Aktuell beleuchtet / 10.12.2018

Die 5 wichtigsten Versicherungen für Ihre Familie

Wir sagen Ihnen, welche Versicherungen für Ihre Familie wirklich wichtig sind, welche sinnvoll sein können und auf welche Sie getrost verzichten können.

Junges Paar wird zuhause von einem Finanzexperten beraten. – Bildnachweis: f1online.de © Sarah Kastner Westend61

Wenn das Schicksal zuschlägt, kann es Familien hart treffen: Todesfälle belasten Familien auch finanziell, Unfälle ziehen hohe Belastungen nach sich. Für alle diese Fälle sollte Vorsorge getroffen werden, damit Sie nach einem Unglücksfall nicht vor unerwarteten Problemen stehen. Hier erfahren Sie, welche Versicherungen Sie wirklich brauchen – und auf welche Sie verzichten können.

Diese Versicherungen sind ein Muss

1. Krankenversicherung

Krankenschutz ist in Deutschland gesetzlich verpflichtend – und natürlich müssen auch alle Familienmitglieder krankenversichert sein. Ob das im Rahmen der GKV oder über eine private Krankenversicherung vorgenommen wird, bleibt im Rahmen der gesetzlichen Regelungen jedem selbst überlassen.

Wichtig ist dabei vor allem, im Ausland gut versichert zu sein – etwa im Urlaub. GKV-Versicherte genießen in Europa bestenfalls rudimentären Schutz im Rahmen von Sozialversicherungsabkommen, außerhalb Europas greift die gesetzliche Absicherung der Krankenkassen gar nicht. Sinnvoll ist deshalb eine Auslandskrankenversicherung, die auch für den Rücktransport sorgt.

Fazit: Krankenschutz ist natürlich ein Muss für Familien – und eine Auslandskrankenversicherung bei Auslandsreisen mindestens empfehlenswert, eigentlich ein Muss.

2. Berufsunfähigkeitsversicherung

Ihr größtes Kapital wird – wie bei den meisten anderen Menschen auch – die Arbeitskraft sein. Grund genug also, dieses Vermögen ausreichend zu versichern. Im Idealfall geschieht das mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung, die Ihnen eine monatliche Rente zahlt, wenn Sie nicht mehr arbeiten können.

Diese Monatsrente sollte mindestens 60 Prozent des letzten Nettoeinkommens ausmachen – im Idealfall sichern Sie sich einen Vertrag, der Ihnen mit einer Nachversicherungsgarantie die Möglichkeit gibt, die Rente im Laufe des Lebens anzupassen, wenn die Lebensumstände das erfordern – zum Beispiel nach einer Hochzeit.

Fazit: Ihre Arbeitskraft wird oft ein Millionenvermögen wert sein – das muss abgesichert werden!

3. Risikolebensversicherung

Die Risikolebensversicherung ist der wichtigste Baustein der finanziellen Absicherung für die Familie. Beim Tod des Hauptverdieners ist die Lebensversicherung der Einkommensersatz, stirbt derjenige, der sich bisher um die Kinder gekümmert hat, ist eine Risikolebensversicherung ein Rettungsanker: Denn es kommen zusätzliche Kosten für die Kinderbetreuung auf die Familie zu – und diese Kosten können aus der Versicherungssumme finanziert werden.

Fazit: Stirbt ein Elternteil oder sterben gar beide, müssen vor allem kleine Kinder finanziell abgesichert sein, damit die Ausbildung und die Entwicklung des Nachwuchses nicht unter dem Eindruck finanzieller Sorgen stehen.

Grundsätzlich sollten Sie das vier- bis fünffache Brutto-Jahresgehalt als Versicherungssumme der Risikolebensversicherung wählen, damit der Schutz ausreichend ist.

Wenn Sie eine Immobilie kaufen, ist die Risikolebensversicherung wichtig, um den Kredit abzusichern und die Ratenzahlungen weiter zu gewährleisten.

4. Private Haftpflichtversicherung

„Eltern haften für Ihre Kinder“ – dieser zum geflügelten Wort avancierte Satz wird dadurch nicht richtiger, dass er ständig weitergetragen wird. Tatsache ist nämlich: Eltern haften, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzen. Kinder haften dagegen ab dem siebten Lebensjahr selbst für Unsinn, den sie anstellen – im Straßenverkehr gilt die Schonfrist bis zum zehnten Lebensjahr. Die Haftung der Kinder – und natürlich auch der anderen Familienmitglieder – kann man auf eine private Haftpflichtversicherung delegieren.

Und das sollte man auch tun, denn jeder Mensch haftet für angerichtete Schäden mit seinem gesamten Vermögen unbegrenzt und im schlimmsten Fall ein Leben lang.

Die private Haftpflichtversicherung trägt solche Schäden – und wehrt auch unberechtigte Ansprüche ab, sodass sie gleichzeitig passiven Rechtsschutz bietet.

