Nachgefragt / 03.07.2012

Aus und vorbei

Jahrelang hat ein Vorsorgesparer sein Geld in einen Investmentfonds angelegt. Doch nun liest er in der Zeitung: Der Fonds, an dem er Anteile hält, wird geschlossen. Wehren kann er sich nicht, aber seine Verluste begrenzen.

Meeting zur Finanzauswertung – Bildnachweis: shutterstock.com © everything possible

Dr. Ralf Scherfling ist Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale NRW und Leiter des Internetportals finanzwissen.de. Im Interview mit ihre-vorsorge.de erklärt er, wie Sparer bei einer Fondsschließung richtig reagieren und welche steuerlichen Aspekte zu berücksichtigen sind.

Was sind die Gründe für die Auflösung eines Aktienfonds?

Dr. Ralf Scherfling: Investmentgesellschaften können die Verwaltung eines Fonds jederzeit kündigen. Nach Ablauf der Kündigungsfrist wird der Fonds dann von der Depotbank abgewickelt, also aufgelöst. Meist sind hier Minifonds mit einem eher geringen Volumen betroffen. Denn wenn ein Fonds kaum Geld einsammelt, lohnt er sich für eine Gesellschaft nach geraumer Zeit nicht mehr. Die Kosten für das Management und die Verwaltung sind dann im Verhältnis zu hoch, das Ganze wird für die Gesellschaft unrentabel.

Wie erfährt der Anleger, dass sein Fonds vom Markt genommen wird und kann er sich gegen die Schließung wehren?

Dr. Ralf Scherfling: Der Ärger ist natürlich verständlich, wenn der Sparer erfährt, dass sein Fonds vor dem Aus steht. Eine Chance, das Ganze zu verhindern, hat der Anleger jedoch nicht. Nach dem Investmentgesetz muss die Fondsgesellschaft die Liquidierung oder Fusion mit einem anderen Fonds unter Einhaltung der Kündigungsfrist im elektronischen Bundesanzeiger sowie im Jahres- oder Halbjahresbericht bekannt geben. Direkt informiert werden muss der Sparer aber nicht. Es gehört zwar zu einem guten Service, die Kunden rasch über die Auflösung in Kenntnis zu setzen. Doch theoretisch kann der Anleger auch erst aus der Zeitung oder dem Internet erfahren, dass sein Fonds vom Markt verschwindet.

Neben dem Ärger kommt noch die Angst ums investierte Vermögen hinzu. Welche finanziellen Folgen hat die Auflösung eines Investmentfonds für den Anleger? Droht ihm durch die Abwicklung gar ein Totalverlust?

Dr. Ralf Scherfling: Wird ein Investmentfonds geschlossen, verkauft der Manager die Aktien, Anleihen und sonstigen Vermögenswerte des Fonds. Der Erlös wird dann an die Anteilseigner ausgeschüttet. Einen Totalverlust müssen Sparer also nicht befürchten. Hat der Fonds allerdings wegen eines Kursrutsches an der Börse Verluste eingefahren, erhält der Anleger unter Umständen weniger raus, als er vorab einbezahlt hat.

Welche steuerlichen Aspekte muss der Anleger beachten?

Dr. Ralf Scherfling: Interessant ist dabei der Zeitpunkt der Investition. Bei Anteilen, die bis Ende 2008 gekauft wurden, ist ein möglicher Kursgewinn steuerfrei. Kurszuwächse für Anlagen ab 2009 werden mit 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätsbeitrag und gegebenenfalls Kirchensteuer belegt.

Manchmal bekommt der Kunde einen kostenlosen Umtausch in einen anderen Fonds der Gesellschaft angeboten. Ist ein solches Angebot sinnvoll?

