Aktuell beleuchtet / 20.11.2017

Arbeitszeitverkürzung vor dem Ruhestand: Schadet das bei der Rente?

Lange voll arbeiten – und dann mit einem Schlag aufhören? Von 100 auf Null? Manche stellen sich den Wechsel in den Ruhestand genau so vor. Andere würden lieber über eine Teilzeitbeschäftigung in den Ruhestand gleiten. Doch welche Folgen hätte die Arbeitszeitverkürzung für die Rente? Wer aus dem Job gleitet, verdient schließlich auch weniger...

Gärtner mit Blumenerde im Gewächshaus. Bild: F1online © Dreet Production Mito Images

Betriebsrente: Unternehmen haben Spielraum – letztes Einkommen zählt oft

Bei den Betriebsrenten sind einige Rahmenbedingungen gesetzlich festgezurrt. Diese findet man im Betriebsrentengesetz (BetrAVG). Doch die Betriebe haben bei der Ausgestaltung der Betriebsrenten einen großen Spielraum, viele Details sind nicht gesetzlich, sondern in betrieblichen Versorgungsordnungen geregelt. Gegebenenfalls entscheiden die Arbeitsgerichte darüber, ob diese betrieblichen Regeln sich im Rahmen des Erlaubten bewegen.

Mit den Auswirkungen einer Arbeitszeitverkürzung in den letzten Beschäftigungsjahren beschäftigte sich zuletzt das Landesarbeitsgericht (LAG) Nürnberg. Es ging um einen ehemaligen Ausbildungsberater, der vom Oktober 1980 bis Februar 2004 Vollzeit und anschießend bis August 2012 in 50-prozentiger Teilzeit beschäftigt war. Gut drei Viertel der Beschäftigungszeit war er damit vollzeitbeschäftigt. Bezogen auf die gesamte Dauer der Betriebszugehörigkeit kam er auf einen Beschäftigungsgrad von knapp 87 Prozent einer Vollzeitbeschäftigung. Als er dann schließlich eine Betriebsrente erhielt, musste er feststellen, dass sich diese nach dem niedrigeren Gehalt der letzten drei Beschäftigungsjahre richtete. Er bekam als Betriebsrente zuletzt brutto 978,50 Euro monatlich. Wäre seine durchschnittliche Arbeitszeit bei der Rentenberechnung berücksichtigt worden, so hätte er monatlich brutto 1.387,54 Euro erhalten – also gut 400 Euro mehr.

Klage abgewiesen: Höhe war vertraglich geregelt

Seine Klage hiergegen wurde vom LAG abgewiesen. Dieses Verfahren zur Berechnung der Betriebsrente war in der Versorgungsordnung des Betriebs festgeschrieben und wurde vom LAG nicht beanstandet. Dass die Rente von der Höhe der Einkünfte der letzten 36 Monate abhängig gemacht werde, diene der Vermeidung einer „planwidrigen Überversorgung“. Gemeint ist damit: So wird vermieden, dass die Betroffenen als Rentner ein höheres Einkommen haben als in den letzten Beschäftigungsjahren. Das Gericht befand zudem, der Arbeitgeber sei nicht verpflichtet gewesen, den Beschäftigten über die negativen Folgen der Arbeitszeitverkürzung für die Rente zu informieren (Aktenzeichen 3 Sa 249/15).

Ähnlich hatte im Januar 2014 bereits das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschieden (Aktenzeichen 3 AZR 807/11). Es befand, Arbeitnehmer müssen bezüglich ihrer Ansprüche bei der betrieblichen Altersversorgung beim Arbeitgeber nachhaken und sich selbst informieren.

Ein erstes Fazit: Drastische Folgen einer Arbeitszeitverkürzung kurz vor der Rente sind durch den Gesetzgeber nicht vorgeschrieben, aber möglich. Es kommt auf die jeweiligen betrieblichen Regeln an.

