werden bei der Berechnung von Hartz-4-Leistungen nicht mit einbezogen.

Ein Fortführen des Vertrags auf eigene Kosten ist meist möglich – aber selten wirtschaftlich sinnvoll. Denn Sie müssen die Beiträge aus Ihrem Nettoeinkommen aufbringen, gerade bei Arbeitslosigkeit ist der finanzielle Rahmen aber oft begrenzt. Sinnvoll dürfte es in aller Regel sein, den Vertrag erst einmal beitragsfrei zu stellen – so verlieren Sie keine aufgebauten Ansprüche und profitieren im Alter von den Rentenansprüchen.

Nutzen Sie die Portabilität Ihrer betrieblichen Altersvorsorge

Sie können dann auch nach dem Ende der Arbeitslosigkeit entscheiden, ob Sie den bestehenden Vertrag zum neuen Arbeitgeber portieren wollen oder lieber das – wenn vorhanden – dortige Versorgungssystem nutzen möchten. Die Voraussetzungen für eine Übernahme regelt das Betriebsrentengesetz, Voraussetzung für einen Anspruch auf eine steuerunschädliche Übertragung sind folgende Merkmale:

  • Die Betriebsrente wurde ab 2005 zugesagt
  • Die betriebliche Altersvorsorge wird über eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds durchgeführt.
  • Die Übertragung wird innerhalb eines Jahres nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses beantragt.
  • Der Übertragungswert übersteigt nicht die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung.

Unabhängig von diesen Vorgaben kann der bestehende Vertrag auch ansonsten mit Zustimmung des neuen Arbeitgebers übertragen werden. Ob die Übernahme tatsächlich sinnvoll ist oder der Vertrag mit einem Einkommen im Rücken dann privat fortgeführt wird, lässt sich erst klären, wenn Sie einen neuen Job haben. Es spricht im Übrigen auch nichts dagegen, zwei oder mehrere betriebliche Vorsorgeverträge laufen zu lassen – Sie bekommen dann mehrere Renten aus verschiedenen Versorgungszusagen.

Weitere Informationen zum Thema

Informationsseite über „Betriebliche Altersvorsorge beim Jobwechsel“ auf Ihre Vorsorge

Autorenbild

Autor

Oliver Mest