Fazit: Eine absolute Pflichtversicherung – die private Haftpflichtversicherung ist für Familien ein Muss!

5. Krankentagegeldversicherung

Nach der Lohnfortzahlung bekommen Sie bei fortdauernder Krankheit Krankengeld von der gesetzlichen Kasse. Wer gesetzlich versichert ist, bekommt pro Tag maximal rund 90 Euro – auch wenn der Verdienst deutlich höher ist.

Wer im Monat zum Beispiel 6.000 Euro netto verdient, kommt mit 90 Euro pro Tag nicht weit: Er fällt schnell in eine Einkommenslücke von einigen tausend Euro bei einer längeren Krankheit. Diese Lücke lässt sich privat mit einer Krankentagegeldversicherung schließen.

Fazit: Wichtig, denn die Einkommenslücken bei Gutverdienern und Selbstständigen können bei längeren Krankheiten existenzbedrohend werden.

Diese Versicherungen können sinnvoll sein

Kinderinvaliditätsversicherung

Wenn Kinder verunglücken oder schwer erkranken, sind sie vielleicht ein Leben lang auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Eine Kinderinvaliditätsversicherung hilft dabei, zusätzliche Kosten abzufangen: für den behindertengerechten Umbau, ein größeres Auto, zusätzliche Pflege und Betreuung oder Hilfsmittel, die die Krankenkasse nicht zahlt.

Die Kinderinvaliditätsversicherung gibt es in verschiedenen Varianten. Manche Policen zahlen eine einmalige Summe X im Falle der Kinderinvalidität. Andere Versicherer zahlen bei Kinderinvalidität eine monatliche Rente.

Und eine andere Art von Kinderinvaliditätsversicherung kombiniert beides und leistet bei Kinderinvalidität neben der Einmalzahlung eine monatliche Rente – notfalls lebenslang. Im Idealfall kombinieren Sie beide Modelle – Rentenzahlung und Einmalleistung bei Kinderinvalidität –, da Sie dann zum einen lebenslang finanzielle Sicherheit für den Nachwuchs haben, zum anderen aber auch bei einem Unglücksfall oder einer Erkrankung notwendige Anschaffungen tätigen können.

Fazit: Die Absicherung der Kinderinvalidität ist wichtig, hat aber aus finanziellen Gründen – die Policen kosten schnell 20 bis 30 Euro im Monat – selten Priorität. Bevor Sie aber zur Unfallversicherung greifen, die deutlich günstiger daherkommt, sollten Sie lieber die Kinderinvaliditätsversicherung favorisieren.

Pflegezusatzversicherung

Fakt ist: Die gesetzlich vorgeschriebene Pflegeversicherung als Bestandteil der Krankenversicherung reicht in aller Regel nicht aus, wenn jemand in der Familie pflegebedürftig wird. Denn die gesetzliche Mindestsicherung übernimmt nicht alle tatsächlich anfallenden Kosten, sondern zahlt nur bestimmte Sätze, die sich an der Pflegestufe orientieren.

In aller Regel entsteht ein finanzielles Loch, weil die tatsächlichen Kosten höher sind. Und dieses Loch müssen Pflegebedürftige selbst stopfen: mit ihrer Rente, ihren sonstigen Einkünften und sogar mit ihren Rücklagen oder der eigenen Immobilie.

Fakt ist aber auch: Das Pflegerisiko realisiert sich in aller Regel erst im Alter – also meist 15 bis 25 Jahre, nachdem junge Leute Eltern geworden sind. Um das Vorsorge-Budget nicht überzustrapazieren, kann der Abschluss der Pflegeversicherung sicherlich ein paar Jahre zurückgestellt werden.

Fazit: In einer Generation wird die Pflegezusatzversicherung im Alter wahrscheinlich unverzichtbar sein – heute und für die Generation der unter 50-Jährigen hat der Abschluss noch etwas Zeit.

Krankenzusatzversicherungen

Auch Krankenzusatzversicherungen sind eine sinnvolle Ergänzung – vor allem Policen, die bei einem ambulanten oder stationären Krankenhausaufenthalt die Kosten für eine teure privatärztliche Behandlung übernehmen. Zahnzusatzversicherungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn bei Kindern die hohen Kosten kieferorthopädischer Behandlungen gedeckt werden sollen oder bei Erwachsenen hohe Kosten für Zahnersatz absehbar sind.

Fazit: Zu den VIP, den “Very Important Policen”, zählen die Krankenzusatzversicherungen sicherlich nicht. Krankenhauszusatzversicherungen können helfen, bei einer Operation eine deutlich bessere Versorgung zu bekommen. Zahnzusatzversicherungen sind vor allem auch ein Rechenexempel – oft rechnen sich gute Zahnzusatzversicherungen schon wegen der Erstattungen für die professionelle Zahnreinigung.

