Altersvorsorge / 11.06.2019

Berufsunfähigkeitsversicherung noch vor Ausbildungsbeginn abschließen

Wer als Schüler noch vor Ausbildungsbeginn eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, kann bares Geld sparen, und zwar ein Leben lang. Erfahren Sie mehr über die Kosten und worauf Sie beim Abschluss achten sollten.

Bild zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung noch vor der Ausbildung: Jugendlicher Schüler und Schülerin stehen Rücken an Rücken vor einer Tafel in einem Klassenzimmer.

Inhalt

Berufsunfähigkeitsversicherung: Früher Abschluss spart bares Geld

Die Sommerferien und der anschließenden Ausbildungsbeginn sind in Sicht? Dann ist es schon jetzt eine gute Idee, sich mit der Sicherung der Arbeitskraft zu beschäftigen. Warum das sinnvoll ist? Wer sich jetzt als Schüler versichert, spart – je nach gewähltem Ausbildungsberuf – bares Geld. Im gesamten Leben sind das einige tausend Euro. Bei den meisten Versicherungen ist der Abschluss einer BU-Versicherung noch bis Anfang Juli möglich.

So viel kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung
Versichert als ... Beitrag mtl. Mehrbeitrag über Laufzeit
Schüler 55,33 Euro
Tischler 92,39 Euro + 22.236 Euro
Fachmann für System­gastronomie 71,66 Euro + 9.798 Euro
Straßenbauer 155,29 Euro + 59.556 Euro
Schüler, 17 Jahre, Realschulabschluss, 1.000 euro Rente bis 67 Jahre, Top-Versicherer, angegeben ist der Zahlbetrag.

Je nach gewähltem Ausbildungsgang bewegt sich das Sparpotenzial also durchaus in einem relevanten Bereich. Als Grundsatz gilt: Je körperlicher die Tätigkeit in der Ausbildung und im späteren Job, umso lohnender der rechtzeitige Abschluss, weil der Schutz sonst fast unbezahlbar wird. Es gibt auch Berufsgruppen, die günstiger sind - etwa bei reinen Bürotätigkeiten, wo der Monatsbeitrag im Bereich von 40 bis 50 Euro liegt. Trotzdem kann der Abschluss jetzt sinnvoll sein, um einen guten Gesundheitszustand so schnell wie möglich “einzufrieren” und dauerhaft zu sichern. Und viele Versicherer sehen die Möglichkeit einer Günstigerprüfung vor: Eine bessere Berufsgruppe im tatsächlich ausgeübten Beruf führt dann zu einem günstigeren Beitrag.

Gesundheitsfragen entscheiden über die Höhe der Beiträge

Zunächst erscheint es abwegig, den Gesundheitszustand eines Schulabgängers sichern zu wollen. Immerhin sind schwere Erkrankungen in dem Alter eher selten. Tatsächlich sind es eher die vermeintlich kleinen gesundheitlichen Einschränkungen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung schwer bis gar nicht mehr erreichbar machen können. Dazu zählen z. B.

  • Sportverletzungen wie Bänderrisse beim Fußball spielen,
  • kleine Sportunfälle, etwa beim Klettern,
  • Allergien im Sommer oder
  • Rückenschmerzen in einer anstrengenden Arbeitsphase.

Schon kleinere Wehwehchen können sich bei genauerem Blick auf die Diagnose des Arztes als gravierend herausstellen, wenn der Arzt bei Rückenschmerzen eine Skoliose diagnostiziert. BU-Schutz ist dann meist nur noch mit hohen Aufschlägen oder Risikoausschlüssen versicherbar – oft auch gar nicht mehr.

Welche Vorerkrankungen angeben?

