Rente / 16.06.2021

Demografischer Wandel wirft seine Schatten voraus

Neue Zahlen der Rentenversicherung: 18,5 Millionen Menschen bezogen 2020 eine gesetzliche Altersrente – drei Millionen mehr als vor 20 Jahren.

Bild zum Beitrag "Demografischer Wandel wirft erste Schatten voraus": Das Bild zeigt einen älteren Mann im Vordergrund vor einer Menschengruppe, die dahinter steht.

Berlin (sth). Immer mehr Menschen der sogenannten Babyboomer-Generation in Deutschland werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand treten – und dann im Schnitt mindestens 20 Jahre lang eine Rente beziehen. Aktuelle Anzeichen dieser Entwicklung, die für die jüngere Generation der Beschäftigten, die Unternehmen und den Staat in den kommenden Jahrzehnten eine erhebliche Herausforderung darstellen, gehen aus am Dienstag veröffentlichten neuen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervor. Demnach ist die Zahl der Bezieher einer gesetzlichen Altersrente im vergangenen Jahr auf knapp 18,5 Millionen gestiegen. Das waren fast exakt 100.000 Rentnerinnen und Rentner mehr als ein Jahr zuvor – und rund drei Millionen mehr als zur Jahrtausendwende.

Die größte Gruppe unter den sogenannten Bestandsrentnern stellen – wie seit Jahrzehnten – die knapp 7,7 Millionen Empfängerinnen und Empfänger einer Regelaltersrente dar. Diese Rente steht Frauen und Männern zu, die weniger als 35 Versicherungsjahre durch Erwerbsarbeit, Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen in der Rentenversicherung erworben haben. Auch Zuwanderer, die in Deutschland oder in ihren Herkunftsländern relativ wenige Erwerbsjahre oder Zeiten für die Familie zurückgelegt haben, erhalten ab ihrer Altersgrenze eine Regelaltersrente. Diese – kurzen – Versicherungsbiografien schlagen sich auch in der vergleichsweise geringen Rentenhöhe nieder: Durchschnittlich kassierten Frauen 2020 eine monatliche Netto-Regelaltersrente von 563 Euro, Männer mit knapp 893 Euro dagegen fast 330 Euro mehr.  

Rentenbestand 2020: Zahl der Bezieher einer Altersrente

Zahl der Altersrenten für Frauen und nach Altersteilzeit sinkt langsam

Die Bedeutung der anderen Wege zur Altersrente ändert sich nur langsam. So nimmt die Altersrente für Frauen, die für nach 1951 geborene Beschäftigte nicht mehr erhältlich ist, in der Rangliste der beliebtesten Ruhestandsbezüge mit 3,32 Millionen noch immer mit Abstand vor den weiteren Renten Platz 2 ein. Dahinter folgen 

  • die Altersrente für langjährig Versicherte (2,12 Millionen)
  • die Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit (1,84 Millionen) – für nach 1951 geborene Beschäftigte ebenfalls nicht mehr zugänglich
  • die Altersrente für schwerbehinderte Menschen (1,82 Millionen) und 
  • die Altersrente für besonders langjährig Versicherte (1,65 Millionen).

Bemerkenswert ist der schnelle "Siegeszug" der Altersrente für besonders langjährig Versicherte in den vergangenen Jahren. Nach der frühen Reform dieser erst 2012 neu eingeführten Rente zur Jahresmitte 2014 traten ab 2015 jedes Jahr etwa eine Viertelmillion Beschäftigte auf diesem Weg in den Ruhestand. Angesichts der seit einigen Jahren stark rückläufigen Zahl neuer Altersrenten für schwerbehinderte Menschen dürfte die vor Jahren als "Rente mit 63" bekannt gewordene Altersrente für besonders langjährig Versicherte schon in naher Zukunft Platz 3 unter den jetzt noch vier Wegen in die Rente einnehmen.     

Rentenbestand 2020: Durchschnittliche Höhe der Altersrente in Euro

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Autor

Stefan Thissen