Altersvorsorge / 29.03.2021

Der Börsen-Hype um Wasserstoff

Viele Anleger in Deutschland setzen auf Wasserstoff-Aktien – und hoffen auf prächtige Gewinne an der Börse. Die Risiken sind hoch, lassen sich aber zumindest etwas begrenzen.

Der Börsen-Hype um Wasserstoff. – Wasserstoff und erneuerbare Energien auf Wind und Sonne.

Inhalt

Warum Wasserstoff-Aktien boomen

Wasserstoff, erzeugt mit Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind, könnte einen entscheidenden Beitrag im Kampf gegen die Klimazerstörung leisten. „Grüner Wasserstoff ist das Erdöl von morgen. Der flexible Energieträger ist unverzichtbar für die Energiewende und eröffnet uns neue Märkte“, sagt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

Die Bundesregierung setzt, genauso wie etwa Japan, China, USA oder Frankreich, auf Wasserstoff als wichtigen Energieträger des 21. Jahrhunderts. Mit Wasserstoff lässt sich regenerative Energie speichern und transportieren. Der Stahl-, Chemie- und Zementindustrie kann das „grüne Öl des 21. Jahrhunderts“ helfen, die CO2-Emissionen zu drücken. Die Unternehmensberatung McKinsey beziffert in einem Gutachten für den deutschen Wasserstoff-Rat den weltweiten Markt für die Technologie auf 2,5 Billionen Dollar jährlich in 30 Jahren. Die ersten Züge, Lkw, Busse oder Schiffe, deren Antrieb mit Wasserstoff läuft, sind mittlerweile im Regelbetrieb im Einsatz.

Kein Wunder, dass deshalb auch Anleger auf das große Geschäft mit Aktien von Unternehmen hoffen, die vom möglichen Wasserstoff-Boom profitieren könnten. Aktien aus der Wasserstoff-Branche wie die von Ballard Power, Plug Power oder Fuel Cell Energy gehören mittlerweile sogar zu den Lieblingen der Privatanleger in Deutschland.

Worauf Wasserstoff-Investoren hoffen

Wasserstoff-Aktien schwanken enorm. An einem Handelstag können die Kurse um mehr als zehn Prozent steigen oder fallen. 2020 waren Kurssteigerungen von mehreren hundert Prozent möglich. Es kann aber auch, wie vor kurzem im Februar, innerhalb weniger Wochen Kursverluste von 30 Prozent und mehr geben. Manche Anleger setzen deshalb aufs richtige Timing und versuchen Kursgewinne kurzfristig durch den Verkauf von Papieren sicherzustellen, was meist reine Glückssache ist.

Andere versuchen die Achterbahnfahrt der Aktien mental auszuhalten und hoffen auf das Aktiengeschäft ihres Lebens. Motto: Vielleicht erwische ich ja die Tesla-, Amazon-. oder Apple-Aktie der Wasserstoffbranche und habe dann in zehn, 15 oder 20 Jahren ein schönes Polster für die zusätzliche Altersvorsorge. Nämlich dann, wenn ich die Aktien mit Kursgewinnen von mehreren zehntausend oder sogar hunderttausend Prozent verkaufen kann.

Warum Anleger sehr vorsichtig sein sollten

Der Hype um Wasserstoff-Aktien erinnert an den untergegangenen Neuen Markt der Deutschen Börse zur Jahrtausendwende. Damals verloren viele Anleger viele Millionen mit jungen Firmen aus der Internetbranche, die sich als Luftnummer entpuppten und nie ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln konnten. Auch jetzt erwirtschaften noch etliche Wasserstoff-Firmen hohe Verluste. Keiner kann garantieren, dass sich die Technologie wirklich durchsetzt. Und keiner weiß, ob die jetzt gefragten Unternehmen in 10, 15 oder 20 Jahren zu den Marktführern gehören werden oder ob sie in der Versenkung verschwinden wie Solarworld, einst das deutsche Vorzeigeunternehmen der Solarbranche.

Was das für die Anlagestrategie bedeutet

  • Wasserstoff sollte in einem Wertpapierdepot, wenn überhaupt, nur eine Beimischung sein, von vielleicht fünf oder höchstens zehn Prozent des Portfolios, und das auch nur für Anleger mit starken Nerven, für die Sicherheit nicht an erster Stelle steht.
  • Man sollte einen langen Atem haben, das investierte Geld nicht unbedingt zu einem bestimmten Zeitpunkt brauchen und viele Jahre Geduld mitbringen, um von einer möglichen langfristig positiven Kursentwicklung profitieren zu können.
  • Der Kauf von einzelnen Aktien ist hochriskant. Wer hingegen in Indexfonds (ETF), Zertifikate oder Fonds investiert, die auf Wasserstoff setzen, kann zumindest sein Risiko auf Dutzende Aktien verteilen. Vorher sollte man sich aber gut darüber informieren, was in solchen Produkten drinsteckt und ob das zu den eigenen Anlagebedürfnissen passt.

Risiko reduzieren: Aktienfonds mit Wasserstoff

Seit Mitte Dezember 2020 gibt es den ersten gemanagten Aktienfonds (GG Wasserstoff, ISIN: DE000A2QDR59; jährliche Gesamtkosten: 2,34 Prozent), der ausschließlich auf Wasserstoff-Firmen setzt.

Seit Anfang 2021 wird auch ein reiner Wasserstoff-ETF angeboten, der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (IE00BMYDM794; laufende Kosten: 0.49 Prozent).

Schon länger auf dem Markt sind Zertifikate, die die Entwicklung bestimmter Wasserstoffindizes nachbilden, etwa von Morgan Stanley (DE000MA0LP24), Vontobel (DE000VP2HYDO) oder der Hypo-Vereinsbank (DE000HVB5H27).

Tipp:

Anlegern, die ein Engagement nur in Wasserstoff zu riskant oder zu speziell ist, sollten auf breiter angelegte Fonds oder ETFs für erneuerbare Energien setzen.


Autor

Robert Thiel