Eltern sollten bei Vorerkrankungen genau hinsehen und Einblick in die Unterlagen des Hausarztes nehmen oder bei der Krankenkasse eine Patientenquittung abfordern. Aus diesen Unterlagen geht hervor, welche Diagnosen der Arzt in den letzten Jahren gestellt hat. So wissen Eltern, welche Vorerkrankungen anzugeben sind und können Falschdiagnosen noch korrigieren lassen. Ohne Einsicht in die Unterlagen besteht die Gefahr, dass Diagnosen dem Versicherten Jahre später auf die Füße fallen, wenn tatsächlich Leistungen beantragt werden.

Vertragsbedingungen beachten: Nachversicherungsgarantie einschließen

Wie bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Angestellte oder Selbstständige sind die Vertragsbedingungen auch bei Schülern und angehenden Auszubildenden entscheidend für die Qualität des Schutzes. Vor allem sollte der Vertrag eine umfassende Nachversicherungsgarantie vorsehen, um die heute versicherte Rente später einmal anpassen zu können. Schülern werden meist mit 1.000 Euro Monatsrente versichert.

Wichtig ist dabei, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht nur auf die Gesundheitsprüfung verzichtet, wenn die Nachversicherungsoption gezogen werden soll, sondern ganz und gar auf eine umfassende Risikoprüfung, weil sonst der dann ausgeübte Beruf oder ein riskanteres Hobby zu deutlich höheren Beiträgen führen kann

Vor allem aber sollte darauf geachtet werden, dass die Rente ausreichend nach oben angepasst werden kann – am besten auf eine Jahresrente von mindestens 30.000 Euro. Entscheidend sind auch die sogenannten Auslöser der Nachversicherung: Meist ist ein Katalog von Lebensereignissen vorgesehen, die ein Nachversicherungsrecht begründen, das sind unter anderem:

  • Heirat oder Begründung einer Lebenspartnerschaft der versicherten Person
  • Geburt oder Adoption eines Kindes
  • Erwerb einer selbst genutzten Immobilie
  • Erhöhung des Einkommens der versicherten Person um einen bestimmten Prozentsatz bzw. Erreichen und Überschreiten einer bestimmte Bemessungsgrenze
  • Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit durch die versicherte Person.

Oft sehen die Policen in den ersten 5 bis 8 Vertragsjahren auch eine anlassunabhängige Nachversicherung vor, die die Anpassung der versicherten Rente ganz ohne Anlass erlaubt.

Versicherungen und Versicherungsschutz vergleichen

Natürlich sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung auf eine abstrakte Verweisung verzichten und während der Ausbildung sicherstellen, dass der später einmal angestrebte Beruf versichert ist und nicht nur die allgemeine Fähigkeit, irgendeine Ausbildung zu absolvieren.

Aber auch bei anderen Merkmalen lohnt es sich, genau hinzuschauen: Manche Versicherer schließen die Rentenleistung aus, wenn eine vorsätzlich begangene Straftat im Straßenverkehr Ursache der Beufsunfähigkeit ist., während Bei vielen Versicherern ist der Schutz bei einer grob fahrlässig begangenen Tat mit eingeschlossen.

In der Praxis sind die Übergänge zwischen Vorsatz und grober Fahrlässigkeit unscharf und so entscheidet vielleicht ein Verkehrsrichter, ob ein Rentenanspruch besteht. Besser ist es allemal, wenn die Vorsatztaten grundsätzlich mit eingeschlossen sind.

Der Verzicht auf zeitlich befristete Anerkenntnisse ist ebenfalls ein Stolperstein: Verzichtet der Versicherer nicht, kann er eine Rente erst einmal für 12 oder 24 Monate bewilligen und die Rentenzahlung dann auslaufen lassen.

Die Folge: Der Versicherte muss erneut einen Antrag stellen, um die Versicherungsleistung zu bekommen. Verzichten die Versicherer auf eine Befristung, müssen sie selbst die Rentenzahlung einstellen und das auch begründen. Das ist für Berufsunfähige eine deutlich bessere Regelung.

Weitere Informationen

Versicherungen – Berufsunfähigkeitsversicherung
Warum eine BU-Versicherung wichtig ist, was sie absichert und wer sie braucht.

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Autor

Oliver Mest