Gesetzliche Rente: Weniger Einkommen heißt weniger Rente - aber nicht erst kurz vor Renteneintritt

Anders als bei der Betriebsrente sind bei der gesetzlichen Rente die Regeln zur Berechnung des Altersruhegeldes genau festgezurrt. Spielräume gibt es dabei nicht. Grundsätzlich gilt danach: Wie viel ein Beschäftigungsjahr für die spätere Rente wert ist, hängt von der Höhe des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts ab. Dieses wird jeweils ins Verhältnis gesetzt zum Durchschnittsverdienst aller Rentenversicherten.

Ein Beispiel: 2017 liegt das (vorläufige) jährliche Durchschnittsentgelt aller Versicherten bei 37.103 Euro. Wer in diesem Jahr monatlich 2.000 Euro brutto verdient (aufs Jahr gesehen also 24.000 Euro), erzielt genau 64,7 Prozent des Durchschnittsentgelts. Anders ausgedrückt: Damit erwirbt der Betroffene 0,647 Entgeltpunkte. Wie hoch die spätere Rente ausfällt, hängt davon ab, wie viele Entgeltpunkte man im Laufe seines Arbeitslebens zusammenbekommt. Ob die Entgeltpunkte im ersten Beschäftigungsjahr, in der Mitte des Arbeitslebens oder an dessen Ende erworben wurden, spielt keinerlei Rolle. Natürlich wirkt sich eine Arbeitszeitverkürzung am Ende des Arbeitslebens auf die Rente aus, aber nicht mehr als ein Wechsel in Teilzeit etwa zwischen dem 40. und 45. Geburtstag.

Auf die Entgeltpunkte kommt es an

Hierzu ein einfaches Beispiel: Ein 1958 geborener Arbeitnehmer war erstmals mit 20 sozialversicherungspflichtig beschäftigt und erzielt bis zum 60. Geburtstag im Schnitt immer in etwa ein durchschnittliches Einkommen. Er hat damit insgesamt 40 Entgeltpunkte erworben. Würde er bis zu seinem regulären Rentenalter, das bei ihm schon bei 66 Jahren liegt, voll weiterarbeiten, käme er auf insgesamt 46 Entgeltpunkte. Halbiert er nun in den sechs Jahren zwischen 60 und 66 seine Arbeitszeit, so käme er stattdessen auf zusätzliche drei Entgeltpunkte, insgesamt also auf 43 Entgeltpunkte. Sein Rentenanspruch würde sich damit gegenüber einer Vollzeitbeschäftigung um drei Entgeltpunkte oder – in Prozent ausgedrückt – um 6,5 Prozent mindern. Ein Entgeltpunkt hat derzeit in den alten Bundesländern einen Wert von 31,03 Euro.

Das bedeutet: Ohne Arbeitszeitverkürzung könnte der Betroffene damit derzeit mit einer Rente in Höhe von 1.427,38 Euro rechnen. Mit Arbeitszeitverkürzung wären es nur 1.334,29 Euro. Es geht also um ein Minus in Höhe von gut 93 Euro. In den neuen Bundesländern sieht die Rechnung ganz ähnlich aus. Weit geringer fällt das Minus aus, wenn Arbeitnehmer mit ihrem Arbeitgeber eine Altersteilzeit vereinbaren. Denn dann zahlt der Arbeitgeber in der Altersteilzeit zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse ein.

Fazit: Auswirkungen vor allem bei Betriebsrente möglich

Die Folgen einer Arbeitszeitverkürzung in den letzten Jahren vor dem Ruhestand, halten sich bei der gesetzlichen Rente in engen Grenzen. Wer die Auswirkungen in seinem konkreten Fall kalkulieren möchte, sollte hierzu einen Termin bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der deutschen Rentenversicherung vereinbaren (Zur Online-Terminvergabe).

Weniger sicher sind die Auswirkungen auf die Betriebsrente. Vor einer Reduzierung der Arbeitszeit oder einem Antrag auf Altersteilzeit sollten sich Arbeitnehmer über genau informieren, was hierzu in der betrieblichen Versorgungsordnung geregelt ist.  Mehr zur betrieblichen Altersvorsorge in unserem Themenschwerpunkt.

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Autor

Rolf Winkel