Hausratversicherung

Eine Hausratversicherung ist natürlich ebenfalls empfehlenswert, wenn der Wert des Hausrats nicht mehr einfach so aus dem Ersparten zu ersetzen ist. Bei Hausrat-Policen haben viele Familien ein großes Sparpotenzial, weil sie deutlich zu teuer versichert sind. Vergleichsrechner im Internet zeigen, welches Sparpotenzial möglich ist.

Fazit: Die Hausratversicherung ist bestimmt kein Muss, solange der Hausrat und die Einrichtung noch einfach gehalten sind. Bei teureren Anschaffungen oder auch Wertgegenständen in den eigenen vier Wänden sollte über den Abschluss unbedingt nachgedacht werden.

Haus- oder Wohnungseigentümer müssen sich ergänzend natürlich Gedanken machen, wie die eigene Immobilie versichert ist. In Mehrfamilienhäusern klärt das meist die Hausverwaltung, alleinstehende Häuser, Doppel- oder Reihenhäuser müssen in Eigenregie versichert werden.

Rechtsschutzversicherung

Rechtsschutzversicherungen stehen im Streitfall an Ihrer Seite und tragen die Kosten – unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Guter Schutz in allen Lebensbereichen – Privat-Rechtsschutz, Verkehrs-, Berufs- und Wohnungs-Rechtsschutz – kostet meist 200 bis 300 Euro jährlich.

Fazit: Nur wenn das Budget den Abschluss weiterer Versicherungen hergibt, ist es sinnvoll, sich eine Rechtsschutzversicherung für den Straßenverkehr zuzulegen.

Diese Versicherungen kann man sich sparen

Enkel-Policen

„Enkel-Policen“ werden die Verträge meist genannt, mit denen vor allem Großeltern, aber auch Eltern selbst zum Abschluss von Kapitalversicherungen geködert werden sollen. Die Verträge sollen dabei helfen, einen finanziellen Grundstock für den Nachwuchs aufzubauen – tatsächlich aber sparen solche Policen für das Kind mit schlechter Rendite und immens hohen Kosten Geld an.

Fazit: Finger weg von solchen Sparverträgen! Banksparpläne helfen dabei, flexibel und mit einer angemessenen Rendite Geld zu sparen. Renditeorientierte nehmen einen Fondssparplan!

Handy-Versicherungen

Zum Schutz von Smartphones werden heute allerhand Policen angeboten – eines ist allen gemein: Sie sind überflüssig. Der Verlust eines Smartphones, der Bruch oder auch das „Absaufen“ im Wasser sind bei Anschaffungspreisen im vierstelligen Bereich ohne Frage ärgerlich. Aber der Schaden ist nicht existenzbedrohend und muss deshalb auch nicht versichert werden.

Fazit: Die Versicherungen sind überflüssig und sollten nicht abgeschlossen werden.

Versicherungspakete

Hört sich toll an für Eltern: Komplett-Pakete mit allen wichtigen Versicherungen für die Familie oder die Kids. Aber was dort als Paket geschnürt wird, bleibt oft im Unklaren. Meist sind es Unfallversicherungen, Krankenzusatz-Policen, Reiseversicherungen oder Erweiterungen der Hausrat- bzw. Haftpflichtpolice, die sich vor allem durch eines auszeichnen: Keine Familie braucht sie wirklich.

Fazit: Finger weg von Versicherungspaketen – wirklich wichtigen Schutz immer lieber einzeln absichern.

Kapitallebensversicherung

Eine Kapitallebensversicherung ist weniger eine echte Versicherung, sondern heute vor allem ein schlecht verzinster Sparvertrag, dem eine kleine Versicherung angehängt ist. Sinnvoller ist es, die Familie oder den Partner mit einer günstigen Risikolebensversicherung abzusichern.

Fazit: Nein, wichtig ist nur eine Risikolebensversicherung!

Unfallversicherung

Das Risiko einer Invalidität sichern andere Policen wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Kinderinvaliditätsversicherung besser ab, denn geschützt ist damit anders als bei der Unfallversicherung nicht nur die unfallbedingte Invalidität, sondern jede Form von Invalidität, unabhängig von ihrer Ursache.

Fazit: Die Unfallversicherung kann bestenfalls als zusätzliche Ergänzung zum Invaliditätsschutz sinnvoll sein, wenn Sie zum Beispiel bei einem erhöhten Freizeit-Risiko abgesichert sein möchten oder Unfallfolgen im Alltag finanziell gesondert absichern wollen.

Weitere Informationen

www.test.de
Tipps für wichtige Versicherungen und die passendes Tests dazu auf der Internetseite der Stiftung Warentest (Ergebnisse z.T. kostenpflichtig)

Autorenbild

Autor

Oliver Mest