Dr. Ralf Scherfling: Tatsächlich bieten Fondsgesellschaften gerne eine Ersatzfonds an, zu dem der Kunde unter Umständen ohne Ausgabeaufschlag wechseln kann. Manchmal planen die Gesellschaften auch die Verschmelzung mehrerer Fonds. Ob Ersatzfonds oder Fusion – blind sollte der Sparer das Angebot jedoch nicht akzeptieren. Stattdessen bedarf es eines genauen Blicks unter anderem auf die Fondsgröße, Anlagestrategie sowie die Gebühren. Sollte ein Umtauschangebot kommen mit dem Hinweis, dass steuerfreie Altbestände Bestandsschutz genießen, sollte man dies auf jeden Fall vorab von seinem Steuerberater überprüfen lassen. Noch besser ist es, sich die „Steuerfreiheit“ vom Finanzamt schriftlich bestätigen zu lassen.

Derzeit sorgen bei den Anlegern vor allem offene Immobilienfonds für Unruhe. Jahrelange galt die Anlage als sicher, nun wurden einige Fonds vorübergehend geschlossen, andere stehen gar ganz vor dem Aus. Was sind offene Immobilienfonds und wie konnte es zu

Dr. Ralf Scherfling: Diese Fonds geben Sparern die Möglichkeit, sich mit kleinen Beträgen an Immobilien zu beteiligen. Die Anteile können in jeder beliebigen Menge gezeichnet und bei Bedarf an die Fondsgesellschaft zurückgegeben werden. Schwierigkeiten bekommen die Fonds, wenn viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile abstoßen wollen und die Barreserven des Fonds nicht ausreichen. In einem solchen Fall kann der Fonds vorübergehend geschlossen werden. Dies stellt eine gewisse Schutzfunktion dar, denn ohne diese Maßnahme wären die Manager unter Umständen zu Notverkäufen von Gebäuden unter deren Wert gezwungen – was dann erst Recht zu Kursverlusten führen könnte.

Wie sollten betroffene Anleger jetzt handeln?

Ralf Scherfling: Anleger, deren Geld derzeit in eingefrorenen oder sogar liquidierten Fonds steckt, haben die Wahl: Die Anteile behalten und abwarten oder über die Börse verkaufen. Wer sich für letzteres entscheidet – beispielsweise, weil er dringend Geld benötigt – muss allerdings mit deutlichen Verlusten rechnen. Bei vorübergehend geschlossenen Fonds erfolgt nach neuer Rechtslage spätestens nach 30 Monaten die Abwicklung, wenn der Fonds dann immer noch nicht wieder öffnet. Dies bedeutet, dass die Fondsmanager die vorhandenen Immobilien verkaufen und die Anleger nach und nach auszahlen. Wie hoch der Verkaufserlös aber letztlich ausfällt, kann heute niemand vorhersagen.

Der Fonds schließt – wohin nun mit dem ausbezahlten Geld? Welche Punkte sollen Sparer bei der Wiederanlage beachten, wenn sie fürs Alter vorsorgen wollen?

Dr. Ralf Scherfling: Eine Fondsschließung ist eine gute Gelegenheit, einen Anlagecheck vorzunehmen. Entspricht diese Art der Geldanlage immer noch der ursprünglichen Anlageidee? Ist eine Umschichtung sinnvoll? Für die Altersvorsorge gilt dabei als Faustregel: Jüngere Sparer können durchaus mit einem Teil Ihres Vermögens auf chancenreichere Investments wie Aktienfonds setzen, wenn sie die damit verbundenen Risiken eingehen können und wollen. Mit steigendem Alter wird hingegen die Sicherheit der Anlage immer wichtiger. Ob Aktien, Aktienfonds, festverzinsliche Anlagen, Mischvarianten oder Immobilien die richtige Strategie für den Ruhestand, hängt dabei auch von der individuellen Lebenssituation und der Risikoneigung ab. Für jeden gilt jedoch: Ins Depot sollten nur Produkte, die man auch versteht.

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    Das Finanzportal der Verbraucherzentrale befasst sich intensiv mit dem Thema „Fondsschließung“ und bietet über ein Forum die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
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